Arbeitsmarkt

«Karriere ist für Frauen etwas anderes»

Professorin Sita Mazumder erklärt, warum Frauen mehr oder weniger freiwillig auf eine Karriere verzichten.

Von Philipp Gut

Frau Mazumder, ist es nicht irreführend, wenn man heute noch von einer «Diskriminierung» der Frau am Arbeitsplatz spricht?

Es kann bei der Gleichberechtigung nicht um Opfer und Täter gehen, die Männer sind nicht einfach die Schuldigen und die Frauen nicht per se Opfer. Aber es ist eine Tatsache, dass nur sehr wenige Frauen in Geschäftsleitungen oder Verwaltungsräten sitzen. Je höher die Hierarchiestufe, desto dramatischer wird die Lage – besonders wenn man noch die aus dem Ausland zugezogenen Managerinnen abzieht. Dann zeigt sich, wie untervertreten die Frauen sind, die wir hier ausgebildet haben.

Warum machen Frauen denn so selten Karriere?

Ein Grund dafür, dass Frauen auf den oberen Hierarchiestufen untervertreten sind, liegt beispielsweise in den schlechten Rahmenbedingungen. Es herrscht in der Schweiz eine miserable Situation, wenn es für eine Frau darum geht, Familie und Beruf zu kombinieren. Das hat unter anderem mit unserer Kultur und dem Rollenverständnis unserer Gesellschaft zu tun.

Inwiefern?

Die Schweizer Organisationen sind von einer männlichen Unternehmenskultur geprägt. Viele Frauen fühlen sich in diesen Unternehmenskulturen nicht wohl und entscheiden sich nicht selten auch freiwillig, auszuscheiden und sich beispielsweise selbständig zu machen.

Aus Ihrer Feststellung ist zu schliessen, dass sich Frauen und Männer in ihrem Arbeitsverhalten unterscheiden.

Natürlich sind die Geschlechter unterschiedlich, und das ist ja auch gut so. Die Frage ist nur, ob wir diese Unterschiedlichkeit nutzen, und das tun wir heute noch viel zu wenig. Als die Krise so richtig am Brodeln war, haben wir in grossem Ausmasse darüber geredet und geschrieben, dass die Durchmischung der Geschlechter Vorteile bringen würde. Umgesetzt wurde das aber kaum.

Worin unterscheiden sich Männer und Frauen konkret?

Eine Unternehmenskultur sagt, salopp formuliert, etwas darüber aus, wie in einer Organisation kommuniziert wird, wie geführt wird, welche Werte gelebt werden etc. Bei diesen Themenfeldern unterscheiden sich die Geschlechter. Sind sie männlich geprägt, fühlen sich die Frauen in der Regel weniger wohl. Ein Beispiel ist das Informationsverhalten, aber auch das vieldiskutierte Risikoverhalten. Nicht selten hat dieses Unwohlsein auch zur Konsequenz, dass Frauen entscheiden, eine klassische Hierarchiekarriere nicht weiterzuverfolgen und sich dafür selbständig zu machen, um nach den eigenen Wertvorstellungen arbeiten zu können.

Sie verzichten freiwillig auf Karriere?

Für diese Antwort müsste man die Diskussion führen, wie freiwillig «freiwillig» ist. Was Sie in der Fragestellung als «Karriere» bezeichnen, ist von der männlichen Auffassung geprägt. Hier heisst Karriere in der Regel, nach oben zu kommen, Frauen haben da viel heterogenere Vorstellungen. Für sie kann Karriere auch heissen, Familie mit einem spannenden Teilzeitjob zu verbinden.

Kommentare

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  • Erwin Rohr
  • 09.12.10 | 15:56 Uhr

Niemand kann gegen Emanzipation, Gleichberechtigung, Frauen im Management sein, auch Männer nicht! Trotzdem, kann es sein, dass der Islam erfolgreich einen ganz anderen Weg geht? Muslimas heiraten sehr früh und haben viele Kinder! Ihre Männer fordern dank Bevölkerungszunahme/-mehrheit erfolgreich ihre Rechte und neue Staaten (Kosovo). Akademikerinnen gleich keine/kaum Kinder (Thilo Sarazzin!)? Es lebe Emanzipation, Top-Ausbildung, Karriere für Frauen! In wenigen Generationen werden die paar männlichen Nachkommen es verdanken und die weiblichen träumen nur noch von Gleichberechtigung. Schön?

  • Roman Hasler
  • 24.02.10 | 14:08 Uhr

Frau Gabriel-Schwan, ich muss Herrn Jung recht geben. Viele Frauen suchen sich ein (vermeintliches) Alpha-Männchen. Stärke, Erfolg und gutes Aussehen zählen nach wie vor mehr als Familiensinn, Zuverlässigkeit und Zurückhaltung. Auch wenn die meisten Frauen genau das Gegenteil sagen werden! Schlussendlich suchen die meisten Absicherung und Status über den Partner, nicht über die eigene berufliche Leistung.

  • Fenke Gabriel-Schwan
  • 19.02.10 | 08:40 Uhr

herr jung - frauen sind also " selber schuld" an ihrer situation? frauen bezahlen also mit sex und einem selbst gekochten essen dafür, das der mann für den lebensunterhalt sorgt? moment - aus welcher zeit stammen sie? gab es da überhaupt schon internet?

und was spricht dagegen, männer mit status zu bevorzugen UND selber auch einen status erreicht zu haben? das dumme hierbei ist nur, männer und frauen haben eine etwas andere vorstellung von status & karriere - wie im artikel angesprochen.

  • Carl Jung
  • 18.02.10 | 13:11 Uhr

So lange Männer bereit sind, für Sex und Getütel Frauen die Lebensrisiken abzunehmen, so lange wird es stets genügend Frauen geben, die dieses lukrative Angebot annehmen.
Und so lange Frauen Männer mit Status bevorzugen, so lange werden Männer danach streben, diesen Status zu erreichen.

Carl Jung

  • Cyrill Hess
  • 18.02.10 | 10:31 Uhr

Wer die demographische und gesellschaftliche Entwicklung in der "westlichen Welt" betrachtet, dem wird klar dass die heutige Überemanzipation der Frau eine Sackgasse ist.
Eine Gesellschaft, in der es erstrebenswerter sein soll, z.Bsp. als Arbeitnehmerin ein Computer mit Daten zu füttern als der höchst verantwortungsvollen Aufgabe der Erziehung von Nachwuchs nachzugehen, hat keine Zukunft und Daseinsberechtigung mehr.
Dem heutigen Nachwuchs fehlen oft "die Wurzeln". Zudem nehmen der überlebenswichtige Scharfsinn und die physische Stärke ab.
...an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen...

  • Michael Hartmann
  • 18.02.10 | 07:41 Uhr

Sogar gestandene SVP-Politikerinnen kehren zurück an den Herd! Kein guter Rückschluss auf die Führungsqualität vom Sünneli, Toupetjohnny und Konsorten.

Pippo hätte da ja noch eine Homestory draus machen können - als Untermauerung von 'emancipation-gate'.

 
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