Frau Mazumder, ist es nicht irreführend, wenn man heute noch von einer «Diskriminierung» der Frau am Arbeitsplatz spricht?
Es kann bei der Gleichberechtigung nicht um Opfer und Täter gehen, die Männer sind nicht einfach die Schuldigen und die Frauen nicht per se Opfer. Aber es ist eine Tatsache, dass nur sehr wenige Frauen in Geschäftsleitungen oder Verwaltungsräten sitzen. Je höher die Hierarchiestufe, desto dramatischer wird die Lage – besonders wenn man noch die aus dem Ausland zugezogenen Managerinnen abzieht. Dann zeigt sich, wie untervertreten die Frauen sind, die wir hier ausgebildet haben.
Warum machen Frauen denn so selten Karriere?
Ein Grund dafür, dass Frauen auf den oberen Hierarchiestufen untervertreten sind, liegt beispielsweise in den schlechten Rahmenbedingungen. Es herrscht in der Schweiz eine miserable Situation, wenn es für eine Frau darum geht, Familie und Beruf zu kombinieren. Das hat unter anderem mit unserer Kultur und dem Rollenverständnis unserer Gesellschaft zu tun.
Inwiefern?
Die Schweizer Organisationen sind von einer männlichen Unternehmenskultur geprägt. Viele Frauen fühlen sich in diesen Unternehmenskulturen nicht wohl und entscheiden sich nicht selten auch freiwillig, auszuscheiden und sich beispielsweise selbständig zu machen.
Aus Ihrer Feststellung ist zu schliessen, dass sich Frauen und Männer in ihrem Arbeitsverhalten unterscheiden.
Natürlich sind die Geschlechter unterschiedlich, und das ist ja auch gut so. Die Frage ist nur, ob wir diese Unterschiedlichkeit nutzen, und das tun wir heute noch viel zu wenig. Als die Krise so richtig am Brodeln war, haben wir in grossem Ausmasse darüber geredet und geschrieben, dass die Durchmischung der Geschlechter Vorteile bringen würde. Umgesetzt wurde das aber kaum.
Worin unterscheiden sich Männer und Frauen konkret?
Eine Unternehmenskultur sagt, salopp formuliert, etwas darüber aus, wie in einer Organisation kommuniziert wird, wie geführt wird, welche Werte gelebt werden etc. Bei diesen Themenfeldern unterscheiden sich die Geschlechter. Sind sie männlich geprägt, fühlen sich die Frauen in der Regel weniger wohl. Ein Beispiel ist das Informationsverhalten, aber auch das vieldiskutierte Risikoverhalten. Nicht selten hat dieses Unwohlsein auch zur Konsequenz, dass Frauen entscheiden, eine klassische Hierarchiekarriere nicht weiterzuverfolgen und sich dafür selbständig zu machen, um nach den eigenen Wertvorstellungen arbeiten zu können.
Sie verzichten freiwillig auf Karriere?
Für diese Antwort müsste man die Diskussion führen, wie freiwillig «freiwillig» ist. Was Sie in der Fragestellung als «Karriere» bezeichnen, ist von der männlichen Auffassung geprägt. Hier heisst Karriere in der Regel, nach oben zu kommen, Frauen haben da viel heterogenere Vorstellungen. Für sie kann Karriere auch heissen, Familie mit einem spannenden Teilzeitjob zu verbinden.













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