Objekte

Es ist fünf vor zwölf

Die erste typografische Uhr der Welt ist schön und ein schönes Stück Ingenieursarbeit.

Von David Schnapp

Wohnobjekt mit Meditationsfunktion: Qlocktwo-Wanduhr.

Das Paket, das uns zugeschickt wurde, sah auf den ersten Blick nach nicht viel aus. Und als wir es ausgepackt hatten, lag ein rotes Plexiglasquadrat vor uns, auf dem Buchstaben sinnlos angeordnet waren. Erste Zeile: «ESKISTAFÜNF». Der Lieferant hatte uns die erste typografische Uhr der Welt versprochen. Die Qlocktwo des deutschen Gestalterduos Biegert & Funk lässt sich an die Wand hängen oder mit zwei Acrylglasfüssen auf ein Sideboard stellen.

Die Uhr braucht lediglich ans Stromnetz angeschlossen zu werden, danach regelt das Gerät alles selbst. Über Funk bezieht sie nach ein paar Minuten die korrekte Zeit. Weisse LEDs beleuchten die Buchstabenmatrix, die Zeitansage wird in Fünf-Minuten-Schritten angezeigt, zum Beispiel «zehn nach halb zwei». Vier Punkte in den Ecken zeigen jeweils eine Minute an.
Über einen Lichtsensor wird auch die Helligkeit der Leuchtdioden automatisch eingestellt, die im Übrigen sehr wenig Strom verbrauchen; weniger als zwei Watt sollen es sein. Noch selten hat uns ein Gerät, mit dem man so wenig machen konnte, so beeindruckt. Die Technik hinter der bunten Acrylglasscheibe (Farbton: «Cherry Cake») ist erstaunlich. Umso mehr, als es die Uhr nicht nur auf Deutsch, sondern auch in Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Dänisch und sogar Russisch gibt.

Die Qlocktwo ist eine Art Wohnobjekt mit Meditationsfunktion. Wenn man so dasitzt und Punkt für Punkt, Wort für Wort zusieht, wie die Zeit vergeht, könnte man zu tiefgreifenden Erkenntnissen gelangen über unsere Vergänglichkeit oder über die Macht der Sprache. Der im Zusammenhang mit der angeblich dramatischen Erwärmung unseres Planeten oft gebrauchte Ausdruck «Es ist fünf vor zwölf» bekommt hier plötzlich eine ganz simple grafische Bedeutung.

Wem das zu wenig Technik und zu viel warme Luft ist, der kann sich immerhin für sein iPhone noch die App «Zeit in Worten» (Fr. 1.10) herunterladen. Dann hat man die Qlocktwo auf dem Telefondisplay und kann sich durch Schütteln des iPhone noch die Sekunden anzeigen lassen.
Fazit: Die Qlocktwo ist eine grossartige Idee, ein schönes Objekt («Handmade in Germany») und das perfekte Wohnaccessoire für Leute mit einer Vorliebe für Design, Kunst oder Fotografie. Am Ende dieser Kolumne ist es «fünf nach halb zwei».

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