Kommentar

Schwule Generäle

In der Debatte um Ex-Armeechef Roland Nef wurde ein interessanter Aspekt verdrängt: Darf ein Heerführer homosexuell sein?

Von Philipp Gut

Im Getöse um den ehemaligen Armeechef Roland Nef ist eine interessante Facette beinahe untergegangen. Obwohl die Medien teils ausführlich über intime Details des Beziehungsdramas zwischen Nef und seiner ehemaligen Freundin berichteten, hüllten sie den Kern des Konflikts in Schweigen. Nach Darstellung seiner Ex-Freundin hatte Nef eine homoerotische Beziehung zu einem Kameraden. Offensichtlich aber versuchte Nef, seine Homosexualität zu unterdrücken. Dieser Umstand führte zur Eskalation und zu jenen Belästigungen und Schikanen, über die Nef nach Publikwerden der Affäre schliesslich stolperte.

Die auffällige Verschwiegenheit der Medien erstaunt. Sie steht in Kontrast zur offensiven Lust, mit der sonst über Homosexualität in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Als im vergangenen Jahr die «Euro Pride»-Parade in Zürich stattfand, liessen die Behörden regenbogenfarbige Fahnen hissen. Die Stadtpolizei warb mit rosaroten Handschellen. Und selbst in Schulen gehören abweichende sexuelle Orientierungen zum Pflichtstoff.

Geht es um die Armee, scheint die freie bis freizügige Diskussion plötzlich einzufrieren und zu erstarren. Dabei stellen sich durchaus relevante Fragen.
Ist es tatsächlich egal, wenn Vorgesetzte und Generäle schwul sind? Können homosexuelle Heerführer die Truppen ohne Gefährdung ihres Ansehens und ihrer Autorität führen? Oder stellt die Homosexualität in einer naturgemäss tief vermännlichten Organisation nicht ein Problem dar? Kurz: Dürfen Armeechefs schwul sein?

Obama will Schwule in der Armee

In anderen Ländern wird die Debatte seit längerem geführt. US-Präsident Obama hat angekündigt, dass er den Passus aufheben will, wonach Schwule in der Armee zwar dienen, nicht aber über ihre Homosexualität sprechen dürfen («Don’t ask, don’t tell»). «In diesem Jahr werde ich gemeinsam mit dem Kongress und dem Militär erreichen, dass homosexuelle Amerikaner endlich ohne Einschränkung in den Streitkräften dienen können», sagte Obama, womit er ein Versprechen aus dem Wahlkampf aufgriff.

In einer Anhörung vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Senates Anfang Februar stellten sich Generalstabschef Admiral Mike Mullen und Verteidigungsminister Robert Gates hinter das Ansinnen. Andere Meinungsmacher, wie der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat und Senator John McCain, sprachen sich dagegen aus. Aber selbst Mullen und Gates machten klar, dass eine allfällige Praxisänderung vorsichtig angegangen werden müsse, um «zusätzlichen Stress» für die Truppen zu vermeiden, die an zwei Fronten im Krieg stünden.

 

Tapferkeit vor dem Geliebten

Zwar hat es in der Geschichte immer wieder schwule Heerführer gegeben. Alexander der Grosse, der die halbe damals bekannte Welt eroberte und das hellenistische Reich bis weit nach Asien hinein ausdehnte, wurde bei seinen Feldzügen von seinem Geliebten Hephaistion begleitet. In der bisexuellen Kultur der Antike galten Männerfreundschaften im Krieg gar als Vorteil. Dem Geliebten, so die Überzeugung, würde man im Augenblick der Gefahr mit grösster Aufopferung und letztem Heldenmut beistehen.

Der vielleicht berühmteste schwule Feldherr war Prinz Eugen von Savoyen. Er befreite Wien im Jahr 1683 von der Belagerung durch die Osmanen und drängte sie auf den Balkan zurück.

Die Skepsis gegenüber homosexuellen Soldaten und Offizieren ist eine Konstante der Geschichte geblieben. Der famose Prinz Eugen war zuvor in Frankreich abgeblitzt, Ludwig XIV. hatte ihm den Eintritt in seine Armee verweigert. Laut Schätzungen sind in den USA in den letzten siebzehn Jahren – seit die aktuelle Regelung eingeführt wurde – rund 11 000 Soldaten aus dem Militär entlassen worden, weil sie als Schwule geoutet wurden.

Die Grundfragen scheinen nach wie vor diskussionswürdig. Kern des Problems scheint doch zu sein, ob man einen schwulen General ernst nimmt. Verfügt er über die nötige Autorität und militärische Strahlkraft?
Zweifel scheinen nicht gänzlich von der Hand zu weisen zu sein. Die in jüngster Zeit gern verteufelte oder gar verlachte Macho-Kultur gehört zur Armee wie die Gymnastik zu einem Damenturnverein. In der politischen Diskussion warf man Grenadieren und anderen Elitetruppen vor, sie gebärdeten sich als «Rambos». Aber was, bitte, sollten sie denn sonst sein?

In einem hierarchisch strukturierten Männerklub, der auf Gehorsam und Autorität aufbaut, dürfte es kaum verwundern, wenn die Homosexualität eines Vorgesetzten die Truppe irritiert. Man kann die Frage zuspitzen: Würde man im Ernstfall für einen schwulen General das Leben riskieren?

In der Schweizer Armee gilt seit dem ersten Januar letzten Jahres ein Befehl für das sogenannte Diversity-Management. Darunter fällt auch die Gleichbehandlung der Homosexuellen. In den Queer Officers Switzerland, dem «Verein für schwule Offiziere aller Grade der Schweizer Armee», haben die Homosexuellen in Uniform ihre sozusagen betriebsinterne Lobby. Doch nicht einmal sie hat sich bisher zum Fall Nef und zur Problematik eines schwulen Generals geäussert.

Kommentare

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  • Rainer Selk
  • 16.02.10 | 11:43 Uhr

Diego Freyler 16.02.10 10:23
Bei der Armee, wie überall, ist ein gesetzter Auftrag zu erfüllen und nicht die eigenen Neigungen zu 'leben'.
Hr. Nef's angebliche Homosexualität war 'angeblich' unbekannt, wie vieles in dieser Sache. Hauptsache BR Schmid hatte jemand, der ihm nicht in die 'Quere' kam. Dass damals das person. 'Asset management' - einmal mehr - versagte + Schmid zudem massive Fehler beging, sind die Hauptursachen.
Man sollte ihm einen Teile der PK abknabsen + Nef zahlen, bis der einen neuen Job hat. Schmids Machenschaften von gehörten vor den 'Kadi'. Aber eben....

  • Diego Freyler
  • 16.02.10 | 10:23 Uhr

Ich finde es sollen alle das sein was sie wollen.
Jedoch muss ich auch klar sagen, das Frauen und Homosexuelle Männer in der Armee nichts verloren haben.
Geht es da wohl nur um die erreichung einer Quote,
damit alle "Gutmenschen" zufrieden sind?
Würde man die Wehrmänner auch zwingen sich zusammen mit den Frauen zu Duschen?
Also ich hätte ein Problem, wenn ich weiss das es einen oder mehrere Schwule Männer gibt die es erregt mit den "heteros"(was heute schon fast als ein Schandwort gebraucht wird) zusammen zu Duschen.

  • Rainer Selk
  • 13.02.10 | 18:57 Uhr

Michael Hartmann 13.02.10 08:47
Es geht um die Sache Nef und nicht um einen fokussierten 'Pornoüberblick', ha, ha.
Die Neigungen von Herr Nef sind seine Sache. Der Teil des Unrechts, den BR Schmid zu verantworten hat, sollte nicht einfach vom Tische geschoben werden. Nef hat noch sein ganzes Berufsleben vor sich, während Schmid sich 'sonnen' darf'.
Man sollte, egal, was geschehen ist, Nef eine zweite Chance geben. Das geschieht auch in anderen 'Nef-Fällen', bei denen niemand weiss, welche sexuellen Neigungen dort vorhanden sind. Die Diskussion artet hier in abwegigen Blödsinn aus.

  • Christian Bänninger
  • 13.02.10 | 10:31 Uhr

@Suleima Al-Mahdi

Bitte, gern geschehen. Als Agnostiker tue ich mein Allermöglichstes, unabhängig von Vorschriften und Zwängen jedweder Religionen zu denken, zu handeln, kurz: zu leben.

Freundliche Grüsse,

B.

  • Michael Hartmann
  • 13.02.10 | 08:47 Uhr

"Das Problem von Homosexuellen liegt nicht in der sexuellen Handlung selber sondern darin dass ihre Sexualität in ihrem Leben dominant im Zentrum steht."

Nackte Girls im Blick, nackte Girls im Bild, Zeitschriften mit nackten Girls, Werbungen für Sexdienste in der Zeitung, Striplokale, Puffs (mit Schaufenster), Sexshops mit Liveshows, Massenvergewaltigungen in CH-Schulen, und Sie, geehrter Bühler, wollen uns weismachen, dass die Sexualität bei den Heteros nicht dominant im Zentrum steht?

Haben Sie keine Angst, zu Ihren Neigungen zu stehen!

  • Suleima Al-Mahdi
  • 12.02.10 | 13:40 Uhr

@Mr. Bänninger

Danke für diesen äusserst interessanten archäologischen Hinweis! Sie wissen aber hoffentlich, dass die epikuräische Lebenshaltung vom Christentum aufs schärfste bekämpft wurde. Und wir befinden uns hier immer noch auf heiligem christlichem Territorium (ich meine von wegen Leitkultur und so).

  • Suleima Al-Mahdi
  • 12.02.10 | 13:37 Uhr

"Der vielleicht berühmteste schwule Feldherr war Prinz Eugen von Savoyen. Er befreite Wien im Jahr 1683 von der Belagerung durch die Osmanen und drängte sie auf den Balkan zurück."

Na, das sagt doch schon alles, meine Damen und Herren! Gerade heute, wo die Türkengefahr wieder virulent ist und die Minarette wie Pilze mitten aus dem heiligen Sonderfalls-Grundboden der Schweiz schiessen würden, hätte da nicht ein gewisser (schwuler?) Dr. Schlüer mit seinen Getreuen im letzten Moment noch die Notbremse gezogen wie einst Prinz Eugen von Savoyen, gerade jetzt braucht das Land schwule Feldherren!

  • Vinzenz Hediger
  • 12.02.10 | 12:29 Uhr

Ob Homosexualität und Machismo sich wirklich ausschließen? Tip an den Autor: Genauere Recherchen anstellen, inkl. Besuch im Darkroom.

  • Christian Bänninger
  • 12.02.10 | 11:30 Uhr

Hallo Herr@Bühler,

"Hauptziel des Lebens ist die Lust"

Eine allem Anschein nach schon etwas ältere Erkenntnis:

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/Hauptziel-des-Lebens-ist-die-Lust/story/18330272

Gruss, B.

  • Beat Steinmann
  • 12.02.10 | 10:41 Uhr

Nicht einmal die QueerOfficers haben sich zum Fall Nef.. geäussert.

Oft ist es intelligenter Herr Gut, nichts zu sagen. Die QueerOfficers drücken sich nicht um Stellungnahmen, ganz im Gegenteil. Zum Fall Nef gibt es aus unserer Optik aber schlicht nichts WERTBRINGENDES zu sagen.
Ob ein General oder Korporal seine Funktion gut erfüllt, hat mit seiner sexuellen Ausrichtung nichts zu tun H. Bühler, auch Sie lernen das vielleicht einmal.
Der CdA hat die Notwendigkeit des Diversity Managements vorbildlich erkannt. Im Umgang mit Schwulen ist die CH-Armee den USA Meilen voraus.
Präsident QOf

  • Rainer Selk
  • 11.02.10 | 16:03 Uhr

Franz X. Bachmann 11.02.10 14:41
'Herr Nef wurde vor wenigen Tagen in den Vatikan berufen, wo er eine An- bzw. Beistellung bei der Schweizer Garde gefunden haben soll'

Das freut mich für Herrn Nef. Abgesehen davon, dass er dort den besten 'geistigen' Rückenwind bekommt, kann er auch für die Seelig- / Heiligsprechung von Alt BR Schmid und dessen Lauterkeit zu Lebzeiten vorschlagend eintreten.

Auf jeden Fall, alles Gute.

  • Franz X. Bachmann
  • 11.02.10 | 14:41 Uhr

Herr Nef wurde vor wenigen Tagen in den Vatikan berufen, wo er eine
An- bzw. Beistellung bei der Schweizer Garde gefunden haben soll.

Damit ist möglicherweise für das homoerotische Empfinden des
Soldaten Nef besser gesorgt als in der noch etwas prüden Schweiz?

X. Fässler, Bern

  • Sergio Frei
  • 11.02.10 | 12:34 Uhr

richtig ist es: alle zur wehrpflicht einzubeziehen.
falsch: sonderrechte einzuräumen. denn hierzu wird es kommen.
es hat KEIN platz für sexuelle präferenzen, nicht bei solchen aufgaben. dasselbe gilt für die ämter: zürcher stadtpräsi?? bitte privatkram zuhause erledigen! prioritätenverlagerung ist nur eine dimension, dann kommt gesellschaftsverottung.
grundprinzip ist fortplanzung und somit familie. alle können mitmachen. sonderwürst müssen hinten anstehen und haben keine weltanschauung anzubringen. diese leben ihre prioritäten ja schon und erzwingen dessen ausdehnung.

  • Martin Bott
  • 11.02.10 | 12:09 Uhr

Gut daß der amerikanische Präsident eine vernünftige Regelung anstrebt. Das verhindert das Abschießen fähiger Soldaten durch den Gegner. So scheint die Kießling Affäre (D1983) von der Stasi eingefädelt worden zu sein. Bekannt ist auch Oberst Redl: http://www.totalitaer.de/Allgemeines/geschichtepostoeffnung.htm
Jemand der Menschen nach persönlichen, rassistischen, religiösen oder sexuellen Kriterien bewertet, und auf dieser Grundlage Befehle ausführt oder erteilt, kann kein guter Soldat sein. Grundlage für das Handeln dürfen alleine militärische Erwägungen sein.

  • Hanspeter Bühler
  • 11.02.10 | 10:27 Uhr

Das Problem von Homosexuellen liegt nicht in der sexuellen Handlung selber sondern darin dass ihre Sexualität in ihrem Leben dominant im Zentrum steht. Somit kann gefolgert werden, das solche Leute erhebliche Schwierigkeiten haben ihr inneres Gleichgewicht zu halten. Ich streite nicht ab, dass es auch Hetrosexuelle gibt deren Sexualität im Zentrum steht - aber das würde ich eher als pathologisch bezeichnen. Ein "normaler" Hetrosexueller wählt mit Sicherheit andere Akzente aus die in seinem Leben "zentral" und wichtig sind.

 
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