Jacques: Die Liebe ist in jungen Jahren durch die praktischen Dinge belastet. Geld verdienen, Karriere machen, Familiengründung. Zweisamkeit, Eitelkeit, Nestbau, Abenteuerlust: Alles muss unter einen Hut gebracht werden, und die meisten Dinge stehen einander im Weg. Mit einem Satz gesagt: Es ist superanstrengend. Dieses Alles-machen-und-haben-Wollen verhindert das grosse Glück. Zur Verteidigung aller Geschiedenen möchte ich anfügen: Heute dauert die Liebe unter Umständen 70 Jahre. Früher starben die Leute mit 45, und man hatte gar keine Zeit für zwei oder drei Ehen.
Yolanda: Die Liebe in späteren Jahren ist unvernünftig und stürmisch, gleichzeitig bedächtiger und freier. Ich wuchs behütet auf, und mit achtzehn war ich noch ein richtiges Mauerblümchen. Irgendjemand meldete mich bei den Miss-Schweiz-Wahlen an. Das war in den achtziger Jahren noch ein Mini-Event. Ich belegte den zweiten Platz, dann begann ein spannendes Leben. Ich wurde im Urlaub in Marbella als Playmate für den Playboy entdeckt und lebte ein Jahr lang in der Playboy Mansion von Hugh Hefner in Los Angeles. Es war eine wilde Zeit. Nach meiner Rückkehr trat der Formel-1-Star Marc Surer in mein Leben. Alle Türen standen offen, wir waren ein Glamourpaar. Ich fuhr ebenfalls Rennen, meistens als einzige Frau unter Männern. Dann verunfallte Marc, lag monatelang im Koma. Ich pflegte ihn ein Jahr lang. Später frass uns die Routine auf, liess uns die Leidenschaft verlieren. Meine zweite Ehe – diesmal war mein Mann zehn Jahre jünger als ich – zerbrach, weil unsere Lebensauffassungen nicht mehr übereinstimmten. Die Kinder waren damals erst vier und fünf Jahre alt.
Jacques: Jetzt komme ich ins Spiel. Wir waren beide frei, zumindest beinahe, als wir uns vor sechs Jahren kennenlernten. Yolanda war die Bekannte eines gemeinsamen Kollegen, der ihr von mir erzählt hatte. Sie rief mich einfach an und fragte, ob wir uns für einen Kaffee treffen wollten. Das taten wir auch. Sie hatte ihre beiden Kids dabei. Ich erinnerte mich an die Ermahnung meiner Mutter, die immer sagte: «Eine Frau muss nicht nur schön aussehen, man muss mit ihr auch gute Gespräche führen können.» Bei Yolanda stimmte beides. Ich wollte die durch die Scheidung gewonnene Freiheit allerdings ein wenig auskosten, sie war eher auf etwas Stabiles aus.
Yolanda: Die vorherige Beziehung engte mich ein, nun war es umgekehrt. Ich war eifersüchtig und wollte Jacques ganz für mich. Es gab ein Hin und Her, dann fanden wir verbindlich zueinander. Das Alter ist gut, wenn es einem nicht allzu viel anhaben kann, und dies geschieht, wenn man die Augen vor den Tatsachen nicht verschliesst. Ich weiss heute, dass der Anruf aus Hollywood nicht mehr kommt und nicht alle Blicke an mir kleben, wenn ich ein Restaurant betrete. Das ist für mich in erster Linie eine Befreiung. So kann ich mich endlich auf das Wesentliche konzentrieren.
Jacques: In unserem Alter ist man im besten Fall eine Persönlichkeit, möglicherweise mit Ecken und Kanten, den erlebten Enttäuschungen und allem, was dazugehört. Dieses Ineinanderwachsen, dieses Einssein ist nicht mehr unbedingt nötig. Wir sind zusammen, weil wir uns gut finden, so wie uns das Leben gemacht hat. Das ist alles. Und das ist viel. Geheiratet habe ich, weil unterschwellig das Risiko bestand, Yolanda eines Tages zu verlieren, wenn ich das «Ja» verweigere. Das wollte ich nicht.
Yolanda: Ich nahm ihn nur, weil er ein so guter Stiefvater ist. Nein, im Ernst: Unsere Kinder – Jacques Tochter gehört auch dazu – sind das Wichtigste für uns. Abgesehen davon, dass ich ihn liebe, dachte ich auch: Es ist gut, wenn die Verhältnisse klar sind, so können wir die Chance packen und zu einer funktionierenden Patchworkfamilie zusammenwachsen.













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