Es gibt sie noch – oder wieder? Männer, die in Zeiten der Robocops, Predators, Iron Men und anderer Titanen nicht mit ihren Bizepsen und Blessuren über die Leinwand karriolen, sondern ohne Action und akustische Aufregung nur durch Charme, Selbstbewusstsein, Würde, Witz und in picobello Zwirn furios brillieren. Von diesen Gentlemen ragen im Moment besonders zwei heraus, die – Zufall oder nicht – auch noch für den Oscar nominiert wurden: George Clooney, in «Up in the Air» als Betriebssanierungsfachmann unterwegs (Weltwoche Nr. 5/10), und Colin Firth, der in «A Single Man», dem gelungenen Debüt des ehemaligen Gucci-Designchefs Tom Ford, als homosexueller Literaturprofessor George Falconer eine besondere Magie entwickelt.
Im Gegensatz zum augenzwinkernden Clooney ist der gebürtige Brite Firth Melancholiker. Auf den ersten Blick ein Langweiler, feinnervig, mit der Müdigkeit eines ganzen Lebens auf den Lidern, gravitiert er, anders als Clooney, in Empfindungstiefen, mit einer starken Neigung zum scheuen Heimgarten-Diogenes («Easy Virtue», 2008). Britisch durch und durch. In Fords «Single Man» unterrichtet er an der Uni von Los Angeles Literatur. Seine Studenten sehen in ihm den schrulligen Briten, scheu und unnahbar, aber respektieren ihn als Autorität. Dass der 52-Jährige schwul ist, weiss niemand. Bei einem Autounfall kam sein Geliebter zu Tode, und weil er mit dem Verlust nicht fertig wird, sieht er nur noch im Selbstmord Befreiung von seiner psychischen Qual.
Nach Christopher Isherwoods Roman, der am Tag seines geplanten Suizids spielt, gelang Ford die kongeniale visuelle Umsetzung eines Intellektuellen, der Schmerz, Einsamkeit und Seelenpein rational in den Griff zu bekommen versucht. Bei seinem letzten Besäufnis mit seiner alten Freundin (Julianne Moore), die nicht damit fertig wird, dass sie kein Paar werden konnten, wahrt er, im Gegensatz zu ihr, die Contenance. Firth laviert souverän zwischen Passivität und raffiniertem Kalkül, um nie nach aussen die Fassung zu verlieren.
Die Branche stand Tom Fords Projekt zunächst skeptisch gegenüber. Man befürchtete wohl von einem Modemacher eine Orgie bloss geleckter Bilder – die liefert er auch, denn die Welt des homosexuellen Professors ist auch so. Aber Ford dringt eben hinter die betörende Fassade eines Ästheten, Einzelgängers und innerlich Zerrissenen, der durch den Verlust seines Partners sein Gleichgewicht zu verlieren droht. Ford ist seit Jahrzehnten von Isherwoods Roman begeistert und hatte sich geschworen, «A Single Man» zu verfilmen. Jetzt ist ihm die Erfüllung des Traums meisterlich gelungen.













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