Sekretär: Herr Minister, ein anonymer Anrufer bietet gestohlene Kundendaten von Schweizer Banken an.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Und die Amerikaner bitten um Auskünfte über amerikanische Kunden bei unseren Banken.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Die Marketingfirma Ihres Bruders schlägt eine staatliche Kampagne vor, die sich gegen Reiche richtet.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Die Chinesen sind an unseren Computerprogrammen interessiert, die das Internet nach illegalen Aktivitäten durchforsten.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Ein Meinungsforschungsinstitut hat Umfrageergebnisse, wonach ein hartes Vorgehen des Staates gegen Reiche allgemein befürwortet wird.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Und die Franzosen sind an den Schweizer Bankkundendaten, die wir bereits ausgewertet haben und nicht mehr brauchen, interessiert.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Die Richter drohen allerdings, den Verkauf zu verbieten.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Die Richter? Riskant. Was ist, wenn – wie Erfahrungen in Italien vermuten lassen – gekaufte Urteile auf Dauer nicht rentieren?
Minister: Halten.
Sekretär: Und wenn die Richter zur Hypothek werden?
Minister: Abstossen.
Sekretär: Hier ist übrigens die Liste mit den gewünschten
Wahlgeschenken für die
nächsten Wahlen.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Die Kosten überschreiten das Budget indes wieder um einiges. Was tun?
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Staatseigentum? Gut. Und wie holen wir es zurück?
Minister: Verstaatlichen.
Sekretär: Also wieder enteignen, sehr gut. Und die Kosten?
Minister: Sozialisieren.
Sekretär: Was machen wir mit den Wählerstimmen, die uns die Opposition für ein politisches Entgegenkommen angeboten hat?
Minister: Kaufen.
Sekretär: Gut. Und die Stimmen, die unser Koalitionspartner für das Einhalten seiner Wahlversprechen noch braucht?
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Ein anonym bleibender Journalist bietet uns übrigens belastendes Material über unseren Koalitionspartner an.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Libyen hat uns heute Morgen um die Lieferung von Waffensystemen gebeten, die die Amerikaner nicht bereit sind zu liefern.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Russland bietet uns dafür einen Schuldenerlass an, wenn wir den nächsten Waffeneinkauf in Russland tätigen.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Der Iran bittet auch um Waffen und bietet an, dafür Öl zu liefern.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Die Rumänen bieten verbilligte CO2-Zertifikate aus ehemaligen Ostblockländern.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Was machen wir mit unseren eigenen Zertifikaten, die um einiges teurer sind?
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Ah ja, und das Olympische Komitee kommt morgen an, um den Standort für die Austragung der Spiele zu evaluieren.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Dem Komitee wird aber der desolate Zustand der Arbeitersiedlungen um das Stadion nicht gefallen, wegen der Hintergrundbilder bei der TV-Übertragung.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Haben Sie den Prospekt für die neuen Staatslimousinen bereits studiert?
Minister: Kaufen.
Sekretär: Ihre Frau hat angerufen, um Ihnen ausrichten zu lassen, dass ihr das neue Kanzleramt architektonisch nicht gefällt.
Minister: Verkaufen.
Sekretär: Die Frau oder das Kanzleramt?
Minister: Kommt auf das Angebot an.
Sekretär: Ah ja, und vor der Türe steht ein Hausierer mit Seifen.
Minister: Kaufen.
Sekretär: Und was ist mit Ihrer Seele?
Minister: Verkaufen!













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