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03.02.2010, Ausgabe 05/10

MvH

Mein Freistoss

Unser Kolumnist geht ans WEF und ans Polo. Er lernt von einem Unternehmer, über Frauen. Und kommt in Entscheidungsnot.

Von Mark van Huisseling

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Vergangene Woche war ich in Davos und St. Moritz. Während des World Economic Forum lädt Hubert Burda zu einem «Nightcap»; «beste aller WEF-Partys!», stand im Blick vergangenes Jahr. (Dieses Jahr waren schätzungsweise ein Dutzend Blick-Mitarbeiter eingeladen sowie der Ringier-CEO mit Frau.) Das «Steigenberger Belvédère», nebenbei, wo der «Nightcap» stattfindet, ist immer stark beheizt – man fragt sich, ob den Verantwortlichen ernst sei mit dem WEF-Leitgedanken, «den Zustand der Welt verbessern». (Doch vielleicht gibt es wirklich keinen Klimawandel, und das Schonen von Ressourcen ist unnötig.)

Mir fiel auf, dass von einem Mann vermutlich mehr Bilder gemacht wurden als von Josef Ackermann (und mit Sicherheit mehr als von Peter Brabeck). Ich fragte einen Fotografen, wer es sei. Einer der Gründer von Twitter, einem sogenannten sozialen Netzwerk im World Wide Web, antwortete er. Vergangenes Jahr, übrigens, wurde ein anderer, den ich ebenfalls nicht kannte, sehr oft fotografiert; er war von Facebook. (Und vorvergangenes Jahr einer von Google.) Das sind vermutlich alles Rockstars des Business, aber irgendwie sans Rockstar-Ausstrahlung an einem sozialen Event ausserhalb des World Wide Web. Patrick Liotard-Vogt, ein Unternehmer («A Small World»), mit dem ich bekannt bin, fragte Prof. Burda, wie viel es kosten würde, die Bunte zu kaufen. «Drei Euro, am Kiosk», sagte er.

Veranstaltungsort der «Gala Night» während des «St. Moritz Polo World Cup on Snow» war das «Kempinski Grand Hotel des Bains»; verantwortlich für das Essen: Andreas Caminada («Koch des Jahres», 19 Gault-Millau-Punkte). Sein Menü (Kartoffel-Crème-brûlée mit Trüffeln, Lachs an Runkelrüben, Kalbsrücken) war wahrscheinlich das Beste, was ich bis jetzt an einem Bankett für zirka 500 Gäste gegessen habe. Als Raquel Marquard mich vorstellen wollte, sagte Caminada, er wisse, wer ich sei («Natürlich, bekanntes Gesicht»). Das habe ich nicht nur geschrieben, um zu zeigen, was für eine grosse Nummer ich bin. Auch um zu zeigen, wie speziell er ist – ich habe noch nie einen Koch kennengelernt, der liest (jedenfalls nicht die Weltwoche resp. diese kleine Spalte).

Danach fragte ich Robert Forbes, der neben mir sass, was er genau mache bei Forbes («eines der erfolgreichsten Wirtschaftsmagazine weltweit», Wikipedia). Er sei verantwortlich für ForbesLife, die Stilbeilage. «Funny you should say that, Bob», sagte ich, «ich mache dasselbe bei der Weltwoche.» Es gibt einen Unterschied, stimmt, mein Büro befindet sich nicht an der Fifth Avenue, New York. (Und an dem Haus steht nicht «MvH Building».) Durch den Abend führte Tanja Bülter, früher RTL-Moderatorin. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal schreiben würde: Man wünschte sich Silvia Affolter zurück. (Das heisst, möglicherweise wünschten sich nicht alle Silvia zurück; sie hatte vergangenes Jahr, als das Polo zum 25. Mal gespielt wurde, gesagt: «Urs, du Geburtstagshengst», und danach «Dear Mr President» gesungen.) Dieses Mal sprach Urs Schwarzenbach, Präsident des Polo Club St. Moritz, selber. Das war interessant (er sagte etwa: «Meine Frau hat immer recht»). Ferner lernte man, dass man als wichtiger Unternehmer (1 bis 1,5 Milliarden, Schätzung Bilanz, alles self-made) nicht mehr laut und/oder einfach verständlich reden muss. (Falls Tanja Bülter wieder kommen darf, sollte ihr jemand sagen, dass es keinen «Kanton Engadin» gibt, finde ich.)

Zum beef oder, genauer, zu Pferden und Spielen. Falls ich mehr verstehen würde und mehr Raum hätte, würde ich Spieler (Weltklasse) und Tiere (wunderschön) beschreiben; ferner das Wetter (dito) und die Stimmung (positiv). Das Match um Platz drei war gefühlsbewegend für MvH, wen unterstützt man – seinen Schneider oder seinen voiturier? Ich entschied mich für Brioni (the redhead und ich waren Gäste des Damen- und Herrenkleiderunternehmens aus Rom); Brioni schlug Maserati 7 : 6.

Im Finale (Julius Bär, Vorjahres-Sieger, gegen Cartier, erfolgreichste Mannschaft über alles) war acht Sekunden vor Spielende Einstand. Dann gab es Freistoss vor dem Tor, für Cartier . . . Wäre das ein Augenblick, in dem man als Gentleman danebenschiessen müsste, um in der Verlängerung das Golden Goal zu machen, aus dem Spiel heraus? Ich weiss es nicht. Glen Gilmore (Australien, Handicap 7) würde widersprechen, denke ich – er traf, Cartier gewann 3 : 4.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 05/10
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