Leserbriefe

Leserbriefe

«Wird ‹Climategate› zur ‹unangenehmen Wahrheit› für Klimaforscher und Umweltadvokaten?» Rainer Wild

Zivilisierte Meuterei

Nr. 4 – «Datenklau mit Folgen»; Hanspeter Born über die Klimadiskussion

Wir sitzen alle in einem Boot. An dieser Tatsache ändert sich nichts, ob wir durch einen bedrohlichen Klimawandel auf eine Katastrophe zusteuern oder ob wir dem Klimahandel einer kleinen, gewieften Kapitänscrew auf den Leim gehen. Mein Bauchgefühl gibt der Meinung recht, dass die Chefcrew versucht, die Matrosen, zum eigenen Vorteil, hinters Licht zu führen. Und da kommt doch eine kleine, gewaltfreie, zivilisierte Meuterei ganz recht!
Susanna Borkowy, Berikon

Hut ab vor all jenen Wissenschaftlern, die sich einsetzen für eine seriöse Klimaforschung unter Berücksichtigung wichtiger Fakten, wie zum Beispiel der Sache mit der Reduktion von 6000 auf 1500 Wetterstationen. Gut gibt es mutige Männer wie Steve McIntyre und John Coleman. Ihnen haben wir zu verdanken, dass wir zur gängigen Meinung über das Thema auch Gegenstimmen erhalten haben. Dadurch haben wir jetzt die Möglichkeit, selber intuitiv zu unterscheiden, was wahr ist und was nicht. Was man sicher sagen kann, ist, dass es um sehr viel Geld und Macht geht. Sir Nicholas Stern (ehemaliger Chefökonom der Weltbank) betrachtet die notwendigen Investitionen in den Klimaschutz von mindestens 50 Milliarden Euro als riesiges Subventionsprogramm. Den total verschuldeten Industrieländern kommen neue Einkommensquellen natürlich sehr entgegen. Martin Bracher, Blauen

Die Autoren Hanspeter Born und Kai Michel (Weltwoche Nr. 2/2010) öffnen einen anderen Blickwinkel auf das brisante Thema Klimawandel. Nachdenklich reibt sich der Leser die Augen und fragt sich: Wie gewissenhaft bzw. gewissenlos ist die Wissenschaft? Im Haus des Schweizer Nationalparks erfährt der Besucher, dass das Engadin vor 20 000 Jahren von Gletschern bedeckt war und die Region Zernez unter einer 1400 Meter dicken Eisschicht lag. Tatsache ist auch, dass sich aus diesem Eistal eine jahrtausendealte Kulturlandschaft zu entwickeln begonnen hat. Dies zu einer Zeit, in der noch keine von Menschen aufgeheizte Erderwärmung stattgefunden hat. Verständlich, dass an der von gewissen Klimaforschern und Umweltadvokaten geschürten Klimawandelhysterie Zweifel aufkommen. Wird «Climategate» zur «unangenehmen Wahrheit» für dieselben? Rainer Wild, Mauren

Wenn unser CO2-Ausstoss neben den seit je den Wandel des Klimas bestimmenden Kräften diesen wirklich mit beeinflusst, müssen wir damit leben. Kein Messen kann dies ändern. Die Drosselung der Verbrennung der fossilen Energieträger bringt wenig bis gar nichts. Mit ihrer Abneigung vor dem Erfrieren und dem Verhungern werden die Menschen alle verbrennen. Sparen kann höchstens die maximale CO2-Konzentration in der Atmosphäre zeitlich etwas verschieben. Der medial und politisch zelebrierte Aberglaube hat die politische Landschaft in eine schädliche Schieflage gebracht und gewaltige Geldmittel fehlgeleitet. An den erfolglosen Treffen vor und nach Kopenhagen vereinigen sich Armeen von Politikern, Klimaforschern, Medien- und Geschäftsleuten, die von dieser sinnlosen Klimapolitik weiter leben wollen. Der Vorrat an fossilen Energieträgern nimmt ab. Dies ist ein für die Menschheit viel bedrohlicheres Ereignis. Die Energie, die uns nachher noch bleibt, bestimmt, wie weit unsere Bevölkerungszahl und unser Lebensstandard zurückfallen. Eine sinnvolle Planung würde die Wasser- und Kerntechnik kräftig ausbauen. Auch wenn viele Zeitgenossen die Notwendigkeit, radioaktiven Abfall Tausende Jahre überwachen zu müssen, stärker fürchten als den viel näheren Hunger.
Kurt Meuli, Valbella

Weisse Schleier statt Farbenfreudigkeit

Nr. 4 – «Marsch durch die Institutionen»; Klemens Ludwig über Religion in Indonesien

Merci für die präzise Momentaufnahme aus Indonesien. Ein Blick in meine Dia-Sammlung zeigt es: opulente, farbenfrohe Frauen auf dem Markt 1981, ein Einerlei von weissen Schleiern 2009. Wenn Polizei und Politik, inklusive des Präsidenten, bei brennenden Kirchen absichtsvoll wegschauen, scheint der Zug in Richtung Rückschritt tatsächlich abgefahren zu sein. Vielleicht vermögen die gerade jetzt erlassenen Fatwas muslimischer Fanatiker die moderaten Indonesier noch aufzurütteln: Frauen (immer Frauen) sollen keine ondulierten oder gefärbten Haare tragen, zur Vermeidung sexueller Begehren nicht mit einem Ojek (Töfftaxi mit männlichem Chauffeur) fahren, und unverheiratete Paare sollen sich nicht gemeinsam fotografieren lassen. Nur wer religiöse Hardliner unterschätzt, kann darüber lachen.
Edi Rey, Romanshorn

Bundeskasse füllen

Nr. 4 – «Leuenbergers Verkehrskolchose»; Philipp Gut über die CO2-Steuer

Darf man dem Saubermann der Schweiz, unserem Verkehrsminister Moritz Leuenberger, zu seinem neuen Bussenkatalog gratulieren? Nein, denn er gräbt wieder einmal ein Loch, um ein anderes zuzuschütten, um von seiner Fantasielosigkeit in der Verkehrspolitik abzulenken. Dabei gibt es wichtigere Probleme. Beispiel: In weniger als fünfzig Jahren haben die Kernkraft produzierenden Länder mehr als 100 000 Tonnen Atommüll in den Ozeanen versenkt. Daran halten die Briten einen Anteil von 80 Prozent. Und weil die Schweiz keine Küsten hat, liegt sie auf Platz zwei. Doch das interessiert leider niemanden, denn bei uns ist die CO2-Norm wichtig, denn damit lässt sich die Bundeskasse füllen. So gesehen, sollte man den Basler Nationalrat Rudolf Rechsteiner bei seinem Kampf gegen die Atomlobby unterstützen. Armin Grieder, Basel

Plötzlich zweite Wahl

Nr. 4 – «Amerikaner im Anflug»; Peter Forster über die Kampfjetbeschaffung

Auch für eine neue Generation und billigere Kampfjets genügt unser Geld nicht. Wenn die bisher geprüften Typen aus der EU nun dank der Verzögerung plötzlich zweite Wahl sind, können wir uns glücklich schätzen. Der Gedanke an eine Kooperation mit einheitlich gerüsteten europäischen Staaten spielt mit dem Kauf der F-35 durch Grossbritannien, Norwegen, Dänemark und die Niederlande nicht mehr. So ist der Geldmangel für die Schweiz ein Glücksfall. Vielleicht kommt jemand auf die Idee, die Pause für einen Test von Kampfdrohnen zu nutzen. Heinrich J. Schmid, Dornach

Die Schweizer Armee kann sich aus Kostengründen (Budget: 2,2 Milliarden Franken) nur eine kleine Anzahl neuer, modernster Flugzeuge anschaffen. Dabei wird von den Militärs erwartet, dass die neuen Jets möglichst sowohl als Luftraumüberwacher wie auch als Erdkämpfer einsetzbar sind. Heutige, selbst modernste Flugzeuge können eher vom Himmel geholt werden als seinerzeit Propellermaschinen im Zweiten Weltkrieg. Warum? Heute wird nicht mehr (nur) mit Kanonen geschossen, sondern mit Sidewinder-Raketen mit Infrarot-Zielsuchköpfen, die schnell die heissen Abgase aus den Feindflugzeugen aufspüren. Natürlich gibt es inzwischen bereits Abwehreinrichtungen gegen solche Raketen. Aber angenommen, es wird ein Angriff fremder Flugzeuge auf die Schweiz gestartet, dann geschieht das so gut wie sicher «mit grobem Geschütz», will heissen, es kommen in Wellen Dutzende von Staffeln, kriegsstrategisch durchdacht. Von unseren 33 FA-18 sind nie alle gleichzeitig einsetzbar, dasselbe gälte auch für die noch zu beschaffenden rund 12 Maschinen. Welch ein Missverhältnis! Offenbar wird nie daran gedacht, dass in einem modernen Krieg auch Lenkwaffen zum Zug kommen. Es können heute in nur kurzer Zeit Städte wie Zürich, Basel, Bern, Schaffhausen, St. Gallen dem Erdboden gleichgemacht werden.
Fritz Stauber, Seengen

 

Vom Übermenschen geblendet

Nr. 4 – «Sudaros williger Helfer»; Philipp Gut über den Hochstapler im VBS

Man fragt sich, weshalb es im Zeitalter des Internets immer noch nicht möglich sein solle, dass jede Universität über Datenbanken mit Angaben über Universitätsabschlüsse, Doktorate, Professuren etc. verfügt, die eine eindeutige Abklärung ermöglichen. Bekanntlich bringt die Gesellschaft beispielsweise einem Doktor eine Ehrerbietung dar, die völlig lächerlich ist. Dies ist aber auch der Grund, weshalb der Anreiz, sich einen solchen Titel zuzulegen, sehr gross ist. Wie ebenfalls bekannt, existieren weltweit zahlreiche Firmen, die Titel aller Art verkaufen. Es ist also ohne weiteres möglich, etwa einen Doktor in Wirtschaftswissenschaften zu erwerben. Die Nachforschung ergibt dann, dass die sogenannte Universität irgendwo im Westen der USA lediglich aus einer theologischen «Fakultät» mit einem «Professor» besteht, der dringend Geld braucht. Dieser Kotau vor einem solchen Titelchen und seinem Träger führt doch dazu, dass man jegliche Vorsicht und Überprüfung ausser Acht lässt und sich von diesem «Übermenschen», der so oder so alles weiss und kann, völlig blenden lässt.
Christian Klemm, Langnau am Albis

So skandalmässig dieser Fall auch daherkommt, im Grunde basiert er auf einem Systemfehler. Es ist die in Berner Amtsstuben weitverbreitete «Titelgeilheit», wonach nur ein Doktor gut genug für einen Job sein soll. Jetzt hat einer, dem sonst offenbar keine fachlichen Schwächen vorzuwerfen sind, diese Umstände missbraucht. Vielleicht wäre eine Trendumkehr einmal angebracht, nachdem uns die beinahe inflationäre Verbreitung von Titelträgern auf höchsten Stufen bekanntlich nicht von Schmach und Tadel zu verschonen vermag. Wenn jetzt auch noch Div a D Peter Regli, der sich mit stichhaltigen Gründen nicht zum Fall Tiziano Sudaro äussern will, abgestraft wird, bringt das die sonst angesehene Weltwoche auf das Niveau sensationsgeiler Boulevardblätter. Peter Bosshard, Dübendorf

Wir sind ziemlich kulant

Nr. 4 – «Darf man das?»; Sacha Verna über Cumulus-Punkte

Liebe Sacha Verna, in Ihrer Rubrik verbreiten Sie Unwahres, und wir fragen uns: Darf man das? Sie schreiben: «Ausserdem sind Sie ja der Leidtragende, wenn mit dem Grosi auch noch die Cumulus-Punkte von dannen gehen.» Leider stimmt das so nicht. Richtig ist: Wenn nicht weitere, überlebende Haushaltsangehörige monatelang weiterpunkten, hat es auf dem Konto des Verstorbenen nur wenige Punkte. Wir zahlen ja alles aus, was über 500 Punkte ist. So gehen wir in Todesfällen vor: Postmeldung vom Todesfall – Kontosperrung – Verwandte melden sich – neue Kontoeröffnung – Punkte werden ausbezahlt. Wir sind in solchen Fällen ziemlich kulant. Aber von den Hinterbliebenen muss ein neues Konto eröffnet werden, da wir nicht einfach Namensänderungen vornehmen. Wir hatten auch schon Fälle, wo uns Hinterbliebene Belege zustellten, dass sie die Erben seien und somit Anrecht auf die Punkte hätten, was aber sehr, sehr selten vorkommt.
Urs Peter Naef, Mediensprecher Migros, Zürich

Kommunistisch anmutend

Nr. 4 – «SRG und SBB: Der Unterschied»; Kurt W. Zimmermann über Zwangsabgaben

Der Autor präsentiert hier die seit langem beste Idee zum Thema SRG: qualitativ hochstehendes Staatsfernsehen. Daneben haben dann auch Schweizer Privatsender bessere Möglichkeiten, sich zu finanzieren. Aufzuheben wären dann nur noch die kommunistisch anmutenden Konzessionsvergaben.
Andreas Auerbach, Zürich

 

Wir freuen uns über Ihre Zuschriften. Je kürzer Ihr Brief, desto grösser die Chance, dass er veröffentlicht wird. Darüber hinaus muss er sich klar auf einen in der Weltwoche erschienenen Artikel beziehen. Die Redaktion behält sich vor, Kürzungen vorzunehmen. Leserbriefe ohne Angabe von Name und Wohnort werden nicht publiziert.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben