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03.02.2010, Ausgabe 05/10

Hochzeit

Pas de deux

Der Assistenzarzt Aurelius Omlin, 33, und der Tänzer Martin Scheiwiller, 32, haben im Dezember geheiratet. Zuvor gab es eine Rose mit 29 Blättern.

Von Franziska K. Müller

Uneingeschränktes Bekenntnis: Liebespaar Scheiwiller (l.) und Omlin. Bild: Sally Montana

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Aurelius: Als Onkologe bin ich oft mit grossem Leid konfrontiert. Die schwersten Zeiten stehen die Paare tapfer durch. Es ist eine Leistung, aber auch ein Bedürfnis, dem geliebten Menschen beizustehen. So realisierte ich, was Liebe sein kann und dass man die Dinge nicht auf morgen verschieben sollte. Bisher war ich vor allem fleissig, und meine grösste Freude waren meine Schmetterlinge, die ich immer freiliess, kaum waren sie geschlüpft. Also gab ich vor drei Jahren eine Annonce in der Weltwoche auf mit Stichwörtern zu meiner Person: «Piano», «Segeln auf den Kanaren», «T. Pynchon», «Songs from the Labyrinth». Noch am gleichen Abend hatte ich Martin am Telefon. Wir fanden sofort Anknüpfungspunkte. Bio-psycho-sozio-spirituell: Es stimmte alles. Für mich war es wie ein Traum, und auch Martin – so erzählte er mir später – musste glücklich ausgesehen haben, denn die Kollegen fragten ihn am nächsten Morgen sofort: «Hast du jemanden kennengelernt?»

Martin: Ich antwortete einfach mit Ja, weil ich wusste, dass unsere Geschichte weitergehen würde. Nach einer Woche trafen wir uns im Bahnhof Zürich unter der gigantischen Engelskulptur von Niki de Saint Phalle. Natürlich hatte ich mir im Vorfeld überlegt, wie es sein würde, Aurelius zu sehen. Vielleicht würde das äussere Bild nicht mit der übergrossen Sympathie übereinstimmen, die ich für ihn empfand. Aber dann gab es keine Fragen mehr. Wir redeten und redeten und hörten damit bis zum heutigen Tag nicht mehr auf. Ich entdeckte in Aurelius nicht nur mein intellektuelles Pendant. Er ist mein emotionaler Resonanzboden. Meine Freunde mögen mir mein Glück, das ich so lange suchen musste, von Herzen gönnen. Das gilt auch für die Eltern, die Geschwister, die Grosseltern. Das ist uns wichtig.

Aurelius: Wir hatten bisher beide keine ernsthaften Beziehungen mit Männern geführt. Unsere Seelen waren dadurch fast noch rein, und so stürzten wir uns mit uneingeschränkter Begeisterung in unsere Liebe. Wir hatten das Bedürfnis nach einem harmonischen Familienleben, wollten ein Zuhause aufbauen. Heute leben wir in einer wunderbaren Wohnung mit einem grossen Garten und selbstgezogenem Gemüse. Wir machen eigene Marmelade, sind begeisterte Köche und Gastgeber: Dabei mögen wir es schön, aber schnörkellos. Ansonsten geht es bei uns um Treue, Interesse und Respekt für den anderen. Unsere Harmonie trübt beinahe nichts: Höchstens, dass ich gerne die Kochrezepte verfälsche oder die Mengenangaben durcheinanderbringe.

Martin: Ein Leben ohne den anderen wurde unvorstellbar. Wir werden bald für zwei Jahre nach England gehen. Bei einer Entdeckungstour in London machte ich Aurelius den Antrag im Blumengarten des Hydeparks. Es war keine spontane Aktion. Ich hatte eine Rose mit neunundzwanzig Blättern gebastelt – 29 Monate kannten wir uns zu diesem Zeitpunkt –, und auf jedes einzelne Blatt schrieb ich einen Begriff, der unsere Liebe symbolisierte: «Kraft», «Vertrauen», «Einigkeit». Klar sagte Aurelius sofort ja.
Aurelius: Die Heirat ist ein uneingeschränktes Bekenntnis. Die Entscheidung geht meiner Meinung nach vor allem mit Respekt für den anderen einher und mit der Haltung, für die Liebe keine unmittelbaren Gegenleistungen zu erwarten. Die Frage, ob es noch etwas Besseres, Aufregenderes und Schöneres gibt, ist für mich kein Thema, seit ich Martin kenne. Das wurde mir bewusst und somit auch, dass die Heirat das Beste ist, was uns passieren kann.

Martin: Die einen sagen «registrierte Partnerschaft», wir sagen «Heirat». Es gibt homosexuelle Paare, die den schönsten Tag still und diskret begehen, auch weil sie niemanden provozieren möchten. Unsere Freunde und die Familien wollen unbedingt mitfeiern. Darum organisieren wir im Sommer ein Riesenfest auf dem Herzberg. Total romantisch, soll der Anlass drei Tage dauern, und eine Theologin segnet unsere Partnerschaft.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 05/10
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