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03.02.2010, Ausgabe 05/10

Climategate

Der tiefe Fall des Missionars

Er war angetreten, die Welt zu retten. Doch jetzt kämpft Rajendra Pachauri um seinen Job. Fehlleistungen häufen sich. Die Übertreibungen entlarven den Leiter des Weltklimarats als Propagandisten.

Von Alex Reichmuth

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Noch vor gut zwei Jahren stand der Inder Rajendra Pachauri auf dem Gipfel seiner Karriere. Im Oktober 2007 erhielt der Weltklimarat (IPCC) unter seiner Leitung den Friedensnobelpreis zugesprochen, zusammen mit dem amerikanischen Klimaaktivisten Al Gore. Es war die Zeit, als der Weltklimarat mit seinem Chef Pachauri als unangefochtene Instanz galt, die den Skeptikern des menschengemachten Klimawandels wissenschaftlich und moralisch haushoch überlegen schien. Inzwischen ist von den Lorbeeren kaum mehr etwas übriggeblieben: Führende Wissenschaftler des IPCC sind der Manipulation überführt worden, in den Berichten des Weltklimarates tauchen irritierende Fehler auf und Chef Pachauri blamiert sich im Umgang mit wissenschaftlicher Kritik immer aufs Neue.

Mehr zum Thema in unserem Dossier «Klimakontroverse»

Das Unheil begann im vergangenen November, als der Mail-Verkehr zwischen führenden Klimawissenschaftlern an die Öffentlichkeit gelangte. Er belegte, dass die Forscher während Jahren versucht hatten, wissenschaftliche Ergebnisse zu manipulieren und skeptische Kollegen kaltzustellen. Mitte Januar dann musste Pachauri einen peinlichen Fehler im jüngsten IPCC-Bericht zugeben: Die Aussage, dass der Grossteil der Himalajagletscher bis 2035 abschmelzen könnte, hatte sich als wissenschaftlich unhaltbar erwiesen. «Sind Fehler nicht menschlich?», verteidigte sich Pachauri vor einigen Tagen.

Das Problem ist aber nicht der Fehler allein, sondern die Art, wie er zustande kam – und wie Pachauri damit umging. Als im November eine indische Studie der These der schmelzenden Himalajagletscher widersprochen hatte, verspottete Pachauri dies als «Voodoo-Wisssenschaft». Auch andere Wissenschaftler hatten ihn noch vor der Klimakonferenz in Kopenhagen aufgefordert, die Aussage der schmelzenden Himalajagletscher zu korrigieren. Pachauri hatte es nicht getan – gemäss Kritikern, um mit alarmistischen Prognosen weiterhin Fördergelder für sein eigenes Forschungsinstitut zu generieren. Erst als der New Scientist vor einem Monat aufdeckte, dass hinter der Behauptung des schmelzenden Himalaia-Eises nicht wissenschaftliche Ergebnisse stehen, sondern lediglich ein fehlerhafter Bericht des WWF, musste Pachauri die Panne eingestehen.

Schon seit Jahren hat der indische Ingenieur und Ökonom die Leitung des Weltklimarats nicht als wissenschaftliche Aufgabe verstanden, sondern als Mission, die Welt auf den richtigen Weg zu führen. Den jüngsten Bericht des IPCC kommentierte Pachauri im Frühling 2007 so: «Ich hoffe, dass dies die Regierungen so schockiert, dass sie handeln.» Man habe einen Krieg gegen die Erde begonnen, predigte er bei der Verleihung des Friedensnobelpreises, und es drohe eine Zerstörung wie einst auf dem Höhepunkt der Atomrüstung. Und statt sich vom Propagandafilm «Eine unbequeme Wahrheit» von Al Gore mit seinen unhaltbaren Übertreibungen zu distanzieren, lobte Pachauri den Film: «Er hat mir gefallen. Er emotionalisiert die Debatte zwar, aber das muss er wohl.»

Kritiker des Weltklimarats pflegte Pachauri jeweils in drastischen Worten niederzumachen. So verglich er etwa den dänischen Statistiker Bjørn Lomborg, der den Nutzen von Klimaschutzmassnahmen bestreitet, mit Hitler: «Wenn Sie Lomborgs Denken folgen sollten, war das, was Hitler getan hat, möglicherweise richtig.» Und in einem Interview des Tages-Anzeigers kommentierte er Einwände gegen die These vom menschengemachten Klimawandel süffisant: «Es gibt immer Skeptiker, die glauben, die Erde sei flach und nicht rund.»

Effekte statt Erkenntnisse

Alles, was in die Berichte des Weltklimarats einfliesse, unterliege strengen wissenschaftlichen Kriterien und werde durchgehend gutachterlich geprüft, hatte Pachauri noch vor kurzem versichert. Der für den Asien-Teil zuständige Autor des IPCC gestand vor einigen Tagen nun ein, gewusst zu haben, dass die Behauptung der schmelzenden Himalajagletscher wissenschaftlich ungeprüft war: «Wir dachten, wenn wir das gross herausbringen, wird es einen Effekt auf die Politiker haben und sie ermutigen, konkrete Schritte einzuleiten.» Weltweit durchforsten jetzt kritische Wissenschaftler und Journalisten den IPCC-Bericht nach weiteren «weichen» Quellen – und werden fündig: Die Warnung, dass vierzig Prozent des Regenwaldes im Amazonasbecken durch den Klimawandel gefährdet seien, soll sich ebenfalls nur auf einen WWF-Bericht abstützen. Aussagen über schwindendes Eis in den Anden, in den Alpen und in Afrika beruhen offenbar lediglich auf Angaben eines Bergsteigermagazins und Äusserungen von Bergführern. Ein Kanadier will bereits zwanzig Stellen im Bericht des Weltklimarats gesichtet haben, denen wissenschaftlich ungeprüfte Fakten zugrunde liegen.

Noch schlägt Rajendra Pachauri alle Rücktrittsforderungen in den Wind. Doch selbst wenn er im Amt bleiben sollte: Seine Zeit als quasi unfehlbare wissenschaftliche Instanz, die Kritiker von der hohen Warte aus abkanzelt, ist definitiv vorbei.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 05/10
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Kommentare

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Rainer Selk     10.02.10 17:22

Thomas Schmidt 10.02.10 10:19
Das war nicht persönlich gemeint!
ad 1. Dem Laien wie mir kam bisher ein Wort aus wissenschaftlichem Mund ein gewisser Wert zu. Genau das aber wird immer mehr zur Farce. Und in diese Situation platzt nun Pauchauri hinein. Sie können das meinethalben 'brandgefährlich' nennen, je nach Sichtweise. Ich nenne das burlesk, denn der diskreditiert mit seinen Adlaten eine ganze 'Branche', die sich zeitweise aufführt, als wären sie die 'Herren der Welt'.
ad 2. Ganz recht, vermutlich könnten wir vom Oel + Gas schon längst weg sein, aber eben.....
Soweit OK?

Thomas Schmidt     10.02.10 10:19

Ad Rainer Selk: Sie sind aber pauschal im Irrtum-Unterstellen!
1. Das Vorgehen von Pauchauri und "diesen Leuten" ist brandgefährlich: Sie berauben die Wissenschaft der notwendigen Wertfreiheit. Wissenschaft hat weder links noch rechts, weder für noch gegen etwas zu sein. Auch ist sie nicht demokratisch: Ein einziger widersprechender Wissenschaftler kann eine Theorie zu Fall bringen. Die "Beton(un)wissenschaft" verkörpert Herr Pachauri, der Kritiker verhöhnt und Skeptiker in die Nähe von Hitler bringt. 2. Wieso Irrtum?Ich habe nur gesagt, dass wir von Oel und Gas weg sollten. Irre ich mich da?

Rainer Selk     09.02.10 22:19

Thomas Schmidt 09.02.10 11:47
1. Irrtum:
'Herr Pachauri + Kollegen, i. d. Wissenschaft habt Ihr nichts verloren!'
Doch, genau diese Leute führen dazu, dass ein 'Erwachen' folgt in der 'Beton-Wissenschaft'.

2. Irrtum: 'Klima' und Öl etc.
Schon seit 40 Jahren 'hört' man, dass die Patente für andere Antriebe in den 'Kellern' liegen. Die werden herausgeholt, wenn es die Geschäftstaktik 'verdient'. Oel wird man schon lange durch 'anderes' ersetzen können, aber der Schock ist noch nicht 'reif'....Dann werden vermutl. viele arbeitslos....?

Thomas Schmidt     09.02.10 11:47

Dass wir vor allem aus strategischen und Gründen der mittel- bis langfristigen Versorgungssicherheit, aber auch aus Kostengründen aus der Abhängigkeit von Oel und Gas befreien sollen ist ja wohl unbestritten. Aber seriöse Wissenschaft durch Manipulation und Bewirtschaftung einer entsprechenden Drohkulisse im 21. Jahrhundert zu einer mittelalterlichen "Klimakirche" umzubauen, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden aufgeklärten Menschen! Herr Pachauri und Kollegen,wenn Ihr missionieren wollt, geht doch zu Uriella oder einer Weltuntergangssekte. In der Wissenschaft habt Ihr nichts verloren!

Pascal Soldati     09.02.10 09:42

Ich glaube nicht, dass dies alles nur der Abzocke dient, meines Erachtens nach, hat die die "Klimapanikmache" den Vorteil, dass wir uns schneller vom Öl loslösen können und nicht mehr total abhängig sind von unseren netten Nachbarn im Nahen Osten...

Alexej Buergin     08.02.10 18:33

Phil Jones vom CRU, der in den Ausstand getreten wordene, geht es nicht gut. Noch beim Tod des Skeptikers John Daly konnte er sich freuen, aber jetzt soll er Selbstmord in Erwägung gezogen haben.

Das ist nicht nötig, Herr Professor. Es genügt, wenn Sie einfach verschwinden. Und all den IPCC-Pfusch gleich mitnehmen.

Franz X. Bachmann     08.02.10 06:28

“Weltklimarat” ab sofort nur noch Regionalbüro-West
Gestern kündigte China Daily, offizielles Verlautbarungsblatt von Partei und
Regierung Chinas, dem IPCC die Freundschaft - und das Vertrauen auf . Und
heute folgt Indien. Man erwäge sich aus einem Gremium zurückzuziehen, auf
dass man sich nicht verlassen könne. “Es gibt eine feine Trennlinie zwischen
Klima-Forschung und Klima-Evangelium”, sagte der indische Umweltminister
Jairam Ramesh, “ich bin für die Klimaforschung”. Sprach es und kündigte an,
man werde die Sache lieber selbst in die Hand nehmen. “
F. X. Bachmann

Rainer Selk     08.02.10 05:53

Manfred Fenn 07.02.10 22:40
Häuslebauer in Deutschland in den nächsten Jahren bis zu 70.000,00€ für die Wärmeisolierung seiner vier Wände ausgeben.

Das sollte er schlauerweise ohnehin tun. Die Frage ist nur, wer dabei 'mitverdient' durch unnütze und blödsinninge 'Übervorschriften'.
Schon noch dumm, dass man der Sonne nicht ein anderes Verhalten verordnen kann. die ganze Klimasache ist derart blöd und aus dem Ruder gelaufen, dass man eigentlich nur noch lachen kann, aber leider sind Gierabzocker dahiner! Sie nannten sie bereits.

Manfred Fenn     07.02.10 22:40

Seit ca. 8 Wochen bedeckt eine dicke Schnne- und Eisschicht nicht nur Norddeutschland, sondern die gesamte Nordhalbkugel unseres Planeten versinkt in Eis und Kälte. Die Klimawandler berichten deshalb auch von der Antarktis aus, wo sie den Klimawandel beweisen wollen.
Da jedoch Grönland und der gesamte Nordpol zufrieren, werden die Lügen des IPCC offenbar. Herr Gore bereichert sich an CO2-Certifikaten, Herr Pachauri saugt Forschungsgelder in seine Unternehmen. Dennoch muß der Häuslebauer in Deutschland in den nächsten Jahren bis zu 70.000,00€ für die Wärmeisolierung seiner vier Wände ausgeben

Rainer Selk     07.02.10 13:11

Rainer Selk 06.02.10 20:50
Diesen Gier-Klimaklüngel ins Recht zu fassen, dürfte ebenso schwierig sein, wie die Banken zur Rechenschaft zu ziehen.
Es ist ja alles 'professoral' belegt. Pfui, ist das ein selbstverliebter abgehobener Wichtigtuerklüngel. Die haben in Wahrheit der Wissenschaft eine 'Bärendienst' erwiesen, weil nun bestellte professorale 'Statements' generell soviel wert sind, wie das Ököpapier, auf dem sie veröffentlicht werden: nichts.
Die 'Wahrheitstrutzburgen' fallen ein. Hoffen wir, dass das zu einem generellen Innovationsschub führt in dieser betonierten Denke.

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