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27.01.2010, Ausgabe 04/10

MvH

Mein Magen

Unser Kolumnist fährt nach Italien, sieht sich neue Mode an und macht einen Fehler, im Restaurant. Ferner aus Klosters.

Von Mark van Huisseling

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 Vergangene Woche war ich in Mailand, die Männermodenschauen fanden statt. Falls man sich jetzt fragt, was Ihr Kolumnist an den Männerschauen macht, antwortet er: Zum Leutetreffen sind diese besser als die wichtigeren Frauenschauen, weil weniger los ist. Zudem, finde ich, muss man als MvH ab und zu nach Mailand, no? Meine drei wichtigsten Einsichten: Asiaten und Amerikaner (buyers sowie press) reisen wieder. An jeder Show bzw. Präsentation, die ich besuchte, machten sie die Mehrheit aus. Das war nicht so vergangenes Jahr oder das Jahr davor (kein Reisebudget, Angst vor Anschlägen, Sars – Schweres Akutes Atemwegssyndrom, Sie erinnern sich – et cetera). Die Mode für Herbst/Winter 2010/11 ist ernst zu nehmen. Weil sich die Designer nicht mehr so ernst nehmen, denke ich. Männer sollen Jacke und Hose tragen und darin gut aussehen (und wie normal fühlende Männer). «Lumpen am Stecken» ist von gestern oder noch älter, von heute ist rechtes Handwerk, das den Körper vorteilhaft darstellt. Drittens: In Mailand sind gute Hotels schwieriger zu finden als in Paris – wer ein Vier-Sterne-Superior-Haus eröffnet, in das man gerne geht, wird Erfolg haben; hier haben Sie es zuerst gelesen –, bei Restaurants ist es umgekehrt.

Zwei weitere, wichtige Einsichten (das heisst, eigentlich ist alles wichtig in dieser Spalte): Sogenannte Stars als Zuschauer zu haben, ist nicht mehr nötig. Die Kollektion ist der Star, das ist die Botschaft, vermute ich. Vielleicht ist die Botschaft auch: Stars sind ihr Geld nicht wert. (Ausser Tilda Swinton;  so sieht es aus, sie war in der front row bei Pringle of Scotland.) Am besten gefallen haben mir die Schuhe von Bally; Brian Atwood, der Kreativdirektor, war in dem Archiv der Firma, das sieht man, doch er hat nicht kopiert, sondern entwickelt. Und die Kleidung von Brioni, das ist weniger Mode, das ist mehr Stil (und das ist richtig – Mode ist für Männchen, Stil für Männer). Giorgio Armani, nebenbei, war der einzige Modedesigner, der nach dem défilé über den Laufsteg ging, grüsste und sich freute, und das mit 75. Donatella Versace zeigte sich bloss während Bruchteilen einer Sekunde. Weshalb, weiss ich nicht, sie sieht fünf Jahre jünger aus als vor fünf Jahren. (Die gezeigten Kleider – Leggins aus schwarzem Leder, bunte T-Shirts – wird man ungefähr gleich kurz ­sehen, nehme ich an.) After-Show-Partys veranstaltet niemand mehr. Die Verantwortlichen haben wahrscheinlich keine Lust zum Feiern, das ist in Ordnung.

Weil man dann ruhig zu Abend essen kann, z. B. im «Paper Moon», das Michel Comte empfiehlt. Dort gibt es immer etwas zu sehen, sogar während der Männermodenschauen, bloss gibt es nicht immer Platz. Den findet man im «Bagutta», schräg gegenüber. Die Küche ist in meinen Augen noch besser (und alles zirka zweimal so teuer). Oder gleich das «Teatro» im «Four Seasons Hotel», ich lege es für Mittagessen nahe, wegen des Patios mit schönem Garten. Vorsicht, die Karte verstehen nicht einmal Italiener. Auch Umberto Angeloni, der eingeladen hatte, wusste nicht genau, was «foiolo di vitello» ist (die schwarzen Trüffel darauf ­waren fein, die Kutteln liess ich stehen). Angeloni, übrigens, hat vor kurzem die Marke «uman» gegründet; es gibt bloss einen Anzug (ein Schnitt, verschiedene Stoffe) sowie drei Jacken. Die Grössen sind nicht die in der Bekleidungsindustrie üblichen, er liess dafür 3000 jüngere, ziemlich reiche Männer aus Städten Nordamerikas und Europas vermessen. Ein Satz zu ­Hotels: Das «Principe di Savoia» finde ich gut, das «Park Hyatt» ebenso. Ich war dieses Mal im «Ariosto» – das ist fast gut (den Satz «Ich war Gast von . . .» haben Sie nicht gelesen dieses Mal).

Am Samstag fuhr ich nach Klosters, an das «Berenberg Snow-Polo» (ein Hamburger Bankhaus, mit einer Bank in Zürich). Klosters, nur zum Sagen, ist nicht mein favourite spot; das lange Dorf liegt an einer Strasse, ich vermisse einen Mittelpunkt usw. Aber die Spiele, die ich gesehen habe, waren spannend. Ferner schmeckte das Essen (von Gammacatering). Und die Gastgeber, alles Deutsche, waren freundlich sowie zu Gesprächen bereit (muss man auch einmal schreiben). Nach dem Galadinner ging ich in die «Casa Antica» (ich bin mit den Betreibern, die diese Bar seit einem Jahr oder so führen, etwa Yves Spink, ein bisschen bekannt). Auch von dort bringe ich gute Nachricht – es gab zum ersten Mal, seit ich das Lokal besuche, mehr Gäste als Mitarbeiter.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 04/10
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