Entweder ist der Graben zwischen Wissenschaft und Gesellschaft nicht so gross wie stets kolportiert. Oder die Organisation, die ihn mit Bundesmillionen zuschütten soll, ist unfähig. Oder beides. Oder sonst etwas. Auf jeden Fall ist nicht erkennbar, was die 1998 gegründete Stiftung «Science et Cité» bewirkt, deren vier Mitarbeiter schöne Büros an bester Lage mitten in Bern besetzen. Dabei verwalten nur beste Menschen das schöne Geld für die «Plattformen, Debatten, runden Tische und Kontroversen». Erste Präsidentin des Stiftungsrats war die Anti-SVP-Frau Myrtha Welti, ihr folgte alt Bundesratskandidatin Christine Beerli von der FDP, und nun wurde der scheidende Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, Thomas Zeltner, mit diesem Pöstchen geehrt.
Doch die Website von Science et Cité gleicht einer Wüste, das Stichwort «Jahresthemen» wirft den Besucher weit zurück ins Archiv, ein Programm 2010 ist nicht auffindbar, Highlight des Jahresberichts 2009 ist die Prämierung eines Films der Sozialanthropologin Sylviane Neuenschwander mit dem Titel «Schneeweisse Schwarznasen». Die Sinnkrise zwingt die Stiftungsräte zu Krisensitzungen. Mit den 1,1 Millionen Franken aus der Bundeskasse, so das Fazit einer Aussprache, liessen sich keine flächendeckenden Aktionen realisieren.
Tatsächlich war die Equipe seinerzeit mit einem Jahresbudget von 3,2 Millionen gestartet. Parallel zur messbaren Leistung sank der Beitrag, Budget für Budget, auf rund einen Drittel. Heuer finden nur noch in Bern, Genf, Neuenburg und Freiburg einige sogenannte Wissenschaftscafés statt. Das sind Plauderrunden, bei denen unter Leitung von Radiojournalisten (gut 500 Franken pro Abend) «wissenschaftliche Kompetenz den Interessen und Fragen aus der Bevölkerung» begegnen soll. Faktisch besteht das angesprochene «breite Publikum» jeweils aus einigen Dutzend, wenn’s gut kommt, bereits bestens Informierter. Die Palette der heissen Themen reicht von «Parfüms: Immer der Nase nach» über Diäten bis zu «energiesparendes Wohnen» oder «Zukunft des Religionsunterrichts».
Jahr für Jahr einige hunderttausend Franken weniger oder ein rasches Ende? Die regionalen Café-Veranstalter in Lugano, Basel oder Chur haben die Sinnfrage beantwortet und befinden sich an der Spitze der Entwicklung: Sie kündigen gar keine Meetings mehr an. Proteste blieben aus; niemand hat etwas bemerkt.













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