Datenklau mit Folgen

Die Veröffentlichung des E-Mail-Verkehrs führender Forscher wirft ein neues Licht auf die Klimadiskussion. Wie kam es zum Diebstahl? Was sind die Wirkungen? «Climategate», Teil 2.

Von Hanspeter Born

Manipuliert: Bolivien wird heisser (Rechteck), obwohl keine Temperaturen gemessen werden.

«Diebe haben Maildaten gestohlen», entrüstete sich der Zürcher Tages-Anzeiger: «Berechnend haben die Diebe wissenschaftliche Plaudereien zwischen Klimaforschern ins Internet gestellt. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, gezielt ausgewählt, den Zeitpunkt schlau bedacht. Mit dem Ziel, den Ruf seriöser Klimaforschung zu schädigen.» Der Berner Klimaforscher Professor Thomas Stocker nannte den Vorgang «kriminell». Professor Stefan Rahmstorf, wie Stocker massgeblich an der Ausarbeitung des 4. Sachstandsberichts des IPCC («Weltklimarat») beteiligt, sah «aus ethischen Gründen» davon ab, die durch einen «kriminellen Akt beschafften Mails» überhaupt zu lesen.

Das Dossier zur Klimakontroverse: Teil 1 dieses Berichts sowie weitere Artikel zum Thema

Hinter dem dreisten «Datenklau» vermutete man die Kreise, die der These der menschenverursachten gefährlichen Klimaerwärmung skeptisch gegenüberstehen und die von der NZZ und vielen andern als «Klimaleugner» bezeichnet werden. (Das Wort ist nicht gerade glücklich gewählt, denn selbst Leute, die gemäss NZZ «groben Unfug» und «selektiven Umgang mit der Wahrheit» betreiben, sind nicht so blöd, dass sie das Klima leugnen.)
War, was vor zwei Monaten im Internet passierte, wirklich ein krimineller Datendiebstahl? Und war es bloss ein «Sturm im Wasserglas», wie die NZZ meinte? Inzwischen ist einiges über die Entstehungsgeschichte von «Climategate», wie der Vorfall in Anlehnung an Watergate genannt wird, bekanntgeworden.

Gibt es einen Whistleblower?

Am 13. November 2009 veröffentlichte Jeff «Id» Condon, ein junger Luftfahrtingenieur, auf seinem Blog «Air Vent» den Brief, den die Präsidenten von achtzehn renommierten wissenschaftlichen Vereinigungen an amerikanische Senatoren geschickt hatten. Der Brief stellt fest: «Beobachtungen überall auf der Welt machen klar, dass der Klimawandel stattfindet, und rigorose wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die durch menschliche Tätigkeiten in Umlauf gesetzten Treibhausgase dessen hauptsächlicher Einflussfaktor sind.»

In einem Antwortbrief behauptete der Hamburger Anwalt Dr. Arnd Bernaerts, Verfasser einer Studie über die arktische Wärmezeit des frühen 20. Jahrhundert, dass es falsch sei, die Treibhausgase als den «hauptsächlichen Faktor» des Klimas zu bezeichnen. Der hauptsächliche Faktor, schreibt Bernaerts, seien die Ozeane, und er zitiert Leonardo da Vinci: «Das Wasser ist der Fuhrmann der Natur.» In der anschliessenden Diskussion meldete sich am 17. November um 21 Uhr 57 auch ein «FOIA» mit folgendem Kommentar: «Wir haben den Eindruck, dass die Klimawissenschaft in der gegenwärtigen Situation zu wichtig ist, um unter dem Deckel gehalten zu werden. Hiermit geben wir eine Auswahl von Korrespondenz, Code und Dokumenten heraus. Hoffentlich vermittelt dies einen gewissen Einblick in die Wissenschaft und die Leute, die dahinterstecken.» Es folgten die Internetadresse eines russischen Servers, von der man diese Auswahl herunterladen konnte, und als Kostprobe die Links zu zwanzig E-Mails.

Bei den Kostproben handelte es sich um E-Mails, die führende Klimaforscher einander geschickt hatten. Eine Mehrzahl davon stammte von zwei im IPCC besonders einflussreichen Persönlichkeiten: Phil Jones, Direktor der Climate Research Unit (CRU) der Universität East Anglia in Norwich und Michael Mann, Professor für Meteorologie an der Universität Penn State und Urheber des berühmten Hockeyschlägerdiagramms, das den Temperaturverlauf über die letzten tausend Jahre nachzuzeichnen versucht.

Während sich der Betreiber des Blogs «Air Vent» ahnungslos auf Rehjagd im nördlichen Michigan befand, ging das von «FOIA» ins Netz gestellte Kompendium von Korrespondenz und Dateien wie ein Lauffeuer durch andere von Skeptikern betriebene Blogs – darunter den besonders populären «Watts Up With That?» des kalifornischen Meteorologen Anthony Watts, «Climate Audit» des kanadischen Mathematikers und Bergbauunternehmers Steve McIntyre und «The Blackboard» der Atmosphärenforscherin Lucia Liljegren. Innerhalb von zwei Wochen fand die «Climategate»-Geschichte Eingang in 28 400 000 Webseiten – eine erstaunlich Zahl.

Wer war der mysteriöse, für die Veröffentlichung der Daten den «Datenklau» verantwortliche «FOIA», der seinen Kommentar im Blog «Air Vent» von einer saudischen Adresse aus geschickt hatte? Die ins Netz gestellten E-Mails umspannen die Zeit von 1996 bis zum 12. November 2009. Dieses letzte Datum liefert einen möglichen Hinweis. Am Tag danach, dem 13. November, schickte nämlich der Leiter der Informationsabteilung der Universität East Anglia einen Brief an den Blogger Steve McIntyre, in dem dessen Gesuch um die Zustellung von Temperaturrohdaten, die er unter Hinweis auf die britische Version des amerikanischen Freedom of Information Act (FOIA) angefordert hatte, abgelehnt wurde. Der Umstand, dass der mysteriöse Kommentator sich selber «FOIA», seine Dateien FOIA und FOI2009 nannte, deutet darauf hin, dass ihn die Missachtung des Rechts auf freien Zugang zu wissenschaftlichen Daten durch eine staatliche Institution zu seiner umstrittenen Tat trieb. Wenn die Climate Research Unit (CRU) ihre Temperaturrohdaten für sich behalten wollte, dann würde er dafür sorgen, dass die ganze Welt sie einsehen konnte.

Steven Mosher, ein Softwareentwickler aus Kalifornien, der sich auch schon beim CRU um die Herausgabe von Daten bemüht hatte, hat inzwischen zugegeben, dass er bereits einige Tage vor dem 17. November im Besitz einer CD mit der «Climategate»-Datei war. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich hinter dem Alias FOIA verbirgt. Aber woher hatte Mosher sie? Vermutlich nicht von einem Hacker, sondern von einem Informanten aus dem Kreis der offiziellen Klimaforscher, einem Whistleblower. Mosher kennt vermutlich den Namen des Informanten, aber bisher hat er geschwiegen.
Ist «Climategate» überhaupt wichtig? Zeigt es nicht bloss, dass Wissenschaftler auch nur Menschen sind, Fehler begehen, sich Hahnenkämpfe liefern und gelegentlich ein wenig schummeln?

Wer sich die umfangreiche «Climategate»-Dokumentation näher anschaut, muss zu einem andern Schluss kommen. Die Bedeutung von «Climategate» liegt darin, dass die E-Mails aufzeigen, wie ein kleiner Klüngel von motivierten und durchsetzungsfähigen Forschern eine wacklige Hypothese zur gängigen «Wahrheit» macht und es zustande bringt, die Welt, inklusive aller massgeblichen wissenschaftlichen Vereinigungen, von dieser «Wahrheit» zu überzeugen. Aus den E-Mails sieht man, wie diese Forscher den Meinungsbildungsprozess steuerten, wie sie ihre Artikel in wissenschaftlichen Publikationen unterbrachten, diese durch ihnen genehme Begutachter rezensieren liessen und wie sie Artikel, die ihren Thesen widersprachen, unterdrückten. «Climategate» hat auch aufgedeckt, dass der IPCC-Begutachtungsprozess, der garantieren soll, dass die in den Sachstandsberichten festgehaltenen Befunde hieb- und stichfest sind, ebenfalls von dem engen Kreis von engagierten Forschern kontrolliert wird.
Allerdings sieht Professor Thomas Stocker, Co-Präsident der Arbeitsgruppe I des IPCC, keinen Grund, das Begutachtungsverfahren zu ändern: «Es ist ja gerade die Stärke des IPCC-Begutachtungsprozesses, dass nicht ein einzelner Forscher darüber entscheidet, was im nächsten Bericht steht und was nicht. Es sind Autorenteams, die die Fachliteratur sichten, zusammenfassen und beurteilen. Danach folgt eine mehrstufige externe Begutachtung durch Experten und Regierungen weltweit. Wenn Sie sich das Produkt anschauen, dann sehen Sie, dass sämtliche relevanten Arbeiten zu einem Gebiet zitiert werden, auch kritische.»

Streit um die Himalajagletscher

Nun ist aber kürzlich nachgewiesen worden, wie fahrlässig das IPCC mindestens in einem Fall vorging und wie kläglich sein hochgerühmter Begutachtungsprozess versagte. Im 4. Sachstandbericht des IPCC von 2007 liest man: «Die Himalajagletscher bedecken ungefähr drei Millionen Hektaren oder 17% der Berggegend verglichen mit 2,2% in den Schweizer Alpen. Sie bilden die grösste Eisfläche ausserhalb der Polarkappen und sind die Wasserquelle für die zahllosen Flüsse, die über die indo-gangetischen Ebenen fliessen.» Weiter heisst es im Bericht, dass die Himalajagletscher, die den Indus, den Ganges und den Brahmaputra speisen, für Millionen von Menschen das einzige Wasserreservoir darstellen und dass allein im Gangesbecken 500 Millionen Menschen, ein Zehntel der Menschheit, leben. Dann heisst es wörtlich: «Die Gletscher im Himalaja gehen schneller zurück als in irgendeinem anderen Teil der Welt, und wenn der gegenwärtige Trend anhält, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bis zum Jahr 2035 und möglicherweise schon früher verschwinden, sehr hoch [. . .]. Ihre totale Fläche wird bis zum Jahr 2035 wahrscheinlich von den gegenwärtigen 500 000 km2 auf 100 000 km2 schrumpfen. Der Rückgang und die Ausdünnung der Gletscher kann in erster Linie durch die vom vermehrten anthropogenen Ausstoss von Treibhausgasen verursachte globale Erwärmung erklärt werden.»

Sollte die Voraussage stimmen, wäre eine ungeheure Katastrophe perfekt. Als namhafte Gletscherforscher den Abschnitt im Bericht sahen, konnten sie nur den Kopf schütteln. Im letzten November veröffentlichte das indische Umweltministerium einen ausführlichen Bericht des Gletscherforschers Vijay Kumar Raina, welcher der These von den verschwindenden 10 000 Gletschern im Himalajagebirge widerspricht. Nach Raina verhalten sich diese Gletscher unterschiedlich. Während es solche gibt, die schrumpfen, haben andere sich stabilisiert, und einige sind in den letzten Jahren sogar gewachsen. Raina hat zwei riesigen Gletschern besondere Beachtung geschenkt, dem 75 km langen Siachen, der zwischen 1862 und 1909 um 700 Meter länger wurde, dann zwischen 1929 und 1958 um 400 Meter zurückging. In den letzten 50 Jahren ist seine Länge ungefähr stabil geblieben. Die Schrumpfung des 30 km langen, den Ganges speisenden Gangotri, der zwischen 1934 und 2003 jährlich im Durchschnitt um 22 Meter zurückging, hat sich verlangsamt und im September 2007 aufgehört.

Im Einklang mit den Befunden von Dr. Raina stehen auch Beobachtungen westlicher Wissenschaftler. So hat der kanadische Gletscherforscher Kenneth Hewitt, der seit vierzig Jahren in Pakistans Karakorum-Bergen Feldstudien betreibt, dieses Jahr festgestellt, dass dort seit seinem letzten Besuch vor fünf Jahren mindestens ein halbes Dutzend Gletscher zum Teil stark gewachsen sind.

Wie kam das IPCC dazu, das Verschwinden der Himalajagletscher bis 2035 vorauszusagen? In seiner Ausgabe vom 5. Juni 1999 zitierte das Magazin New Scientist den indischen Gletscherforscher Syed Hasnain, wonach alle Gletscher im zentralen und östlichen Himalaja bis 2035 verschwinden könnten. Diese beiläufig in einem E-Mail-Interview gemachte Prognose fand Eingang in einen vom World Wide Fund for Nature 2005 herausgegebenen Bericht über den Rückgang der Gletscher in Asien. Und auf diesen Bericht stützte sich das IPCC mit seiner abenteuerlichen Prognose vom vollständigen Verschwinden der Himalajagletscher.

Als im vergangenen November der Befund des Sachstandsberichts mit Verweis auf den Raina-Bericht in Frage gestellt wurde, bezeichnete Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des IPCC, den Raina-Bericht als «Voodoo-Wissenschaft». Man habe eine klare Vorstellung von dem, was im Himalaja geschehe.

Nachdem nun allerdings verschiedene Zeitungen und Blogs die Entstehungsgeschichte des Himalajagletscher-Abschnitts im 4. Sachstandbericht rekonstruiert haben, will niemand die Verantwortung übernehmen. Syed Hasnain meint, er habe seine «spekulative» Voraussage nie in einer peer-reviewed Zeitschrift wiederholt und es sei nicht in Ordnung, wenn das IPCC «Hinweise aus populären Magazinen oder Zeitungen einbeziehe». Der Leitautor des betreffenden IPCC-Kapitels, der indische Gletscherforscher Murari Lal, erklärte: «Die IPCC-Autoren taten genau das, was von ihnen erwartet wurde. Wir stützten uns stark auf graue Literatur, einschliesslich des WWF-Berichts. Ein Fehler, wenn es denn einen gegeben hat, liegt bei Dr. Hasnains Behauptung und nicht bei den IPCC-Autoren.» Rajendra Pachauri, der IPCC-Vorsitzende, erklärte am 18. Januar, die Kontroverse gehe ihn nichts an und er trage «absolut keine Verantwortung».

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass im November 2008 das von Pachauri geleitete Forschungsinstitut TERI von der Carnegie-Stiftung einen Beitrag von einer halben Million Dollar erhielt, um die humanitären Folgen des Schmelzens der Himalajagletscher zu studieren. Leiter des so geschaffenen TERI-Gletscherforschungsteams ist Syed Hasnain, der die Prognose vom Verschwinden der Himalajagletscher gemacht hatte.

Handelt es sich bei der abstrusen Voraussage Hasnains, die sich in den 4. Sachstandsbericht eingeschlichen hat, um eine bedauernswerte Panne, oder stehen auch andere Befunde des IPCC auf tönernen Füssen? «Climategate» hat bewirkt, dass Tausende von Naturwissenschaftlern, Statistikern und Programmierern, die bisher die Aussagen des IPCC für wissenschaftlich gut begründet und deshalb für über alle Zweifel erhaben hielten, sich näher mit dem Thema zu befassen begannen. Diese Leute wollen sich jetzt ein eigenes Bild über die Veränderungen des Klimas und deren Ursachen machen. Die IPCC-Forscher können wegen des durch «Climategate» verursachten Wirbels Unterlagen wie Temperaturrohdaten nicht länger unter Verschluss behalten.

 

Krumme Touren der Forscher

Skeptiker werden neuerdings nicht einfach als Spinner oder gekaufte Schergen der Ölindustrie abgetan, sondern finden vermehrt Gehör. Man sieht sich Blogs wie «Climate Audit» oder «Watts Up With That» an und stellt fest, dass dort von klugen Köpfen geschriebene seriöse Beiträge zu lesen sind, über die dann Diskussionen von hohem Niveau geführt werden. Klimaforschung spielt sich heute nicht mehr in geschlossenen akademischen Kreisen und in peer-reviewed Fachzeitschriften ab, sondern auf dem grossen Ideenmarktplatz des Internets.

«Climategate» beschleunigt einen Prozess, der schon seit einiger Zeit im Gange ist. Üblich war und ist immer noch, dass die von Forschern in Artikeln aufgestellten Thesen von den Redaktoren wissenschaftlicher Zeitschriften kompetenten Rezensenten zur Prüfung übergeben werden, von diesen geprüft, möglicherweise ergänzt werden und dann mit etlicher Verspätung publiziert werden. Heute spielt sich der wissenschaftliche Meinungsbildungsprozess – manchmal zum Leidwesen seriöser Forscher – vermehrt im Internet ab. Alles geht schneller, aber auch chaotischer. Es wird schwierig, den Überblick zu behalten. Es sind nicht mehr nur die Redaktoren wissenschaftlicher Zeitschriften, die als gatekeepers (Informationsregulatoren) wirken, sondern die Hüter über Blogs, denen man Kompetenz zutraut – wie beispielsweise die «Klimazwiebel» des Hamburger Meteorologieprofessors und IPCC-Kritikers Hans von Storch.

Die durch «Climategate» ans Tageslicht gekommenen krummen Touren der Forscher haben Skeptiker ermutigt, weiter zu recherchieren und nach Ungereimtheiten zu graben. Die Medien (vor allem in England) haben heute weniger Angst, sich lächerlich zu machen, wenn sie den Nachforschungen der «Klimaleugner» Platz einräumen. In den USA hat diesen Monat «Global Warming: The Other Side», eine Fernsehdokumentation von John Coleman, dem legendären Wetterfrosch und Gründer des Weather Channel, für Aufsehen gesorgt. Sie zeigt, wie zwei wichtige, vom IPCC benutzte Datenzentren – das Nasa Goddard Institute for Space Studies in New York und das NOAA National Climatic Data Center in Asheville die Temperaturmessungen der letzten 150 Jahre manipulierten. In den siebziger Jahren stützte sich ihre Schätzung der durchschnittlichen Weltbodentemperatur auf die Messungen von 6000 Wetterstationen rund um die Welt. 1990 war diese Zahl auf 1500 zurückgegangen, angeblich zwecks gleichmässigerer Verteilung.

Wie der Programmierer E. M. Smith feststellte, wurden Messstationen vor allem in nördlichen und höheren Lagen ausgemustert. Die Thermometer marschierten nach Süden: «Die Thermometer am Strand in Los Angeles zeigen im Winter keine kalten Temperaturen an, diejenigen im Squaw-Valley-Skigebiet schon. In Kalifornien haben alle unsere Thermometer die Berge verlassen und sind jetzt am Strand, in der Nähe von Los Angeles und San Diego.» Wenn man sich auf der Nasa/GISS-Webseite die neusten Wetteranomaliekarten anschaut, stellt man fest, dass Bolivien rot gefärbt ist, will heissen, dass es dort abnormal warm ist. Nun werden aber seit 1990 Daten aus dem hohen Andenland Bolivien nicht mehr berücksichtigt. Stattdessen interpoliert man die Temperatur Boliviens aus Wetterstationen, die bis zu 1200 Kilometer von Bolivien entfernt sind und sich an den Stränden von Chile, Peru sowie am Amazonas befinden.

Smith kam zum Schluss, dass die Eliminierung von drei Vierteln der für die Ermittlung der globalen Durchschnittstemperaturen verwendeten Stationen nicht zufällig erfolgte, sondern dass es sich um einen «wohl konzipierten und orchestrierten Manipulationsprozess» handelte: «Je mehr ich hinschaute, desto mehr fand ich Streichungsmuster, die nicht zufällig sein konnten. Die Thermometer wanderten von kalten Bergen zu warmen Küsten, von der sibirischen Arktis zu südlicheren Orten und von unberührten ländlichen Orten zu den geteerten Rollbahnen von Düsenflugplätzen.»

Wer sind die Narren?

Unabhängig von Smith hat der Meteorologe Joseph D’Aleo das Verschwinden der Thermometer analysiert. Er hat herausgefunden, dass in Kanada die Zahl der berücksichtigten Wetterstationen von 600 auf 35 im Jahr 2009 zurückging. Der Prozentsatz der Stationen in niedriger Höhenlage (unter 100 m ü. M.) verdreifachte sich, und derjenige der hochgelegenen Stationen (über 1000 m ü. M.) wurde halbiert. Kein Wunder, dass die offizielle Klimaforschung jetzt das letzte Jahrzehnt als das wärmste in der Geschichte und je nachdem 1998 oder 2006 als das wärmste Jahr überhaupt präsentieren kann dies, obwohl es etwa in den USA 1934 nachweislich wärmer war als in den beiden erwähnten Jahren.

Die Kritik der «Klimaleugner» hat die offiziellen Klimaforscher bisher wenig beeindruckt. Sie sehen keinen Grund, von der These der gefährlichen menschengemachten Erwärmung abzugehen. Die vom Berner Professor Thomas Stocker präsidierte Arbeitsgruppe des IPCC erklärt in einem Communiqué: «Die Erwärmung des Klimasystems ist unzweideutig. Sie basiert auf Messungen von vielen unabhängigen Institutionen weltweit, die signifikante Veränderungen auf dem Land, in der Atmosphäre, dem Ozean und den eisbedeckten Gebieten der Erde aufzeigen. Durch weitere unabhängige wissenschaftliche Arbeit, die statistische Methoden und eine Reihe verschiedener Klimamodelle umfasst, sind diese Veränderungen als signifikante Abweichungen von der natürlichen Klimavariabilität erkannt und der Zunahme der Treibhausgase zugeschrieben worden.»

Dramatischer hat sich kürzlich James Hansen, Direktor des NASA Goddard Institute for Space Studies, geäussert: «Wenn wir tatsächlich die Schöpfung zerstören und unseren Kindern, Grosskindern und den Ungeborenen eine Situation weitergeben, die ausser ihrer Kontrolle sein wird, werden die Querdenker (contrarians), die sich bemühen, zu leugnen und zu verwirren, nicht die Hauptschuldigen sein. Die Querdenker werden als Hofnarren in die Geschichte eingehen. Es ergibt keinen Sinn, mit Hofnarren zu streiten. Es wird sie immer geben. Sie werden weiter für Unterhaltung besorgt sein, selbst wenn die ‹Titanic› anfängt zu sinken.»

Hat Hansen recht? Die Zukunft wird zeigen, wer die Narren sind – die Klimaskeptiker (Querdenker, Klimaleugner) oder die offiziellen Klimaforscher.

Wichtige Quellen und Blogs zum Thema (Pro und Kontra):

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