MvH

Ich, der Adler

Unser Kolumnist durchquert die Schweizer Berge. Und rät vom Besuch einer erfolgreichen Veranstaltung in Zürich ab.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in Crans-Montana, Gruyères und Gstaad (an einem Tag; ich fuhr einen Range Rover Sport 3.0 TDV6, Energieeffizienz-Kategorie C, um 8,3 Prozent reduzierte CO2-Emissionen). Zuvor wurde in der Maag Event Hall in Zürich die «Photo 09» eröffnet, eine Werkschau der Schweizer Fotografie (Eigenreklame). MvH interessiert sich ein wenig für Fotokunst, zum Beispiel für Werke von Hiroshi Sugimoto und Vik Muniz (noch nicht vorhanden in seiner Kleinstsammlung), ferner für Ryan McGinley und Wolfgang Tillmans (vorhanden; bei der Namensaufzählung ging es nicht um das hier oft vorkommende Namedropping, sondern darum, zu zeigen, dass ich meine etwas zu verstehen).

Die «Photo 09» ist, in meinen Augen, eine klug ausgedachte, gut gelungene Veranstaltung, deren Besuch ich niemandem empfehle. Was ich sagen will: Das business model ist hervorragend, die Qualität der gezeigten Fotos nicht. Das business model geht so: «Fotografen» senden Bilder ein und zahlen, falls diese ausgewählt werden, 280 Franken für einen Flecken Ausstellungsfläche. «Jeder ist ein Künstler», sagte Joseph Beuys, ein Künstler (1921–1986). Ihr Kolumnist sagt: «Aquila non captat muscas» (Ein Adler fängt keine Fliegen), und deshalb nichts über die Arbeiten von, sagen wir, Alex Hefter (Creative Director Schweizer Fernsehen), Mario Fehr (Nationalrat SP, ZH) oder Nomi Fernandes («Glamour Model»). Könnte der sogenannte Ausstellungsproduzent, Michel Pernet – ich arbeite ab und zu mit ihm, er ist ferner Mitbesitzer einer Public-Relations-Firma sowie Agent von Schweizer «Stars» und People (Cécile Bähler, Mahara McKay) –, dieses business model in das Verlagsgeschäft übertragen, würde er eine Zeitschrift herausbringen, bei der Autoren zahlen, damit ihre Artikel erscheinen. An den Launch Event kämen 1500 Gäste (so viel sollen an der Vernissage gewesen sein; darunter Tanja Gutmann, Rudi Bindella jr.) und würden eine Ausgabe kaufen, für 15 Franken (Eintrittspreis «Photo 09»). Der Grund, nebenbei, warum das business model Erfolg hat: Männer wollen Fotografen sein, um Frauen kennenzulernen. Diese Erklärung ist alt, ich weiss. Wie der Satz: «Du könntest Model sein, ich möchte dich porträtieren.» Aber it works.

Nach Crans-Montana fuhr ich nicht wegen eines Anlasses. Ich hatte etwas vor und wollte zudem wieder einmal sehen, wie es anderswo in den Bergen ist; es gibt nicht bloss das Engadin, nicht wahr?, auch noch das Wallis. Ergebnis: schöne Lage, auf einer Ebene hoch über der Rhone, und mehr Sonnenstunden als St. Moritz vermutlich. Weiter ziemlich viel Schnee sowie gute Pisten, höre ich (am Plaine-Morte-Gletscher), empfehlenswerte Restaurants («Le Raphaële», ein Italiener; «Gerber», für Crêpes), zudem eine Bar («Senso») und Einkaufsgeschäfte wie in einer Stadt (Hermès, Louis Vuitton, Chanel). Nach Crans, die bessere Hälfte von Crans-Montana sozusagen, fahren viele Genfer, Mailänder und wenig Deutschschweizer, Deutsche, Russen. Doch etwas fehlt, damit der Ort wieder einen halbfetten Eintrag auf der Karte der social places bekommt: ein richtiges, grosses Fünfsternehotel, so sieht es aus.

En route nach Gstaad, wo sich ein solches befindet, fuhr ich in Gruyères vorbei. Ebenfalls kein halbfetter Eintrag, schon klar. Aber einen Umweg wert, finde ich. Wegen der alten Häuser, des Schlosses und der Giger-Bar (H. R. Giger; meterlange Rückenwirbel als Verkleidung der Decke und als Stuhllehnen, «Man fühlt sich wie Jona im Walbauch», Secret Magazine). Die Bar, übrigens, ist bei dem Altersheim, sie schliesst um 20.30 Uhr. Irgendwie freut man sich auf das Altwerden.

Jetzt noch kurz, vor dem Fünfsternehotel-Test (Ist an einem Freitagabend um sieben jemand in der «Palace»-Halle, den MvH kennt? Und, zweitens, schmeckt das Club-Sandwich?), Gstaads neuer Slogan, nicht vom Tourismusdirektor: «Weltberühmt für einen Gast, der nicht kommen darf – und für einen, der nicht gehen darf» (Johnny Hallyday, Roman Polanski). Horst Edenhofer, der ehemalige Cartier-Chef, mit dem ich bekannt bin, war in der Halle. Und, zweitens, non, es schmeckt nicht, das Club-Sandwich (keine gebratene Hühnerbrust drin, kein Speck, stattdessen Truthahnaufschnitt. Preis: 35 Franken, Note über alles: 3,5). Gemütlich ist Gstaad trotzdem. Und diese Glühlampen-Ketten unter den Giebeln – only im Saanenland.

Kommentare

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  • Cristina Brugnoni
  • 24.01.10 | 20:29 Uhr

Als MvH noch Stars interviewte fand ich ihn erfrischend, die jetzige Kolumne finde ich nur noch langweilig und uninteressant. Schade.

 
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