Während unser Wirtschaftschef René Lüchinger die Hintergründe um die Personal- und Strategiequerelen bei der Post rekonstruierte, machte sich Kollege Alex Baur aus der Inlandredaktion daran, den politischen Werdegang des verantwortlichen Bundesrates, Moritz Leuenberger, zu analysieren und eine Bilanz seines Wirkens zu ziehen. Unsere Autoren recherchierten und schrieben nach einer rudimentären Abgrenzung der Themen unabhängig voneinander, ein jeder bekam den Artikel des andern jeweils erst zu Gesicht, als dieser schon fertig war. Obwohl sie bewusst auf eine Absprache verzichtet hatten, waren beide zum gleichen, für den Post-, Verkehrs- und Umweltminister wenig schmeichelhaften Schluss gekommen: Leuenbergers Politik zeichnet sich vor allem durch eklatante Entscheidungsschwäche und die Rückweisung jeder Verantwortlichkeit aus. Nach bald fünfzehn Jahren im Amt wird der lustlose Ironiepolitiker nicht nur für seine Partei, sondern für die ganze Regierung zur Hypothek. Der Fall zeigt — nicht zum ersten mal —, dass eine Amtszeitbeschränkung, wie sie in anderen Ländern selbstverständlich ist, auch hierzulande dringend diskutiert werden sollte.
Umfrage: Ist Moritz Leuenberger nicht schon viel zu lange im Amt?
Tut sich unser Land wirklich so schwer mit Grösse? Oder gehört das Lamento über den republikanischen Geist, der alles zurechtstutzt, was das helvetische Mittelmass zu überragen droht, selber ins Repertoire des kleinkarierten Schweizers? Am vergangenen Samstagabend bot sich die Gelegenheit, Antwort auf solche Fragen zu bekommen. Das Schweizer Fernsehen vergab zum achten Mal die Swiss Awards, eine Art Service-public-Orden für Persönlichkeiten aus Sport, Kultur und Politik. Dazu durfte das Publikum mittels Telefon-Voting den Schweizer des Jahres küren. Der Versuch, mit Limousinen, rotem Teppich und Fanfaren etwas Hollywood-Glamour zu importieren, war irgendwie herzig. Mehr aber nicht.
In dieser Ausgabe führen wir die Debatte über die deutschen Professoren in der Schweiz aus unterschiedlichen Blickwinkeln weiter. Monika Bütler, Professorin an der Universität St. Gallen, widerspricht dem Ruf nach einer speziellen Förderung des einheimischem akademischen Nachwuchses. Exzellenz habe keine Krücken nötig, die Guten setzten sich durch – wenn sie es wirklich seien, schreibt sie. Inlandchef Philipp Gut untersucht in seinem Beitrag den Zustand der Schweizer Geisteswissenschaften. Sein Fazit: Die Professoren, die sich gern ihrer Internationalität rühmen, leben wissenschaftlich gesehen in der Provinz. Nur wenige haben eine Ausstrahlung, die über die Grenzen des Landes oder gar des deutschen Sprachraumes hinausreicht. Schliesslich beleuchtet unser satirischer Kolumnist Andreas Thiel die notorischen Missverständnisse zwischen Schweizern und Deutschen am Beispiel der Sprache. Die Deutschen halten uns für freundlich, dabei sind wir bloss höflich. Während Deutsche verbales Bodybuilding betreiben, sind die Schweizer Meister in der permanenten kommunikativen Deeskalation.
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