Vergangene Woche war ich in Celerina, ich war Gast in der «Chesa Rosatsch» (ich mag das Hotel sowie das Restaurant «Stüvas»). Ferner ist das Dorf, von mir aus gesehen, das schönste im Engadin. Im Augenblick befinden sich dort in der Mehrheit Italiener, das ist gut, was das Ortsbild angeht (fare bella figura, auch in den Ferien). Ziemlich anders ist es zirka drei Kilometer südwestlich, in St. Moritz, dort gibt es zurzeit viele Russen. Es stimmt vermutlich, dass sich einige von ihnen heute weniger schlecht aufführen als vor zehn Jahren oder so.
(Hoteldirektoren-Sätze wie: «Der Russe ist in der Zwischenzeit ein Kulturreisender», et cetera sind aber übertrieben, finde ich). Und was man sagen kann: Russen leben nicht in dem Land des Lächelns. MvH verbrachte einen Abend in der sogenannten Lounge des «Kulm», die, nebenbei, ein furniture makeover vertragen könnte (wer braucht Sitzmöbel und Säulen mit Blumendruck in den Alpen?), neben zirka einem Dutzend russischer Männer. Das grand total von Lachlauten, das sie herausbrachten, lag bei ungefähr drei (das grand total von Worten nicht viel höher). Es waren auch Frauen anwesend (schöner, jünger; lachten/redeten mehr, trugen weniger Kleidung), der Entwurf ist klar, denke ich – es war ein guter Abend.
Am Samstag fand im Hallenstadion in Zürich Oerlikon die «Swiss Award»-Gala statt («der Promi-Anlass des Jahres», Blick.ch; «Glamour und die SRG gehen irgendwie nicht zusammen», MvH; Belegfotos auf Weltwoche.ch). Vergangenes Jahr – Elefantengedächtnis-Leser erinnern sich – hatte ich keine Einladung bekommen. «Ihre Akkreditierung ist nicht möglich», hatte ein Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens geschrieben (SF ist «Swiss Award»-Veranstalter). Toni Wachter, damals Leiter der Showredaktion, wollte Ihren Kolumnisten nicht, erfuhr ich dann. (Und ich meinte, er habe mich strafen wollen.) Jetzt ist er weg, und ich durfte hin. Vergangenes Jahr konnte ich erzählen, wie ich mich hineingeblufft hatte; dieses Jahr fällt das dahin, und ich muss über den Event berichten. (Was ist mehr Strafe?)
Mir begegnete z. B. Karina Berger, mit der ich bekannt bin und die Missen-Managerin ist. Bald kam Linda Fäh dazu, sie hatte zuvor ein Interview für einen Lokalradiosender gegeben. Ich war neugierig, was man eine 22-Jährige, Miss Schweiz seit drei Monaten oder so, fragt, als Profi. Aufdeckung: Alle Journalisten fragten dasselbe, sagte die Schönheitskönigin. «Wie hat dein neues Jahr angefangen?» («Super.») «Was war das Verrückteste, das du erlebt hast seit der Wahl?» («Erzähle ich nicht.») «Was wünschst du dir noch?» («Habe ich mir noch nicht überlegt.») Falls Sie einmal ein «Interview» mit ihr sehen, in dem die Antworten, sagen wir, interessanter ausfallen, war sie nicht faktentreu mir gegenüber (oder der Journalist nicht gegenüber seinen Lesern).
Wer mir nicht begegnete: Michelle Hunziker. Sie war vorgeschlagen für den Swiss Award (Kategorie «Show») zwar, doch sie war nicht nach Zürich gekommen. Weshalb nicht, wusste niemand genau. Ich habe zwei mögliche Erklärungen gehört. Die Verantwortlichen von SF hätten nicht den Manager angerufen, sondern bloss eine Einladung versandt mit der Post («Michelle Hunziker, Mediaset, Italia»?) resp. nicht 20 000 (Euro oder Franken) bezahlen wollen. Wie geschrieben, das erzählten Leute an dem «VIP-Apéro», bestätigt hat es keiner von SF (mein Konzessionsgeld, nur zum Sagen, darf gerne ausgegeben werden für den Besuch von Michelle nächstes Mal). Und dann Tina Turner. Sie gewann den Swiss Award (Kategorie «Show»), ohne sich am Apéro oder an dem Galadinner nach der Sendung von fremden Menschen anschauen oder -sprechen lassen zu müssen (sie wurde hinter das Stadion gefahren, auf die Bühne gebracht, nahm den Preis an, ging wieder heim). Damit das klar ist: MvH respektiert das private Leben, auch von Stars. Doch wer einen Award nimmt, sollte mitspielen. Vom Rücksitz eines Wagens in ein Mikrofon sprechen: «Riesenüberraschung» und «Ich bin zu Hause in diesem Land» reicht nicht. Das nächste Mal, wenn ich sie sehe, werde ich sagen: «Denken Sie nach, wie hätte es Elvis gemacht? Oder Jesus?»
Zum Schluss die gute Nachricht: Mein Viertel hat ein neues italienisches Restaurant («Villa Ducale», Schaffhauserstrasse 127, Zürich). Man möchte einen Text schreiben wie «Die kleine Kneipe», doch das hat Peter Alexander bereits getan. Ich empfehle es.

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