Studium

In der Wir-Form

Deutsche Professoren: Erfahrungsbericht eines Studenten.

Von Lukas Voellmy

Wie ist es denn nun, das Studium mit den vielen deutschen Professoren? Auch an meiner Universität, der Uni Bern, ist ein grosser Teil der Professoren aus Deutschland. In Fächern mit Landesbezug wie Politikwissenschaft kann das leicht zu Problemen und Missverständnissen führen. In den Feedback-Formularen, die zum Ende jeder Politikvorlesung ausgeteilt werden, sind die Beschwerdepunkte «Zu wenige Schweizer Themen» oder «Zu wenige Kenntnisse der Schweiz» regelmässig jedes Semester vertreten.

Die Professoren sind sich der Problematik natürlich bewusst und bemühen sich redlich, nicht allzu sehr als Deutsche aufzutreten. So achten mehrere deutsche Professoren darauf, immer in der Wir-Form zu sprechen, wenn sie in der Vorlesung von der Schweiz erzählen, was schon mal etwas merkwürdig sein kann. Trotzdem bringen die Professoren ihr Heimatland natürlich auch in den Hörsaal ein. Ihren Foliensätzen und ihrer Themensetzung kann man eine gewisse Deutschland-Lastigkeit nicht absprechen. So werden viele Statistiken nur von Deutschland gezeigt und das deutsche Parteiensystem kennt man schon nach dem ersten Semester in- und auswendig. Bemerkenswert ist auch, dass unsere anderen Nachbarländer oft nur am Rande vorkommen. Ein Politikstudent in Bern wird am Ende des Studiums sehr viel über Deutschland wissen, aber nur wenig über Frankreich oder Italien.

Ziemlich mutig sind Professoren, die sich in den Vorlesungen über die Schweiz lustig machen. So hat ein deutscher Professor in einer Vorlesung zur EU mit Vergnügen ständig darauf hingewiesen, wie unbedeutend und klein die Schweiz doch sei, der Alleingang wurde von ihm genüsslich als weltfremde Spinnerei abgetan. Darauf regte sich selbst bei manchem EU-freundlichen Studenten der eingerostete Nationalstolz. Obwohl sich die allermeisten Studenten an der Uni Bern nicht an den vielen deutschen Professoren stören, dürften viele froh sein, dass zumindest die Vorlesung zur Schweizer Politik noch von einem Schweizer gehalten wird.

Kommentare

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  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 11:01 Uhr

„die Beschwerdepunkte «Zu wenige Schweizer Themen»“
Ich dachte zum einen, dass ein Student zuvor eine Schule besucht hat und zum anderen studiert, um etwas Neues zu erfahren. Wenn ein Politikstudent sich darüber beschwert, dass ihn ein Professor dazu zwingt, weiter als bis zu seinem Gartentürchen zu schauen, dann frage ich mich, ob er wirklich weiss, was sein Fach beinhaltet. Oder ist Politikwissenschaft in der Schweiz etwas anders als an allen anderen Universitäten der Welt?

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:55 Uhr

„Wenn die Leitungen der CH-Universitäten nicht in der Lage sind, solche Selbstverständnisse an ihre Lehrkräfte zu vermitteln, sind sie falsch am Platze.“
Herr Bühler, wovon reden wir jetzt, von Zürich oder von Peking? Sie müssen sich einfach daran gewöhnen, dass sich Deutsche auch in der Schweiz das Denken nicht verbieten oder abkaufen lassen.

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:52 Uhr

„Der übermächtige Nationsstolz der Deutschen…“
Jetzt, Herr Bühler, bringen Sie mich aber zum Lachen. Das höre ich zum ersten Mal, dass wir einen übermächtigen Nationalstolz hätten. Vielmehr gehört ein gerüttelt Mass an Weltoffenheit dazu, sich die fremdenfeindliche, namentlich deutschfeindliche, Schweiz anzutun. Gut, es mag sein, dass man ein gewisses Mass an Stolz braucht, um die alltäglichen Anfeindungen in Zürich von sich abprallen zu lassen.

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:35 Uhr

„Gerade die Deutschen, die Nazis waren auch Deutsche!,“
Waren, Herr Bühler, waren. Und ich will als nach dem Krieg geborener auch nicht von einem Schweizer als Nazi angepöbelt werden, wenn der sich gerade wieder darüber aufregt, dass ich auf der Schweizer Autobahn korrekt 120 und in der 30er-Zone korrekt 30 fahre oder an einem Zebrastreifen korrekt für Fussgänger anhalte und nicht, wie es Schweizer gewohnt sind, auf die Tube drücke. Übrigens, am wachsten sind wir Deutschen, wenn andere dabei sind, die Nazis zu kopieren.

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:28 Uhr

„Und vielleicht ist es unsere Weltfremdheit, die uns bislang daran gehindert hat, genüsslich die Rattenfängergeschichten hervorzuholen und aufzutischen.“
Fragt sich dann aber nur, Herr Fischer, wie Sie sich dann die Phänomene SVP und Weltwoche oder solche Witze wie die Autopartei erklären.

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:25 Uhr

„dass die Schweiz aus mehreren Sprachregionen besteht“
Herr Garrido, was verstehen Sie eigentlich unter Politikwissenschaft? Soviel ich weiss, ist das nicht Heimatkunde, sondern viel mehr das Gegenteil. Wenn Politikwissenschaft sich im Lokalkolorit erschöpft, dann möchte ich Politikwissenschaftler eher nicht auf internationaler Ebene sehen. Und dass Englisch sich überall breit macht, dafür sorgen vor allem die Deutschschweizer selbst, die im Fussball bekanntlich nicht einmal einen Torwart oder Elfmeter kennen.

  • Walter Haberer
  • 24.03.10 | 10:17 Uhr

„Wenn der oben erwähnte Herr Professor sich so erhaben fühlt und so gerne kritisiert und Punkte verteilt,“
Herr Levron, die Schweizer kritisieren gerne andere heftig bis unter die Gürtellinie. Deshalb ist die antideutsche Hetze auch Seiten füllendes Thema der Weltwoche. Wenn sie jedoch selbst kritisiert werden, ja wenn der Betreffende nur ihre Kritik ebenso kritisch kontert, dann reagieren die Schweizer wie der Papst. Schweizer bemerken die zahlreichen Affronts, die sie gegen EU und ihre angrenzenden Nachtbarn richten, offenbar nicht, weshalb sie sich über die Reaktionen so sehr wundern.

  • Martin Bott
  • 12.02.10 | 16:03 Uhr

Daß die BRD Ihre Schweiz so offen und massiv unterwandert war mir nicht bekannt. Deutsche bilden Ihre zukünftigen Entscheidungsträger aus. Deutsche entscheiden wer im Studium gut abschneidet und wer herausselektiert wird. Deutsche entscheiden was Ihre Studenten zu wissen und zu denken haben. Und was sie nicht wissen und denken dürfen. Vor allem in den Geisteswissenschaften, denn da geht es um Meinungen und Politik. Deutsche erstellen Dossiers über ihre zukünftigen Entscheidungsträger und binden sie in Seilschaften ein. Was kann die BRD damit nur bezwecken?

  • Marianne Levron
  • 11.01.10 | 09:51 Uhr

Als ausländischer Dozent das Gastland zu respektieren und sich nicht darüber lustig zu machen, ist für mich das Minimum an Anstand und Korrektheit - aber das ist vermutlich auch "völkisch"........ Wenn der oben erwähnte Herr Professor sich so erhaben fühlt und so gerne kritisiert und Punkte verteilt, warum stellt er sein Genie dann nicht beispielsweise dem Iran oder Libyen zur Verfügung ? Dort könnte er Lektionen zum Thema Demokratie etc. erteilen .... Das Honorar wäre natürlich etwas weniger happig, und auch sonst müsste er einige Unannehmlichkeiten riskieren...

  • Soledad Azcona Garrido
  • 10.01.10 | 17:56 Uhr

"Ein Politikstudent in Bern wird am Ende des Studiums sehr viel über Deutschland wissen, aber nur wenig über Frankreich oder Italien."

Man hat oft den Eindruck, dass die Herren Akademiker aus D bloss theoretisch wissen, dass die Schweiz aus mehreren Sprachregionen besteht und dass dies ein wichtiger Faktor für das Verständnis unseres Landes ist. Für die meisten Deutschen gibt’s halt nur Deutsch und Englisch als Sprach- und Kulturregion und damit hat es sich. Frankreich? Wäh, bäh, bursäh…Italien? O sole mio...(zudem alles unseriös).

  • Reinhart R. Fischer
  • 10.01.10 | 13:49 Uhr

Wir brauchen uns unserer Kleinheit und angeblichen Provinzialität wahrlich nicht zu schämen. Vielleicht ist sie es, die uns davor bewahrt hat, jemals in unserer Geschichte irgendeinem hergelaufenen Rattenfänger aufzusitzen, sei es einem mit Schalmei aus Hameln oder einem mit Pinsel aus Braunau. Oder solchen aus Brüssel, die sozusagen beides kombinieren, Schalmei und Pinsel, in Form von Trompe-l’œil-Malereien untermalt mit Sirenengesängen.

Und vielleicht ist es unsere Weltfremdheit, die uns bislang daran gehindert hat, genüsslich die Rattenfängergeschichten hervorzuholen und aufzutischen.

  • Bojan Antonovic
  • 10.01.10 | 00:39 Uhr

Böse gesagt, muss mir einer noch beweisen, dass nicht alle Politiker gleich sind.

Der deutsche Professor weist, durch seine Mockerei, auf ein Problem seines Arbeitgeberlandes hin. Für fremde Hinweise sollte man dankbar sein. Ausserdem sollte klar sein, dass die Schweiz nicht die Grösse von Russland hat.

  • Hanspeter Bühler
  • 08.01.10 | 15:32 Uhr

Wir sollten uns auch objektiv fragen, weshalb denn in der Schweiz der Lebensstandard höher ist als in allen anderen Ländern der Welt. Als Mensch der wirklich in der Welt herumgekommen ist, darf ich schon behaupten, dass wir Schweizer uns nicht zu verstecken brauchen. Woher viele Schweizer ihre Minderwertigkeitkomplexe - beispielsweise - gegenüber Deutschen haben wissen die Götter. Gerade die Deutschen, die Nazis waren auch Deutsche!, sollten sich mit überheblichem Gebaren sehr zurückhalten. Und schon meinen sie wieder sie müssten in Afganistan ebenfalls wieder eine Rolle spielen.

  • Carla Kägi
  • 08.01.10 | 08:03 Uhr

Wir, die direkten Demokraten, sollten vielleicht fortan ein bisschen direkter höflich sein & den hohnlachenden Professoren halt so oft sie es brauchen immer wieder genau erklären warum sie hier gelandet sind und wer sie bezahlt.
Wenn wir das nicht tun, helfen wir ihnen dabei die wahren Gründe ihres Hierseins zu verdrängen und fördern ihre grundlose Überheblichkeit. Also ist es geradezu unsere Pflicht sie höflich, deutlich und direkt von ihren verkehrten Ansichten über ihr Gastland Schweiz und der Position die sie darin einnehmen zu "befreien".

  • Cyrill Hess
  • 07.01.10 | 23:02 Uhr

Das Professoren vom Ausland, welche hier Arbeit gefunden haben sich über die Schweiz lustig machen und sich beklagen zeigt eigentlich nur ihr widersprüchliches Verhalten auf.

Was mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass schweizerische Staatskunde bereits in den unteren Schulstufen immer mehr an Gewicht verliert und so zu einem Identitätsverlust führt, welcher durch die oft verweichlichte Lehrerschaft noch verstärkt wird.

Beim Menschen sind es die Erinnerungen welche ihn ausmachen, bei einer Nation ist es ihre Geschichte. Ein gesundes Mass an Patriotismus ist für ein Volk überlebensnotwendig.

  • Rainer Selk
  • 07.01.10 | 20:21 Uhr

'Alleingang wurde von ihm genüsslich als weltfremde Spinnerei abgetan'

Warum ist der eigentlich hier, wenn doch alles spinnert ist. Dann sollte man ihm die Fränkli spinnert entreissen, sonst tut er die auch noch ab.... prima, so haben wir das wirklich gerne. Aber wir sollten niemanden zwingen... hier zu bleiben.

  • Hanspeter Bühler
  • 07.01.10 | 15:50 Uhr

Der übermächtige Nationsstolz der Deutschen ist an und für sich kein Fehler, das gilt für die meisten Nationen. Aber hier sein Geld zu verdienen und sich über demokratisch zustande gekommene Entscheidungen unseres Landes lustig zu machen sprengt eindeutig den Rahmen.

Wenn die Leitungen der CH-Universitäten nicht in der Lage sind, solche Selbstverständnisse an ihre Lehrkräfte zu vermitteln, sind sie falsch am Platze.

 
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