Wie ist es denn nun, das Studium mit den vielen deutschen Professoren? Auch an meiner Universität, der Uni Bern, ist ein grosser Teil der Professoren aus Deutschland. In Fächern mit Landesbezug wie Politikwissenschaft kann das leicht zu Problemen und Missverständnissen führen. In den Feedback-Formularen, die zum Ende jeder Politikvorlesung ausgeteilt werden, sind die Beschwerdepunkte «Zu wenige Schweizer Themen» oder «Zu wenige Kenntnisse der Schweiz» regelmässig jedes Semester vertreten.
Die Professoren sind sich der Problematik natürlich bewusst und bemühen sich redlich, nicht allzu sehr als Deutsche aufzutreten. So achten mehrere deutsche Professoren darauf, immer in der Wir-Form zu sprechen, wenn sie in der Vorlesung von der Schweiz erzählen, was schon mal etwas merkwürdig sein kann. Trotzdem bringen die Professoren ihr Heimatland natürlich auch in den Hörsaal ein. Ihren Foliensätzen und ihrer Themensetzung kann man eine gewisse Deutschland-Lastigkeit nicht absprechen. So werden viele Statistiken nur von Deutschland gezeigt und das deutsche Parteiensystem kennt man schon nach dem ersten Semester in- und auswendig. Bemerkenswert ist auch, dass unsere anderen Nachbarländer oft nur am Rande vorkommen. Ein Politikstudent in Bern wird am Ende des Studiums sehr viel über Deutschland wissen, aber nur wenig über Frankreich oder Italien.
Ziemlich mutig sind Professoren, die sich in den Vorlesungen über die Schweiz lustig machen. So hat ein deutscher Professor in einer Vorlesung zur EU mit Vergnügen ständig darauf hingewiesen, wie unbedeutend und klein die Schweiz doch sei, der Alleingang wurde von ihm genüsslich als weltfremde Spinnerei abgetan. Darauf regte sich selbst bei manchem EU-freundlichen Studenten der eingerostete Nationalstolz. Obwohl sich die allermeisten Studenten an der Uni Bern nicht an den vielen deutschen Professoren stören, dürften viele froh sein, dass zumindest die Vorlesung zur Schweizer Politik noch von einem Schweizer gehalten wird.













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