Gegenvorschlag

10 Thesen zur Sozialhilfe

Die Sozialhilfe beschert namentlich schlecht qualifizierten Migranten oft ein ungleich höheres Einkommen, als sie mit Arbeit verdienen könnten. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, hat die SKOS einen Aktionsplan mit 31 Punkten erarbeitet, der allen Einwohnern der Schweiz ein staatlich finanziertes  Mindesteinkommen garantieren soll. Die Weltwoche stellt im Sinne eines Gegenvorschlags 10 Thesen zur Debatte, die wir im August 2007 erstmals publizierten.

Von Alex Baur

1. Arbeit statt Rente - Theoretisch ist die Sozialhilfe (oder Fürsorge) als Anleihe in Notfällen ausgelegt; in der Praxis hat sich daraus ein Rentensystem entwickelt, das einen rechtlichen Anspruch auf ein Mindesteinkommen weit über der Existenzsicherung garantiert. Massnahme: obligatorische Arbeitseinsätze sollten die Regel sein, Kürzung der Leistungen und intensivere Betreuung für Langzeitbezüger. Wem eine reguläre Arbeit nicht zugemutet werden kann (z.B. alleinerziehende Elternteile mit Kleinkindern), muss sich anderweitig engagieren (in Krippen, an Mittagstischen etc.).

2. Spürbare und konsequente Sanktionen - Die Sozialhilfe setzt heute vor allem auf positive Anreize: Wer arbeitet, wird mit finanziellen Vorteilen belohnt; Sanktionen für arbeitsscheue "Klienten" gibt es dagegen fast keine (gemäss Bundesamt für Statistik machen Sanktionen bloss 0,3 Prozent der finanziellen Anreize aus); in den meisten Kantonen ist höchstens eine Kürzung von 15 Prozent des sogenannten Grundbedarfs erlaubt. Massnahme: Wer nicht kooperiert, soll auf die Nothilfe gesetzt werden (rund eine Halbierung der Grundleistung), wer jede Arbeit verweigert, soll nichts mehr bekommen. Leistungskürzungen sind sofort zu vollziehen, Rekurse haben keine aufschiebende Wirkung.

3. Schluss mit der "Vollkasko-Mentalität" - Wer sich einmal in der Sozialhilfe etabliert hat, ist heute dank den "situationsbedingten Leistungen" gegen jede Unpässlichkeit versichert und von jeder Eigenverantwortung befreit: Zahnarzt, Selbstbehalte, Anwälte, Versicherungen, Schulutensilien, Erziehungshilfen, amtliche Papiere, sogar Heimaturlaube oder Fahrstunden werden unter Umständen bezahlt. Massnahme:  Situationsbedingte Leistungen strikt auf Ausnahmesituationen und auf das Lebensnotwendige beschränken, der "Klient" muss immer einen Selbstbehalt tragen.

4. Sozialhilfe darf nicht rentieren - Die offiziellen Zahlen der Sozialämter vermitteln oft einen falschen Eindruck, weil sie die "situationsbedingten Leistungen" unterschlagen; namentlich schlecht qualifizierte Immigranten mit mehreren Kindern erhalten von der Fürsorge unter dem Strich oft ungleich mehr, als sie mit Arbeit verdienen könnten. Die Tatsache, dass sich viele Sozialhilfebezüger Autos und Ferienflüge leisten, weist darauf hin, dass das Geld nicht unbedingt den Kindern zugutekommt. Massnahme: Die Tarife sind generell zu reduzieren. 

5. Nulltoleranz gegenüber Betrügern - In der Schweiz gibt es bezüglich Missbrauch keine systematischen Erhebungen; rigide Kontrollen in Amsterdam haben bei ganz ähnlichen Verhältnissen eine Missbrauchsquote von 18 Prozent zutage gebracht (bei den Obdachlosen gar 30 Prozent). Massnahme: Einsatz von Kontrolleuren mit den nötigen Kompetenzen (unangemeldete Hausbesuche, Stichproben auch ohne Verdacht), die unabhängig arbeiten; auch bei geringen Deliktsbeträgen müssen konsequent Strafverfahren eröffnet werden.

6. Transparenz schaffen - Die Kooperation unter den verschiedenen Amtsstellen ist oft mangelhaft. Strafverfolger haben resigniert und ermitteln kaum noch auf eigene Faust, überforderte Sozialarbeiter ignorieren Hinweise auf Betrug, der Datenschutz behindert den Austausch von Informationen. Solche Missstände blieben lange verborgen, weil die Sozialhilfe ein in sich geschlossenes System ist. Massnahme: Der Informationsaustausch unter den Behörden muss vereinfacht werden; jeder Bezug von öffentlichen Geldern soll, analog zum Steuerausweis, für jedermann einsehbar sein. Um das angeschlagene Vertrauen der Bevölkerung wiederherzustellen, braucht es nicht neue PR-Leute, sondern Transparenz. Das wäre auch ein Zeichen gegen die Stigmatisierung: Wer wirklich auf Hilfe angewiesen ist, muss sich nicht verstecken.

7. Lediglich Nothilfe für Immigranten - Offiziell sind rund die Hälfte der Sozialhilfebezüger Ausländer; wenn man den Asylbereich und die Einbürgerungen berücksichtigt, haben 70 bis 80 Prozent der Fürsorgebezüger einen "Migrationshintergrund" (vgl. Weltwoche Nr. 14/2007); einzelne Herkunftsländer (Balkan, Türkei, Italien) sind markant übervertreten; die Sozialbranche begründet dies mit Bildungsdefiziten und Integrationsproblemen; dem steht gegenüber, dass Immigranten in aller Regel freiwillig in die Schweiz kommen, weil sie hier bessere Chancen haben (dies trifft auch für Flüchtlinge zu); Immigranten haben tendenziell weniger Hemmungen, das Angebot auszureizen, zumal sie nicht mit Rückforderungen rechnen müssen. Da sie in der Regel an ein ungleich tieferes Wohlstandsniveau gewohnt sind, erscheint der in der Schweiz übliche Standart für viele astronomisch hoch. Massnahme: Für alle Immigranten gilt  analog zu Versicherungen eine Karenzfrist von zehn Jahren; wer in dieser Zeit bedürftig wird, soll lediglich Nothilfe bekommen - und wenn immer möglich in seine Heimat ausgewiesen werden.

8. Keine Privilegien für Flüchtlinge - Lediglich ein Viertel der anerkannten Flüchtlinge sind nach Angaben des Bundesamtes für Migration finanziell selbständig. Der Grund: Wer ein Asylgesuch stellt, wird automatisch in unser Fürsorgesystem integriert, aus dem er sich nur schwer befreien kann. Die Integration, die vor allem bei der Arbeit stattfindet, wird dadurch zusätzlich erschwert, was wiederum bei der Arbeitssuche ein Hindernis ist - ein Teufelskreis. Massnahme: Für Flüchtlinge gelten dieselben Regeln wie für alle anderen Immigranten - lediglich Nothilfe, kein Familiennachzug ohne finanzielle Selbständigkeit. Es gilt das Schweizer Recht (keine Mehrfach- oder Fernheiraten nach Scharia-Recht etc.).

9. Kein roter Pass für Sozialhilfebezüger - Es ist legitim, die Zuwanderung so zu steuern, dass sie dem Gastland möglichst viele Vorteile und möglichst wenig Nachteile bringt. Dieses Prinzip enstpricht internationalen Gepflogenheiten und wird weltweit respektiert. Gerade rechtschaffene Zuwanderer empfinden die "falsche Toleranz" oft als Zumutung, weil sie selber dadurch in Verruf geraten. Massnahme: Keine Einbürgerung bzw. Niederlassungsbewilligung für Sozialhilfebezüger, konsequente Landesverweisung für Geseztesbrecher.

10. Die Sozialbranche muss sich radikal öffnen - Der Berufsstand der "sozial Engagierten" ist (ähnlich wie jener der Medienschaffenden) geprägt von ideologischen Dogmen, Tabus und Vorurteilen; es zählt nicht, was ist, sondern wie es sein sollte; Kritik wird leichthin als Angriff auf die Institution Fürsorge abgeblockt, wer die Doktrin der "Profis" in Frage stellt, wird als Ignorant verhöhnt. Die Studien, die die Sozialbranche in barocker Fülle produziert, besagen oft mehr über die Geisteshaltung der Autoren als über die Realität; Fakten werden zurechtgebogen, der vermeintlich gute Zweck heiligt die Mittel. Doch jede Propaganda wird früher oder später als solche entlarvt und führt zu Vertrauensverlust. Gerade die weltweit einzigartige Erfolgsgeschichte der direkten Demokratie in diesem Land hat bewiesen, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung pragmatischen und differenzierten Lösungen zugänglich ist, jedoch empfindlich auf Manipulationsversuche reagiert.  Die Institution Fürsorge ist tief verankert in unserer Gesellschaft. Jenen, die wirklich in Not geraten sind, hilft man gerne. Doch man lässt sich nicht belügen und auf der Nase herumtanzen. Der lockere Umgang mit Steuergeldern ist ein gravierender Vertrauensbruch, Fürsorgebetrug ist ein besonders verwerfliches Delikt, weil er die Solidarität untergräbt und verhöhnt. Massnahme: Rückbesinnung auf die Kernanliegen; die Fürsorge ist kein Instrument zur Umverteilung, sondern ein Auffangnetz für Not- und Härtefälle.Die Sozialbranche muss sich politisch öffnen und den tabulosen Disput mit Kritikern fördern. Das verlorene Vertrauen muss durch eine Kultur der Redlichkeit und Transparenz neu erarbeitet werden.

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Kommentare

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  • Johannes Kugler
  • 20.01.10 | 17:13 Uhr

Es ist immer das Gleiche, Ausgrenzen, Verallgemeinern, Fronten schaffen, die Sozis gegen die Bürgerlichen, die Reichen gegen die Armen. Wer auf der Strecke bleibt, ist der Mensch in einer für ihn nicht überwindbaren Situation.
Als Coach, bleibt mir hier nur eines zu Schreiben: Selbstverantwortung hört da auf, wo ein Mensch für sich nicht's mehr verändern kann. Also schaffen wir doch alle die Rahmenbedingungen, das Menschen wieder mehr Verantwortung übernehmen. Jeder für sich und wenn nötig auch für andere. Schulzuweisungen sind eine Sackgasse. Sozialer Frieden die Basis unsere Wohlstandes

  • Rainer Selk
  • 13.01.10 | 09:51 Uhr

Carsten Christ 13.01.10 08:32
Ich gebe, neben allem Verständnis für die soziale Seite, zu bedenken, dass die 'Verteilung' auf keinen Fall bei SKOS bleiben darf. Das muss, bundesweit per Gesetz geregelt werden, damit Auslegungs-/Interpretationswillkühr vermieden wird. Eine 'Bringschuld' des Staates darf das nicht werden und eine Explosion der Leistungen muss unterbleiben. Fehlende eigene Lebensplanung und Faulheit darf nicht belohnt werden. Schlaraffia darf es nicht geben, weil nicht bezahlbar. Wird sowieso vor den Volk gebracht werden müssen. 'Stocker-Züritis' lassen da grüssen..

  • Carsten Christ
  • 13.01.10 | 08:32 Uhr

Die richtige Lösung zu diesem Problem wäre folgende:

Der SKOS-Vorstoss ist richtig!

Und die 10 Gegen-Vorschläge sind auch richtig!

Es müssen nur beide in der RICHTIGEN RICHTUNG angewandt werden!!

  • Rainer Selk
  • 09.01.10 | 18:58 Uhr

Renato Neidhart 08.01.10 16:36
Sie haben recht, aber ohne den Konsenz zw. den Sozialpartnern wären wir wohl auch nicht bei jenen Wohltaten. Es ist aber richtig, dass 'Wohltaten' von 'Wertschöpfungserzeugern' erst ermöglicht werden. Alles andere sind Rahmenabkommen, die in sich keinen Rappen erzeugen / ausschütten! Das ist ja auch das Fehldenken betr. EU. Sie ist lediglich ein Rahmen und bringt keinen Rappen Wertschöpfung, nur Umverteilung, oft blödsinninge Regulierungen + ist viel zu teuer. Die Wohltaten liegen nicht in Moloch-Administrationen, sondern vom 'wer's bezahlt'.

  • Renato Neidhart
  • 08.01.10 | 16:36 Uhr

Erwin Beeler, Sie müssen für die Wohltaten von AHV, 13. Gehalt und ähnlichem nicht den Sozis dankbar sein, sondern denen die es bezahlen.

Fordern kann jeder, nur beim Bezahlen bleiben halt nur die Bürgerlichen, weil die Sozis nichts auf die Reihe bekommen. Wären alle Forderungen der Sozis erfüllt worden, läge unsere Wirtschaft längst am Boden.

Und, Peter Schlegel, das mit der bürgerlichen Mehrheit in den Räten ist eine Mär, oder würden Sie tatsächlich Leute wie Kreis, Markwalder und viele andere ähnliche als "bürgerlich" bezeichnen wollen ?

  • Edwin Beeler
  • 07.01.10 | 16:58 Uhr

Arbeitslos wegen Finanzkrise: die Verursacher werden verschont, die geplante Boni-Steuer (50%) wird von der Weltwoche und den pauschaletikettierenden Sozi-Hassern wohl bekämpft werden. Die Sozihasser sollten konsequent auf das verzichten, was diese Sozis/Gewerkschaften erkämpft haben - also Herr Frei: freiwillig auf AHV verzichten - haben Sozis erkämpft. Auf 13. Monatslohn verzichten, auf Ferien verzichten - haben Sozigewerkschaften erkämpft. Gehen Sie mit dem guten Beispiel voran und malochen Sie 60 Std./Woche für 500.-/Mt., & schicken Sie Ihre Kinder in den Stollen, nicht in die Volksschule.

  • Edy Scheffmacher
  • 07.01.10 | 10:44 Uhr

10 Forderungen, die jedem ehrbaren Schweizer einleuchten müssten.

  • Peter Schlegel
  • 07.01.10 | 10:32 Uhr

Sergio Frei,

Es ist doch schön für jedes Problem Sündenböcke parat zu haben.

Das war schon im Deutschland der 30er so: Dort waren es die Sozis und die Juden.

Heute in der Schweiz sind es die Sozis, die Deutschen und die Muslime...

Fakt ist, dass wir eine klare bürgerlich-rechtskonservative Mehrheit haben in National-, Stände- und Bundesrat!

Das gleiche gilt für fast alle Kantone!

Interessant auch: Die skandinavischen Staaten, die während/seit Jahrzehnten sozialdemokratische Regierungen haben/hatten schneiden international fast überall am besten ab!!!

  • Sergio Frei
  • 07.01.10 | 08:54 Uhr

einziger fakt ist: was unsere väter aufgebaut ist dank den "grosszügigen" sozis nun im argen und soll von uns abgeurteilt werden. weitere schlüsse daraus - wer nie od. wenig eingezahlt, warum soll diese person erhalten? unlogisch, aber klar moral hat ja keine grenzen nur politische überlegungen zu grunde.
zu vermissen ist generell eine haltung wie man sie vor dem krieg bis 60jahre gekannt hatte. unterstützung wurde als schande abgetan. man musste verantwortung übernehmen im leben. auch hier hat man die bezüger nach herkunft aus entsprechend sozialen systemen (zu recht?) vorverurteil

 
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