Weihnachtsferien bei Verwandten der Familie in Danang, Vietnam: Vor bald 35 Jahren landeten hier an der Küste die ersten amerikanischen Bodentruppen, damals bekränzt und begrüsst von einer euphorischen Lokalbevölkerung. Der Krieg gegen die Kommunisten brachte Enttäuschungen, Verheerungen und Verwüstungen. Die Amerikaner hielten nicht durch. Das Land stürzte in die Agonie des Kommunismus ab. Seit den neunziger Jahren geht es nach Reformen bergauf. Was sofort auffällt: gewaltige Massen an jungen Menschen, unglaubliche Betriebsamkeit, keine Ruhetage, auf den Strassen ein Monumentalgewusel von Motorrädern und Autos, darunter auch BMWs und Porsches. Eine Tante, Besitzerin eines Kleiderladens, berichtet, sie arbeite sieben Tage die Woche von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Eine andere Familie spart für die Tochter, die seit ein paar Jahren in den USA Betriebswirtschaft studiert. Der Zusammenhalt ist gross. Die Kinder sind die Altersvorsorge der Eltern. Das System ist weniger schlecht als unsere AHV, weil Umverteilung innerhalb der Familie besser, nachhaltiger funktioniert. In Saigon ergibt sich der gleiche Eindruck: Die Leute arbeiten, arbeiten, arbeiten. Das Durchschnittstempo ist noch höher. Der Kontrast nach der Rückkehr in die Heimat fällt deutlich aus. Zürich empfängt den Touristen wie im Dämmerschlaf. Ein paar vermummte Gestalten huschen bei Minusgraden über die Bahnhofstrasse. Der Morgenverkehr am ersten Arbeitstag des Neujahrs schleicht beschaulich, angenehme Ruhe und Behäbigkeit wie in einem Altersasyl. Die Unterschiede sind beunruhigend. Wie lange kann sich eine Schweiz auf den Leistungen ihrer Vorfahren ausruhen?
Die Zunahme deutscher Arbeitnehmer in der Schweiz bleibt auf Rekordstufe hoch. Nach Berechnungen von FDP-Nationalrat Philipp Müller kamen bis Ende 2009 monatlich rund 1600 neue Deutsche, darunter viele Akademiker. Es ist eine Naturtatsache, dass sich Landsleute am Arbeitsplatz gerne mit vertrauten Teams aus anderen Landsleuten umgeben. Schweizer arbeiten, in der Regel, lieber mit Schweizern zusammen als mit Belgiern. Deutsche arbeiten lieber mit Deutschen zusammen, wenn sie nicht aus irgendwelchen Gründen mit Nichtdeutschen zusammenarbeiten müssen. Zahllose Studien belegen, dass sich gerade unter Ausländern gleicher Nationalität der Zusammenhalt fern der Heimat verstärkt. Man hält zusammen, wenn man sich auf fremdem Terrain bewegt. Historische Quellen bestätigen, dass sich erste Keime des frühneuzeitlichen Nationalismus an Universitäten bildeten, wo sich ausländische Studenten zusammenrauften, um sich prügelnd gegen die Einheimischen zur Wehr zu setzen.
Umfrage: Was halten Sie vom Filz-Vorwurf der SVP an die Adresse deutscher Professoren an Schweizer Universitäten?
Heute fühlen sich deutsche Professoren an Schweizer Universitäten unanständig angegriffen, weil ihnen die SVP in einem Inserat vorwarf, sie würden durch Vetternwirtschaft ihre beträchtliche und zunehmende Präsenz an den Fakultäten weiter verstärken. Der Verdacht ist berechtigt. Vor allem der geisteswissenschaftliche Bereich ist eine Sonderzone, die nach eigenen Gesetzen funktioniert. Leistung und Wettbewerb werden als Auswüchse marktwirtschaftlicher Irrlehren gemieden. Man besinnt sich lieber auf die höhere Willkür akademischer Gremien, die dem Gott des Konformismus huldigen. Schon früher beeindruckte die Fähigkeit der Phil.-I-Professoren, sich treffsicher mit Kollegen zu umgeben, die das linke Einheitsklima nicht ins Wanken brachten. Gut möglich, dass sich nach dem Anmarsch vieler Deutscher heute das Harmonieprinzip vor allem territorial ausdrückt. Der hohe Anteil deutscher Universitätsmitarbeiter kann ja nicht allein dadurch zu erklären sein, dass Deutschland die besten Akademiker der Welt produziert. Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Wären die deutschen Unis besser, hätten wir nicht so viele deutsche Professoren in der Schweiz.
Der deutsche Michael Hampe, Ordinarius für Philosophie an der ETH Zürich, sprach mit Blick auf die SVP-These in einem Tagi-Artikel von «Brutalisierung und Dekultivierung». Es werde, schrieb er weiter, von der Volkspartei eine «Nationalisierung» und «Helvetisierung» der Forschung angestrebt, die Hampe mit dem sowjetischen Gulag und der «Arisierung» der Wissenschaft unter den Nationalsozialisten in Verbindung brachte. Der Fehlvergleich offenbart ein Übermass an professoraler Empfindlichkeit. Die Polemik zielt aber auch in der Sache krass an der Realität vorbei. Die Drahtzieher der SVP-Kampagne, unter anderem Nationalrat Christoph Mörgeli, befürworten das Gegenteil dessen, was ihnen Hampe vorwirft. Mörgeli sprach sich wiederholt für das Ideal amerikanischer Eliteuniversitäten aus, die ihre Professoren nach Leistung weltweit auswählen. Hampes Verteidigung der Deutschen ist Schollendenken. Und ein Missverständnis seiner Gegner. Die SVP-Kritik ist kein Plädoyer für Heimatschutz, sondern ein Ruf nach mehr Weltoffenheit und weniger Deutschtümelei an den Schweizer Universitäten.
Die Sensation des Neujahrs ist James Camerons Science-Fiction-Brecher «Avatar», der mit augenscheinlich revolutionärer 3-D-Technik bereits seine erste Milliarde an den Kinokassen einspielte. Der Film berichtet von einem querschnittgelähmten amerikanischen Marinesoldaten, der sich einem bösen Rohstoffkonzern andient, um auf einem fernen Urwaldplaneten die elfenhaft schönen Bewohner zu unterwandern, damit sie sich aus ihrem an Bodenschätzen reichen Biotop vertreiben lassen. Zu diesem Zweck wird der GI einer maschinell gestalteten Seelenwanderung unterzogen mit dem Ziel, ihn geistig in den Körper eines genmanipulierten Ausserirdischen einzuschleusen. Das Unterfangen gelingt, doch der Amerikaner verliebt sich während seiner Erkundungen in die Tochter des Häuptlings und wendet sich gegen seine Auftraggeber. Es kommt zur kolossalen Entscheidungsschlacht. Bewehrt mit Flugdrachen und Pfeilbogen, stürmen die Waldmenschen gegen die hochgerüstete US-Weltraumflotte.
Man entnimmt diesen Schilderungen, dass es nicht leicht ist, eine solche Handlung in eine für Erwachsene halbwegs akzeptable Form zu giessen. Cameron bringt das Kunststück fertig. Sein Film ist voll zauberhafter Fantasie, ein Bilderrausch aus dem Computer, ein schwelgerischer Vorstoss in die höchsten Höhen von Ökomystik und Naturkitsch. Es gelingt. «Avatar» ist ein Triumph von Ingenieurwesen und Einbildungskraft, wie man es so noch nie erleben konnte.













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