Volksrechte

Staat ist, was der Bürger will

Auch heute erweist sich das Volk als verlässlichster politischer Akteur. Wie schon in den aufgeheizten dreissiger Jahren. Ein Loblied auf die direkten Demokraten.

Von Urs Paul Engeler

Auch das Schweizervolk kann Naturgesetze nicht ausser Kraft setzen und ökonomische Entwicklungen nicht ganz umkehren. Das hat es erfahren müssen, nachdem knapp 52 Prozent der Bürgerinnen und Bürger 1994, als jährlich noch rund 600 000 Lastwagen über die Alpenpässe rollten, linksgrünen Gebirgspopulisten um Peter Bodenmann auf den Leim gekrochen waren und folgende Bestimmungen in die Verfassung geschrieben hatten: «Der alpenquerende Güterverkehr von Grenze zu Grenze erfolgt auf der Schiene. [...] Die Verlagerung des Gütertransitverkehrs auf die Schiene muss zehn Jahre nach Annahme [dieses Artikels, die Red.] abgeschlossen sein.»

Mehr zum Thema im Dossier «Direkte Demokratie»

Wenn das Jahr 2009 zu Ende ist, werden wieder knapp 1,2 Millionen Laster die vier Alpenübergänge am Gotthard, Simplon, am Grossen St. Bernhard und San Bernardino gequert haben, ein Grossteil davon von Grenze zu Grenze.

Dieser peinliche Lapsus ist eine rare Ausnahme in der langen und erfolgreichen Geschichte der direkten Demokratie, die der Schweizerischen Eidgenossenschaft Vitalität, Stabilität und Wohlstand gebracht hat. Volk und Stände haben einige merkwürdige Entscheide getroffen, haben einzelne Beschlüsse korrigieren müssen (so die erste Neat-Vorlage von 1992), haben Steuererhöhungen zum Teil abgelehnt, haben anderen Steuererhöhungen zugestimmt, haben grüne Anliegen unterstützt oder verworfen, haben Bundesrat und Parlament oft bestätigt, oft desavouiert.

Eines haben die Bürgerinnen und Bürger des Landes aber immer gemacht, wenn sie an die Urnen marschiert sind: Sie haben extremen Vorschlägen, die tiefgreifende und gefährliche Veränderungen am politischen System oder an der grundsätzlich liberalen Wirtschaftsordnung bewirkt hätten, eine klare Absage erteilt. Die Mehrheit des Souveräns war die Konstante der Schweiz, nicht bremsend, sondern mit Mass modernisierend. Der Souverän ist die politische Instanz, die über die bald 140 Jahre der direkten Demokratie sich am meisten Vertrauen erarbeitet hat.

Absage an den Führerstaat

1934, unter dem starken Einfluss der Erfolge Mussolinis und der Nationalsozialisten, reichten die jungen Garden der Katholisch-Konservativen (damals KK, heute CVP) und Fröntler ihr Volksbegehren «für eine Totalrevision der Bundesverfassung» ein. Die Initianten strebten nicht weniger als die Umgestaltung der liberalen Basisdemokratie in einen autoritären Führerstaat an, sie wollten explizit das Verbot der Einbürgerung von Juden durchsetzen. «Es war», wie Rolf Henne, Wortführer der Schweizer Nazis, damals schrieb, «der Versuch, auf dem demokratischen Weg über die Verfassungsrevision die Erneuerung durchzuführen.»

«Das Volk darf nicht alles»: Kontra-Essay von Jo Lang

Das hohe Parlament mochte sich nicht zu einer Ablehnung der Initiative durchringen. Am 8. September 1935 entschied das solide Schweizervolk bei einer hohen Stimmbeteiligung von 61 Prozent mehr als souverän: Zum Zeitpunkt, als die faschistischen Regime sich bereits voll etabliert hatten, lehnten drei Viertel der Bürger, was politisierende Historiker wie Georg Kreis heute negieren, die antisemitische Initiative ab; nur die katholisch-konservativen Kantone Freiburg, Wallis, Obwalden und Appenzell Innerrhoden stimmten (der KK-Parteiparole folgend!) zu.

 

Keine extremistischen Experimente

Insbesondere die antidemokratische Freiburger Elite (meist mit einem «de» vor dem Namen) predigte, unterstützt von der Geistlichkeit, wider die «numerische» Demokratie: «Mehrheiten haben nichts zu bedeuten.» Es gebe über dem Volk eine höhere «Ordnung», in deren Namen auch eine majorité in die Schranken gewiesen werden müsse. Während die neu geordneten Nachbarländer im schlimmsten und blutigsten politischen Chaos versanken und Schweizer Magistraten den Bückling vor ausländischen Machthabern übten, hielt die Basis des Volks das Steuer auf Kurs: Nie gelangte eine extremistische oder gar totalitäre Kraft an die Macht.

Ebenso konsequent haben die Schweizer Stimmbürger alle Bestrebungen abgelehnt, die freie Republik in einen sozialistischen, gar kommunistischen oder wehrlosen Staat umzudrehen. Die «Kriseninitiative» (1935), mit der Sozialdemokraten und Gewerkschaften die Schweiz in den Jahren der grössten ökonomischen Depression in eine verheerende Planwirtschaft stürzen wollten, wurde bei einer eindrücklichen Beteiligung von 84,4 Prozent mit immerhin 57,2 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Die Abneigung gegen selbstzerstörerische Experimente setzte sich fort bis zum Nein zur Forderung nach «Mitbestimmung der Arbeitnehmer» (1976). Auch aus den Ideen, die Armee abzuschaffen oder auf Kampfflugzeuge zu verzichten, wurde jeweils nicht mehr als eine kleine Äusserung des Unmuts über die unbewegliche Spitze des EMD (heute VBS).

Gegen den Widerstand des Bundesrats und sämtlicher Parteien (mit Ausnahme des kleinen Landesrings) votierten Volk und Stände 1949 für die Initiative, die eine «Rückkehr zur direkten Demokratie» verlangte, und setzten damit das Signal, dass die Bundesbehörden Abschied zu nehmen hätten vom Vollmachtenregime der Kriegszeit. Als Vor- und Mitkämpfer schrieb damals der legendäre liberale Staatsrechtler Zaccharia Giacometti für Freiheit und direkte Demokratie (und gegen das Diktat aus Bern). Das Volk selbst hat den unmittelbaren Einfluss auf die Gestaltung des Landes und des Staates nie nur als Pflichtübung begriffen, sondern sich dieses Recht, wenn erforderlich, immer wieder erkämpft. Staat ist, was die Bürger wollen, und nicht, was sie auf Geheiss von oben sollen.

Die direkte Demokratie macht glücklich

Aus diesem Willen wuchsen nicht nur meist völlig rational begründete und sinnvolle Entscheide, sondern auch Zufriedenheit, ja Glück, wie der Zürcher Ökonom Bruno S. Frey in mehreren Studien nachwies: «Grund für die vergleichsweise hohe Zufriedenheit der Schweizer ist nicht etwa das Geld, sondern die direkte Demokratie.» Das Gefühl, an Entscheidungen mitzuwirken, «macht sie glücklich». Frey verfeinerte seine Beobachtung noch und wies nach, dass die Bevölkerung in den Kantonen mit ausgebauten demokratischen Instrumenten (Baselland, Glarus, Appenzell oder Solothurn) zufriedener ist als in Ständen mit weniger Möglichkeiten (Genf, Tessin, Neuenburg oder Bern). Die direkte Beteiligung ist das Bollwerk gegen eine ruinöse Selbstherrschaft der Parteien, gegen den Einfluss der Lobbyisten an den Höfen der Macht und andere überbordende Ansprüche. Die Chance, Referenden zu ergreifen und Initiativen zu lancieren, ist eine stete Kampfansage an abgehobene und eigenmächtige Zirkel. Das schützt den Bürger.

Darum wühlen und wettern die Feinde der direkten Demokraten, seit vernünftige Menschen die politischen Fragen in eigener Verantwortung regeln wollen. Der griechische Philosoph Platon, Apologet der Herrschaft der Gelehrten, verachtete die demokratischen Athener als ungebildet irrende Kreaturen, die das wahre Wesen der Dinge nicht erkennen könnten. Nicht nur die Kirchenväter haben aus Platons totalitärer Lehre die Regentschaft der unfehlbaren vatikanischen Kamarilla entwickelt. Allen Antidemokraten dient das Muster der Ungleichheit zur Begründung ihrer gelenkten Gesellschaftsmodelle, vom Gottesgnadentum des Adels bis zur internationalistischen Hegemonie der Richter und Experten. Energisch werden diese Zirkel, wenn Volksentscheide nicht nach ihrem Gusto ausfallen.

Bemerkenswert ist darum das Loblied, das SP-Nationalrat Andreas Gross, heute Relativierer der Volksrechte, noch vor zehn Jahren im Buch «Mehr direkte Demokratie wagen» (1999) sang: «Die direkte Demokratie ist insgesamt und über einen längeren Zeitraum beurteilt ein Wert an sich und muss meines Erachtens auch dann befürwortet werden, wenn sie unmittelbar und kurzfristig nicht immer jene konkreten Ergebnisse hervorbringt, die den eigenen politischen Überzeugungen entsprechen. Zudem dient die direkte Demokratie einer Gesellschaft wie ein Spiegel. Die direkte Demokratie ist nicht die Ursache für die Eigenheiten der Gesellschaft. Mit ihr und dank ihr lassen sich diese vielmehr besser erkennen (und verändern) als ohne sie.» Gross’ «Ermutigung zur Zukunft der direkten Demokratie» gipfelt in den drei Adjektiven «modern, zukunftsgerichtet und attraktiv».

Als die Linken und Grünen noch bewegungsaktiv waren und nicht in Räten und Regierungen sassen, setzten sie ganz auf diese Instrumente. Die Demokratie verlange «selbstbewusste, kritische Bürger, die ihre Interessen verteidigen, ohne sich blind einem Gemeinwohl unterzuordnen, das andere für sie definiert haben», schrieben der (linke) Soziologe René Levy und der (linke) Journalist Laurent Duvanel in ihrem Buch «Politik von unten» (1984), einem lebhaften Plädoyer für den «mündigen Bürger» und gegen eine selbstherrliche «politische Elite», die längst nicht mehr das Volk und dessen Anliegen repräsentiere.

Wie weit die Kaste der Entmündiger sich nicht nur von ihren Ursprüngen, sondern auch von den Bedürfnissen der Menschen entfernt hat, zeigt eine Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse (Forsa), durchgeführt vor sechs Monaten in Deutschland. 68 Prozent der Bürger sprachen sich für eine direktdemokratische Beteiligung auf Bundesebene aus, unisono quer durch alle Parteien von 55 Prozent (FDP-Wähler) bis 72 Prozent (Linke).

Kommentare

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  • Tom Glockner
  • 23.12.09 | 00:07 Uhr

Herr Schlegel,

Zitat: Judenstern war schweizer Erfindung

Das ist eine bewiesene Geschichtslüge. Erkennungszeichen für Juden gab es schon im Mittelalter. Vorbild des NS-Judensterns war der Gelbe Ring/Fleck aus Stoff, der in Brusthöhe an der Außenkleidung angebracht wurde. Er wurde parallel zur mittelalterlichen Ghettoisierung der Juden eingeführt und war sichtbarer Ausdruck für den Antijudaismus im Mittelalter.

Der J-Stempel in den Pässen ist auch keine CH-Erfindung. Die These wurde inzwischen vom Erfinder widerrufen (siehe Schweizerzeit)

Wer sich informieren kann, ist klar im Vorteil.

  • Werner Widmer
  • 22.12.09 | 20:39 Uhr

Herr Schlegel,
Fremde werden nie behindert. Per se, sonst würden sie weiterziehen bis sie nicht mehr behindert sind. Denn sie haben die Behinderung ja selbst gewählt. Klar?
Das mit den Indianern stimmt, ist aber auch zu einem grossen Teil selbstverschuldet. Und dann gibt es noch das Recht des Stärkeren. Auf dieser Erkenntnis funktioniert die Welt.
Werni

  • Rainer Selk
  • 22.12.09 | 18:38 Uhr

Peter Schlegel 22.12.09 14:33
Diskriminierung der Schwarzen gibt es nicht in der CH, höchstens anspruchsextrem umgekehrt....Studien belegen.... Super: es gibt noch mehr Studien, die das Gegenteil belegen. Die Mehrzahl der Muslime in der CH sind Asylaten, also Gäste, die auch ohne Minarette beten. Was holen Sie noch aus der 'Mottenkiste', um die Schweiz schlecht zu reden? Aber: hier kann 'man' das. Andern Orts wird man eingesperrt (Iran, Libyen) oder bekommt Bastonadenhiebe (S. Arabien, Indonesien), seit Jahren! Klar: auch daran ist die SVP vermutlich schuld, wie absurd burlsek.

  • Peter Schlegel
  • 22.12.09 | 14:33 Uhr

Roman Hasler,

Es geht hier darum, dass die Bevölkerungsmehrheit eine Minderheit, die grösstenteils keine politischen Rechte hat, diskriminiert.

Es gibt viele historische Beispiele hierfür:
- Antisemitismus in Deutschland und ganz Europa (Judenstern war schweizer Erfindung!)
- Diskriminierung der Schwarzen in den USA
- Diskriminierung von Indios in Lateinamerika
- Apartheid in Südafrika (Mehrheit ohne politische Rechte)

Studien belegen, dass Gruppen dazu neigen Minderheiten/Fremde zu benachteiligen!

Und hier braucht es eben klare rechtsstaatliche Vorgaben, die das verhindern!!

  • Hanspeter Bühler
  • 22.12.09 | 07:23 Uhr

Roman Hasler
Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Gut erklärt.

  • Christine Joos
  • 21.12.09 | 21:09 Uhr

Das Argument, es gibt dort keine Kirchentürme, also gibt es hier auch keine Moscheentürme als Begründung für ein Verbot, finde ich grundsätzlich falsch.

Wenn ein Land sich entscheidet, keine Minarette zu dulden, soll das aus eigener, überzeugter Begründung heraus und nicht als Gegen- oder Rachezug getan werden. Auge um Auge und Zahn um Zahn sind als mittelalterlich hinterwäldlerisch passé und höchstens noch bei Gaddafi entschuldbar.

  • Walter Staub
  • 21.12.09 | 16:17 Uhr

@Peter Schlegel
Mehr oder weniger alles was Sie zum besten geben, ist pure Lüge oder Verfälschung [geloescht am 21.12.2009 durch Moderator]

  • Roman Hasler
  • 21.12.09 | 14:21 Uhr

Herr Gerber
Das Frauenstimmrecht hat sich ja durchgesetzt, was wollen sie mehr. Mit der Zeit entscheidet ein Volk immer richtig, sonst lebt es mit den Fehlern. Aber es sind dann immer die Fehler der mehrheit, nicht die Fehler einer kleinen Elite, wie sie die Regierung darstellt.
Es gibt sogar Studien dazu, dass eine grosse Menge Leute meistens besser Entscheiden bzw. viel mehr wissen als einzelne oder kleine Gruppen.

  • Carla Kägi
  • 21.12.09 | 14:16 Uhr

Noch mehr Fragen:
Dürfen die Kirchen mit Kirchtürmen in den erwähnten islamischen Staaten von den Christen problemlos ihrem Glauben entsprechend "genutzt" werden?
Die Staaten auf der arabischen Halbinsel, die weniger als 3% der islamischen Bevölkerung weltweit ausmachen, wie gross ist deren Einfluss & Macht (weltweit)?
Ist es nicht so, dass der Iran es nicht nötig hat "Türmchen" zu verbieten, weil in diesem islamischen Gottesstaat sowieso alles nicht islamische verboten ist - ausser die Entwicklung von Atomwaffen?

  • Carla Kägi
  • 21.12.09 | 14:03 Uhr

Zitat von P. Schlegel:"Zuerst braucht es eine Verfassung, bevor es Volksrechte geben kann."

Ich frage mich, ob es nicht zuerst ein Volk geben muss, welches Rechte hat, bevor diesem Volk und dessen Rechten entsprechend eine Verfassung niedergeschrieben werden kann?

  • Hanspeter Bühler
  • 21.12.09 | 08:04 Uhr

Sogenannte selbsternannte Menschenrechtsethiker wie Kreis, De Weck, Hohler etc. meinen es vermutlich prinzipiell gut - sind aber nur weit von den Realitäten entfernte [gelöscht am 21.12.2009 durch Moderator]. Wer Volksentscheide, wie diese auch immer sind, die frei und ohne Druck zustande gekommen sind, missachtet, negiert genauso Menschenrechte, denn er verachtet offenbar die Demokratie.

Wer sagt, dass in der Schweiz Menschenrechte nicht hochgehalten werden, sollte genau überlegen was er sagt. Man blicke nur auf unsere Strafnorm, die Gefängnisse und die Attraktivität als Einreiseland.

  • Tom Glockner
  • 21.12.09 | 03:18 Uhr

Herr Schlegel,

Zitat: "..einige Staaten auf der arabischen Halbinsel.."

Jaja "einige", es sind doch immer nur ganz wenige. Ob es nun menschenrechtsverletzende Staaten, kriminelle Ausländer usw. sind.

In der Türkei, die ich noch als moderatesten Staat in dieser Hinsicht ansehen würde, wurde die Pauluskirche (am Geburtsort des Apostels Paulus) anno 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt. Gottesdienste gibts dort nur gegen staatliche Bewilligung. Stellen Sie sich den Aufschrei und die kollektive Beleidigtheit vor, wenn es eine Moschee in Europa wäre.

Wo sind denn da die Menschenrechte?

  • Peter Schlegel
  • 20.12.09 | 12:19 Uhr

Reinhart R. Fischer,

Ich muss es so deutlich ausdrücken: Was du schreibst ist komplett falsch und eine falsche, vorurteilsbehaftete Diffamierung aller Muslime!

Fakt ist:

In fast allen islamischen Staaten gibt es Kirchen mit Kirchtürme und es gibt kein Verbot Kirchtürme zu errichten!

Ausnahmen sind einige Staaten auf der arabischen Halbinsel. Diese machen aber weniger als 3% der gesamten Bevölkerung islamischen Bevölkerung weltweit aus!

Selbst der "Gottesstaat" Iran hat keine derart diskriminierendes Gesetz wie die Schweiz betreffend Bau von "Türmchen". Erschreckend!

  • Peter Schlegel
  • 20.12.09 | 12:00 Uhr

Hanspeter Bühler,

Du musst dich entscheiden:

Entweder Europäische Menschenrechtskonvention oder Minarett-Verbot!

Für mich ist die Entscheidung klar!

SVP und "Welt"woche sind zu feige, dem Volk die Wahrheit zu sagen.

Auch du bist eine Antwort schuldig geblieben, wie ein menschenrechts- und verfassungswidriges Verbot umgesetzt werden soll!

  • Reinhart R. Fischer
  • 19.12.09 | 12:32 Uhr

@ Peter Schlegel
…bestimmen zu lassen (Gleiches mit Gleichem…), sondern uns unsere Meinung unabhängig zu bilden und sie dann umzusetzen.
Das hindert aber nicht an der Überlegung, dass ganz besonders der Islam, der Kirchtürme (und Kirchen) unterdrückt, eigentlich aus eigener Praxis Verständnis für unser Minarettverbot (nicht Moscheenverbot!) aufbringen müsste…
Dass unsere sog. Eliten, die mit dem Christentum grossmehrheitlich nichts am Hut und folglich dafür nichts übrighaben, sich von einem aggressiven Islam beeindrucken und instrumentalisieren lassen, steht auf auf einem anderen Blatt.

  • Reinhart R. Fischer
  • 19.12.09 | 12:13 Uhr

@ Peter Schlegel
…Ausübung der christlichen Religion grossen bis grössten Behinderungen bis hin zu tätlichen Angriffen unterworfen, was (z.B. im Irak) zu massenhaften Auswanderungen ansässiger Christen geführt hat. Das ist die Praxis, abgestützt auf allgemeinen Anweisungen des Korans, ohne detailliertes gesetztes Recht. Aus dessen Fehlen die Nichtexistenz der Christenfeindlichkeit ableiten zu wollen, ist entweder in formaljuristisch verbrannten Hirnen gewachsener Blödsinn oder schlicht bösgläubig.
Es geht nicht darum, uns unsere Einstellung positiv oder negativ von derjenigen des Islams…

  • Reinhart R. Fischer
  • 19.12.09 | 12:00 Uhr

@ Peter Schlegel
Es kommt nicht darauf an, ob in einem islamischen Staat – die alle grundlegend anders funktionieren als unsere westlichen, insbesondere die Schweiz – der Bau von Kirchtürmen verboten ist. Was zählt, ist das Resultat. Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Es gibt sie in keinem islamischen Staat, es gibt eine Reihe von islamischen Staaten, in denen es trotz christlichem Bevölkerungsanteil nicht einmal Kirchen gibt, und im grössten islamischen Staat, Indonesien, sind in der letzten Zeit über 500 christliche Kirchen vernichtet worden. In allen islamischen Staaten ist die…

  • Rainer Selk
  • 19.12.09 | 11:29 Uhr

Peter Schlegel
Ins Parlament, wie in Regierung gehören die BestInnen, wurscht, welchen Geschlechts.- Die aufmüpfigen Islamvertreter werden wohl den Kern der CH Demokratie nie verstehen. Die M'rechte werden im Islam der Schria unterstellt und damit 'werteverdreht', nicht nur was Frauen betrifft. Darum wird es kaum einen EURO Islam geben. Wenn Iran + S.Arabien vergleichend herangezogen werden, dann nur beispielhaft und nicht, weil 'man' in diesen Sumpf' absinken will (Ihre Verdrehung). Realität ist, dass dort ca. 100 mio Menschen leben, die sich von 'Religionskasten' beherrschen lassen!!

  • Hanspeter Bühler
  • 19.12.09 | 09:55 Uhr

Mir kommen fast alle die die Abstimmung "verloren" haben vor, wie beleidigte, gekränkte Leberwürste. Gewonnen hat aber die Demokratie, und wer sich mit diesem Plebiszit nicht abfindet ist kein echter Demokrat. Dass vor allem auch islamisch geprägte Staaten und deren Bürger keine Ahnung haben von Demokratie und das Wort vermutlich nicht einmal interpretieren könne, ist verständlich. Dass es aber Schweizer Staatsbürger gibt die auf dem - überraschenden - Volksentscheid herumhacken und ihre Frustrationen darüber nicht abschütteln können lässt schon auf schwierige Charaktere schliessen....

  • Peter Schlegel
  • 19.12.09 | 09:01 Uhr

"Der Staat ist, was der Bürger will"

Fundamental falsche Aussage, Herr Engeler!!!

Das Volk hat in der CH das letzte Wort in der Gesetzgebung. In einem demokratischen Rechtsstaat gibt es aber eine Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative. Und über all dem steht die Bundesverfassung!!! Diese regelt die Grundregeln eines demokratischen Rechtsstaats.

Zuerst braucht es eine Verfassung bevor es Volksrechte gegen kann!!!

Die Verfassung kann natürlich abgeändert werden. Die Grundrechte in der Verfassung sind aber UNANTASTBAR!!!

  • Peter Schlegel
  • 19.12.09 | 08:44 Uhr

Werni,

Deine Behauptung, nirgens seien so viele Frauen in der Politik, wie in der Schweiz ist schlicht weg falsch!

Über 45% der Mitglieder des schwedischen Parlaments sind Frauen. In der Schweiz ist es die Hälfte (Nationalrat 23,5%, Ständerat 19,6%)!!!

In Deutschland sind es 32%, in Österreich 34%, in Holland 37%.

Die Schweiz schneidet bezüglich Frauenanteil verglichen mit anderen europäischen Staaten miserabel ab!!!

Dies gerade auch wegen der SVP. Sie hat einen Frauenanteil von unter 10%.

Der islamische Staat Pakistan hat einen Frauenanteil von 21%! Ca. gleich wie die CH!

  • Ernst Hiestand
  • 19.12.09 | 01:49 Uhr

Herr Max Luczynski,
Ihr Kommentar zeugt, dass Sie die Schweizer Mentalität kaum richtig verstehen. Ich lebe als Schweizer im Ausland und habe nicht abgestimmt, hätte aber JA gestimmt. Ich verstehe Herrn Bühler, denn diese Muslim Führer beweisen somit:
1) Diese Herren verstehen die Demokratie des Westens nicht.
2) Sind sicherlich nicht in der Schweiz Integriert.
(Hat nichts mit beleidigeter Leberwurst zu tun)

Der Schweizer will eine Heimat mit schweizerischer Kultur und Freiheit erhalten und das hat sich in der Initiative klar bezeugt.
Die Schweizer haben der Welt die Augen geöffnet.

  • Max Luczynski
  • 18.12.09 | 18:50 Uhr

Sehr geehrter Hanspeter Bühler.

Ich darf als Nicht-Schweizer (gespannt) die Debatte über das Verbot mitverfolgen und hatte bis eben Herrn Köppel geglaubt, der als Apologet der Schweizer Demokratie seit mehreren Wochen durch das deutschsprachige Fernsehen tourt und dem wißbegierigen Seher erzählt, was für ein mündiges Volk doch die Schweizer sind.
Und dann schaffen Sie es in einem kurzen Posting, Herrn Köppel zu wider- und die wahre Entscheidungsfindungskultur blosszulegen – nämlich eine, die sich auf dem Niveau „beleidigte Leberwurst” abspielt.

Chapeau, Sie Demokrat.

  • Renato Collina
  • 18.12.09 | 18:33 Uhr

Klar....

@Herr Schlegel: klar ist im Iran der Bau von Kirchtürmen nicht verboten, weil dort alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.

  • Thomas Gerber
  • 18.12.09 | 18:17 Uhr

Herr Widmer,
in seiner These beruft sich der Autor auf Abstimmungen in den Dreissiger Jahren. Da finde ich es durchaus angebracht, Abstimmungen zu erwähnen, die nur halb solange her sind, die das Gegenteil belegen.
Und ihre Behauptung von wegen Frauen in der Politik ist einfach falsch. Die Schweiz ist diesbezüglich gerade mal im europäischen Mittelfeld.

  • Renato Neidhart
  • 18.12.09 | 18:14 Uhr

Ja, lieber Peter Schlegel, im Iran ist der Kirchturmbau nicht verboten, de iure. Aber de facto eben schon, weil er halt einfach nicht erlaubt wird, mit dieser oder jener Ausrede begründet.

Wann wurde wo im Iran der letzte Kirchturm denn gebaut ?

  • Bernhard Zueger
  • 18.12.09 | 16:15 Uhr

Es ist klar, dass die direkte Demokratie auch Nachteile hat. Da kann man wieder einmal den berühmten Spruch von Churchill zitieren.
"Democracy is the worst form of government, except for all those other forms that have been tried."
Das sehen wir ja jetzt mit der unglückseligen Diskussion in Europa mit dem Hintergehen und Belügen der Bürger.
Gewisse Sachen haben lang gedauert. Manche sogar zu lang.
Wollen wir wirklich 500 Jahre warten, bis gewisse mittelalterliche, archaische, politische, gefährliche und uns fremde Religionen bei uns in der Zivilisation angekommen sind?

  • Peter Schlegel
  • 18.12.09 | 14:01 Uhr

Hanspeter Bühler,

Willst du die Schweiz wirklich mit Unrechtsstaaten aus dem Nahen Osten vergleichen?!? Ich nicht! Ich habe einen höheren Anspruch an den Schweizer Rechtsstaat!!!

Nebenbemerkung: Im Iran ist der Bau von Kirchtürmen NICHT verboten. In der Schweiz der Bau von Minaretten schon. So tief sind wir gesunken!!!

  • Hanspeter Bühler
  • 18.12.09 | 07:45 Uhr

Nach dem Minarett-Verbot haben sich vier weitere muslimische Organisationen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt. Sie wollen die Vereinbarkeit des Abstimmungsresultats mit der europäischen Menschenrechtskonvention überprüfen lassen.

Man stelle sich vor, dasselbe würden wir tun gegen nach wie vor bestehende Christen-Obstruktionen/-verfolgungen in islamisch/arabischen Staaten - absurd.

Und was mir vor allem auffällt, der ich ja NEIN gestimmt habe, die muslimischen Gesprächspartner waren an TV- und Podiumsgesprächen immer rotzfrech. Heute würde ich klar mit JA stimmen.

  • Werner Widmer
  • 18.12.09 | 07:41 Uhr

Herr Gerber,
Warum immer mit dem Frauenstimmrecht kommen? Es ist nun seit mehr als 30 Jahren anders und niergends sind soviele Frauen in der Politik wie in der Schweiz. Jeder darf sich verbessern.
Werni

  • Ernst Hiestand
  • 18.12.09 | 04:29 Uhr

Herr Gerber,
Aber heute haben alle Frauen das Stimmrecht und sogar drei sind im Bundesrat, Zeuge, dass Direkte Demokratie, wenn manchmal auch etwas langsam, im besten Sinne des Landes und Volkes wirkt. Als die Frauen laut genug verlangten, hat der Stimmende gerecht gehandelt. Dir.Dem. is ein Dorn im Auge der Regierung und der Elite. Wo das Volk nichts zu sagen hat, hat es in den letzen jahren stark gehappert (Swissair - UBS - CS etc. etc.).
Dank der Dir.Dem. ist die Schweiz auch heute noch stark und wird die momentanen Probleme trotzt einem schwachen BR überstehen.

  • Thomas Gerber
  • 17.12.09 | 20:21 Uhr

Herr Engeler: Schon vergessen, wieviele Male in praktisch allen Kantonen der Schweiz bei Volksabstimmungen das Frauenstimmrecht abgelehnt wurde? Diese schlagende Ungerechtigkeit widerspricht ihrer These, das Volk hat immer recht. Aber eben: Unangenehmes wird auch bei der Weltwoche unter den Teppich gekehrt...

  • Sergio Frei
  • 17.12.09 | 12:50 Uhr

hier ist zum glück die statistik hilfreich, welche klar belegt, wenn's anders läuft ist man je dagegen od. dafür!
die unbestrittene tendenz der politik und elite ist natürlich immer gegen zu starke involvierung des volkes. rasche verteilung der pfründe untereinander ist hilfreicher ohne involvierung , klar.
in deutschland, politfreizone für den bürger braucht's wieder mitdenker und aktive(re) jugend. niemand will was mittragen;alle schreien nach expansion des sozialstaates und staunen wenn steuern ins endlose schreiten.

  • Peter Fritz
  • 17.12.09 | 11:26 Uhr

Na klar doch,

darum sperrt sich ja die "herrschende Elite" so gegen direkte Demokratie - denn mit mündigen, denkenden Bürgern ist nicht immer gut Kirschen essen. Und dann ließe es sich auch nicht so leicht über die Köpfe der Bürger hinwegregieren.

Die Schweiz hat dem übrigen Europa mit ihrer direkten Demokratie etwas voraus - nämlich das Beste an der Demokratie!

 
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