Herr Biller, sind Sie ein Masochist?
Nein, ich habe eher leicht sadistische Tendenzen.
In Ihrem neuen Buch «Der gebrauchte Jude» schreiben Sie: «Jemand wie ich war in Deutschland nicht vorgesehen.» Trotzdem sind Sie bis heute geblieben.
Ich habe mir das ja nicht ausgesucht. Meine Eltern hatten 1970 zum Glück beschlossen, die stalinistische Tschechoslowakei zu verlassen. Plötzlich befand ich mich in einer Situation, von der ich dachte: Die Deutschen haben gar nicht gewusst, dass es jemanden wie mich überhaupt noch gibt.
Hellmuth Karasek sagte zu Ihnen: «Sie haben mich an Kafka erinnert, als ich Sie zum ersten Mal sah.»
Das ist absurd. Hätte er gesagt, ich sehe aus wie Groucho Marx, hätte ich das vielleicht verstanden. Da sehen Sie, wie viel Projektion es da gab.
An anderer Stelle schreiben Sie, Sie hätten den Fehler gemacht, Deutschland als Ihr Land zu betrachten.
Blöderweise ist mir ein Land zugefallen, in dem eben nicht Camus als grosser Schriftsteller gilt oder Saul Bellow, sondern ausgerechnet Thomas Mann.
Sie scheinen den grossen deutschen Romancier mit geradezu obsessivem Hass zu verfolgen. In der Zeitung Die Welt sagten Sie, Sie möchten Thomas Mann «zerstören». Warum denn das?
Literatur von Thomas Mann riecht wie ein Kissen, auf dem eine adlige Dame ihren Mittagsschlaf macht, so überparfümiert, nicht auszuhalten. Er wird heute als jemand benutzt, der der neue Goethe sein soll. Wir müssen uns anschauen, wofür Mann steht.
Sagen Sie es mir.
Er war ein Chauvinist und heimlicher Antisemit. Thomas Mann ist der klassische deutsche Wendehals, der tief drin immer noch seine nationalistischen Leichen im Keller hat und nach aussen so tut, als wäre er ein Demokrat. Er ist ein deutscher Prototyp. Figuren wie ihn gab es in Deutschland nach 1945 und nach 1989, nach dem Ende der Nazi-Zeit und der DDR. Darum ist er der perfekte Dichter für Deutschland.
Eine brillante These, aber ich glaube nicht, dass sie stimmt. Mann hat sich so intensiv und kritisch wie vielleicht kein zweiter Autor mit der deutschen Geschichte in der Weltkriegsära auseinandergesetzt.
Aber erkennt man das heute in all den Texten, die ihn feiern? Nein. Der Mainstream, der ihn feiert, ist rechtsliberal-holzköpfig.
Wie bitte? Das Problem scheint doch eine Art strukturelle Sozialdemokratie, an der jeder Reformversuch zerschellt.
Dem Land geht es doch super! Was ich meine: Seit dem Historikerstreit in den achtziger Jahren erleben wir immer wieder dieses Anrennen gegen die linksliberale Burg, von rechten Denkern wie Ernst Nolte, Botho Strauss, zu einer gewissen Zeit auch vom FAZ-Feuilleton und früher von der Welt. Den Tabubruch von links, den kann es ja nicht geben, weil die Gesellschaft, da haben Sie recht, eher linksliberal definiert und organisiert ist. Aber eigentlich ist es noch komplizierter.
Wie denn?
Der Linke ist gleichzeitig ein Nationalist. Er ist stolz darauf, wer er ist, woher er kommt. Das gilt auch für die Öko-Chauvinisten. Deutsche Rüben für deutsche Menschen! Was ich sagen will: Man hat eine Zeitlang versucht, im deutschen Feuilleton Ernst Jünger als neuen Dichterfürsten zu installieren. Es ist nicht geglückt. Bei Thomas Mann ist es gelungen.
Jetzt kommen Sie schon wieder auf Thomas Mann.
Ja, weil er typisch ist für Deutschland. Warum ist nicht der Prager deutsche Jude Kafka der Thomas Mann von heute? Warum war er es eine Weile in den sechziger und siebziger Jahren? Weil damals die Intellektuellen eine andere Sehnsucht hatten. Sie wollten Kafka, weil sie auch Opfer von Hitler sein wollten, weil sie nicht von der ganzen Welt dafür gehasst werden wollten, dass sie deutsch sind und Kinder von Nazis. Das ist vorbei.
Da war doch auch etwas schief. Die 68er grenzten sich von ihren Nazi-Eltern ab, waren aber in ihrem Denken gar nicht so weit davon entfernt.
Moment! Da muss ich jetzt mal grundsätzlich etwas über die Weltwoche sagen. Die Weltwoche hat ein Problem. Sie hat seit Jahren immer nur ein Thema: die Unterdrückung der armen freiheitlich-rechtsliberalen Denker durch die bösen Linken. Ich weiss nicht, wie es in der Schweiz ist, in Deutschland ist das nicht so einfach. In den siebziger Jahren wurde mir klar, als meine Mitschüler in Hamburg sich über die Entführungen und Ermordungen von Politikern gefreut hatten, dass sie dieselbe eiskalte Kälte hatten wie ihre Nazi-Vorfahren. Aber das ist nicht das, was die Menschen wirklich geprägt hat.
Was halten Sie vom riesigen Holocaust-Denkmal mitten in Berlin?
Das ist ein Irrsinn. Die Deutschen sind das einzige Volk auf der Welt, das seinen Opfern ein Mahnmal baut. Das gibt es sonst nicht. Man baut seinen Generälen ein Denkmal.
Sie lehnen solche Formen der Erinnerung wirklich ab?
Ich bin überzeugt, in dreihundert Jahren findet man das sehr schön und denkt: Ach, das ist das Denkmal für die Helden des Holocaust, die es fast geschafft haben, die Juden umzubringen. Das Mahnmal wird auf jeden Fall umgedeutet werden.
Sie kritisieren Martin Walser dafür, dass er eine Umdeutung der Vergangenheit anstrebe. Wenn Sie hohl gewordene Rituale der Vergangenheitsbewältigung kritisieren, ist es richtig. Wenn es Walser macht, ist es falsch.
Nein, aber es kommt darauf an, wie man es sagt. Die Wahrheit ist immer gleich. Wenn Ihr Freund zu Ihnen sagt, Ihr Vater sei ein Scheusal, dann würden Sie doch insgeheim denken: Auch wenn er recht hat, muss er extrem vorsichtig sein, in welchem Moment er es sagt und wie er es sagt.
Im November wurde hier in Berlin «20 Jahre Mauerfall» gefeiert. Wie hat die Wiedervereinigung das Land verändert?
Wir wissen nicht, wie sich der westliche Teil der BRD entwickelt hätte ohne diese Art der Vereinigung. Wir können nur bewerten, was ist. Die DDR war eine Art Virus, und dieser Virus hat die BRD angesteckt. Es war ein Land, in dem jeder Angst hatte, die Wahrheit zu sagen, in dem preussische Tugenden völlig nahtlos Teil des neuen Systems wurden, in dem der Blockwart immer noch existierte, Schriftsteller nicht frei publizieren konnten und alles scheisse aussah. Das ist der DDR-Virus.
Sie diagnostizieren eine Art moralische Verseuchung des Westens durch den Osten.
Helmut Kohl hat nach dem Fall der Mauer gesagt, er wisse nicht, wie er sich verhalten hätte, wäre er auf der anderen Seite der Mauer aufgewachsen. Das ist die Lizenz zum Feigesein, zum Mitläufertum. Oder nehmen Sie Angela Merkel. Sie war die beste Freundin von Kohl, hat ihn dann aber politisch umgebracht, in dem Moment, wo er schwach war. Dann hat sie mit der SPD koaliert und so getan, als wäre sie linksliberal. Und jetzt ist sie mit der FDP zusammen und tut so, als ob sie rechts wäre. Wo hat sie das gelernt?
Vielleicht liegt es im Wesen der Politik begründet.
Nein, Helmut Schmidt hätte das nicht gemacht. Im Ostblock gab es die Fanatiker, die Gläubigen, die Opportunisten, und es gab die, die vorsichtig, ohne aufzufallen, immer da waren, wo es gut für sie war. So ist Angela Merkel.
Sind Sie ihr begegnet?
Ich habe mit ihr ein Interview gemacht, zwei, drei Jahre bevor sie Kanzlerin wurde. Sie zitterte wie Espenlaub. Sie hat mich zwei, drei Mal fast rausgeschmissen und immer wieder hilfesuchend zu ihrer Pressesprecherin geschaut. Ich dachte mir: Was, diese Frau soll dieses Land regieren? Die hat ja Angst vor mir.
Warum?
Weil ich sie relativ hart über ihre Zeit in der DDR befragt habe. Langsam beginne ich das Rätsel zu lösen. Wer in einem totalitären Regime gross wird, zittert eigentlich ununterbrochen. Wahrscheinlich zittert Angela Merkel immer noch.
Haben Sie sich mal auszumalen versucht, wo Deutschland stünde, wäre die deutsch-jüdische Kultur nicht vernichtet worden?
Es stünde da, wo Amerika heute ist. Dann gäbe es hier einen Philip Roth oder einen Woody Allen. Stellen Sie sich vor, Billy Wilder wäre in Deutschland geblieben und hätte fünfzehn Hammerfilme gedreht, da gäbe es heute viel bessere Fernsehfilme in Deutschland.
Welche drei lebenden Deutschen hassen Sie am meisten?
Richtig hassen? Ich glaube, ich kann Ihnen mit Hassen nicht dienen.
Verachten?
Also, Angela Merkel geht mir schon wahnsinnig auf die Nerven, weil sie vor aller Augen dieses Ossi-Spiel spielt und keiner es durchschaut. Sie verdirbt die Moral in Deutschland mit ihrem offensichtlichen, süss lächelnden Opportunismus. Das ist schon sehr, sehr eklig. Sie ist nicht anders als Gysi.
Die zweite Person?
Detlef D! Soost.
Noch jemand?
Richtig schlimm ist Uli Hoeness. Ich glaube, er ist eigentlich ganz anständig, ein wirklicher Vater seiner Spieler, aber er kommt so unglaublich unsympathisch rüber. Er hält Kritik nicht aus, und das mag ich nicht.
Und Ernst Nolte? Sie nennen ihn im Buch «die Intelligenzbestie mit der lahmenden Hand».
Ja, aber Nolte fasziniert mich, weil er so etwas wie der «gebrauchte Deutsche» ist, so wie ich der «gebrauchte Jude» bin. Nolte war nicht von Anfang an rechts, er ist es geworden. Natürlich gab es im Westen lange Zeit ein Stillschweigen über diese stalinschen Verbrechen. Hitler war als Teufel genug, und Nolte wollte beschreiben, dass es auch noch einen anderen Teufel gab.
Für Nolte war der Nationalsozialismus eine Antwort auf den Stalinismus.
Die Ansicht, es habe Hitler nur wegen Stalin gegeben, ist zu einfach. Die heftigen Reaktionen auf Noltes Thesen haben ihn immer mehr verhärten lassen. Das ist das Tragische. Faszinierend finde ich an ihm, dass er sich immer schuldig fühlte, weil er im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden nicht in den Krieg durfte und nicht gefallen ist. Das ist ja ein Schuldgefühl, wie es auch Juden hatten, die im Krieg überlebten.
Ihr Vater war ein überzeugter Kommunist.
Ich glaube nicht, dass er Stalin liebte, aber ich werde ihn fragen, wie es dazu kam, dass er trotz Stalin Kommunist wurde. Aber ich weiss, dass er aus der Partei ausgeschlossen wurde, weil er, im Gegensatz zu seinem besten Freund, über Stalins Antisemitismus gesprochen hat. Er hat ihn denunziert, und da flog er aus der Partei.
Eine interessante Figur war Ihr armenischer Grossvater. Erzählen Sie von ihm!
Meine Mutter erzählt immer, dass er aus einer adligen armenischen Familie stammte, die seit Jahrhunderten Gelehrte und Dichter gestellt hatte. Er war für mich von meinen Grosseltern der Prägendste. Er hat am längsten gelebt, und ich habe ein enges Verhältnis zu ihm gehabt. Und meine Mutter sagt immer, wir seien sehr ähnlich.
Was ist das armenische Erbe für Sie?
Ich weiss nicht. Ich weiss nur, mein Grossvater war gross, glatzköpfig, hypochondrisch, sehr liebevoll, sehr intelligent, faul, wehleidig, humorvoll – die Frauen liebten ihn.
Und was haben Sie von ihm?
(Lacht) Ich glaube, bis auf die Wehleidigkeit alles.
Eine andere auffällige Figur in der Familie war ein Onkel, der Waffenhändler war.
Es gab einen Onkel, den ältesten Bruder meines Vaters, der ist direkt aus dem Krieg zunächst als russischer Soldat nach Prag gekommen, war dann tschechoslowakischer Diplomat und ging später nach Israel. Als er dort starb, kamen an seine Beerdigung ein paar wichtige Personen, die höchsten der damaligen israelischen Politik, Ariel Scharon, Yitzhak Navon. Wir haben nie genau gewusst, warum. Er hat sicherlich etwas im Staat Israel in der Aufbauphase getan, aber was, das weiss ich nicht.
Sie haben sich mit sechzehn Jahren beschneiden lassen, als Kind gottloser Eltern, mitten in der Pubertät. Wie war das?
Toll. Ich kann es nur vergleichen mit etwas anderem ganz Tollem.
Was genau war so grossartig daran?
Ich habe in meinem Leben nur zwei Sachen gemacht, ohne nachzudenken, das war die Beschneidung und dass ich mit zwanzig Jahren und hundert Mark Taschengeld im Monat von einem Tag auf den anderen von Hamburg nach München gezogen bin. Ich hatte das damals mit der Beschneidung nie richtig analysiert, aber irgendwie geahnt, dass es richtig ist. Heute weiss ich, in gewissen Situationen im Leben ist es fantastisch. Und auch für mich als Juden ist es wichtig, obwohl ich gar nicht religiös bin.
Ihr Buch ist auch eine kritische Annäherung an Marcel Reich-Ranicki. Sie werfen ihm eine Art Überassimilation vor. Dennoch scheint er für Sie eine intellektuelle Vaterfigur zu sein.
Ich versuche ganz ehrlich zu antworten. Als ich anfing zu arbeiten, stolperte ich zufällig über ihn. Er sass in der gleichen Redaktion wie ich, bei der FAZ, und irgendwie bekam ich mit, dass er wichtig ist. Und als ich ihn kennenlernte, begann ich mich mit seinem Denken zu beschäftigen. Dann erschien mein erstes Buch, «Wenn ich einmal reich und tot bin» (1990). Es war das erste Buch, in dem Juden wieder vorkamen nicht als KZ-Opfer oder Heilige, sondern als normale Menschen. Eine Zeitung hat ihn dann gefragt, wie er das Buch finde, und da hat er den rätselhaften Satz gesagt: «Über diese Art von Literatur möchte ich lieber nicht sprechen.»
Warum?
Wahrscheinlich aus Eitelkeit, aber nicht nur. Fünfundzwanzig Jahre später, als ich ihn besuchte, wurde mir vieles klar. Er sagte zu mir, er habe mich für einen jüdischen Selbsthasser gehalten. Darum wollte er nicht über mein Buch reden. Und ich sagte zu ihm: «Ich habe Sie für einen Juden gehalten, der kein Jude sein will.»
Warum ist Reich-Ranicki so wichtig geworden?
Erstens weil er praktisch im Gegensatz zu jedem anderen Literaturkritiker ein klares Deutsch schreibt und klare Gedanken denkt, egal, ob er recht hat oder nicht. Und er ist zweitens so wichtig, weil er weiss, was gut ist. Und er ist drittens wichtig, weil er als Kommunist gelernt hat, dass die Kader über die Macht entscheiden. Ranicki hat sich niemals angelegt mit Kritikern oder Journalisten, nur mit den Schriftstellern. Er hat jahrzehntelang alles dafür getan, seine Macht zu nähren und zu erhalten.
Hat er schon reagiert auf Ihr Buch?
Nein.
Privat auch nicht?
Nein, dafür ist er viel zu klug.
Henryk Broder ging hart mit Ihnen und Ihrem Buch ins Gericht. Sie lebten in einem «Universum aus Weltschmerz, Wehmut und Wehleidigkeit».
Kann ich das mit irgendeinem W-Wort kontern? Mit einem, das geschrieben nicht zu unflätig aussieht?
Wenn Sie wollen . . .
Nein, lieber nicht . . . Aber im Ernst: Ich glaube, nur König Artus oder irgendwelche SS-Leute hatten absolut keine Fähigkeit zu Traurigkeit oder Schmerzen. Jedem tut mal was weh. Auch mir. Die Frage ist, wie ich damit umgehe, wie ich es beschreibe. Ich hoffe, mit Humor, ich hoffe, selbstkritisch, aber meine Schmerzen zu verschweigen, fände ich lächerlich, geradezu unmännlich.
Worunter leiden Sie gerade am stärksten?
Nicht unter Migräne und auch nicht unter fünftausend Jahren jüdischer Geschichte. Ich leide darunter, dass es in Deutschland aus bekannten Gründen zu wenige Leute gibt, deren Verhältnis zu Intellektualität und Beschreibung ungefähr so ist wie meines. Die Freude am intellektuellen Austausch, ohne den anderen vernichten zu wollen, das ist es, was ich brauche und was ich hier so selten bekomme. Und gleichzeitig feiert so eine Nullnummer wie Enzensberger seinen achtzigsten Geburtstag – wieder wird ein Nichts zum Praeceptor Germaniae gemacht.
Karl Kraus sagte: «Hass muss produktiv machen, sonst ist es gleich besser, zu lieben.»
Das ist gut. Aber auch ein Problem. Die Deutschen brauchen den jüdischen Publizisten als Popanz, als Scharfrichter des Wortes. Sie sehen nicht, wenn ich humorvoll bin, wenn ich zärtlich bin, wenn ich lyrisch bin, wenn ich poetisch bin. Das alles sehen sie nicht, weil sie nur den sehen wollen, den sie nicht ausstehen können. Nämlich den vermeintlichen jüdischen Polemiker, den Asphaltliteraten. Den Juden, der laut Wagner nicht schöpfen kann, weil er nicht tief empfindet.
Ein jüdischer Schweizer Schriftsteller und Journalist hat mir über Ihre Erzählungen gesagt, sie seien «oversexed».
Ich krieg gleich eine Erektion.
Bleiben wir dabei: Was ist eigentlich guter Sex in der Literatur?
Er muss, da klinge ich jetzt gleich wie ein Pornodarsteller, wirklich wichtig für die Handlung sein, es muss einen Grund dafür geben. Das ist das eine. Das andere ist: Literatursex ist natürlich wahnsinnig schwer, weil die echten Menschen ja so schlechte Worte haben, um Sex zu beschreiben. Es kommt darauf an, die Verklemmtheit zu vermeiden, die die Worte umgibt. Nichts aber ist schlimmer, als wegzublenden, kurz bevor sie sich ins Bett legen. Nein, noch schlimmer ist es, wenn man, wie Philip Roth es oft macht, mit einer gewissen Naivität Worte benutzt, die kontaminiert sind.
Zum Beispiel?
Fotze und Schwanz. Das können nur Geliebte zueinander sagen. Oder der Erzähler, wenn er es selbst so empfindet, weil er gerade der Handelnde ist. Es kommt darauf an, wer Ihnen erzählt, dass er gerade Sex hat. Bei den meisten Leuten möchte ich nicht dabei sein, wenn sie Sex haben – auch ausserhalb der Literatur.
Ihr bester Freund, Donny Gold, dem Sie im Buch eine Art Denkmal setzen, ist nach Israel ausgewandert. Wie geht es ihm dort?
Toll.
Er vermisst Deutschland nicht?
Nein, wirklich nicht.













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