MvH

Mein Fussabdruck

Unser Kolumnist sagt den Deutschen, was zu tun wäre. Ferner sein Vorsatz für 2010: Nicht zu oft recht bekommen.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in München. Nicht wegen einer Veranstaltung, sondern wegen einer geschäftlichen Zusammenkunft. Die Stadt ist, wie ich bereits einige Male gesagt habe, arm an high profile-Anlässen seit einiger Zeit (Events mit internationaler Ausstrahlung in Deutschland finden zurzeit in Berlin statt). Und das «Cafe Roma» an der Maximilianstrasse («ein komplexes ästhetisches System», Joachim Bessing; «feines Pastrami-Sandwich und immer etwas zu sehen», MvH) gibt es auch nicht mehr. Doch in München gibt es immer noch recht viele Verlage, deshalb fuhr ich hin.

Auf dem Weg zum Abendessen machte ich halt in dem «Bayerischen Hof» (ich mag dieses Hotel), wo ein neues Buch mit dem Titel «Die Kunst, das Geld und die Krise» vorgestellt wurde. Ihr Kolumnist interessiert sich ein wenig für Kunst (wie fast jeder Mann zirka Mitte vierzig, der als hochentwickelt rüberkommen möchte); er kauft ab und zu ein Werk (wie fast jeder Mann zirka Mitte vierzig, der als hochentwickelt rüberkommen möchte – und schon einen Sportwagen hat).

Die anschliessende Diskussion mit Chris Dercon (Haus der Kunst) und Thomas Girst (BMW) war recht spannend, wenigstens falls man den Artikel im Economist (Ausgabe vom 28. November) über den Kunstmarkt nicht gelesen hat. (Für die, die mitreden wollen, aber keine Zeit haben für 14 Seiten, das executive summary: Alle Käufer haben einen Drittel verloren. Wer Chinesen und/oder Inder gekauft hat, hat mehr verloren. Damien Hirst ist schlecht und over, vermutlich; Jeff Koons ist gut und hält den Wert, vermutlich.)

Gegenüber dem «Bayerischen Hof» befindet sich MvHs liebstes Lokal, das «Tabacco». Dort gibt es das beste Steak (mit Senf, Bratkartoffeln und Salat als Beilage); Männer, denen das nicht schmeckt, sind nicht normal fühlend, in meinen Augen. Ein Satz zu dem Rauchverbot: Ich finde es gut, wie die meisten Nichtraucher (ich bin ebenfalls happy, wenn ab kommendem Mai in Restaurants in Zürich nicht mehr geraucht werden darf). Bloss, für eine Bar, die «Tabacco» heisst, ist es ein wenig blöd. Ab 23 Uhr darf man aber rauchen. Das ist nicht schlecht – man hat dann gegessen, und wem es nicht passt, der soll nach Hause gehen (sind sowieso nur noch barflies dort).

Draussen vor der Tür, das heisst auf dem Promenadenplatz, steht ein Denkmal für einen local hero. Doch im Augenblick ist es eine Art Gedenkstein für Michael Jackson. War er Münchner oder Bayer? Falls nicht, würde MvH Fotos, Kerzen, Kränze et cetera abräumen lassen, wenn er etwas zu sagen hätte. So macht man sich als Stadt klein, nämlich, weil man darauf hinweist, dass man keine eigenen Berühmtheiten hat zum Betrauern. Überraschend im Grunde, dass in Zürich noch niemand auf diese Idee gekommen ist. (Die Verantwortlichen hätten sicher ein paar Strassen dafür geschlossen.)

Jetzt, nur zum Sagen, bin ich retour in unserer Stadt und bei dem Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr zudem. Kein einfaches Jahr wahrscheinlich, doch der Welt ist nicht der Boden rausgefallen, wie man fürchtete, falls man Journalisten und Bücherschreibern geglaubt hatte. Für yours truly war das Jahr in Ordnung: 15 Mal begann diese Spalte mit «Vergangene Woche war ich in Zürich», 34 Mal war ich anderswo (nicht schlecht für einen, der meistens Gast ist von jemandem; nicht gut für einen, der im Grunde gern nachhaltig wäre – MvHs sogenannter ökologischer Fussabdruck ist 3,6 Mal so gross, wie er sein sollte). Die besten Veranstaltungen 2009 waren für mich, im Inland, das Dinner zu Ehren von Karl Lagerfeld im «Trois Rois» in Basel, veranstaltet von Christina Gmurzynska. Und im Ausland das Dinner von Andrea Perrone, Brioni-CEO, und Bryan Ferry im «Annabel’s» in London.

Vor einem Jahr, nebenbei, schrieb ich hier: «Carl Hirschmann möchte man mögen. Doch die, die etwas anders sehen, als es ihm gefällt, entlässt er, respektive sie sind für ihn Verräter. Ich wünsche ihm, dass es seinen Nachtklub noch gibt in einem Jahr, obwohl Krise ist.» Well, well, well. Das «Saint Germain» gab es noch, als ich das letzte Mal nachsah. Und, soviel ich weiss, gehört es Carl noch zur Mehrheit. Bloss, die Krise, die ich meinte, ist jetzt eine der kleineren Krisen in seinem Leben. Ich wünsche mir, dass ich in Zukunft nicht mehr recht bekomme, wenn ich so etwas vorhersage.

Ihnen wünsche ich zum neuen Jahr nur das Beste, Neues von MvH gibt es ab 7. Januar.

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