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09.12.2009, Ausgabe 50/09

Kommentar

Zeit, über die Bücher zu gehen

Nicht der Klimawandel muss uns Angst machen, sondern die dubiosen Methoden führender Forscher, die nicht erklären können, warum die Temperaturen nicht steigen.

Von Hanspeter Born

Unterdrückte Daten: Im Mittelalter war es deutlich wärmer als heute. Autos gab es keine. Rekonstruiert nach den Daten von Moberg et al., 2005; Quelle: Nature, Vol 433, Nr. 7026

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Wer seine Information über den Klimawandel aus den Medien bezieht, weiss knapp, dass vor kurzem ein «Hackerangriff» auf die Climatic Research Unit (CRU) der Universität East Anglia ausgeübt wurde. Rund 4000 E-Mails und andere Dokumente, die sich führende Klimaforscher, darunter die Professoren Phil Jones und Michael Mann, zugeschickt hatten, fanden den Weg ins Internet. Flugs wurde der «unverschämte Datendiebstahl» als «Störfeuer» der «Klimaleugner», die den Kopenhagener Klimagipfel sabotieren wollen, gebrandmarkt. Der britische Premier Gordon Brown warnte: «Wir dürfen uns nicht von hinter der Zeit zurückgebliebenen, wissenschaftsfeindlichen, die-Erde-ist-flach-gläubigen Klimaskeptikern ablenken lassen. Wir kennen die Wissenschaft. Wir wissen, was zu tun ist.»

Nun zeigen die vertraulichen, zweifellos von einem Mitglied der CRU in die Welt gesetzten E-Mails, dass Klimaforscher, die massgeblich an der Ausarbeitung des heute allgemein akzeptierten Konsenses über die Klimaerwärmung mitgearbeitet haben, zu zweifelhaften Methoden griffen, um ihre These von der menschverursachten, den Planeten gefährdenden Klimaerwärmung zu stützen. Sie diskutierten unter sich, wie man Statistiken frisieren, missliebige Artikel aus wissenschaftlichen Publikationen fernhalten, Kritiker ausschalten und unbequeme Daten verheimlichen könne. Wie diese Kapazitäten vorgingen, lässt sich an ihrem Umgang mit der Mittelalterlichen Warmzeit illustrieren. Das Klima hat immer wieder starke Schwankungen durchgemacht. Nach einer Kälteperiode im Mittelalter zwischen 900 und 1300 stiegen die Temperaturen an. Temperaturbestimmungen an Eisbohrkernen bestätigen, was Historiker schon immer wussten: In Grönland war es im Mittelalter wärmer als jetzt. Einst pflanzten die Wikinger dort Weizen und ihre Gräber liegen heute noch unter Permafrost. Im südlichen Norwegen, südlichen Schottland, in Pommern und Ostpreussen wurden Reben angebaut. Dass die Erwärmung geografisch nicht beschränkt war, zeigt die jüngere Literatur, über die man sich auf der Internetseite CO2-Science kundig machen kann. (Dort aufgeführt sind Arbeiten von 771 Wissenschaftlern aus 458 Forschungsinstituten.) Bis Mitte der neunziger Jahre zweifelte auch niemand an der Mittelalterlichen Warmzeit. So findet man selbst im ersten IPCC-Bericht von 1990 eine Temperaturgrafik, in der die Kurve im Jahr 1300 deutlich höher liegt als in der Gegenwart.

Mitte der neunziger Jahre merkten dann allerdings die «Warmisten» – die Anhänger der These, wonach die gegenwärtige globale Erwärmung planetgefährdend, von Menschen verursacht und noch nie da gewesen sei –, dass die Wärmezeit ihren Ansichten in die Quere kam. Wie konnte man die Menschheit von der Realität der drohenden Klimakatastrophe überzeugen, wenn es im Mittelalter, wo die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um einen Viertel niedriger lag als heute, wärmer war als heute? Die Wärmezeit musste weg! «We have to get rid of the medieval warm period», wie 1995 ein Klimaforscher einem Kollegen schrieb. Man tat dies, indem man die Temperatur der letzten tausend Jahre aus Baumjahrringen rekonstruierte. Um eine Kurve zu erhalten, die für das Mittelalter niedrigere Temperaturen zeigte als für die Gegenwart, musste man allerdings einen «Trick» anwenden. Die Baumringe hatten nämlich perverserweise in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Rückgang der Temperaturen angezeigt. Um diesen unbequemen Rückgang zu verstecken («hide the decline», wie es in einem der E-Mails heisst), pfropfte man auf die aus den Baumringen rekonstruierten Daten für die Zeit nach 1961 instrumentale Temperaturmessungen auf. Dies ergab dann eine steil in die Höhe schnellende Kurve, die den dramatischen Anstieg der Temperaturen gegen Ende des 20. Jahrhunderts «bewies». Verschiedene Naturwissenschaftler, die diese seltsame Beweisführung nachzuvollziehen versuchten, waren empört. Im Internet brach ein wahrer Sturm aus, der sich bis heute nicht gelegt hat.

«Dies ist eine Travestie»

Das wissenschaftliche Fundament für den Klimawandel, den zu bekämpfen wir aufgerufen sind, ist also keineswegs so solid, wie die «Warmisten» behaupten. Trotzdem marschieren die in Kopenhagen versammelten Staatsmänner samt Begleittross frei von Zweifeln unentwegt voran. Unter den klimatologischen Leithammeln hingegen hat sich Unbehagen eingeschlichen. Am vergangenen 12. Oktober ärgerte sich der Chef der Klimaabteilung des amerikanischen Zentrums für atmosphärische Forschung, Kevin Trenberth, in einem E-Mail an Kollegen: Man frage sich «hier in Boulder», wo zum Kuckuck die globale Erwärmung geblieben sei. Es habe geschneit, die Temperatur liege unter dem Gefrierpunkt und habe mit 18 Grad Fahrenheit (–7,8 Grad Celsius) einen absoluten Tiefenrekord erreicht. «Tatsache ist, dass wir das momentane Ausbleiben der Erwärmung nicht begründen können, und dies ist eine Travestie.»

Wenn selbst der Leitautor des letzten IPCC-Berichts ratlos unter der Zirkuskuppel steht, ist für die Wissenschaft die Zeit gekommen, über die Bücher zu gehen. Wir Normalsterbliche möchten wirklich gerne wissen, wieso es im Mittelalter wärmer war als heute und wieso in den letzten elf Jahren die Temperaturen nicht wie angekündigt gestiegen sind.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 50/09
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Kommentare

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Christoph Marx     21.01.10 09:10

Leider ist die WeltWoche nicht bereit, über den tatsächlichen Erregungshintergrund des Klima-Endzeit-Wahns zu berichten & auch die im Dossier versammelten Autoren sind sich der kollektiven Verdrängung der unwiderlegbar vor ~1000 bis 650 aufgetretenen globalen naturkatastrophischen Vorgänge (begleitet von enormen Klimaänderungen) ebenso wenig bewusst, wie ihre Kollegen in Wissenschaft, Politik & Medien.

Vgl http://www.sources.li/KopenhagenerKlimawahn.pdf.

Frank Heidemann     15.12.09 12:08

wie erklärt man im licht dieses artikels die berichte über polkappen- und gletscherschmelze, ausdehnung der wüsten in asien und afrika und den anstieg des meeresspiegels? Handelt es sich hier auch um zyklische phänomene, die parallel zur temperaturkurve verlaufen? gibt es auch hierzu grafiken und statistiken, die einen verlauf über die letzten 2000 jahre veranschaulichen würden?

Peter Forster     15.12.09 09:06

Rückfrage an Prof. Reto Klutti:
Wie misst man die Sonnenaktivität a.d. 1000 und welche aussergewöhnliche Vulkanausbrüche zur fraglichen Zeit sollen das gewesen sein?

Küdde Rechsteiner     13.12.09 16:33

Reto Klutti, Prof bei der ETH in der Klimaforschung, nahm beim "Blick" Stellung für Fragen-und Antworten.

"In der Weltwoche ist zu lesen, dass es in den Jahren zwischen 900 und 1300 wärmer war als heute. Können Ihre Simulationen so etwas erklären?"

Reto Knutti:"Ja, die Sonnenaktivität und Vulkanausbrüche können das erklären."

Henry Rehmann     12.12.09 17:21

@ Rainer Selk

Sie wollen aber hoffentlich nicht die gfs (Longchamp) als Ratingagentur vorschlagen ?

Marianne Levron     12.12.09 11:47

Dieser Temperaturanstieg ist nicht linear und ist auch nicht regelmässig auf die Erdoberfläche verteilt; in gewissen Zonen, z.B. in der Arktis und in der Sahelzone, ist er mehr spürbar als in den gemässigten Zonen. Natürlich gab es schon in früheren Jahrhunderten Warmzeiten, aber wie die veröffentlichte Kurve zeigt, ist die "Mittelalterliche Warmzeit" nicht regelmässig, sondern enthält auch An-und Abstiege. Es sollte auch einem "Normalsterblichen" einleuchten, dass der jetzige Temperaturanstieg keinen Vergleich mit früheren Phänomenen zulässt und dass etwas dagegen getan werden muss.

Marianne Levron     12.12.09 11:35

Bei Informationen durch e-mails ist höchste Vorsicht geboten. Das Internet ist die grösste Gerüchteküche der Welt; die sogenannten "Hacker" setzen "hoaxes",d.h. Falschmeldungen, in Umlauf und amüsieren sich über die Aufregung und die Panik, die dadurch entsteht... Wieso tun sie das ? Vermutlich um sich wichtig zu machen. Was nun die Klimaerwärmung anbelangt, so ist diese nicht zu leugnen; seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein Anstieg der Durchschnittstemperaturen feststellbar, dieser fällt mit dem Beginn des Industriezeitalters zusammen.

Alexej Buergin     12.12.09 10:31

Auf Seite der Leugner: Lindzen, Christy, Spencer, die Pielkes, Plimer (auch Geologe), der geniale Statistiker McIntyre.

Wenn schon der Redaktor der NZZ so schlecht informiert ist, was wissen dann seine Leser?

Alexej Buergin     12.12.09 10:27

Argumente der Erdwärmer (Zitat NZZ):
"Die Leugner, hinter denen sich auffallend oft Nichtwissenschafter oder Wissenschafter aus anderen Disziplinen befinden..."

Mit dem Wort "Leugner" wird eine Verbindung zu Holocaust-Leugner, also Nazi, geschaffen. Aber wie steht es mit den Qualifikation der Genies des AGW?

Pachauri, IPCC-Chef, ist Spezialist für Diesellokomotiven mit Zusatzausbildung in Wirtschaft. Hansen ist Astronom, Schmidt Mathematiker, Steig Chemiker. Mann, der Erfinder des Hockeystocks, ist Geologe; kein Wunder, dass er nichts von Dendrologie und wenig von Statistik versteht.

Carla Kägi     12.12.09 09:47

Herr Selk,
Ich gehöre auch zur vielgeschmähten Basis & bin alltäglich belastet und gefordert, aber die Aussicht auf die Welt in die wir geschoben werden sollen, motiviert mich enorm, mich dagegen zu engagieren.

Es fehlte den Bürgern vermutlich auch nicht an der Zeit dafür, sondern mehr am Selbstvertrauen! Daran könnte das MBV-Abstimmungsresultat etwas verändert haben. Es ist möglich, das die Kurve diesbezüglich jetzt mehr nach oben zeigt: Das Stimm- & Wahlvolk trägt das Land - die Eliten vertreten es nur - solange wir sie lassen!

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