Kommentar

Zeit, über die Bücher zu gehen

Nicht der Klimawandel muss uns Angst machen, sondern die dubiosen Methoden führender Forscher, die nicht erklären können, warum die Temperaturen nicht steigen.

Von Hanspeter Born

Unterdrückte Daten: Im Mittelalter war es deutlich wärmer als heute. Autos gab es keine. Rekonstruiert nach den Daten von Moberg et al., 2005; Quelle: Nature, Vol 433, Nr. 7026

Wer seine Information über den Klimawandel aus den Medien bezieht, weiss knapp, dass vor kurzem ein «Hackerangriff» auf die Climatic Research Unit (CRU) der Universität East Anglia ausgeübt wurde. Rund 4000 E-Mails und andere Dokumente, die sich führende Klimaforscher, darunter die Professoren Phil Jones und Michael Mann, zugeschickt hatten, fanden den Weg ins Internet. Flugs wurde der «unverschämte Datendiebstahl» als «Störfeuer» der «Klimaleugner», die den Kopenhagener Klimagipfel sabotieren wollen, gebrandmarkt. Der britische Premier Gordon Brown warnte: «Wir dürfen uns nicht von hinter der Zeit zurückgebliebenen, wissenschaftsfeindlichen, die-Erde-ist-flach-gläubigen Klimaskeptikern ablenken lassen. Wir kennen die Wissenschaft. Wir wissen, was zu tun ist.»

Nun zeigen die vertraulichen, zweifellos von einem Mitglied der CRU in die Welt gesetzten E-Mails, dass Klimaforscher, die massgeblich an der Ausarbeitung des heute allgemein akzeptierten Konsenses über die Klimaerwärmung mitgearbeitet haben, zu zweifelhaften Methoden griffen, um ihre These von der menschverursachten, den Planeten gefährdenden Klimaerwärmung zu stützen. Sie diskutierten unter sich, wie man Statistiken frisieren, missliebige Artikel aus wissenschaftlichen Publikationen fernhalten, Kritiker ausschalten und unbequeme Daten verheimlichen könne. Wie diese Kapazitäten vorgingen, lässt sich an ihrem Umgang mit der Mittelalterlichen Warmzeit illustrieren. Das Klima hat immer wieder starke Schwankungen durchgemacht. Nach einer Kälteperiode im Mittelalter zwischen 900 und 1300 stiegen die Temperaturen an. Temperaturbestimmungen an Eisbohrkernen bestätigen, was Historiker schon immer wussten: In Grönland war es im Mittelalter wärmer als jetzt. Einst pflanzten die Wikinger dort Weizen und ihre Gräber liegen heute noch unter Permafrost. Im südlichen Norwegen, südlichen Schottland, in Pommern und Ostpreussen wurden Reben angebaut. Dass die Erwärmung geografisch nicht beschränkt war, zeigt die jüngere Literatur, über die man sich auf der Internetseite CO2-Science kundig machen kann. (Dort aufgeführt sind Arbeiten von 771 Wissenschaftlern aus 458 Forschungsinstituten.) Bis Mitte der neunziger Jahre zweifelte auch niemand an der Mittelalterlichen Warmzeit. So findet man selbst im ersten IPCC-Bericht von 1990 eine Temperaturgrafik, in der die Kurve im Jahr 1300 deutlich höher liegt als in der Gegenwart.

Mitte der neunziger Jahre merkten dann allerdings die «Warmisten» – die Anhänger der These, wonach die gegenwärtige globale Erwärmung planetgefährdend, von Menschen verursacht und noch nie da gewesen sei –, dass die Wärmezeit ihren Ansichten in die Quere kam. Wie konnte man die Menschheit von der Realität der drohenden Klimakatastrophe überzeugen, wenn es im Mittelalter, wo die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um einen Viertel niedriger lag als heute, wärmer war als heute? Die Wärmezeit musste weg! «We have to get rid of the medieval warm period», wie 1995 ein Klimaforscher einem Kollegen schrieb. Man tat dies, indem man die Temperatur der letzten tausend Jahre aus Baumjahrringen rekonstruierte. Um eine Kurve zu erhalten, die für das Mittelalter niedrigere Temperaturen zeigte als für die Gegenwart, musste man allerdings einen «Trick» anwenden. Die Baumringe hatten nämlich perverserweise in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Rückgang der Temperaturen angezeigt. Um diesen unbequemen Rückgang zu verstecken («hide the decline», wie es in einem der E-Mails heisst), pfropfte man auf die aus den Baumringen rekonstruierten Daten für die Zeit nach 1961 instrumentale Temperaturmessungen auf. Dies ergab dann eine steil in die Höhe schnellende Kurve, die den dramatischen Anstieg der Temperaturen gegen Ende des 20. Jahrhunderts «bewies». Verschiedene Naturwissenschaftler, die diese seltsame Beweisführung nachzuvollziehen versuchten, waren empört. Im Internet brach ein wahrer Sturm aus, der sich bis heute nicht gelegt hat.

«Dies ist eine Travestie»

Das wissenschaftliche Fundament für den Klimawandel, den zu bekämpfen wir aufgerufen sind, ist also keineswegs so solid, wie die «Warmisten» behaupten. Trotzdem marschieren die in Kopenhagen versammelten Staatsmänner samt Begleittross frei von Zweifeln unentwegt voran. Unter den klimatologischen Leithammeln hingegen hat sich Unbehagen eingeschlichen. Am vergangenen 12. Oktober ärgerte sich der Chef der Klimaabteilung des amerikanischen Zentrums für atmosphärische Forschung, Kevin Trenberth, in einem E-Mail an Kollegen: Man frage sich «hier in Boulder», wo zum Kuckuck die globale Erwärmung geblieben sei. Es habe geschneit, die Temperatur liege unter dem Gefrierpunkt und habe mit 18 Grad Fahrenheit (–7,8 Grad Celsius) einen absoluten Tiefenrekord erreicht. «Tatsache ist, dass wir das momentane Ausbleiben der Erwärmung nicht begründen können, und dies ist eine Travestie.»

Wenn selbst der Leitautor des letzten IPCC-Berichts ratlos unter der Zirkuskuppel steht, ist für die Wissenschaft die Zeit gekommen, über die Bücher zu gehen. Wir Normalsterbliche möchten wirklich gerne wissen, wieso es im Mittelalter wärmer war als heute und wieso in den letzten elf Jahren die Temperaturen nicht wie angekündigt gestiegen sind.

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