MvH

Meine Löwen

Unser Kolumnist besucht die It-Restaurants einer Weltstadt. Dort bekommt man einen Tisch nur mit etwas Hilfe.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in London, weil man ab und zu in eine grosse Stadt fahren soll als MvH (und diese Spalte zweimal hintereinander zu beginnen mit «Vergangene Woche war ich in Zürich» geht; dreimal sähe dagegen aus, als hätte man Geldsorgen wie Scheich Mohammed von Dubai). Ich war Gast in «The Dorchester», wo es mir gefallen hat. Ich empfehle jedem, ebenfalls in einem guten Hotel zu wohnen. Der Entwurf «Bei der Unterkunft kann man sparen – man ist nur zum Schlafen im Zimmer» ist für Teenager.

Fast so wichtig, wie wo man wohnt, ist, wo man isst. Es gibt zu jeder Zeit ein Londoner Restaurant, in dem es geschieht, steht in der Novemberausgabe des Tatler. Zurzeit sei dieses Restaurant das «Scott’s» in Mayfair. Dann ist man happy, ein Hotel mit Concierge zu haben. Denn selber die Nummer von «Scott’s» (020 7495 7309) zu wählen . . . don’t bother (erinnert an den Film «American Psycho», als Patrick Bateman in das It-Restaurant anruft, um einen Tisch zu bestellen, für heute Abend – der Maître d’ lacht bloss, bevor er aufhängt).

Rückmeldung des Concierge: «Tisch für vier, Freitagabend, 6.00 p. m., Sir.» Eine Minute, 6.00 p. m.? «Scott’s» muss wirklich das Restaurant sein. Ich meine, 18.00 Uhr ist für Touristen aus Schweden oder der Schweiz, von mir aus.
No surrender, sagt man, nicht wahr, und ruft Natalia an, die in London wohnende Frau von Valery (einem Russen, der Geschäfte macht in Moskau), mit der man bekannt ist. Als ich um 20.30 Uhr aus dem «Dorchester» trat, begegnete mir Dita von Teese. Sie war in einem Taxi gekommen, allein, hatte keinen Mantel und blieb ziemlich lange vor dem Hoteleingang stehen, damit ein Fotograf, der anwesend war, mit Sicherheit Bilder von ihrem Entree hatte. Am folgenden Tag, übrigens, fand ich kein Bild von ihr in der Zeitung. Und sie begegnete mir zu keinem Zeitpunkt im «Dorchester», nicht in der Halle, nicht in der Bar.

Im «Scott’s» bekam Natalia den Platz, den sonst Tamara Mellon hat (Quelle: Tatler); the redhead den von Geri Halliwell. Am Tisch daneben hätte Woody Allen sitzen sollen (dort war aber Zaha Hadid). Das Lokal ist eines der schönsten Restaurants, die ich bisher gesehen habe (Barabdeckung aus Onyx, Vorderteil mit Rochenhaut überzogen, an Wänden zusammengefügte Steinstücke in einer Farbe zwischen Gelb und Grün). Ferner, das Essen, in der Mehrheit Fisch und Schalentiere, schmeckte – ich erinnere mich nicht an einen frischeren und/oder besseren Seebarsch-Ceviche. Nach dem Essen, nur zum Sagen, begegnet man der Wirklichkeit wieder, falls man keinen Plan hat: In London gibt es nicht genug Taxis, besonders Freitag- und Samstagnacht, wenn es regnet (besser als ein Plan sind Bekannte mit einer S-Klasse und einem Fahrer vor der Tür).

Am folgenden Tag sprach mich im Hotel einer mit Namen Philippe Huber an («erfolgreichster Schweizer Sportrechtevermarkter», Sonntagsblick, «vielbeschäftigter Tausend- sassa», Blick); er lebt in London, frühstückt im «Dorchester», hat auch ein Haus in Los Angeles und züchtet weisse Tiger sowie Löwen zudem (ich kannte ihn nicht). Er fragte, wo ich zu Abend esse. Im «Hakkasan», antwortete ich. Das «Zuma» sei besser, sagte er. Do all great minds think alike? (Denken alle grossen Köpfe gleich?) Das Zuma wäre mein Wunsch gewesen. «Tisch für vier, Samstagabend, 6.00 p. m., Sir», war die Rückmeldung des Concierge. Ob 21.00 Uhr passe, fragte Philippe. (Versuchen Sie, einen kennenzulernen, der das kann, in einem Drei-Sterne-Hotel.) Er, by the way, komme nicht mit, er schaue «The X Factor» (wie «Music-Star» auf SF, aber mit Bewerbern voll von Talent).

«Zuma» – ein anderes Restaurant, in dem es zurzeit geschieht – liegt in Knightsbridge. Es gibt contemporary japanese cuisine und vor allem einen Wow-Effekt, wenn man reinkommt. Weil alle Gäste erst an der Bar, zuvorderst in dem Lokal, warten müssen. Viele davon sind gutaussehend, vor allem Frauen. In London zieht man ja die kleinsten Kleider und höchsten Absätze an, wenn man ausgeht. Das Essen, nebenbei, war so gut wie im «Scott’s».

Danach fuhr ich in den «Groucho Club» in Soho, nur für Mitglieder. Ein Lokal, in dem es zirka 1990 geschah, als einige der Young British Artists (Damien Hirst, Tracey Emin et cetera) hingingen. Das ist lang her. (Und was in privaten Lokalen geschieht, soll privat bleiben.)

Es stimmt schon irgendwie, wer genug hat von London, hat genug vom Leben.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben