«Integration heisst, sich an Sitten, Bräuche und Gesetze anzupassen. Und nicht umgekehrt.» Inge Inderst
Eine Auswahl von Einsendungen zur Annahme der Minarett-Initiative
Der grosse Marathon ist vorbei. Ein grosser Teil des Schweizer Stimmvolkes hat beschlossen, sich nicht länger einschüchtern zu lassen von Mord- und anderen Drohungen der Islamisten. Und nun haben zwei unserer Bundesrätinnen das grosse Problem, die Dummheit des Volkes, dessen sie sich anscheinend schämen, vor der Welt zu rechtfertigen. Dabei gibt es eine ganz einfache Erklärung: Integration heisst im ursprünglichen Sinn, sich an Sitten, Bräuche und Gesetze des Gastlandes anzupassen. Und nicht umgekehrt, wie es uns
offensichtlich klargemacht werden soll.
Inge Inderst, La Punt Chamues-ch
Alle sind überrascht über den Ausgang der Abstimmung. Der Grund ist, dass die geistige, schreiberische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Elite, die sich stets nur unter ihresgleichen trifft, den Bezug zur Basis verloren hat. Entweder wird der Mainstream belächelt oder getadelt, ernst genommen werden die Sorgen, Nöte und Ängste der Schweizer Bürger längst nicht mehr, egal bei welchen Themen (Wirtschaft, Löhne, Arbeitslosigkeit, Überfremdung, Ausländerkriminalität, Gewalt an Schulen etc.). Das ewige Belächeln und Nicht-ernst-Nehmen von Ängsten der Bevölkerung führt früher oder später zu Trotzreaktionen oder Resignation. Es würde den Politikern, Schreiberlingen, Kulturschaffenden, Spitzenbeamten und Managern guttun, mal an den gerne als primitiv verschrie-nen Stammtisch zu sitzen und den Leuten zuzuhören, wo ihr Schuh drückt. Vertrauen zu schaffen, heisst, an der Basis zu arbeiten, diese ernst zu nehmen und vom hohen Ross hinunterzusteigen. Andreas Zehnder, Oberwil-Lieli
Der Schweizer Stimmbürger hat sich wieder einmal gegen den Mainstream der politischen Korrektheit ausgesprochen. Die politische Klasse innerhalb und ausserhalb der Schweiz überzieht mit ihrer Kritik an diesem Ergebnis masslos: Weder ist die Religionsfreiheit durch dieses Votum in Gefahr geraten, noch sind es die Bemühungen, die islamischen Mitbürger in die Schweizer Gesellschaft zu integrieren. Der Schweizer Stimmbürger hat in seiner nüchternen Art eine Entscheidung getroffen, die es als Demokrat zu respektieren gilt. Ich wünschte nur, dass die Schweizer Bundesregierung diese Entscheidung entschlossen respektieren und nicht in einer gewissen Verlegenheit nach Erklärungen respektive Entschuldigungen suchen würde! Ich beneide die Schweiz um ihre direkte Demokratie, auch wenn dies für die Regierung oft recht unbequem ist. Bleiben Sie gegenüber dem nun
allerorten anbrandenden Entrüstungssturm fest – die sich entrüstenden «fremden Vögte» wie Uno, EU etc. sollten die Schweizer nicht beeindrucken. Karl von Friesen, Steinbach (D)
Die Mainstream-Medien und die Classe politique wollen das Bauverbot für Minarette unter dem Titel «Menschenrechtsverletzung und Angriff auf die Religionsfreiheit» juristisch anfechten. Dies ist absurd, denn das Verbot des Baus von Minaretten kann unter keinem Titel Menschenrechte verletzen, und die Muslime können nach wie vor ihren Glauben leben. Wie viele Menschenrechtsverletzungen mit
unseren restriktiven Baugesetzen und abgelehnten Baugesuchen hätten wir sonst in der Schweiz? Über die echten Menschenrechtsverletzungen der nun in Schutz genommenen Muslime – man denke nur an Zwangsheirat, Steinigungen, Abhacken von Gliedern, Genitalverstümmelungen, Diskriminierung der Frauen, brutalste Terroranschläge – wird fast kein Wort verloren. Nicht zu sprechen von der Behandlung von Andersgläubigen in islamischen Gebieten, denen oft mit dem Tod gedroht wird. Wer ficht dies juristisch an?
Hans Rupp, Tschierv
Ich gratuliere Roger Köppel zu seinem Mut und seiner sehr klaren Gegenwehr gegen Markus Gilli, Res Strehle und die sehr arrogante und hochnäsig wirkende Saïda Keller-Messahli. Das seit Jahrzehnten in der Schweiz lebende jüdische Volk lebt auch seine Religion und hat noch nie den Anspruch gestellt, neben den Synagogen zugleich zwingend eine Klagemauer errichten zu dürfen. Die Eidgenossen haben genug von ihrer verräterischen Landesregierung und lassen sich nicht mehr auf der Nase herumtanzen.
Eugen Wermelinger, Bennau
Wäre der Islam eine Automarke, so wäre das Schweizer Votum
ein Ausdruck der Mehrheit der Marktteilnehmer darüber, dass das Logo der Marke keinen Platz im öffentlichen Raum haben soll. In diesem Fall würde man sich fragen, wie es denn zu solch einem Vertrauensverlust gegenüber dieser Marke gekommen sein könnte. Andere Marken, wie z.B. die der Firma Buddhismus und auch die alteingesessene christliche Marke, scheinen dieses Imageproblem so ja nicht zu haben. Könnte es also an Vorkommnissen der jüngeren Vergangenheit liegen, dass diese Marke einen solch schlechten Ruf bekommen hat, dass nicht einmal mehr das Logo geduldet werden soll? Ein Verbot des Logos einer solch uneinsichtigen Firma wäre da schon fast ein logischer Schritt. Dabei würde es dann leider auch keine Rolle spielen, dass die grosse Mehrheit dieser Autos sich ohne Probleme im Verkehr bewegt. Meiner Ansicht nach müsste sich nicht die Schweiz um ihr Ansehen sorgen. Vielmehr sollten alle Muslime bemüht sein, das Ansehen ihrer Religion zu fördern und jene in den eigenen (!) Reihen zu bekämpfen, die tagtäglich diese Religion in Misskredit bringen.
Olaf von Herrenstein, Lübeck (D)
Nun will gar die Uno prüfen, ob das Minarettverbot gegen die Menschenrechte verstösst. Nach ihren unzähligen Niederlagen im Kampf gegen das Unrecht auf dieser Welt – man denke nur an ihr Versagen im Jugoslawienkrieg – kann sie nun im Falle der scheinbar schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung durch die Schweizer Stimmbürger endlich wieder einmal zeigen, dass sie unerschrocken und ohne Rücksicht auf die politischen Machtverhältnisse alle Menschenrechtsverletzer anklagt. Beim nächsten Völkermord allerdings wird die Uno wohl wieder nur ohnmächtig zusehen, immerhin im beruhigenden Gefühl, an andern Fronten, d.h. in der kleinen Schweiz, erfolgreich interveniert zu haben.
Hansjürg Fitzi, Amden
Für die fundierten Standpunkte in verschiedenen Fernsehsendungen (Tele-Züri, ZDF, ORF 2 u. a.) möchte ich Ihnen, Herr Köppel, persönlich danken. Vertrauen in unsere Politiker habe ich schon lange nicht mehr – umso mehr hat mich das Resultat der Abstimmung gefreut. Ich würde heute noch weiter gehen als das Minarettverbot. Seit Jahren schon beobachte ich, wie sich das Gesamtbild der Bevölkerung im Strassenraum, in Einkaufszentren verändert: Immer mehr Frauen mit Kopftuch und bodenlangen Regenmänteln (auch bei 30° Grad Celsius im Schatten) huschen hinter einem Mann durch die Läden. Blond und mit blauen Augen und sommerlich leicht bekleidet, fühle ich mich in meiner Schweiz fast etwas deplatziert. Wieso können Muslime ihre Religionszugehörigkeit nicht in ihrem privaten Raum ausleben, sondern müssen das in der schweizerischen Öffentlichkeit tun? Diese schleichende Veränderung unserer schweizerischen Tradition macht einem Unwohlsein Platz, das weder politisch noch rassistisch geprägt ist; es ist einzig und allein diese Impertinenz, mit der man konfrontiert wird, und wie dieser Sichtwandel vollzogen wird. Erika Gantner, Zollikon
Die Annahme dieser Initiative hat lediglich ein absolutes Bauverbot für Minarette zur Folge, aber keine Einschränkung der Glaubens- und Religionsfreiheit der Muslime. Diese können – wie Angehörige anderer Religionen in unserem Land – ihre Religion innerhalb des gesetzlichen Rahmens frei ausüben. Die muslimische Bevölkerung in der Schweiz kann ihre religiöse Überzeugung in ihrer Vielfalt leben, geschützter als in vielen islamischen Staaten. Ich hoffe und erwarte von der Regierung und dem Parlament, dass allfällige Drohungen und Erpressungsversuche von islamischer Seite unmissverständlich zurückgewiesen werden und klargestellt wird, dass das Schweizer Recht in unserem Land für alle Einwohner gilt. Bernhard Dura, Chur
Als Auslandschweizerin bin ich über die Aussagen von Roger Köppel in seinem Videoblog auf Weltwoche online ziemlich bestürzt. Die unverhohlene Art, wie hier ein so desaströses und peinliches Abstimmungsergebnis kommentiert wird, kann wohl nicht wahr sein! Erna Bunger, Hinte (D)
Das Zeichen der erfolgreichen Minarett-Initiative ist letztlich ein Misstrauensvotum gegen unsere Justiz, der man nicht zutraut, mit den verschiedenen Schwierigkeiten fertig zu werden, die uns der fundamentalistische Islam noch bescheren wird. Urteile werden weiter-gezogen, bis sich eine weiche Stelle findet, Urteilsprüche werden ohne einschneidende Sanktion glattwegs missachtet, das Strafmass spottet oftmals jeder Vorstellung, oder Probleme werden an fremde Richter delegiert. Dies sind schlechte Voraussetzungen, um den latent existierenden aggressiven Islam unserer Verfassung unterzuordnen. Einerseits sind die unter uns weilenden Muslime gut beraten, diesen Volksentscheid jetzt zu akzeptieren, um, von einer strafferen Justiz geschützt, nicht selber Opfer einer Islamisierung zu werden. Andererseits ist die politische Schweiz angehalten, die inakzeptablen Missstände in der Rechtsprechung auszumerzen.
Stephan Amacker, Neftenbach
Ich schäme mich für diejenigen Schweizer, die unfähig sind, einen demokratisch gefällten Entscheid zu akzeptieren, aber gleichzeitig alle Vorteile, die der in vielen Fällen unlängst erworbene Schweizer Pass mit sich bringt, zu nutzen. Ex-Mister Schweiz Adel Abdel-Latif ist es freigestellt, das Land zu verlassen, wenn er sich hier seit der Abstimmung nicht mehr wohl fühlt und sich nun schämt, Schweizer zu sein. Die Schweiz ist ein souveräner Staat, und sie sollte sich wieder vermehrt als solcher in Szene setzen. Wir haben uns in den letzten Jahren zu sehr in trügerische Abhängigkeiten mit zweifelhaften Staaten und Organisationen begeben. Andreas Flückiger, Zürich
Wir sind keine intolerante oder rassistische Gesellschaft. Die Mehrheit war jedoch der Meinung, dass bei Ablehnung der Initiative wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen wird und die tatsächlichen Probleme weiterhin unter den Teppich gekehrt werden. Vielleicht ermöglichte die direkte Demokratie der Schweiz sogar ein einmaliges Abbild der Befindlichkeit in Westeuropa. Toleranz beruht nämlich auf Gegenseitigkeit – global. Die gut- integrierten Muslime in der Schweiz sind
damit nicht gemeint, sondern gewisse Ursprungsländer, aus denen nun «konsternierte» Reaktionen eintreffen.
Marianne Grunder, Mönchaltorf
Korrigenda
Der in Weltwoche Nr. 48/09 auf Seite 13 abgebildete Eisbär befindet sich natürlich in der Arktis und nicht, wie in der Bildlegende zu lesen ist, in der Antarktis.
Der Autor des Artikels «Genie, Visionär,
Glarner» (Weltwoche Nr. 48/09, Seite 42) legt Wert darauf, zu erwähnen, dass die nicht von ihm stammende Formulierung im Lead, Fritz Zwicky sei «der bedeutendste Schweizer Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts», nicht zutreffe. Die Redaktion













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