Leserbriefe

«Insistieren auf der Kleinheit unseres Landes hätte genügt, um die Personenfreizügigkeit wegzubedingen.» Henk Hübscher

Chance im Keim erstickt

Nr. 47 – «Ungebremst hohe Zuwanderung»; FDP-Nationalrat und Migrationsexperte Philipp Müller im Gespräch mit Roger Köppel


Ich kenne keinen andern Parlamentarier, der so tief in schwer zugängliches Zahlenmaterial vordringt, dieses analysiert und damit seine Thesen unterlegt wie Philipp Müller. Trotzdem kann er seine Aussage nicht substanziieren, wonach die Personenfreizügigkeit unserem Land netto Gewinn gebracht haben soll. Spe-zialisten hätten wir auch importieren können, ohne uns durch die Personenfreizügigkeit die bekannten Probleme aufzuhalsen. Beide Seiten waren an bilateralen Vereinbarungen interessiert. Insistieren auf der Kleinheit unseres Landes hätte genügt, um die Personenfreizügigkeit als unzumutbar wegzubedingen. Im Wissen um die Sprengkraft solcher Klauseln für später hätte niemand ein Kontraktwerk mit einseitigen Unzumutbarkeiten angestrebt. Dieses Szenario hätte die nachfolgenden Lügen und Tricks von Politikern und Beamten bei schlimmen Umgehungen der neuen, rigideren Ausländergesetzgebung – da gegenstandslos – verhindert. Heute haben wir den Schaden. Als Väter dieser neuen Gesetze besassen Müller und Bundesrat Blocher die nötige Glaubwürdigkeit, während der Entfaltung des Dramas laut zu intervenieren. Diese Chance wurde im Keime erstickt. Müller registrierte wohl früh, was sich hinter Blochers Rücken zusammenbraute. Die Demagogie der Mehrheitsherrschaft frisst ihre besten Kinder. Das Beispiel müsste uns über diese Herrschaft nachdenken lassen. Henk Hübscher, Küttigen

Scheidung der Alibi-Ehe

Nr. 47 – «Vorauseilender Gehorsam»; Alex Baur über die Justiz und das Ausländerrecht

Über das Urteil unseres höchsten Gerichts kann man wirklich nur verzweifelt den Kopf schütteln. Da wird dem «tumben Volk» bei jeder Gelegenheit erklärt, dass es genügend Gesetze gebe, die es ermöglichen, kriminelle Ausländer auszuweisen. Hier sehen wir deutlich, wie diese angewendet werden. Wetten, dass der nächste Schritt des kriminellen Palästinensers die Scheidung der Alibi-Ehe ist und der Familiennachzug erfolgt? Skrupellose Anwälte – auf Kosten der Steuerzahler – hat er ja zur Hand! Fredy Menzi, Basel

Stupide Marktschreierei

Nr. 47 – «Minarette»; Roger Köppel über das Verbot islamischer Symbole

Was mit ein paar berechtigten Einwürfen und Forderungen bezüglich der Diskussion um den politischen Islam begann, hat sich spätes-tens mit der vorliegenden Ausgabe in einer unappetitlichen, ideologisch gefärbten Angst vor dem schwarzen Mann verloren. Solange irgendwelche Phallussymbole kirchlicher oder weltlicher Prägung in unserem gut funktionierenden (Bau-)Recht mit unterschiedlichen Mit- bzw. Einsprachemöglichkeiten Platz fin-den, wäre eine Diskussion auf dieser Basis eigentlich hinfällig. Nüchternheit, Bestimmtheit und Vernunft haben Europa dorthin gebracht, wo es heute steht. Stupide Marktschreierei hätte es hingegen schon einmal fast zerstört. Sven Probst, Zürich

Ohne Herz

Nr. 47 – «Kult um einen Selbstmörder»; Peter Keller über den Selbstmord von Robert Enke

Dem Artikel (dem Autor?) fehlt vor allem eins: Herz. Schön, wenn Peter Keller seinen überholten preussischen Idealen nachleben kann. Zu Menschen macht uns Mitgefühl. Nicht Besserwisserei, nicht Disziplin und schon gar nicht Selbstgerechtigkeit. Über jemanden zu richten, der eine solche Verzweiflungstat begangen hat, ist vermessen und unmenschlich.
Christine Klingler Lüthi, Wädenswil

Ich kann den Kult um den Freitod von Robert Enke nicht verstehen. Wie hätten Bevölkerung und Medien reagiert, wenn jemand durch seinen Suizid verletzt worden wäre? Als Polizist weiss ich, wie hässlich ein solcher Selbstmord ist. Denn nicht nur Zugführer, auch Rettungskräfte, Polizisten, Anwohner und andere involvierte Personen können durch ein solches Ereignis traumatisiert werden. Das deutsche «Jahrhunderttalent» Sebastian Deisler (36 Länderspiele) wurde als Versager hingestellt, weil er sich zum Rücktritt und für ein freies Leben ohne medialen Druck entschieden hatte. Robert Enke (8 Länderspiele) wird beinahe als Volksheld vergöttert nur weil er sich vor den Zug geworfen hatte und Frau und Kind zurück lässt? Thomas Steinemann, Schaffhausen

Nichts Beschönigendes

Nr. 47 – «Verhätschelt und verwöhnt»; Lukas Voellmy über Studentenproteste

Während andere Medien zwar sachlich korrekt, jedoch neutral über die Protestaktionen an den Schweizer Unis berichten, betrachtet die Weltwoche das Geschehen gewohnt kritisch und selbstverständlich auch etwas provokant. Auf interessante und überzeugende Art schafft es der Autor, auf einer Seite seine These des verwöhnten Studenten zu begründen. Der nichts beschönigende Artikel wird unterstrichen durch die Tatsache, dass die Zeilen nicht von einem angestaubten 68er stammen, sondern von einem 24-jährigen Studenten. Samuel Scheidegger, per E-Mail

Zensurierter Spiegel

Nr. 47 – «Intern»; Zustellprobleme der Weltwoche in Ägypten

Es gäbe noch eine andere Möglichkeit, wie man die Weltwoche in Ägypten zensurieren könnte, ohne sie gleich zu beschlagnahmen. So nämlich, wie ich es im Iran im Jahre 1980 erlebt habe. Wohl wissend, dass man nach der Revolution gewisse Zeitschriften besser nicht im Gepäck mitführen sollte, erlaubte ich mir, den Spiegel mitzunehmen. Der Zöllner in Teheran hat das über 200 Seiten starke Magazin in stoischer Ruhe Seite für Seite durchgeblättert und etwa 20 Abbildungen gefunden, die offenbar nicht mit den Vorgaben der Regierung übereinstimmten. Es handelte sich ausschliesslich um unbedeckte Arme oder Beine von Frauen. So tauchte er jedes Mal einen Pinsel in die Tusche und übermalte die Stellen sorgfältig mit schwarzer Farbe. Den Spiegel durfte ich dann mit einem Lächeln wieder in Empfang nehmen. Alfred de Luigi, Affoltern a. A.

Bankrotterklärung

Nr. 47 – «Mindestlöhne sind schädlich»; Silvio Borner über falsche Anreize

Mindestlöhne sind nicht nur schädlich – sie gleichen einer Bankrotterklärung der Gewerkschaften. Der Ruf nach einem gesetzlichen Mindestlohn ist ein kaum verhülltes Eingeständnis eigener Machtlosigkeit. In der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn kristallisiert sich ein fast unschlagbares Mittel politischer Werbung heraus. Und wer immer sich für diesen Werbefeldzug einspannen lässt, muss sich ernsthaft fragen: Trägt der Mindestlohn zu dem Ziel bei, der Arbeit wieder den Wert zu geben, der als gerechte Würdigung von Leistung empfunden wird? Die Hoffnung vieler Arbeitnehmer unterer Lohngruppen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn ihre Situa-tion merklich verbessern werde, ist jedenfalls trügerisch. Zu häufig wird «Staat» mit «Gesellschaft» gleichgesetzt. Nicht alles, was die Gesellschaft bewegt, darf vom Staat reguliert werden. Willy Burgermeister, Romanshorn

 

Korrigendum

Bei der Autorenvorstellung (Nr. 47/09, Seite 10) ist uns im Falle von Jörg Wolle ein Fehler unterlaufen. Wolle ist nicht mehr im Verwaltungsrat der UBS. Wir entschuldigen uns für dieses Versehen. Die Redaktion

Kommentare

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  • Peter Schlegel
  • 25.11.09 | 23:27 Uhr

Erneut ein peinlicher Fehler der "Welt"woche-Redaktion.

Heute ist es nicht mehr eine Ehre UBS-Verwaltungsrat zu sein.

 
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