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25.11.2009, Ausgabe 48/09

Gleichstellung

«Der Staat kann Vorurteile abbauen»

Arbeitsmarktexpertin Christina Felfe fordert gleiche Chancen für Männer und Frauen.

Von Andreas Kunz

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Frau Felfe, verdienen Sie gleich viel wie Ihre männlichen Kollegen?

Ja. Die Löhne an den Universitäten sind vollkommen transparent.

Gemäss der aktuellen Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik verdienen Frauen 19,3 Prozent weniger als Männer. Warum?

Das kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden wie persönliche Qualifikation oder arbeitsplatz- respektive unternehmensspezifische Anforderungen. Grundsätzlich richtet sich der Lohn nach der Schulbildung, dem Alter, dem Leistungsausweis und der Erfahrung. Miteinbezogen werden auch die Ansprüche, die von einem Arbeitgeber aufgestellt und entsprechend belohnt werden. Das sind alles messbare Faktoren. Dazu gibt es aber auch die nicht messbaren Gründe.

Die Gleichstellungsbüros sprechen von «nicht erklärbaren, diskriminierenden» Gründen.

«Nicht erklärbar» ist meiner Meinung nach falsch. Es müsste «nicht beobachtbar» oder besser «noch nicht auswertbar» heissen.

Es ist doch einfach: Männer sind karrierebewusster und verhandeln aggressiver, was sich beides auf den Lohn auswirkt.

Es gibt tatsächlich Unterschiede in der Leistungsbereitschaft, die teilweise mit familiären Anforderungen erklärt werden können. Es gibt aber auch unterschiedliche Präferenzen. Frauen ist die Familie und das soziale Umfeld wichtiger. Sie nehmen sich deshalb eher eine Auszeit oder arbeiten Teilzeit. Dieser Verlust an Erfahrung am Arbeitsplatz wirkt sich auf den Lohn aus. Es ist wissenschaftlich auch erwiesen, dass Frauen bei Verhandlungen kompromissbereiter und mit einem Angebot eher zufrieden sind als Männer, die gerne ihre Ellbogen ausfahren, auf Risiko spielen und sagen: «Ich komme nur, wenn ihr mir zehn Prozent mehr bezahlt.»

Das sind alles erklärbare Unterschiede. Warum spricht man dann von «Diskriminierung»?

Dieser Ausdruck ist meiner Meinung nach falsch. Das wird an der Uni schon im Grundstudium unterrichtet. Statt von «Diskriminierung» zu reden, versuchen wir, den noch nicht erklärten Teil so weit wie möglich durch weitere Gründe wie Motivation oder auch institutionelle Gegebenheiten zu erforschen. Diese Faktoren sind aber schwierig zu messen, und es könnte sein, dass es sich zum Teil tatsächlich um Diskriminierung handelt. Wissenschaftlich ist dies jedoch schwer zu beweisen.

Die Diskriminierungspropaganda der Gleichstellungsbüros vernebelt die tatsächlichen Gründe für die Lohnunterschiede.

Ich kann nicht behaupten, dass es gar keine Diskriminierung gibt. Traditionelle, tiefverankerte Rollenmodelle können eine Diskriminierung begünstigen, wenn zum Beispiel ein Arbeitgeber eine junge Frau nicht einstellen will, weil sie schwanger werden und ausfallen könnte. Die Gleichstellungsbüros sind durchaus berechtigt, diesen Vorurteilen entgegenzuwirken. Aber selbst wenn diese Missstände behoben würden, gäbe es wahr- scheinlich immer noch Unterschiede in den Löhnen, welche dann wohl auf die unterschiedlichen Präferenzen von Mann und Frau zurückzuführen sind.

Eine Lohngleichheit, wie von Gleichstellungsbüros gefordert, ist illusorisch?

Solange Männer keine Kinder kriegen, ist eine vollständige Lohngleichheit nicht zu erreichen.

Besteht die eigentliche Diskriminierung nicht darin, dass Gleichstellungsbüros Frauen stets als Opfer darstellen, denen geholfen werden muss? In Stelleninseraten werden Frauen sogar mit Behinderten verglichen, die man bei gleicher Qualifikation bevorzugen müsse.

In der Vergangenheit war es tatsächlich so, dass Frauen bei gleicher Qualifikation nicht die gleichen Chancen erhalten haben. Mit solchen Vorgaben oder auch einer besseren Unterstützung von berufstätigen Müttern kann der Staat dafür sorgen, dass Frauen die Chance bekommen, mehr zu arbeiten, und somit dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

Spricht man mit Unternehmern, werden Frauen aber sogar bevorzugt. Man nimmt Rücksicht auf ihre Familie, zwingt sie abends oder an Feiertagen nicht zu Überstunden, gewährt ihnen Teilzeitpensen, geht rücksichtsvoller mit ihnen um.

Das ist auch richtig so. Wenn zum Beispiel ein Kind krank wird, ist es doch nach wie vor meistens die Frau, die vom Büro nach Hause geht und sich kümmert. Es kann doch nicht sein, dass man Frauen dafür in der Geschäftswelt bestraft. Im Gegenteil: Man sollte versuchen, den Frauen noch mehr entgegenzukommen, damit sie möglichst gleiche Leistung erbringen können wie Männer.

Wenn Frauen das aber nicht wollen?

Es geht darum, für beide Geschlechter die gleichen Chancen bereitzustellen. Die gleichen Chancen dann aber auch wahrzunehmen, ist eine andere Sache.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 48/09
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Kommentare

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Sergio Frei     26.11.09 10:12

stellt doch den kindergarten mit der ewigen "regiulierung" endlich ab. gleiche arbeit und konditionen =gleiches salär.
wo sicher benachteiligt, nur die frau kann kinder kriegen und "kann" somit ausfallen. aber keine sorge sowie sozis wie staat arbeiten daran dass auch dieser störfaktor entfällt.
darum braucht man ja schengen - um die "fehlende" bevölkerung und arbeitskräfte wettzumachen. oder? die altlasten sind dann wieder per sozialstaat irgedwo zu "nach" integrieren. diese thematik wäre was für den neuen kolumnist "thiel".

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