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25.11.2009, Ausgabe 48/09

Kommentar zur Minarett-Abstimmung

Ein Ja zur Demokratie

Das überraschende und klare Ja des Souveräns zur Minarett-Verbotsinitiative ist ein Votum gegen den politischen Islam und sein mittelalterliches Rechtsverständnis. Die nächste Runde der Auseinandersetzung - vor dem europäischen Gerichtshof - scheint programmiert. Der Bundesrat ist gefordert: Er muss Europa und der Welt unsere Demokratie erklären – und sie notfalls mit Entschlossenheit verteidigen.

Von Philipp Gut, Ressortleiter Inland

Kleine politische Sensation: SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, einer der Initianten des Minarett-Verbots, am Abstimmungssonntag. Im Hintergrund das Plakat der Abstimmungskampagne. Bild: Keystone

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Das deutliche Ja des Schweizer Stimmvolks zur Minarett-Verbotsinitiative kommt einer kleinen politischen Sensation gleich – es ist ein Resultat, mit dem die breite Front der Gegner nicht gerechnet hat. Umfrage-Guru Claude Longchamp lag mit seinen Prognosen ebenso falsch wie die Mitte-Links-Allianz von SP, Grünen, FDP, CVP und BDP samt den Wirtschaftsverbänden und fast allen Mainstream-Medien. Die Sieger, die SVP und kirchliche Splittergruppen, haben eine Zustimmung im Volk erzielt, die ihren Wähleranteil beinahe um das Doppelte übertrifft. Die ausserordentlich hohe Stimmbeteiligung von weit über 50 Prozent macht das Verdikt umso aussagekräftiger.

Die Schweizer, das ist nach dem Sensationssonntag klar wie Quellwasser, haben ein unmissverständliches Zeichen gesetzt. Sie wollen keinen wachsenden Einfluss des politischen Islams, sie akzeptieren keine Parallelgesellschaften mit Bräuchen und Gesetzen, die unserer liberalen Rechtsordnung zuwiderlaufen. Sie sagen „Stopp“ zum Fanatismus einer voraufklärerischen politreligiösen Eroberungsbewegung.

Obgleich das Ergebnis der demokratischen Abstimmung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, scheinen die unterlegenen Gegner der Vorlage Mühe zu haben, den Volkswillen zu respektieren. Die Präsidenten der Grünen und der SP, Ueli Leuenberger und Christian Levrat, sprachen für die verdutzte Allianz der Verlierer, wenn sie den Initianten vorwarfen, „Ängste“ in der Bevölkerung „geschürt“ zu haben – eine Analyse, mit der Journalisten ebenso schnell zur Hand waren wie Islamwissenschaftler und Vertreter der muslimischen Gemeinschaft. Wer den Siegern die Instrumentalisierung von angeglichen Ängsten und „Unsicherheiten“ unterstellt und seine eigene (unterlegene) Position mit derjenigen der „Vernunft“ gleichsetzt, erweckt nicht bloss den Anschein von besserwisserischer Arroganz. Er verkennt das Problem und offenbart ein merkwürdiges Demokratieverständnis, indem er einen nach allen Spielregeln unserer freiheitlichen, basisdemokratischen Ordnung zustande gekommenen Entscheid pathologisiert.

Das ist genau der Punkt, an dem der Bundesrat jetzt gefordert ist. Denn es scheint so gut wie sicher, dass die letzte Runde der Auseinandersetzung noch nicht geschlagen ist. Der Fall wird mit grosser Wahrscheinlichkeit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg landen. Denn erste Reaktionen der Verlierer lassen darauf schliessen, dass sie den Volksentscheid juristisch anfechten wollen (in der Meinung, er verletze die Religionsfreiheit). Der Bundesrat, der die Initiative zuliess und in seiner Botschaft in dieser Frage einigermassen lavierte, muss jetzt Farbe bekennen. Und das kann nur Rot-Weiss sein: Die Landesregierung hat den Auftrag, den Entscheid des Schweizer Volks in Strassburg plausibel zu machen und unserer demokratische Ordnung zu verteidigen. Das mag für ihn – und allen voran Justizministerin Widmer-Schlumpf (BDP) – unangenehm sein, zumal er die Initiative zur Ablehnung empfohlen hat. Aber die Regeln der Demokratie lassen ihm keine andere Wahl.

Das deutliche Ja zum Minarett-Verbot dürfte nur der Anfang einer spannenden und grundsätzlichen Auseinandersetzung sein. In ihr wird es ums Ganze gehen: um die Souveränität und den Selbstbehauptungswillen unseres Staates. Falls Strassburg zum Schluss käme, den Entscheid des Schweizer Volks für unzulässig zu erklären, wäre mit einem fulminanten Showdown zu rechnen, der auch die Innenpolitik bestimmen würde. Es stehen interessante Zeiten bevor. Gerade auch im Hinblick auf die nächsten eidgenössischen Wahlen.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 48/09
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Kommentare

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Eric Buel     04.01.10 12:56

Levent Torun: Erkennen Sie den Unterschied zwischen dem Glockenlaeuten und dem Gejaule per Tonband von einem Minarett nicht? Muss Ihnen nicht erklaeren was genau wieviel Mal und wieviel Mal pro Tag "gesungen" wird, oder?

levent torun     24.12.09 11:46

Liebe Eidgenossen,ich wohne in Istanbul und in Istanbul gibt's zahlreiche Sinagogen und Kirchen(alle mit riesigen Glocken) seit Jahrhunderten.Es gibt viel Laut und Gerausch in Istanbul und trotzdem niemand denkt und plant eine Abstimmung für Glockenverbot,denn wir glauben es sei ein Menschenrecht zu glauben.Und ein Volk- mit der Behauptung,hochsiviliziert zu sein-mact eine Abstimmung für Minarettenverbot.Eine große Lüge!!!! Herzliche Grüße von einem Istanbuler....

Lothar Jander     23.12.09 19:02

liebe schweizer,
ich nehme zur kenntnis, dass das thema minarettverbot wohl vom tisch ist. es regt sich niemand mehr auf. wohl auch wegen der neuesten nachricht.
der islamgelehrte yussuf al-qaradawi, einer der wichtigsten überhaupt, verlangt nun, dass das weihnachtsfest in islamischen staaten generell verboten werden sollte.
und nun, ihr gutmenschen, erzählt nicht, dieser mann sei unwichtig und seine aussagen seien zu ignorieren. al-q. stimme hat in der islamischen gemeinde sehr viel gewicht. gut so, dass doch einige sagen, was sie denken und welche ziele sie verfolgen.

Lothar Jander     20.12.09 14:53

Abstimmungs-Kritiker! Ist Euch schon einmal eine Person in Burkha auf der Strasse entgegengekommen, bei Euch zu Hause meine ich, nicht im TV in Afghanistan.? Habt Ihr schon einmal einenMoschee-Vorsteher gefragt, was er von der Burkha hält. Und er sagte:"Wenn die Frau/das Mädchen das freiwillig macht, ist das absolut ok."-Sicher kennt ihr das eine nicht, und gemacht habt ihr das andere auch nicht. Sonst würdet Ihr über vieles anders denken u. reden. Ich kenne Mädchen die zu Hause zum Burkha-Tragen erzogen werden. Der Machtanspruch des Mannes wird durch-gesetzt.Die Frau entrechtet! Frohes Fest!

Ismail Tunca     19.12.09 01:44

Politischer Islam in der Schweiz,-so ein Schwachsinn!!
Wie sieht's eigentlich mit der popullistisch-plakativen Kamapagne der SVP, & einer anderen Partei, deren Name Ich eigentlich, so sehr wie den vorausgenannten Namen, nicht nennen will!!
Beide Parteien am rechten Rand,-oder nicht?!?
Was ist das eigentlich für eine Show, die hier aufgezogen wird!
Besser geasagt,-es ist den Popullisten gelungen das Schweizer Volk mit ihrer Propaganda-Maschienerie zu überzeugen!!
Eine sachliche Diskussion,-niemals!!
Was hatte eigentlich die verschleierte Frau auf dem Plakat zu tun?!?
Minarettenverbot??

Thomas Läubli     16.12.09 21:31

@Herr Künzi:
«Geht wieder mal unter die Leute» ist ein typisches Totschlagargument, wenn man verbal nichts mehr entgegnen kann. Ihr Intellektuellen-Bashing ist out und wird nur noch von reaktionären Blättern wie der Weltwoche gepflegt. Sie sind nämlich mit keinem Wort auf das eingegangen, was die von Ihnen angesprochenen 4 Personen geschrieben haben. Aber ich kann Ihnen dasselbe empfehlen: Gehen Sie unter die Leute, reden Sie MIT Muslimen statt immer nur ÜBER sie. Dann merken Sie, dass auch das dummdreiste Geschwätz über die Al-Qaida überflüssig ist.

Peter Berger     13.12.09 00:24

Was ist denn das Ziel der Islamisten, siehe Al-Kaida. Sie wollen
die Weltherrschaft und dann allen ungläubigen die Kehle durchschneiden, wie sie es beim Schächten mit den Schafen machen

Lothar Jander     12.12.09 14:27

alle, die die schweizer wegen der abstimmung beschimpfen u. in "rechte politische ecken drücken wollen" sollten sich schämen.
ich wohne in einer nordeutschen kleinstadt. stimmen, die sich öffentlich mit den gefahren des islamismus auseinandersetzen, werden von zeitungen unterdrückt. wegen einer kritischen aussage wurde mir auf einer podiumsdiskussion das mikro weggenommen. die veranstaltung wurde komplett danach beendet.offizielle versuchen, ein heiles schönes weltbild zu zeichnen.und muslime stellen jeden an den pranger, der ihre ziele nicht gutheisst. schweizer bleibt stark.frohe weihnacht!

Walter Flück     11.12.09 19:08

@Frau Kägi
Gratuliere, Sie denken selber und brauchen keine Vordenker wie Club Helvétiques, "unrer Recht" usw. Hoffentlich werden alle diese Antidemorkaten und ihre Anhänger bei den nächstenWahlen und Intitiativen die verdiente Quittung erhalten. Wir brauchen keine nicht demokratisch gewählte Richter und Kommissionen, die uns sagen was wir dürfen und was nicht. Uebrigens, wir können auch auf Strassburger Gerichte verzichten und Kosten sparen.

Ulrich Künzi     11.12.09 04:46

Thomas Läubli, Hannes Kannes, Peter Schlegel, Marianne Studer [gelöscht am 11.12.2009 durch Moderator]:
Warum um Gottes Willen reagiert ihr derart aggressiv? [gelöscht am 11.12.2009 durch Moderator]. Ihr fordert Toleranz, kennt davon aber nur die Schreibweise. Wie man sie lebt ist Euch offensichtlich unbekannt. Ihr strotzt scheinbar vor Intelligenz, habt aber bis jetzt noch nicht verstanden um was es den Befürworter geht. Ihr benimmt Euch wie trotzige 'Kindergärtler' die zum Mami laufen und stampfend recht haben wollen. Ich nehme an, dass Ihr ‘Intellektuelle’ seid. Geht wieder einmal unter die Leute.

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