MvH

Meine Wichtigen

Unser Kolumnist geht an die Präsentation des «Who is Who». Und an eine Veranstaltung mit Gästen, die wirklich wer sind.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche blieb ich in Zürich. Im Augenblick ist ziemlich viel los; der November ist der it-Monat, was Veranstaltungen angeht (andere it-Monate sind: Dezember, Januar, Februar, März, April, Mai usw. Jedenfalls sagt man das, wenn man Gesellschaftskolumnist ist). Am Mittwoch fand ein Anlass statt, an dem recht viele wichtige Leute teilnahmen. Ferner war am Donnerstag die Präsentation des sogenannten «Who is Who in Zürich».

Von der neuen Installation der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer haben Sie vielleicht schon gehört. Es handelt sich dabei um eine Schriftprojektion vom Limmatquai auf die gegenüberliegende Stadtseite (jeweils von 19.30 bis 23.00 Uhr; noch bis 22. November). Was Ihnen aber wahrscheinlich niemand erzählt hat: Wer an der Eröffnung war (z. B. Thomas Bechtler, Beat Curti, Mathias Rastorfer, Damian Grieder und Melanie Swarovski, Andrea und Gigi Kracht).

Falls Sie mit diesen Namen nichts anfangen können – nicht so tragisch. Die Mitglieder des «Who is Who»-Komitees (acht Journalisten), die die 200 prominentesten Persönlichkeiten (steht auf dem Umschlag der Zeitschrift) gewählt haben, auch nicht. Keiner dieser movers and shakers (oder wenigstens wegen ihrer Familienzugehörigkeit in Zürich wichtigen Leute) kommt in dem Verzeichnis vor. (Bechtler: Ehrenpräsident Zürcher Kunstgesellschaft. Curti: Vizepräsident Goldbach Media Group. Rastorfer: Mitbesitzer Galerie Gmurzynska. Grieder: Galerist. Swarovski: Künstlerin, Erbin. Kracht: Besitzer Hotel «Baur au Lac».)

MvH gab sich Mühe, die Installation bzw. die Zeilen, die an dem anderen Limmatufer abgebildet wurden, zu verstehen. Er mag die Texte der Künstlerin, obwohl sie eher highbrow sind verglichen mit seinen («Morals are for little people» oder «Ich verzeihe dem Frühling, dass er wieder kam» et cetera). Doch er konnte die Worte kaum sehen und fast keine Sätze bilden. Vermutlich lag es an seiner Seh- oder Geistesschärfe – andere Gäste hatten keine Probleme, so sah es aus (alle Kenner eben). Zudem: «Lindenhofmauer in ein eindrucksvolles Werk aus Sprache und Licht verwandelt», stand in der Neuen Zürcher Zeitung und: «Holzer verkörpert den Gedanken von Kunst im öffentlichen Raum wie keine Zweite», im Tages-Anzeiger; «It’s also about visibility, stupid» (es geht auch um Sichtbarkeit), stand nirgends, ausser bei Ihrem Kolumnisten.

Ich versuchte mit Sam Keller, dem Projektverantwortlichen, über den Gegenstand zu reden. Aber irgendwie ist er kürzer angebunden als auch schon. Vielleicht liegt es daran, dass ich einmal schrieb, er müsse noch viel lernen (bloss kam das nicht von mir, ich hatte es von Ernst Beyeler); vielleicht daran, dass er jetzt Direktor der Fondation Beyeler ist und nicht mehr halbfett in einer People-Kolumne vorkommen möchte. Der andere Projektverantwortliche, Christoph Doswald, sagte, er habe bisher nicht überlegt, ob es ein Problem sei, wenn man die Texte nicht lesen könne. In Ordnung, dann muss es MvH halt sagen: Der Kaiser war nackt, sozusagen.

Zu der neusten Ausgabe des «Who is Who»: 121 sogenannte Prominente, deren Namen vergangenes Jahr drin waren (von Ackeret Matthias bis Zinkernagel Rolf), stehen dieses Jahr auf der Out-Liste (Pressemitteilung). Dafür gibt es 121 neue Einträge (von Aeppli Regine bis Wundergut Leo, Künstlername von Christian Jenny, jetzt weiss man aber, wer das ist, nicht wahr?). Das haben der Herausgeber und sein Chefredaktor gut gemacht. Ich meine nicht, dass Ackeret raus und Aeppli drin ist, da bin ich indifferent. Sondern dass sie Änderungen haben vornehmen lassen – change bringt immer Spaltenzentimeter.

Was ich klein finde im Geist, nebenbei: Leute, die herumerzählen, sie wollen eigentlich nicht vorkommen in dem «Who is Who», doch, «du verstehst schon . . .». Oder, noch kleiner, an die Präsentation gehen (dieses Mal im «Icon», dem Nachtklub des «Tao’s») und allen sagen, sie wüssten gar nicht, ob sie drin seien, aber auch egal, man sei bloss da, weil man eingeladen wurde. For the record, jeder, dessen Name vorkommt, hat zuvor ein Foto von sich eingesandt und der Veröffentlichung zugestimmt (ausser Tina Turner, die hat Leute für so etwas, denke ich, und die Redaktion hat ihre Nummer nicht). Wer mir imponiert hat: Tamara Sedmak, sie ist out zwar, war an dem Fest aber trotzdem.

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