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11.11.2009, Ausgabe 46/09

Wissenschaft

Vorteil Seitensprung

Auf welchen Männertyp stehen Frauen? Kommt darauf an, sagen Forscher, wie fruchtbar sie gerade sind.

Von Kai Michel

«Ich wollte Gott näherkommen»: Sujet aus der neuen Agent-Provocateur-Kampagne für die Lingerie-Kollektion «Soirée».

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Die «richtige Mischung aus Waschlappen und Bauarbeiter» – das sei das, was Frauen sich als idealen Mann wünschen, sagte die Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy der Weltwoche (Nr. 45/09). Und gab zu, dass das «unvereinbare Erwartungen» seien. Was sie nicht sagte, ist, dass Frauen trotzdem versuchen, beides zu bekommen, den «Waschlappen», den verständnisvollen Familienvater, und das maskuline Alphatier, den «Bauarbeiter». Nur nicht in einer Person.

In verschiedenen Studien wurden Frauen Männergesichter vorgelegt, die sie nach ihrer Attraktivität beurteilen sollten. Das Prozedere wurde über mehrere Wochen hinweg wiederholt. Die Ergebnisse verblüfften die Forscher: An den fruchtbaren Tagen des Menstruationszyklus finden Frauen Gesichter mit besonders männlichen Zügen am attraktivsten und ziehen sie am ehesten für das in Erwägung, was Wissenschaftler einen «gelegentlichen sexuellen Kontakt» nennen. An den anderen Tagen aber und vor allem als Partner für eine dauerhafte Beziehung bevorzugen die Frauen die weniger maskulinen Männer.
Zur Erklärung: Männliche Gesichtszüge, V-förmiger Oberkörper oder Körpergrösse sind Hinweise auf gute Gene. Eigentlich sollten Frauen stets die Männer mit den besten Erbanlagen favorisieren, um genetisch möglichst hochwertigen Nachwuchs zu bekommen. Aber so einfach ist die Sache nicht. Über Tausende von Generationen hinweg mussten Frauen lernen, dass maskuline Typen einen Haken haben: Sie nehmen es nicht so genau mit der Treue.
Gerade weil sie beim weiblichen Geschlecht hoch im Kurs stehen, ist es für sie die beste Strategie, mehrere Frauen zu haben und ihre Gene breit zu streuen. Auch das zeigten Studien: Die bad boys kriegen die meisten Frauen und die meisten Kinder.
Deshalb, sagen Biologen wie Randy Thornhill und Steven W. Gangestad, war es für Frauen sinnvoller, nicht zu sehr auf die genetic benefits, die guten Gene, zu gucken, sondern mehr auf die resource benefits zu setzen, auf die Treue der Männer, ihren Schutz und ihre materiellen Möglichkeiten.
Nun belohnt die Evolution aber gerade jene, die sich nicht mit dem zufriedengeben, was sie haben, sondern versuchen, noch etwas mehr herauszuschlagen. Für Frauen empfiehlt sich daher eine Doppelstrategie: Jene, die ihren Alltag mit dem liebevollen Familienvater («Waschlappen») verbringen, aber sich an gewissen Tagen auf ein Techtelmechtel mit einem besonders virilen Mann («Bauarbeiter») einlassen, bekommen beides: die gute Versorgung und die guten Gene, und sichern ihrem Nachwuchs so einen evolutionären Vorteil.
In den letzten Jahren entdeckten Biologen, dass im Tierreich auch unter angeblich monogamen Arten die Neigung der Weibchen zu extra-pair copulations (vulgo: Seitensprüngen) weit verbreitet ist. Bei Frauen ist das nicht anders. Der Evolutionspsychologe David Buss geht davon aus, dass die Quote der Kuckuckskinder bei rund zwölf Prozent liegt.
Untersuchungen zeigen, dass Frauen sich an ihren fruchtbaren Tagen aufreizender kleiden und sich besonders sinnlich bewegen. Eine Studie ergab, dass Tänzerinnen in Animierbars während ihrer Ovulation deutlich mehr Trinkgeld bekommen.
Wohlgemerkt gilt dies nur für Frauen, die nicht hormonell verhüten. Die Vorlieben der Frauen, welche die Pille nehmen oder schwanger sind, entsprechen denen von Frauen an ihren unfruchtbaren Tagen, erklären Thornhill und Gangestad. «Sie stehen auf femininere Männer.» Schlechte Zeiten also für Machos.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 46/09
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Kommentare

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fabio rechsteiner     18.11.09 00:47

@Matthäus Steiner
Und falls der Lover der, mit einem anderen verheirateten, Dame seines Herzens den Laufpass gibt, wettern die genau gleichen sehr offenen Frauen dass alle Männer immer nur das Eine wollen und eben doch nur S..w..ne sind.

Caroline Meyer     15.11.09 12:41

Diese Erkenntnis ist nichts anderes als die weibliche Variante des sogenannte "Madonna-Hure-Komplex" beim Mann. Ich halte aber diese Aufspaltung in die extrempole Beziehungs- und Fickmaterial sowohl bei Männern als auch Frauen für sehr ungesund..zum Glück gibt es sensible Männer, welche deswegen bei weitem nicht "Waschlappen" sind, und maskuline Männer, welche bei weitem keine Macho-Arschlöcher sind. Es gibt nämlich die goldene Mitte, welche den ganz normalen, beziehungstauglichen und auch attraktiven Mann ausmacht. So schwierig ist das nicht.

Christine Joos     14.11.09 09:52

Typische Antworten von Frauen, die sich ausschliesslich um sich, ihre Selbstanalyse und ihr Wohlbefinden drehen, Matthäus. Solches wird an Kaffeekränzchen debattiert: "Sehr offene" Frauen, die um 16.00h bei Kaffee und Kuchen "verbotene" Gedanken äussern, um bei Gleichgesinnten den Alltagsfrust über quängelndes Familienleben gegen "Tiefgründiges" zu tauschen. Ich war nie dabei, erfuhr es aber im Nachhinein von Betroffenen.

Wenn Frau auf Mann spuckt, hat das mit frustrierter Abneigung gegen 1 Mann zu tun. Ansonsten zeugt es von Selbstablehnung oder auf Ablehnung der Spezies Mensch.

Matthäus Steiner     13.11.09 20:10

Worte mir einer bekannten, sehr ehrlichen, selbstreflektierten, intelligenten und tiefgründigen Frau:

Wenn die Frau ihre Kinder hat, dann spuckt sie innerlich auf den Mann!

Einpaar andere sehr offene Frauen, die ich kenne, haben es mir mit folgenden Worte klargemacht:

Für eine Frau gibt es zwei Männer - 1. den Pappäli, das ist der Mann, den man geheiratet hat, der Vater der Kinder, den man innerlich immer eine Spur verachtet, weil er in die (Vagina dentata-)Falle getappt ist, und 2. Den Liebhaber, der wahrhaftig im Herz der Frau wohnt.

Jeder ziehe seine eingenen Schlüsse.

Dragan Slovjenic     12.11.09 20:47

Was ischt den das für Artikel hier?
Auch schon Interview von Frau Ildiko' Küty war nicht symptahisch, obwohl mir gefallen sehr ungarische Frauen, aber diese Schreiberfrau hat schlechte Meinung und ist fest egoistische.
Muss Mann und Frau zusammen sich lieben, was heisst Waschlappe?
Frau muss alles sein für Mann, und umgekehrt!
Funktioniert gut bei uns, funktioniert auch bei anderen, basta!

Jakob Harzenmoser     12.11.09 10:11

Die interessante Frage an der Krämerbiologie ist, ob es sich dabei eher um eine Ideologie oder eine Wissenschaft handelt. Die "Beweisführung" mit handwaving Arguments erinnert eher an eine Diskussion in einem Wirtschafts-Seminar als an eine naturwissenschaftliche Beweisführung. Man geht von der Grundlage aus, dass sich die egoistischen Gene fortpflanzen wollen. Dann "beweist" man diese Grundlage mit eben dieser Grundannahme. Ein klassischer Zirkelschluss.

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