Die «richtige Mischung aus Waschlappen und Bauarbeiter» – das sei das, was Frauen sich als idealen Mann wünschen, sagte die Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy der Weltwoche (Nr. 45/09). Und gab zu, dass das «unvereinbare Erwartungen» seien. Was sie nicht sagte, ist, dass Frauen trotzdem versuchen, beides zu bekommen, den «Waschlappen», den verständnisvollen Familienvater, und das maskuline Alphatier, den «Bauarbeiter». Nur nicht in einer Person.
In verschiedenen Studien wurden Frauen Männergesichter vorgelegt, die sie nach ihrer Attraktivität beurteilen sollten. Das Prozedere wurde über mehrere Wochen hinweg wiederholt. Die Ergebnisse verblüfften die Forscher: An den fruchtbaren Tagen des Menstruationszyklus finden Frauen Gesichter mit besonders männlichen Zügen am attraktivsten und ziehen sie am ehesten für das in Erwägung, was Wissenschaftler einen «gelegentlichen sexuellen Kontakt» nennen. An den anderen Tagen aber und vor allem als Partner für eine dauerhafte Beziehung bevorzugen die Frauen die weniger maskulinen Männer.
Zur Erklärung: Männliche Gesichtszüge, V-förmiger Oberkörper oder Körpergrösse sind Hinweise auf gute Gene. Eigentlich sollten Frauen stets die Männer mit den besten Erbanlagen favorisieren, um genetisch möglichst hochwertigen Nachwuchs zu bekommen. Aber so einfach ist die Sache nicht. Über Tausende von Generationen hinweg mussten Frauen lernen, dass maskuline Typen einen Haken haben: Sie nehmen es nicht so genau mit der Treue.
Gerade weil sie beim weiblichen Geschlecht hoch im Kurs stehen, ist es für sie die beste Strategie, mehrere Frauen zu haben und ihre Gene breit zu streuen. Auch das zeigten Studien: Die bad boys kriegen die meisten Frauen und die meisten Kinder.
Deshalb, sagen Biologen wie Randy Thornhill und Steven W. Gangestad, war es für Frauen sinnvoller, nicht zu sehr auf die genetic benefits, die guten Gene, zu gucken, sondern mehr auf die resource benefits zu setzen, auf die Treue der Männer, ihren Schutz und ihre materiellen Möglichkeiten.
Nun belohnt die Evolution aber gerade jene, die sich nicht mit dem zufriedengeben, was sie haben, sondern versuchen, noch etwas mehr herauszuschlagen. Für Frauen empfiehlt sich daher eine Doppelstrategie: Jene, die ihren Alltag mit dem liebevollen Familienvater («Waschlappen») verbringen, aber sich an gewissen Tagen auf ein Techtelmechtel mit einem besonders virilen Mann («Bauarbeiter») einlassen, bekommen beides: die gute Versorgung und die guten Gene, und sichern ihrem Nachwuchs so einen evolutionären Vorteil.
In den letzten Jahren entdeckten Biologen, dass im Tierreich auch unter angeblich monogamen Arten die Neigung der Weibchen zu extra-pair copulations (vulgo: Seitensprüngen) weit verbreitet ist. Bei Frauen ist das nicht anders. Der Evolutionspsychologe David Buss geht davon aus, dass die Quote der Kuckuckskinder bei rund zwölf Prozent liegt.
Untersuchungen zeigen, dass Frauen sich an ihren fruchtbaren Tagen aufreizender kleiden und sich besonders sinnlich bewegen. Eine Studie ergab, dass Tänzerinnen in Animierbars während ihrer Ovulation deutlich mehr Trinkgeld bekommen.
Wohlgemerkt gilt dies nur für Frauen, die nicht hormonell verhüten. Die Vorlieben der Frauen, welche die Pille nehmen oder schwanger sind, entsprechen denen von Frauen an ihren unfruchtbaren Tagen, erklären Thornhill und Gangestad. «Sie stehen auf femininere Männer.» Schlechte Zeiten also für Machos.

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