Leserbriefe

«Sie können sich gut präsentieren, aber die Inhalte tendieren zu oft in die Richtung, die den Weltfrieden gefährdet.» Kurt Müller

Schier unglaublich

Nr. 45 – «Die besten Gemeinden der Schweiz»; die Rangliste von Carmen Gasser

Die nichtgrünen «Grünen» haben sich gefälligst in den Speckgürteln der Städte niederzulassen. So empfinden wir Landeier das Credo von Prof. Scognamiglio. Eine klassische Fehlplanung, wie er selber sagt, des damals von der SP durchgepaukten Raumplanungsgesetzes. Höher als billiges Bauland wertet rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung die Lebensqualität als Landeier im Grünen. Mammondenken der ehemaligen Klassenkämpfer gegen Lebensqualität. René Loepfe, Effingen

Es scheint uns schier unglaublich. Felsberg GR liegt bei Ihrem Rating auf Rang 279. Wieder einmal typisch für jemanden, der die Dinge nur theoretisch angeht. Felsberg war für uns Bündner, ein Dorf, das wir tunlichst gemieden haben, weil der Berg bedrohend über Felsberg liegt und es scheint, als würden, was vor einigen Jahren tatsächlich passiert ist, seine lockeren Brocken auf das Dorf und seine Bewohner herunterstürzen. Jakob Carigiet, Domat/Ems

Prüfung der Vertragstreue

Nr. 45 – «Politischer Masochismus»; Urs Paul Engeler über den Uno-Menschenrechtsrat

Der Autor verwechselt den Uno-Menschenrechtsrat mit dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte aus dem Jahre 1966, in Kraft getreten 1976. Bei dem kritisierten «aktuellen Report mit immerhin 24 Kapiteln» handelt es sich nicht um einen Bericht des Menschenrechtsrats, sondern um die periodische Prüfung der Vertragstreue aller 165 Mitglieder des Pakts über die bürgerlichen und politischen Rechte – darunter der Schweiz – durch eine achtzehnköpfige Expertenkommission unter dem derzeitigen Vorsitz eines Japaners. Die 24 Kapitel sind übrigens nur kurze Absätze, darunter einer mit dem Titel «Positive Aspekte». Der ganze «Bericht» ist fünfeinhalb Seiten lang. Pierre Simonitsch, Genf

Religionsverbrechen

Nr. 45 – «Brandstifterei»/«Grenzen der Religion»/«Allah und die Frauen»; Semih Kutluca, Beni Frenkel und Pierre Heumann über die Minarett-Initiative und den Islam


Wir brauchen eine zweite Säkularisation, die alle in einem zivilisierten Land gebrauchten Religionstexte den weltweit anerkannten Menschenrechten, den zivilen Gesetzen und den demokratischen Verfassungen unterstellt. Es dürfen keine religiösen Texte – weder Bibel noch Koran – gelesen, verbreitet und zitiert werden, solange sie Passagen zur Gewalt gegen Mitmenschen oder zu sich auf Gott oder einen Propheten berufendem psychischem oder physischem Druck auf Gemeinschaften, Staaten oder einzelne Menschen enthalten. Die religiösen Texte müssen zivilisiert werden. Die Berufung auf Gott als Verfasser muss untersagt oder bewiesen werden. Und die Uno muss einen neuen völkerrechtlichen Straftatsbegriff, das Religionsverbrechen, definieren.
Josef Stutz, Locarno

Die Gegner des Minarettverbots werfen den Befürwortern populistische Angstmacherei vor. Dabei sind gerade sie es, die Ängste schüren und Drohungen aussprechen, indem sie behaupten, bei einer Annahme des Verbots leide das Ansehen der Schweiz im Ausland, ziehe man sich den Hass der islamischen Länder zu, gefährde man den lebenswichtigen Aussenhandel, könne die Uno gegen die Schweiz Massnahmen ergreifen. Mit den Schlagworten «Toleranz und Religionsfreiheit» befürworten sie den Bau von Minaretten und tragen so zur Verbreitung des Islam bei. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn man nicht wüsste, was in den vom Islam dominierten Staaten passiert. Andreas Egli, Davos

Die Familie meiner Frau wurde durch die türkische Invasion in Zypern faktisch enteignet und hat alles verloren. Meine Frau war zum Zeitpunkt der Invasion Schweizerin, ihr Eigentum also Schweizer Eigentum. Unterstützung vom Schweizer Aussendepartement erfolgte keine. Wir sehen jährlich die christlichen Kirchen, denen die Kreuze abgeschlagen bzw. die durch Minarette entweiht wurden. Die Lehre aus alledem: Nur die dümmsten Christen wählen ihre islamischen Missionare selber. Hans-Jacob Heitz-Stavrou, Männedorf

Das Patriarchat gibt es nicht ohne die zweitklassierte Frau. «Die Urache für die Entrechtung der Frauen war nicht der Islam, sondern die Bindung an Werte einer patriarchalischen Gesellschaft», schreiben Christine Schirrmacher und Ursula Spuler-Stegemann in ihrem Buch «Frauen und die Scharia. Menschenrechte im Islam». Wir erleben den Islam indessen eng zusammengeknüpft mit dem Patriarchat. Ebenso wie wir ihn eng zusammengeknüpft mit dem Terrorismus erleben – es muss nicht so sein, aber unserer Wahrnehmung präsentiert es sich so. Während ich für Religionsfreiheit bin, halte ich das Patriarchat für lebens- und prosperitätsfeindlich. Für die Entrechtung der Frau kann ich wahrhaftig nicht sein. Ich werde für das Verbot von Minaretten stimmen, einfach, um dem Patriarchat keinen Vorschub zu leisten. Meta Denoth, Ftan

Akt geistiger Freiheit

Nr. 44 – «Allah und die Windmühlen»; Christian Huber über den Vormarsch des Islam in Europa

Alt Regierungsrat Christian Huber greift tief in die Sprachkiste, um mich zu diskreditieren. Er nennt mich abwertend einen «bekennenden Atheisten», obwohl mein Glaube in diesem Kontext bedeutungslos ist. Ausserdem dürfte man von einem ehemaligen Oberrichter erwarten, dass er einen Sachverhalt abklärt, bevor er falsche Tatsachenbehauptungen aufstellt, denn ich bin kein bekennender Atheist. Wenn Huber im Zusammenhang mit der Minarett-Initiative behauptet, wir würden die fundamentalen westlichen Werte und Freiheiten verlieren, kann ich nur den Kopf schütteln. Ein Minarett-Verbot würde uns höchstens in den Clinch mit der Verfassung (Glaubensfreiheit) bringen. Ein Verbot würde die Ausbreitung des Islam nicht bremsen, es würde nicht eine Moschee weniger gebaut. Es wäre wohl eher ein Akt geistiger Freiheit, wenn wir versuchen würden, intelligentere politische Vorstösse zu lancieren.
Hugo Stamm, Zürich

Nicht den Schwächsten beauftragen

Nr. 45 – «Fliegende Kavallerie»; Hans Bachofner über die Landesverteidigung

Es geht halt einfach nichts über breite Kenntnisse, Erfahrung, intellektuelle Brillanz und totale Unabhängigkeit beim Analysieren und Einordnen. Es sollte doch mittlerweile klargeworden sein, dass dies einer teuren «Strategie» gleichkommt. Nach dem ehemaligen Generalsekretär des EMD (und Brigadier) Ernst tritt nun nochmals eine Spitzenkraft dafür ein, die Qualität der schweizerischen Sicherheitspolitik nicht am Kauf neuer Flugzeuge festzumachen. Es braucht dafür jedenfalls nicht unbedingt den doch eher naiven Pazifismus des Nationalrats Josef Lang und seiner GSoA. Und was wir noch weniger gebrauchen können, sind die Hilferufe für neue Flugzeuge von Militärpiloten, von denen mindestens einer auch Parlamentarier ist. Erich Heini, Luzern

Weltwoche allgemein

Herr Köppel, ich bin froh, dass Sie kein Politiker sind, denn Politiker sind gefährlich. Sie können sich gut präsentieren, sind freundlich und gesprächig, aber die Inhalte tendieren zu oft in die Richtung, die den Weltfrieden gefährdet. Sie zeigen sich international und gescheit, die Inhalte jedoch sind sehr einfach und sogar für die vielen Minderheiten in der Schweiz verständlich. Sie sagten: «Alle diskutieren falsch, ich habe einen anderen Ansatz.» Sie geben sich weltmännisch, können aber mit Minderheiten nicht umgehen, haben Angst vor Interessantem und Neuem. Sie sollten die Weltwoche umbenennen in Wochenschau der SVP, oder Das Ende der Woche. Solche Inhalte sind eher einem Bünzli zuzuordnen als einem Mann von Welt. Wobei Bünzli in diesem Kontext nichts Negatives bedeutet.
Kurt Müller, per E-Mail

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