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11.11.2009, Ausgabe 46/09

Kostenkontrolle

Sorgen und Entsorgen mit dem Tram

Von Alex Baur

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Wer in der Stadt Zürich wohnt, kein Auto besitzt und ein zerschlissenes Sofa entsorgen muss, hat drei Möglichkeiten. Erstens: die städtische Sperrgutabfuhr anrufen, die das Möbel am Strassenrand abholt. Kostenpunkt: Fr. 86.– Abhol- plus Fr. 25.80 Entsorgungsgebühr, macht Fr. 111.80 (inkl. MwSt.) für ein Möbel, das man vielleicht für 20 Franken im Brockenhaus erstanden hat. Zweitens: das sogenannte Cargo-Tram, das an bestimmten Tagen an bestimmten Orten (in der Regel Endstation) Sperrmüll entgegennimmt. Das Sofa muss in diesem Fall per ÖV oder zu Fuss (Anlieferung mit dem Auto streng verboten) zur Sammelstelle geschleppt werden (wo es Leiterwägeli zu mieten gibt). Da die Strecke schnell einmal einen Kilometer oder mehr betragen kann und je nachdem mehrmals zurückgelegt werden muss, kann das Unterfangen schon mal einen halben Tag in Anspruch nehmen.

Das Cargo-Tram wurde 2003 von der Stadt Zürich eingeführt und im gleichen Jahr mit dem Innovationspreis des öffentlichen Verkehrs gefeiert. Obwohl von zahlreichen Medien unisono gelobt – sogar ein TV-Team aus Japan kam angereist –, wurde die geniale Zürcher Erfindung nirgendwo auf der Welt kopiert. Sofern man der offiziellen Statistik glauben will (wir kommen darauf zurück), sammelte eine Vier-Mann-Crew mit dem Cargo-Tram letztes Jahr rund 420 Tonnen Sperrgut ein. Das sind rund fünf Prozent des Sperrmülls bzw. ein Prozent der in der Stadt gesammelten Recyclingstoffe.
Die dritte und gefühlsmässig populärste Variante: Man stellt das alte Sofa an eine Strassenecke, wo es vor sich hin fault, bis sich die städtische Kehrichtabfuhr seiner erbarmt. Im unwahrscheinlichen Fall, dass man bei diesem Frevel erwischt wird, ist eine Busse von maximal 250 Franken fällig. Gemäss offizieller Statistik landen in Zürich auf diese Weise jährlich 200 Tonnen Sperrgut auf der Strasse. Die Zahl ist mit Vorsicht zu werten. In Basel, wo bis dahin ein ähnliches Regime galt wie in Zürich, entsorgten im Vorjahr halb so viele Einwohner doppelt so viel Sperrgut (400 Tonnen) illegal.
Deshalb führte die Stadt Basel dieses Jahr wieder die gute alte Gratis-Sperrgutabfuhr ein. Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. Schon am ersten Tag räumten 60 Abfuhrmänner mit 22 Fahrzeugen 300 Tonnen Sperrmüll weg, der sich allein im «Gundeli-Quartier» über die Jahre aufgestaut hatte. Für diese Menge benötigte das Cargo-Tram 9 Monate.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 46/09
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Kommentare

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Hugo Reichmuth     18.11.09 19:36

Sehr geehrter Herr Fischer,

Das Theater für den Cargotram ist wirklich überflüssig. Ihre Containerlösung halte ich aber nicht für das Gelbe vom Ei:
1. Gerade in den Städten hat nicht jeder ein Auto, um sein Sofa in den nächsten Container zu bringen.
2. Die Containerdichte dürfte eine Knacknuss sein. Auch der Platz. Abfallsammelstellen jeder Art sind bei Nachbarn extrem unbeliebt.
3. Menschliche Faulheit sollte nie unterschätzt werden. Wieso 600 m mit dem Tischchen laufen, wenn man's vor die Haustür stellen kann?
Die Basler Sperrgutabfuhr ist eine pragmatische Lösung.

Reinhart R. Fischer     17.11.09 12:50

Ich höre immer «Service public». Gehört die Kehricht- und Sperrmüllabfuhr nicht ebenso zum Service public wie die Feuerwehr, die Polizei, die Post und – eher mehr als – der öffentliche Verkehr? Es braucht weder Cargotram noch Kehrichtabfuhrwagen. Intelligent aufgestellte Container genügen, die nach Bedarf durch leere ersetzt werden können und zu denen man das Zeugs per Auto bringen kann. Dies ist arbeits- und geldsparend. Und es funktioniert. Z.B. in Nyon, und auch anderswo. Ganz ohne Medien-Oh-und-Ah und TV-Fuzzis aus Japan. Ist allerdings für Bürokratenhirne und -seelen zu simpel.

Roberto Burnello     12.11.09 15:29

Der eigentliche Sperrmüll wird im Kehrrichtabfuhrwagen gesammelt, der neben dem Cargo-Tram parkiert ist. Weshalb eine Vier-Mann-Crew (plus eine Auto-Kontrolleurin) benötigt wird, wenn man den Müll selbst in den Kehrichtabfuhrwagen hieven muss, kann ich nicht verstehen.

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