MvH

My balls

Unser Kolumnist geht auf Bälle, obwohl er solche Anlässe nicht mag. Und ein alter «Freund» überrascht ihn mit Grossmut.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche blieb ich in Zürich. Am Samstag fand der Kispi-Ball statt, eine wohltätige Veranstaltung zugunsten des Kinderspitals. Der Anlass hat mir gefallen, auch weil die Rahmenbedingungen vorteilhaft waren für mich. Ort: «Baur au Lac», mein Lieblingshotel. Gastgeber: Oliver Wolfensberger, ein Immobilienentwickler, mit dem ich befreundet bin. Tisch: Auf der Erhöhung im «Petit Palais», mit guten Leuten (Ingrid und Ueli Wolfensberger; Olivia Fischer, Olivers Freundin; Sandra und Gero Bauknecht; the redhead, in einem mitternachtsblauen Kleid von Cavalli). Sogar das Essen – Hummer, Kaninchen Confit, Kalbscarré – war fein.

MvH war diese Saison schon auf drei Bällen (neben dem Kispi-Ball noch an der Swiss Red Cross Gala sowie «Innocence in Danger»). Das ist genug. Veranstaltungen für den wohltätigen Zweck zu besuchen, ist eine verdienstliche Tat. Das ist es nicht, was ich meine. Sondern: Bälle sind keine Wohlfühlumgebung. Kein Milieu, in dem man die Nacht geniesst. Ich finde, es sind die Anlässe mit am meisten unterschwellig vorhandenen Möglichkeiten, Fehler zu machen. Und dann ein bisschen blöd dazustehen vor der society.

Bälle beginnen früh (Aperitif meistens um 19.00 Uhr), und Frauen benötigen oft einen Vorlauf von ein paar Stunden für Hair & Make-up usw. Darum ist man fast immer spät dran, die Stimmung ein wenig, sagen wir, gespannt. Vor allem, wenn zuvor der Satz «Ich habe nichts anzuziehen» gesagt wurde. Der Unterschied zwischen einem Abendkleid und einem «Abendkleid» ist die Qualität des Stoffs und das refinement des Schnitts, das ist banal. Frauen, die an Bälle gehen, nebenbei, können zudem den Preis des Kleids einer anderen Frau (und die Grosszügigkeit des Mannes) aus hundert Metern auf hundert Franken genau bestimmen. Ein richtiges Abendkleid hat ferner Reisverschlüsse, die zugehen, und Träger, die nicht verdreht angenäht sind et cetera (das ist einem 2000 bis 3000 Franken Preisunterschied wert, nicht wahr?).

Vor Ort wird klar, dass man an dem falschen Tisch sitzt. An dem richtigen sind die Freundinnen der ladies who lunch, die in dem Komitee sind, das für den Ablauf verantwortlich ist. Da sollte man darüberstehen. Es führt zu nichts, sich aufzuregen, bloss weil man in dem Sibirien des Raums ist (am Rand oder in einem Overflow-Zimmer, mit Videolink aus dem grossen Saal). Die 800 bis 1000 Franken je Karte hat man ja nicht für einen Stuhl bezahlt, sie sind für einen wohltätigen Zweck, oder?

Das ist noch nicht alles, man muss als Nächstes die Charity-Auktion hinter sich bringen. Für eine Phuket-Reise (10 Tage «Evason & Six Senses Spa») an der Swiss Red Cross Gala z. B. bot Eric Sarasin 35 000 Franken – doch der «Gewinner» war Ph. Oliver Burger, er zahlte 50 000 Franken oder so. Solche Versteigerungen sind ein Beweis, dass es den freien Willen vermutlich nicht gibt. Jedenfalls wenn man ein Mann ist und keep up appearances ein bisschen wichtig. Bevor man nach Hause gehen kann, wird getanzt (zu Livemusik von Bands, die man nicht kennt). Ich weiss eigentlich nur von wenigen Männern, die das gerne tun. Aber auf den Tanzflächen ist immer viel los. Im Tanz findet man Trost, denke ich. Der nächste Ball, für die, die es interessiert, ist der Kaiserball (5. Dezember, Kongresshaus Zürich).

Am Freitag war ich an dem Fest zu Ehren des dreissigjährigen Bestehens von Radio 24, in einem Lokal mit Namen «Härterei». Interessant war, zu sehen, wer alles schon für den Sender arbeitete (Siro Barino, Reto Brennwald oder Patricia Boser). Noch interessanter war, zu sehen, wie es ist, wenn man als «+1» ausgeht – ich war the redhead’s Begleitung (sie ist Radio-24-Moderatorin). Das hat etwas, muss ich sagen, man darf dann freundlich sein, alles lässig finden. Danach, an der Party in den Maag-Hallen, nahm ich Platz in einer Nische, die für «Mondo Valentino» reserviert war. («+1» sein, ist in Ordnung, aber man steht nicht herum als MvH.) Ein Sicherheitsmitarbeiter wollte mich wegschicken, als Claudio Scattina mit Gästen eintrat. Doch «Valentino» bat mich zu bleiben, behandelte mich wie einen Freund (obwohl ich einmal in dieser Spalte über ihn streng geurteilt habe). Das ist gescheit; er hat esprit large, können alle sehen. Er sollte Workshops anbieten: «Wie man Journalisten für sich einnimmt.» Ich kenne einige halbfette Namen, die von ihm lernen könnten.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben