Lydia Hearst, sauerkrautblonde Erbin, telefonierte heute Morgen mit ihrer Mutter, las dann die Partyspalte der Vogue, beschloss, genug gearbeitet zu haben, und begann Kaffee zu trinken. Als noch nicht Mittag war, da hatte sie bereits fünfzehn Tassen intus. Die letale Dosis liegt bei hundert.
Lydia, ein Opfer des Koffeinismus, der Kaffeesucht. Die Symptome: Pupillenstarre, Abblassen der Hautfarbe, unkontrollierte Bewegungen, Muskellähmungen aufgrund von Kaliummangel, psychische Instabilität. Und Halluzinationen, Wahnbilder: Als die Tassen begannen, aufsässig zu werden, musste sie sie mit Küssen besänftigen. Die Tassen beschimpften sie und forderten den Einsitz in den Hearst-Verlag, andernfalls es ihr ergehen würde wie einst ihrer Mom.
Lydia Hearst ist ein trust fund baby, ihr Nachname ist ein Synonym für mächtig viel Geld. Ihr Urgrossvater war William Randolph Hearst, Vorbild für Orson Welles «Citizen Kane», Gründer eines monströsen Verlagsimperiums. Ihre Mutter Patty Hearst wurde im Alter von neunzehn Jahren von einer linksradikalen Gruppe gekidnappt, in einem Schrank festgehalten und missbraucht und überfiel dann, an der Seite ihrer Peiniger, eine Reihe von Banken. Bewaffnet mit einem Maschinengewehr. Patty Hearst sass im Gefängnis, wurde von Jimmy Carter begnadigt, heiratete ihren Bodyguard und bekam Lydia.
Seit Lydia allein lebt, telefoniert sie täglich mit ihrer Mom. Wenn sie nicht die Vogue liest oder Kaffee trinkt oder Gast ist in den Klatschspalten der New Yorker Zeitungen, lässt sie sich fotografieren. Zum Beispiel von Miles Aldridge für einen italienischen Kaffeeveredler und Vertreiber von Kaffeebohnen.
Ellen von Unwerth tat es, David LaChapelle tat es, Annie Leibovitz und nun auch der Londoner Miles Aldridge. Er fotografierte den Pirelli-Kalender für Kaffeeliebhaber, im Studio 5 in Cinecittà, den Räumen von Federico Fellini, zwischen den Sets von Fellini, im Sinn und Geist der römischen Regielegende. Sechs Bühnenbilder zu sechs italienischen Lied-Ikonen, dargestellt von sechs Models. Alexandra Tomlinson interpretierte «Guarda che luna», das It-Girl Daisy Lowe «Con te partirò», das Supermodel Georgia Frost «Nessun dorma», und die schöne Erbin Hearst stellte den Song «Baciami piccina» nach.
Das Billion-Dollar-Baby und die weissen Mäuse. Lydia darf das Schlafzimmer erst verlassen, wenn Aldridge es will. Patty Hearst wird stolz auf ihre Tochter sein.













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