Vergangene Woche blieb ich in Zürich, ich war zu beschäftigt zum Reisen bzw. Arbeiten (lustig, diese Zeile, immer wieder, nicht wahr?). Am Samstag fand das Hochzeitsfest eines Bekannten von mir statt; Frank «Casa del Vino» Ebinger, ein Unternehmer, der Wein verkauft und an Gütern in Katalonien beteiligt ist, heiratete Natalie Pershyna. Es handelte sich dabei um den nicht das öffentliche Leben betreffenden Anlass mit vielleicht am meisten High-Profile-Gästen seit langem in unserer Stadt. Und um den Anlass, von dem Sie nie erfahren werden, ausser Sie waren dabei (oder lesen die Spalte von yours truly, natürlich). Nur kurz, «Feste von Brautleuten, die nicht zum ersten Mal heiraten, sind irgendwie schöner», stand an dieser Stelle vor Wochen – stimmt einfach (es war Franks dritte Hochzeit).
An dem Fest mit zirka 200 Gästen im «Carlton» begegnete mir etwa ein «mächtiger Mann aus Arabien» (Focus), mit Ehefrau. Er ist von Beruf der finance manager des früheren Befehlshabers eines arabischen Staates. Seinen Namen schreibe ich nicht halbfett, das heisst, ich schreibe ihn gar nicht. Ich mag ihn, erstens, und es gibt, zweitens, Leute, die sagen es nicht nur, die meinen es (dass sie nicht in der Zeitung vorkommen wollen). Oder mir begegnete ein Immobilienunternehmer aus London, der in St. Moritz und Monaco lebt. Er betreibt ferner das «Old Vic»-Theater in London (künstlerischer Direktor: Kevin Spacey). Oder ein hohes Tier eines russischen Energieunternehmens (lebt in Moskau, hat zudem eine Wohnung in Lugano; weil es seiner Frau, die auch dabei war, dort gefällt und Mailand recht nahe liegt). Ich könnte weiterfahren, aber der Entwurf ist vermutlich klar. Und man soll nicht namedroppen ohne Ende, wenn man keine names droppen will, oder?
Wer mir nicht begegnete: Ex-Miss-Schweiz-Kandidatinnen, Fernseh-Wettermädchen oder Sänger, die in dem Finale einer Castingshow waren. Nicht einmal Melanie Winiger mit Andres Andrekson waren dabei. Mit anderen Worten, es war eine Veranstaltung für Menschen, nicht für People. Darum gab es keine Berichterstatter vor Ort und keine Berichterstattung (Ausnahme... Sie wissen schon). Das ist interessant, finde ich. Und zeigt zwei Dinge. Kollegen, die nur an Anlässe gehen, wenn der Veranstalter eine Liste mit Namen von sogenannten Prominenten, die angeblich kommen, versendet, bekommen die People zum Darüber-Berichten, die sie verdient haben. Zweitens: Gastgeber resp. Gäste, die schimpfen, Journalisten seien eine Plage an Events, haben diese selber eingeladen.
Am Sonntagmittag war ich in dem «Dolder Grand»; ja, schon wieder, man sagt nicht für nichts: «Wer schimpft, der kauft». Der Brunch (11.30 bis 14 Uhr) ist nicht gerade a steal (85 Franken), aber das Angebot ist gut, die Qualität hoch und die Bedienung freundlich (inkl. die aus Deutschland). Das «Garden Restaurant» resp. der «Garden Salon», in dem ich war, hat seine Gäste gefunden, so sah es aus. Es gab ziemlich viele Leute, und die wohnten wahrscheinlich nicht alle im Hotel. Bloss die Zahl der – wie schreibt man jetzt, damit es nicht rassistisch oder wenigstens Ausländern gegenüber feindselig rüberkommt? – Zuzüger war anteilsmässig grösser als z. B. in dem «Baur au Lac». Zürich hat, in meinen Augen, das «Dolder» noch nicht umarmt.
Dafür hat Bern das getan, in einem gewissen Sinn. Was ich sagen will: Hillary Clinton und die Aussenminister Armeniens resp. der Türkei, die am Samstag in town waren zum Unterschreiben eines Abkommens, hatten vier Suiten in dem Haus (rack rate zirka je 6000 bis 8000 Franken). Ich fragte einen Hotelmitarbeiter, wer das bezahle. (Vorsicht, politische Korrespondenten, hier kommt MvH.) Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bezahle das, sagte er. Ob man dem EDA eine ermässigte Rechnung stelle, eventuell bloss den Preis für Tagesbenützung (das gibt es, wissen meistens aber nur Männer), weil Clinton nicht über Nacht blieb, sondern am Abend bereits weiterfuhr, sagte er nicht.
Jetzt noch acht Zeilen Leserbindung: MvH fände es nicht schlecht, wenn er eine gute Bar kennen würde. Er wisse nie wohin, wenn er eine besuchen möchte, schrieb ich vergangene Woche. Sie haben Ihrem Kolumnisten geholfen und Vorschläge gesandt. Die meisten sind in Zürich. Doch eine befindet sich in – Olten, sie heisst «Astoria». Das nenne ich news.













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