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14.10.2009, Ausgabe 42/09

Kommentar

Sicherheitsrisiko

Der Nobelpreis ist für Obama kein Klotz am Bein, wie viele befürchten. Im Gegenteil. Er wird seine Visionen weiterverfolgen. Dies aber ist die grösste Hypothek für den Frieden.

Von Urs Gehriger

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Barack Obama hat viel Kopfschütteln und Häme geerntet für seinen Friedensnobelpreis – eine Auszeichnung, die der ambitiöse Präsident selbst nach eigenem Bekunden nicht verdient, aber dennoch angenommen hat. In der Tat ist nicht nachvollziehbar, warum ein Präsident, der gerade mal elf Tage im Amt war, als der Anmeldeschluss für die Nobelpreis-Kandidatur ablief, die weltweit prestigeträchtigste Auszeichnung verliehen bekommt.

Seit Amtsantritt hat Obama vor allem mit jener Qualität geglänzt, die ihn an meisten auszeichnet: mit schönem Reden. Selbst bei den Konflikten, bei denen es in seiner Macht steht, den Lauf der Dinge zu beeinflussen, kann er bis heute keine Lorbeeren beanspruchen. Im Nahen Osten haben sich die Streitparteien weiter voneinander entfernt. Den seit langem angekündigten «Friedensplan» hat die Welt noch nicht gesehen. Obama hat gezaudert, drückt sich um einen Entscheid, weitere Truppen nach Afghanistan zu entsenden, während sich die Aufstände bis nach Pakistan ausbreiten.

Auf diesem Friedhof der Imperien zeigt sich, wie tief sich der Präsident bereits im Gestrüpp eines «schmutzigen Kleinkriegs» verheddert hat. Die New York Times enthüllte, dass auch die neue Regierung der privaten Sicherheitsfirma Xe Services LLC vertraut, besser bekannt unter ihrem früheren Namen: Blackwater.

Obama und Aussenministerin Clinton hatten im Wahlkampf das Treiben der Söldnerfirmen, die oft in einem rechtsfreien Raum agieren, heftig kritisiert. Wie die New York Times berichtet, montieren nun aber Blackwater-Männer Hellfire-Raketen an die Drohnen, die den US-Krieg nach Pakistan tragen. Ob Obamas Afghanistan-Beauftragter Holbrooke nach Kabul reist oder US-Truppen die afghanische Armee für den Kampf gegen die Taliban trainieren: Ohne Blackwater, die unter verschiedenen Namen operiert, läuft auch unter Obama nichts.

Das alles hat das Nobel-Komitee ausgeblendet. Nach eigenem Bekunden hat es sich bei der Auszeichnung weniger von konkreten Resultaten als von den «neuen Hoffnungen auf eine bessere Zukunft» beeinflussen lassen. «Das Komitee hat besonderes Gewicht auf seine Vision und seinen Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt», begründete der Vorsitzende Thorbjørn Jagland den Entscheid.

Abrüstung ausgeschlossen

Doch Obamas preisgekrönte Vision ist eine Phantasmagorie. Sie beruht auf der irrigen Annahme, dass all jene Staaten, die an der atomaren Waffentechnologie forschen, sich von der nuklearen Abrüstung der Grossmächte positiv beeinflussen lassen. Konkret: dass sie auf eine eigene Atombombe verzichten würden. Diese Prämisse lässt sich weder durch konkrete Beispiele noch durch Logik belegen. Solange die atomaren Grossmächte lediglich einzelne Abrüstungsschritte vollziehen, können Nordkorea und der Iran anführen, dies sei noch keine substanzielle Leistung. Dass Obama die Atommächte zu einer totalen Abrüstung bewegen könnte, ist indessen ausgeschlossen. Keine Grossmacht gibt ein derartiges Machtmittel aus der Hand.

Statt Friede und Stabilität zu schaffen, birgt Obamas Vision das Risiko einer nuklearen Rüstungsspirale. Atomwaffenfreie Länder, die sich heute im Schutz der «Grossen» in Sicherheit wähnen, könnten sich durch Abrüstungsschritte der USA und Russlands gedrängt fühlen, selbst nach der Bombe zu greifen.

Eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit ist nicht, sämtliche Atomwaffen zu liquidieren, sondern deren Verbreitung einzudämmen. Dafür braucht es Einklang unter den fünf Atommächten, welche im Uno-Sicherheitsrat sitzen. «Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat auf kraftvolle Weise Verhandlungen um Abrüstung und Rüstungskontrolle neu belebt», behauptet das Nobel-Komitee und stellt damit seine verzerrte Wahrnehmung unter Beweis.

Während der Westen (USA, Frankreich, Grossbritannien) seit mehreren Jahren relativ vereint steht, erweisen sich sowohl Russland als auch China als chronische und höchst effiziente Proliferations-Gehilfen. Pakistan und Nordkorea haben ihre Atomprogramme dank russischem und chinesischem Beistand substanziell vorantreiben können. Im Falle des Irans läuft das schädliche Treiben bis heute. Statt von einer atomwaffenfreien Welt zu träumen, müsste Obama seine ganze Energie dafür einsetzen, die Atomstaaten zu einer Bastion der Nichtverbreitung zu formen.

Frieden und Stabilität schafft man mit Scharfsinn und zielsicherem Auftreten in zähen Verhandlungen. Noch hat Obama dieses Geschick nicht bewiesen. Zu diesem Geschick gehört auch, im Notfall glaubhaft mit militärischer Macht zu drohen. Schliesst Obama um des Friedens willen die Ultima Ratio aus, wird er der Welt nicht Frieden, sondern mehr Konflikte und Unruhe bescheren.

Obwohl es Obama verpasst hat, seinem Instinkt zu folgen und den Preis abzulehnen, gibt es noch einen Ausweg, der sowohl dem Frieden als auch dem Ruf Obamas dienlich sein kann. Bei der Laudatio im Dezember in Oslo könnte er die goldene Plakette «provisorisch» entgegennehmen. Statt sie im Oval Office auf dem Schreibtisch aufzustellen, könnte er sie im norwegischen Nobel-Büro einmotten lassen. Bis zum Ende seiner Amtszeit. Dann sollte erkennbar sein, was seine prächtigen Luftschlösser wert sind.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 42/09
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Kommentare

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suschnoöppis     19.10.09 14:29

@mediabuehler:

Die Kriege waren immer ohne Sinn aus der Perspektive des einfachen Bürgers. Die Kriege gehen auch nicht von eben diesem Bürger aus, sondern von jenen, die durch Kriege mehr Macht und Einfluss erlangen. Die Banker beispielsweise lieben Kriege. Sie finanzieren seit jeher beide Seiten eines Konfliktes, und steigern dadurch die finanzielle Abhägigkeit einzelner Staaten jedes Mal enorm.

Den Krieg abschaffen ist in diesem monetären System, welches über die Welt herrscht, ein Ding der Unmöglichkeit.

Die oberen 1% interessieren sich null um das Wohlergehen der Weltbevölkerung. Alles was diese Interessiert ist ihre Macht zu halten und diese zu expandieren.

Christine     18.10.09 21:53

.. Hort der Bestrafung für den Staat bildet.

Ganz einfach ;-)

Schönen Abend, Werni.

Christine     18.10.09 21:52

Ja, Werni, Krieg abschaffen ist Fiction. Der Krieg steckt in jedem von uns, wir pflegen ihn sozusagen als Streitkultur, ja, wir üben uns sogar darin. Weil er eben in uns steckt. Darüber sinnieren kann man deswegen trotzdem. So, wie Du es gerade gemacht hast mit dem Nastuch ;-)

Krieg ist nichts anderes, als seinen Staat stellvertretend für den Einzelnen Konflikte mittels Streit mit einem anderen Staat austragen zu lassen. Im Staat sind die Verantwortlichen ein paar Wenige. Diese paar Wenigen hätten an sich eine Streitkultur zu pflegen, wie sie dem Einzelnen von Kindsbeinen an beigebracht wird (in zivilisierten Kulturen): Es wird nicht geginggt, nicht an den Haaren gezerrt, nicht drein geschlagen, nicht geknufft und nicht gepufft, nicht angespukt und nicht mit Steinen geworfen

werni425     18.10.09 21:18

Christine,
Sie haben recht. Krieg abschaffen. Aber eine Frage noch. Wie setzen Sie Recht durch, wenn es der andere nicht befolgt?

Verbrechen-> Polizei,
International-> die Heilsarmee, oder die UNO mit dem spitzigen Nastuch?
Bin auf die Antwort gespannt.
Werni

marius     17.10.09 19:33

Schurkenstaaten

Es gibt offizielle und nichtoffizielle Schurkenstaaten. Beispiele fuer die offiziellen sind der Iran, Nordkorea und (zu Saddamszeiten) der Irak. Die wichtigsten nichtoffiziellen sind Russland und China. Zwischen den beiden Kategorien gibt es eine offensichtliche Solidaritaet, und auch eine Verflechtung von wirtschaftlichen Interessen. Darum konnte und kann der Westen nie Russland und China fuer eine konzertierte Aktion gegen Verbreitung atomarer Waffen gewinnen. Fuer die nichtoffiziellen Schurkenstaaten -das hoeren wir fast taeglich- ist fuer echte Eindaemmungsschritte gegen den Iran und Nordkorea "die Zeit noch nicht gekommen" oder "solche Schritte waeren kontraproduktiv", oder sonst ein Blabla um effektive Massnahmen zu verhindern. Aus d

HenryVIII     16.10.09 17:42

Jedes Land hat eine Armee.

Die eigene oder eine fremde.

Christine     16.10.09 17:20

"Wenn dann noch der durch gewisse Religionen verursachte Unfrieden unterbunden werden könnte - vielleicht durch mehr Wissen und weniger "Glauben" hätte die Menschheit ein Chance..."

Dieser verursachte Unfrieden ist erkannt, Hp. Er wird bereits durch den Passus Volksverhetzung, unter den die Hetz- und Hassprediger fallen, bekämpft. Resp., es wird versucht zu bekämpfen.

Den Glauben kann man dem Menschen nicht ganz nehmen, auch durch sogenanntes Wissen nicht. Wie im Artikel "Der Koran" erwähnt, kommen dem suchenden Menschen diesbezüglich die Indischen Schriften oder die Konfuzianischen entgegen. Sie betreiben kein Missionieren, wie es zweien der drei monotheistischen Religionen inne liegt, das eigentlich Ueble an der Religion.

Christine     16.10.09 16:57

"Noch besser wäre die Abschaffung der Armee".

Das toppe ich doch glatt mit einem: Und noch besserer wäre die Abschaffung von Krieg, Taxilomax.

Was bleiben würde, wären die Fäuste. Leider kann man auch damit kriegen. Die Wurzel liegt also woanders. Wo? Das kann sich jeder selber fragen und beantworten.

Taxilomax     16.10.09 14:10

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Welcher, lieber petter, Ihrer Vorschläge wollen Sie denn nun verwirklicht sehen? Nehmen Sie doch die Zahlung an die UBS und Sie können sich 333 Flugzeuge leisten!

petter     16.10.09 13:41

Lieber 33 Flugzeuge als 50'000 Asylanten.
Lieber 33 Flugzeuge als zehntausende IV-Rentenbetrüger.
Lieber 33 Flugzeuge als 2 Milliarden sog.Entwicklungshilfe.
Lieber 33 Flugzeuge als Milliarden Sanierungsbeiträge für PK der Staatsbetriebe
Lieber 33 Flugzeuge als die ewigen Kosten-Ueberschreitungen bei Tunnel- und Strassebauten von Bundesbern
Lieber 33 Flugzeuge als entsprechend viele nutzlose Funktionäre, die bald bereits in unsere Betten hinein regieren
Lieber 33 Flugzeuge als all die Kriminellen, die sich bei uns herumtreiben
usw.
Mir ist der Selbstschutz wichtiger als obige Geldverschwendungen massivster Art.

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