Hochzeit

Grossbaustelle Zweisamkeit

Die Kleinkinder-Erzieherin Jessica Borner, 25, und der Vorarbeiter Giuseppe Di Leonardo, 27, haben im September geheiratet. Aus verliebten Teenagern wurde ein erwachsenes Paar.

Von Franziska K. Müller

Jung und abgedreht: Ehepartner Borner-Di Leonardo. Bild: Nelly Rodriguez

Jessica: Ich war fünfzehn, als ich mich in Giusi verliebte. Er war zwei Jahre älter als ich, und jeder in der Clique hörte auf ihn. Er brachte auch Stimmung in die Gruppe. Die Girls liefen ihm in Scharen nach. Das hat mich angespornt.

Giuseppe: In der ersten Verliebtheit macht man verrückte Dinge: Alle zehn Minuten eine SMS schicken, und einmal stieg ich bei Dunkelheit durch ihr Zimmerfenster ein. Solche Dinge halt. Das ist lange her. Wir waren unbeschwert, hatten keine Verantwortung und waren frei. Die Beziehung war schon ernsthaft, aber die ewige Liebe? Ich konnte mir nichts Konkretes darunter vorstellen.

Jessica: Giusi war ein Ausgehtyp: Disco, Abhängen, das war ihm schon wichtig. Kurz nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde ich schwanger. Es war nicht gerade der ideale Zeitpunkt. Meine Mutter war damals erst 39, und ich sah bei ihr, dass es jung und allein auch geht. Aber Giusi liess mich nicht hängen. Wir freuten uns sehr auf das Kind. Eine Heirat wäre damals allerdings zu viel gewesen, mehr eine Pflicht. Wir zogen zusammen, verkauften das zweite Auto, strichen die Ferien ersatzlos und richteten das Babyzimmer ein.

Giuseppe: Das erste halbe Jahr nach der Geburt unserer Tochter war eine Riesenumstellung. Meine Kollegen zogen weiterhin um die Häuser, waren jung und abgedreht, konnten sich leisten, was sie wollten. Bei mir warteten Frau und Kind zu Hause. Ich liebte beide. Aber es war eine schwierige Zeit.

Jessica: Ich liess ihm die Leine lang. Zu lang, wie ich feststellen musste. Nach einem halben Jahr kürzte ich die Freigänge und erinnerte ihn an seine Pflichten. Glücklicherweise wuchs Giusi in seine neue Rolle hinein.

Giuseppe: Heute mache ich einfach, was meine Frau will, dann ist es immer harmonisch.

Jessica: Er erzählt Blödsinn: Er sah einfach ein, dass ihm kein Zacken aus der Krone fällt, wenn er am Abend den Salat rüstet, und die Vater-rolle ein Schicksal ist, das ihn auf den richtigen Weg bringt.

Giuseppe: Es stimmt schon: Ohne Familie würde ich noch heute auf dem Bau ein bisschen vor mich hinarbeiten und abends ein Bier trinken gehen. Stattdessen mache ich eine superanstrengende Weiterbildung zum Vorarbeiter und will später den Polier machen. Man will den Kindern und der Frau schliesslich etwas bieten. Sie sollen es gut haben. Da bin ich halt Italiener, Sizilianer, um genau zu sein.

Jessica: Wir entwickelten uns in den vergangenen Jahren gemeinsam weiter. Aus verliebten Teenagern wurde ein erwachsenes Paar. Chiara hält uns zusammen. Hin und wieder müssten mein Mann und ich auch allein etwas unternehmen. Giusi sagt dann, mit Chiara zusammen sei es doch auch gemeinsam. Er hat jetzt Mühe, sich überhaupt von seiner Tochter zu trennen.
Giuseppe: Wenn die Kleine um 20 Uhr im Bett ist, bleibt immer noch viel Zeit für die Grossbaustelle Zweisamkeit. Nach einer Stunde schläft meine Frau allerdings meist vor dem Fernseher ein. Horrorfilme darf ich mir trotzdem erst nach Mitternacht ansehen.

Jessica: Auf jeden Fall wuchs das Vertrauen mit der Zeit: Wenn mich Giusi heute mit verbundenen Augen über eine Hängebrücke führen wollte, würde ich es tun. Darum nahm ich auch seinen Heiratsantrag an.


Giuseppe: Mit der Heirat ändern sich weder die Einstellung noch die Erwartungen, aber die Romantik ging auf dem Weg zur Ehe schon ein wenig verloren. Eine gute Beziehung hält das aus. Jetzt planen wir die Zukunft: Mir schwebt eine Grossfamilie vor.

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