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14.10.2009, Ausgabe 42/09

Editorial

Islam

Die Minarett-Initiative ist keine Katastrophe, sondern ein Segen. Endlich wird die entscheidende Frage diskutiert: Wie viel und welchen Islam wollen wir?

Von Roger Köppel

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Hinter der Minarett-Initiative steckt ein Unbehagen darüber, dass unsere Politiker zu wenig unternehmen, um auch gegenüber den Muslimen die Mindeststandards unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung durchzusetzen. Es mag stimmen, dass der Kampf gegen Minarette zum Kampf gegen Windmühlen werden kann, wenn das Entscheidende fehlt: Unerlässlich bleiben der Wille und die Bereitschaft, alle Praktiken zu verbieten und zu verfolgen, die nicht vereinbar sind mit schweizerischem Recht. Das klingt selbstverständlich, aber ist es nicht. In der Schweiz werden nach wie vor Zwangsehen geduldet und Mädchenbeschneidungen. Muslimische Frauen werden von ihren Männern verprügelt, ohne dass die Behörden einschreiten. Das Ziel muss es sein, die Einhaltung unserer Spielregeln durchzusetzen. Erst dann erübrigt sich die Diskussion über die Gebetstürme.

«Wie viel Islam wollen wir in der Schweiz?» Videokommentar von Roger Köppel

Die Kritiker machen es sich zu leicht, wenn sie den Minarett-Gegnern Symptombekämpfung oder Übertreibung vorwerfen. Übertreibung ist ein legitimes politisches Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Und es ist immer besser, die Symptome einer unerfreulichen Entwicklung zu bekämpfen, als gar nichts zu tun. Der Kampf gegen extremistische Strömungen findet überall und immer auch auf der symbolischen Ebene statt. In Deutschland sind Hakenkreuze gerade deshalb verboten, weil man die Besetzung des öffentlichen Raums durch feindliche Gesinnungen bereits im Ansatz vollständig verhindern will. Wer die Symbole trifft, trifft auch die Substanz.

Umfrage: Wie gross ist Ihr Vertrauen in die moslemische Minderheit der Schweiz? 

Skeptiker wenden ein, dass man die Minarette im Namen der Religionsfreiheit zulassen müsse, genauso wie man die Minarett-Plakate im Namen der Meinungsfreiheit nicht verbieten dürfe. Das Argument klingt verlockend, aber es ist falsch. Toleranz ist nur gegenüber Bewegungen möglich, die ihrerseits die Toleranz erwidern. Der Islam ist nicht toleranzwillig. Es mag gemässigte Strömungen geben, aber daneben gibt es nach wie vor einen militanten, auf Eroberung, Verdrängung und Zerstörung angelegten glühenden Kern, der gefährlich auf die äusseren Schichten abstrahlt. Zwischen Islam und Islamismus sind die Grenzen fliessend. Niemand weiss, wo das eine aufhört und das andere beginnt.

Weitere Artikel zum Thema im grossen Dossier «Islam».

Muslimische Führer sprechen Todesurteile gegen Feinde ihres Glaubens aus. Sie bedrohen westliche Schriftsteller, Künstler und Journalisten, aber bis heute ist keine Fatwa gegen den Erzterroristen Osama Bin Laden ergangen, der im Namen des Islam bomben und morden lässt. Es gibt nur zwei Erklärungen: Entweder begrüssen, ja bewundern die Muslime den Al-Qaida-Chef. Oder aber sie haben Angst, sich öffentlich von den Terroristen zu distanzieren. Beide Erklärungen sind gleichermassen beunruhigend.

Ein gutes Beispiel liefert die jüngere Schweizer Geschichte. Nach dem Sonderbundskrieg und der Gründung des Bundesstaates standen die Katholiken unter Bewährung. Der Misstrauensvorschuss hielt lange an. Das Jesuitenverbot dauerte bis 1973. Die Jesuiten wurden mit dem militanten, ultramontanen, illoyalen Katholizismus identifiziert und als Gefährdung der inneren Ordnung betrachtet. Sie galten als fünfte Kolonne gegen den liberalen Bundesstaat und die Verfassung. Auch der militante Katholizismus musste zuerst abkühlen und in institutionelle Bahnen geleitet werden. Den Muslimen ist Gleiches zuzumuten.

Die Minarett-Initiative ist keine Katastrophe, wie der Schweizer Werber des Jahres, Frank Bodin, in einer Fernsehsendung sagte. Die Minarett-Initiative ist ein Segen, weil sie die entscheidende Diskussion auch bei uns auf die Agenda bringt: Wie viel Islam will die Schweiz? Welchen Islam will die Schweiz? Dass die Schweizer Muslime auf solche Fragen mit aggressiver Gekränktheit reagieren, ist ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit ihrer Beantwortung. Wer Misstrauen auslöst, kann nicht die Leute beschuldigen, die ihm misstrauen. Er muss Vertrauen schaffen durch Taten und Worte. Solange das nicht geschehen ist, sollten wir weder Minarette noch Moscheen bauen.

Es war ein Tiefpunkt in der Geschichte des Schweizer Fernsehens, ein Trauerbeispiel für die Einseitigkeit und für die Befangenheit, mit der auch bei uns das Thema Islam behandelt wird. Letzten Freitagabend hätte in der TV-«Arena» eine Diskussion über das umstrittene Minarett-Plakat und die Meinungsfreiheit stattfinden sollen, doch es gab keine Diskussion, sondern ein Selbstgespräch der Minarett-Befürworter. Den Gleichgesinnten stand als Verfechter der Redefreiheit alt Bundesrat Christoph Blocher gegenüber, der von Moderatorin Sonja Hasler dauernd unterbrochen wurde. Im Rückraum des früheren Ministers hatte die Sendeleitung einen Vertreter der Schweizer Demokraten installiert als Quotenfinsterling zur Abschreckung der Zuschauer zu Hause. Die Hauptsendezeit bestritten, heftig unterstützt von Gesprächsleiterin Hasler, die Gegner der Initiative: zwei Professoren, ein Werber, eine Muslimvertreterin, ein Al-Dschasira-Journalist sowie die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Besonders besorgt gab sich der Schweiz- Korrespondent des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira. Der Schweiz drohe ein grosser Imageschaden, sagte der Redaktor, er selber habe schon Mühe, nüchtern zu berichten. Andächtig lauschte die Moderatorin den Ausführungen des strengen Journalisten, anstatt ihn beispielsweise danach zu fragen, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, für einen Fernsehsender zu arbeiten, der als eine Art Homevideo-Kanal der Terrororganisation al-Qaida beflissen alle Drohbotschaften von Osama Bin Laden ausstrahlt. Man mag das Minarett-Plakat mit guten Gründen kritisieren, aber ist es wirklich schlimmer als die von Al-Dschasira gesendeten Bilder ritueller Geiselköpfungen durch Osama Bin Ladens Islamisten? Dass der Al-Dschasira-Mann zum Linienrichter des guten politischen Geschmacks aufstieg, war die kranke Pointe dieser Sendung.

Die Minarett-Befürworter meinen, die Schweiz müsse alles vermeiden, was die Weltgemeinschaft der Muslime irritieren könnte. Die Empfindlichkeit der andern soll das Richtmass der eigenen Positionen sein. Nichts wäre falscher. Gerade die Muslime sind, notfalls mit Druck, daran zu gewöhnen, dass im Westen eine ganz andere Streit- und Diskussionskultur herrscht als in den Ländern, die sie ja aus irgendeinem Grund verlassen haben.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 42/09
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Kommentare

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Romano Zweiacher     18.12.09 21:44

Heute Abens stand ich um 21:00 auf meinem Balkon und hörte die Glockenschläge unserer Kirche, die mir die Zeit mitteilte. Es zeigt, dass ich in einem christlichen Land lebe. In meinem christlichen Land. Heute war ich auch in der Migros um einzukaufen. Da sah ich Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Wie friedlich doch dieses zusammenleben sein könnte.
Es gibt Menschen, in deren Heimat eine furchtbare, lebensbedrohende, gar kriegerische Situation herscht. Diesen Menschen gönne ich es von ganzem Herzen, dass sie in unserem christlichen Land Zuflucht und eine Chance erhalten haben. Die

Orhan     28.10.09 08:44

Sehr geehrter Herr Köppel

Als interessierter Weltwoche-Leser und Abonnent bin ich total schockiert, was die Weltwoche unter der Führung von Herrn Roger Köppel momentan betreibt: Das ist aus meiner Sicht pure Hexenjagt und erinnert mich stark an die aktiven Ketzereien während der Judenverfolgung....was folgt als Nächstes? Aufruf zur Verbrennung aller Korane? Christalnacht für Kebabrestaurants? Deportation aller Muslime in ein Lager? Oh: Das darf ich ja wohl sagen, denn das ist ja wohl die Meinungsfreiheit, die Sie in Ihren Artikeln so hoch halten, oder?

Während jegliche Meinungsäusserungen im Zusammenhang mit Judentum und Juden sofort und konsequent als Antisemitisch abgestempelt und verurteilt werrden, fehlt hier aus meiner Sicht jegliche Objektivität, Kompet

suschnoöppis     26.10.09 11:40

Interessante Diskussion.

@petter
Seit wann arbeitet denn die SVP für das Volk?
Warum unterstützt die SVP nicht die Milchbauern, die sich
einer Liberalisierung gegenübergestellt sehen?

Genau da sollte die SVP, wenn sie ihrem Namen gerecht werden will, etwas unternehmen, denn ich persönlich habe keine Lust darauf, dass nach dem Cassis de Dijon jetzt auch noch unsere Milch verschrottet werden soll.
Wettbewerb im Nahrungsmittelbereich führt zwangsläufig zu schlechter werdenden Qualität.

---


Zum Thema:

Ich bezweifle doch stark, dass sich hier mehr als 5% wissen, was genau Islam eigentlich ist.

petter     21.10.09 15:47

Die vereinigte Anti-Gilde bläst zum Angriff auf die Minarett-Initiative.
Da seht ihr nun klar und deutlich und einmal mehr. Alle gegen die SVP bzw. deren Vertreter. Die Antigilde vertreten doch längst nicht mehr die Interessen der Schweizer. Sie merken nicht einmal, dass auch Muslime gegen Minarette, diese Eroberungspfosten der Islamisten, sind.
Auch der Kirchenbote hat nichts blöderes zu tun als dagegen zu sein.
Diese Leute sollen bitte zur Kenntnis nehmen wohin Toleranz bzw. Intoleranz von Pfaffen führt. In meiner Jugend war die Schweiz mehrheitlich protestantisch mit entsprechend offenem Geist. Durch den Willen der Päbste ist es den Katholiken gelungen mehr Kinder zu produzieren bzw. weniger abzutreiben und so ist jetzt die Schweiz schon sein einigen Jahren mehrheit

Serai     21.10.09 15:39

Irin 21.10.09 14:22

'...Im Moment sind die Moslems hier noch zahm. Die Zeiten werden sich jedoch ändern, wenn wir nicht vorbeugen...und dafür sorgen, dass Hassprediger und Vertreter von 'Kalifaten' hier gar nicht erst Fuss fassen ebensowenig wie deren Siegenssäulen...'

Genau diese Leute - sowas nennt man 'Korinthenkacker' (Ausdruck für Leute, die z. B. kleinlich alles vor Gericht auseinandergesetzt haben wollen usw.) - , die die einfachen Moslems dann aufhetzen, vor allem dann wenn der Wirtschaftskuchen kleiner wird. Darin unterscheiden die sich kein Haar von KPD Agitatoren. Ein bekannter grüner Jurist geht nach meiner Ansicht genau in diese KK 'Bärendienst'-Richtung.

Meinung aus Parallelformun (Mekka Schweiz):

'...Schau mal i

Irin     21.10.09 14:22

Schlehmil 21.10.09 10:52
"In ihrem isolierten Geist nehmen sie nicht wahr, dass sich die Welt um uns herum verändert und nicht stehenbleibt, wie sie es gerne hätten.

Lieber Schlemihl, da hast wohl von dir gesprochen. So ist es! Im Moment sind die Moslems hier noch zahm. Die Zeiten werden sich jedoch ändern, wenn wir nicht vorbeugen.

Selbstverständlich kann jemand, der Moslems, Minarette, Muezzine ,die Scharia und den Islam so lieben und das alles so vermissen, wie du zum Beispiel, gerne in ein islamischen Land ziehen.

In Ägypten stören mich die Minarette und die Beschallung durch die Muezzine nicht. Sie passen dort hin. Genauso, wie die Glocken hierher passen. In Kairo habe ich übrigens noch nie Kirchenglocken gehört. Und ich bin u

Serai     21.10.09 12:35

Schlemihl 21.10.09 11:39
'Du liegst völlig daneben! Sowohl beim Geschlecht als auch bei der politischen Ausrichtung. Aber das kennen wir ja bei dir!'

Endlich hat mich jemand verstanden. Ich erspare mir damit den linkssanften Psychiater, in demFall: lieber Schlemihl, und sorry für die angebrachten geographischen Verdächtigungen. Es war mir trotzdem eine Freude.

Schlemihl     21.10.09 11:39

@Serai:

Du liegst völlig daneben! Sowohl beim Geschlecht als auch bei der politischen Ausrichtung. Aber das kennen wir ja bei dir!

Serai     21.10.09 11:15

Schlemihl 21.10.09 10:52
Ist die werte Schlehmil, anscheinend wohnend irgendwo in hinterlevantinischen Gefilden, vielleicht eine verkappte Linksextreme, wenn sie in der CH mit rechtkonservativen zu tun hat (haben will) ?
Dann wäre zu begreifen, welchen 'Durchblick' sie wünscht. Falls sie aber linksautonom massive Steinchen in der Hand hat, müsste sie allerdings über kurz oder lang die CH verlassen.

Solchen 'Feministinnen' würde möglicherweise in der Hinterlevante die Steinigung oder der Handverlust drohen. Das wollen denn aber doch nicht und die Scharia hier auch nicht.

Schlemihl     21.10.09 10:52

"weil sie mit wachem und offenen Blick durchs Leben gehen."

Das ich nicht lache!

Der Grossteil der rechtskonservativen Forumsteilnehmern hier geht mit äusserst beschränktem Blick durchs leben!

Deshalb werden hier ja auch alle, die nicht gleich rechtsaussen oder erzkonservativ sind wie das Gros hier, als Linke betitelt.

In ihrem isolierten Geist nehmen sie nicht wahr, dass sich die Welt um uns herum verändert und nicht stehenbleibt, wie sie es gerne hätten.

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