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07.10.2009, Ausgabe 41/09

Minarette

Rot-grüner Wächterrat

Das Minarett-Plakat der SVP soll flächendeckend verboten werden. Ein neuer Wächterrat aus amtlichen Zensoren und grossen Zeitungsverlagen sieht die Demokratie in Gefahr. Die Gesinnungshüter wollen die Redefreiheit beschneiden.

Von Philipp Gut

Mit einem Verbot des Turms würde die Ausübung des islamischen Glaubens nicht behindert: Plakat der Minarett-Gegner.

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Das Thema ist heiss, so heiss, dass sich nicht einmal die SVP die Finger daran verbrennen will. Im Abstimmungskampf um die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» hält sich der ehemalige Bundesrat Christoph Blocher vornehm zurück. Und Ernst Stocker, SVP-Kandidat für den Zürcher Regierungsrat, weicht von der Parteilinie ab und unterstützt die Initiative nicht – eine Haltung, für die Kantonalparteipräsident Alfred Heer öffentlich Verständnis zeigte.

Mehr zum Thema im Videokommentar von Roger Köppel sowie im Dossier zur Meinungs- und Redefreiheit. War das Verbot des Plakats richtig? Stimmen Sie ab!

Zu polarisierend scheint das Anliegen, zu umstritten die Kampagne, mit der die Befürworter für ihre Initiative werben. Neuen Schub erhielt die Debatte diese Woche: In die von Nervosität, Rücksichten und Tabus geprägte Auseinandersetzung platzte die Nachricht, dass der Kanton Basel-Stadt ein Plakat der Initianten verbietet. Es zeigt Minaretttürme auf einem Schweizer Kreuz und eine schwarz verschleierte Frau. Dazu der Text: «Stopp. Ja zum Minarettverbot».

Verbot des Verbots

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Durch das Verbot des Verbotsplakats ist, knapp zwei Monate vor der Abstimmung am 29. November, das Thema Minarette und Islam zuoberst auf die politische Agenda gerückt. Vor allem aber haben die Behörden eine Diskussion um die Meinungsäusserungsfreiheit provoziert. Denn auch andere Städte wie Zürich, Winterthur, Luzern und Chur erwogen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe ein Verbot des Plakats.

Obrigkeitliche Eingriffe solcher Art scheinen im Trend zu liegen. Kürzlich wurden weitere Werbeaktivitäten im öffentlichen Raum auf den Index gesetzt: Die Stadt Zug untersagte eine Kampagne der atheistischen Freidenker-Vereinigung mit der Botschaft: «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben». Luzern hatte das Plakat ebenfalls verboten, krebste dann aber wieder zurück.

Die neue Lust am Verbieten erstaunt. Warum, um Himmels willen, drängt der Staat mit solcher Vehemenz in die Rolle des Oberzensors?

Verlage vorne dabei

Noch erstaunlicher wirkt, dass er dabei von den Medien – wie man annehmen müsste, die natürlichen Verfechter der Meinungsfreiheit – sekundiert wird. Der Ringier-Konzern und der Tages-Anzeiger, sonst, etwa bei Sexanzeigen, ohne Berührungsängste gegenüber grenzwertigen Botschaften, lehnen es ab, das Minarett-Inserat zu publizieren. Res Strehle, Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers, verstieg sich sogar in einem Kommentar zur Aussage, die Verbote seien «ein Zeichen von Weltoffenheit».

Das Verhalten der eifrigen Zensoren und beinahe noch eifrigeren Selbstzensoren wirft Fragen auf. Wie kommen die Behörden dazu, ein politisches Plakat zu verbieten? Was steckt hinter der nahezu selbstmörderischen Art, mit der die Medien auf den Verbotszug aufspringen? Scheut man vielleicht eine inhaltliche Auseinandersetzung?

 

Rassistisch und frauenfeindlich

Aufschlussreich ist zunächst, wie der Basler Entscheid zustande kam. Es ging ruck, zuck, wie der Tages-Anzeiger lobt («Basel-Stadt hat mit dem Plakat der Minarett-Gegner kurzen Prozess gemacht»): «Das Bau- und Verkehrsdepartement konsultierte die Gleichstellungs- und Integrationsbüros, nahm den Gesetzestext zur Hand und befand: ‹Das Sujet ist ein klarer Verstoss gegen Paragraf 7 der Plakatverordnung.›» Dieser untersage Kampagnen mit «rassistischem oder Geschlechter diskriminierendem Inhalt». Grundlage für das Verbot war demnach die Einschätzung, das Plakat sei rassistisch und/oder geschlechterdiskriminierend. Im Klartext: rassistisch und frauenfeindlich.

Die Argumentation erstaunt einigermassen. Was soll an den Minaretttürmen auf rot-weissem Grund «rassistisch» sein? Wird hier eine Rasse herabgesetzt? Wenn ja: welche? Ebenso wenig leuchtet ein, warum die Illustration einer Frau in Burka eine diskriminierende Beleidigung für das weibliche Geschlecht darstellen sollte.

Das Plakat hat eine klare, eher unzimper-lich formulierte Aussage: Es warnt vor einer als zunehmend geschilderten Islamisierung der Schweiz. Dazu kann man politisch stehen, wie man will. Man kann die Lage so oder anders sehen. Aber nur unter akrobatischen intellektuellen Verrenkungen wird man die Bildsprache als «rassistisch» taxieren können.

Leicht verwundert nimmt man überdies zur Kenntnis, welche Instanzen in Basel offenbar einen Entscheid von solcher Tragweite beeinflussen.

Sind die konsultierten «Gleichstellungs- und Integrationsbüros» juristisch gerüstet und unabhängig genug, um auf diese einschneidende Weise in die Meinungsäusserungsfreiheit und den politischen Prozess einzugreifen? Setzen sich die Behörden damit nicht dem Verdacht aus, über Gesinnungen und politische Vorlieben zu urteilen?

Dieser Anschein besteht leider. Man gewinnt den Eindruck einer talibanartigen Gesinnungspolizei, eines rot-grünen Wächterrats, der entscheidet, was gesagt und plakatiert werden darf – und was nicht. In einer Demokratie wie der Schweiz sollte es doch erlaubt sein, eine unbefangene politische Diskussion darüber zu führen, ob Minarette erwünscht sind oder nicht. Und für die eigenen Positionen im Abstimmungskampf zu werben.›››

Inhaltlich stellt sich die Frage, was ein Minarett-Verbot überhaupt bewirken würde. Klar ist: Das Minarett wird im Koran an keiner Stelle erwähnt. Es gibt weltweit Tausende von Moscheen, die ohne den Gebetsturm auskommen. Mit einem Verbot würde die Ausübung des islamischen Glaubens also nicht behindert.

Beten ohne Gebetstürme

Ein weiterer Streitpunkt betrifft den Symbolgehalt des Minaretts. Ist es bloss architektonisches Beiwerk oder bezeugt es den Machtanspruch des Islam? Dazu schrieb der Orientalist Thomas Widmer, heute Journalist beim Tages-Anzeiger, vor zwei Jahren in der Weltwoche: «Das Minarett, vertikale Manifestation des Islam, soll in der muslimisch geprägten Stadt alle anderen Bauwerke überragen. Insbesondere die der Konkurrenzreligion Christentum – sofern Kirchen überhaupt zugelassen sind, denn Saudi-Arabien zum Beispiel duldet keine Häuser fremder Religionen und hat alle Spuren des Christentums getilgt.»

Im Lauf der islamischen Eroberungen wurden Minarette zuerst als Wacht- und erst später als Gebetstürme eingesetzt. Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagte es einmal so: «Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.»

Ohne südländische Machorhetorik, aber dennoch unmissverständlich beschreibt die deutsche Orientalistin Annemarie Schimmel den Sachverhalt: «Das Minarett ist eine Art Siegesturm, das sichtbare Zeichen der Gegenwart des Islam in einem neu eroberten Gebiet.»

Vor diesem Hintergrund und angesichts der rasant steigenden Zahl der Muslime in der Schweiz – 1980 lebten 56 000 Menschen mohammedanischen Glaubens hier, heute sind es gegen eine halbe Million – scheint die Diskussion darüber legitim, wie wir mit der Minarett-Frage umgehen wollen. Auch in zugespitzter Art und Weise.

PS: Im Jahr 1966 raffte sich Papst Pius VI. zu einer revolutionären Tat auf. Er schaffte den Index Librorum Prohibitorum, die berühmte und berüchtigte Liste der von der katholischen Kirche verbotenen Bücher, ab. Im Vatikan hielt man sie nicht mehr für zeitgemäss.

Ein knappes halbes Jahrhundert später scheint die Schweiz drauf und dran zu sein, unliebsame Drucksachen erneut auf eine Art Index zu setzen. Diesmal nicht im Namen Gottes, sondern in demjenigen der politischen Korrektheit.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 41/09
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Kommentare

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suschnoöppis     27.10.09 23:45

@mandalor

So ist es aber. Jeder der sich tiefer mit der Geschichte befasst, ist sich dessen bewusst. Es ist weit verbreitet, dass wir im heutigen Christentum heidnische Praktiken zelebrieren. Die besten Beispiele hierfür ist Weihnachten, welches ein altes Fest der Sonnenanbetung darstellt, Ostern, abgeleitet von der Fruchtbarkeitsgöttin "Ostara" usw. Auch ist die original Ausgabe der Bibel nicht der Masse zugänglich.


Die Medien schüren Hass, obwohl sie die Dinge halt nur so interpretieren, wie sie es wollen. Der "Jihad" beispielsweise, wird von westlicher Seite nahezu in 100% aller Fälle als ein Krieg dargestellt, in welchem Muslime gegen Christen oder Juden kämpfen. Das hat aber mit der Realität nichts zu tun, der Jihad ist der Kr

mandalor     26.10.09 12:20

"Der Islam anerkennt und respektiert die heiligen Bücher der beiden anderen Schriftreligionen, nametlich die Bibel und die Thora. Allerdings gehen die Muslime davon aus, daß der Inhalt der ursprünglich von Gott herabgesandten Texte durch die Menschen verändert wurde, wodurch sich die wortwörtliche Bedeutung dieser Schriften relativiert. Einzig der Koran ist durch eine nachprüfbar sichere Überlieferungskette im Original erhalten geblieben. Somit wird er als erste Quelle in religiösen Dingen verwendet."

oha so ist das also!

Wie ist das denn bewiesen? Würde mich echt interessieren

Eisenherz     16.10.09 23:13

@Nachtkrokodil!
Sie sprechen nicht nur mir sondern sehr vielen Zeitgenossen aus dem Herzen, ich persönlich bin vollkommen ihrer Meinung.
Wer hier bei uns und mit uns in der noch immer sehr schönen Schweiz lebt, der soll sich gefälligst anpassen, wenn er oder die das nicht wollen, dann sollen die dort bleiben wo sie herkommen..oder besser gesagt zurückkehren!
Sollte diese Initiative, welche wegweisend für die weitere Zukunft der Schweiz eminet wichtig ist, abgelehnt werden, dann habe nicht nur ich den Glauben an die Schweiz an mein Heimatland endgültig verloren, dann muss ich offen gestehen mich stets zu schämen sollte ich mich outen müssen, dass ich ein bodenständiger (Entlebuch!) "EIDGENOSSE" bin!
Drum bitte ich euch alle liebe Eidgenossen, le

turik     16.10.09 17:29

Genau so wie Nachtkrokodil würde ich das auch ausdrücken.

Nachtkrokodil     16.10.09 14:46

Eigentlich geht es bei der ganzen Diskussion nicht um den Islam sondern um Integration. Ich bin zwar Christ, scher mich aber eigentlich gar nicht um die Kirche. Ich bin für Religionsfreiheit, jeder soll die Religion haben die er will. Die Kultur der Schweiz ist jedoch christlich, dazu gehört die Geschichte, die Kirchen, das Glockengeläut (von mir aus könnte man dies abstellen). Wenn jedoch plötzlich Muezzine von Minaretten schreien hat dies mit der Schweiz gar nichts mehr zu tun, und da hört die Toleranz und Multikulti auf. Wer in der Schweiz lebt soll sich soweit anpassen, die Rechte der Frauen respektieren, Sprache lernen, Kultur akzeptieren.
Minarette braucht es tatsächlich keine, keine Burkas und auch keine Muezzine.

Eisenherz     16.10.09 11:46

@Religionsfreiheit!

Das Wort "Barmherzigkeit" aus dem Mund eines Muslimen wie sie zu hören, das tönt, sorry, sehr abstrus!
Zitat: "Muslime sind auch nur Menschen und können Fehler machen"
Das Enthaupten eines Menschen vor laufender als "Fehler" abtun zu wollen finde ich äusserst krass...

Religionsfreiheit!     16.10.09 01:41

Dürfen Muslime in einer christlichen Kirche beten?

Wenn damit das islamische Gebet (salat) gemeint ist, so lautet die Antwort ja. Allerdings mit der Einschränkung, daß man die Kirchenbesucher nicht stört. Es ist dabei eine Frage des praktischen Anstands, daß man vorher um Erlaubnis bittet. Der Prophet sagt, daß die ganze Erde als Gebetsplatz fuer die Gläubigen geschaffen wurde. Als der Patriarch von Jerusalem "Umar ibn Al-Khattab" einlud, in der Kirche zu beten, lehnte Umar das ab, weil er nicht wollte, daß zukünftige Generationen von Muslimen anstelle der Kirche dort eine Moschee errichten. Er sagte nicht zum Patriarchen, daß das Gebet in der Kirche verboten sei. Er ging hinaus und betete dort. Tatsächlich bauten die Muslime späterer Generationen an dieser Stelle

Religionsfreiheit!     16.10.09 01:40

ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein."(Sure2, Vers62). Auch, wenn der Koran die Unterschiede zwischen den Religionen erwähnt und viele Stellen einen intellektuellen Streit mit den Anhängern dieser Religionen beinhaltet, so verpflichtet er gleichzeitig die Muslime, einen solchen Streit "auf die die beste Art und Weise" zu führen. "Und streitet mit den Leuten des Buches nur auf die beste Art, mit Ausnahme derer von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt und zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und Euer Gott ist einer. Und wir sind ihm ergeben." (Sure29, Vers46) Dieser Streit soll nicht die Vereinnahmung, die Bevormundung oder die Tyrannisierung der anderen zum Ziel haben,

Religionsfreiheit!     16.10.09 01:38

Hallo und Friede sei mit Euch an Cristen und Assalamun Aleykum an Mosleme.
Warum diese Streit?


Der Islam anerkennt und respektiert die heiligen Bücher der beiden anderen Schriftreligionen, nametlich die Bibel und die Thora. Allerdings gehen die Muslime davon aus, daß der Inhalt der ursprünglich von Gott herabgesandten Texte durch die Menschen verändert wurde, wodurch sich die wortwörtliche Bedeutung dieser Schriften relativiert. Einzig der Koran ist durch eine nachprüfbar sichere Überlieferungskette im Original erhalten geblieben. Somit wird er als erste Quelle in religiösen Dingen verwendet.


· 10. Beziehung zu Juden

Allah legt uns Muslimen in dieser Beziehung nicht nur Gerechtigkeit und Güte auf, nein, im Koran ist sogar

Eisenherz     13.10.09 12:03

Was isch "shankara" hesch wieder dini knappe 5 Minüteli, merksch aigendlig nid dass de närvsch?!
Probiers doch emol mit schaffe!

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