Vergangene Woche blieb ich in Zürich. Die Stimmung in der Stadt ist zurzeit recht gut, finde ich. Das hängt mit dem schönen Wetter der vergangenen Wochen zusammen. Und damit, dass das Ende der Welt, wie wir sie kennen, vermutlich nicht so nahe ist, wie man meinte, trotz Finanz- und Wirtschaftskrise. Am Donnerstag wurde ein Restaurant mit Namen «Asia» eröffnet (hiess «Le Gourmet» früher). Restaurant-Openings waren einmal richtige Anlässe. Bis man merkte, dass vor allem freeloader kommen, die man dann nicht mehr sieht, wenn es kostet (Ihr Kolumnist weiss, wovon er schreibt). Heute sind es kleine Veranstaltungen mit wenigen Gästen, die zahlen zudem. Das «Asia», nebenbei, wird nicht MvHs Lieblingsrestaurant, obwohl das Essen schmeckt. Weil der Entwurf ist, die (kleinen) Teller mit anderen zu teilen. Und weil die Rechnung ziemlich hoch ausfällt – ungefähr ein Viertel höher als in der «Kronenhalle» –, falls man der Empfehlung folgt und drei Angebote bestellt (z. B. «Rock Lobster Tempura» oder «Dim Sum»-Variationen, je 30 Franken zirka). Ferner: Im «Tao’s» in dem gleichen Haus, dem Augustinerhof, gibt es ungefähr das Gleiche (nur günstiger und mit mehr für das Auge).
Am selben Abend hatte ich zudem eine Einladung für die Eröffnung einer Bar. Das interessierte mich. Ihr Kolumnist fände es nicht schlecht im Grund, wenn er eine gute Bar kennen würde. Er weiss im Augenblick nie wohin, wenn er eine besuchen möchte (falls jemand eine Idee hat – geheimnisse@markvanhuisseling.ch). Auf der anderen Seite, ich neige zu Zweifeln, sobald einer sagt, er kenne eine Bar «für Leute wie uns». Was heisst das? In meinem Fall heisst es, man geht zweimal im Monat hin (max.), trinkt ein Schweppes Tonic und einen Averna auf Eis (oder zwei, falls es hochkommt), trägt zu der Stimmung recht wenig bei; findet aber, der Barmann und die Kellner müssten einen grüssen wie einen Freund (oder Stammgast wenigstens). Die neue Bar heisst «Jade», das spricht man, denke ich, englisch aus, was in meinen Augen kein success versprechender Name ist («Gehen wir noch in das ‹Tscheid›?»). Vor Ort lernte ich, dass das Lokal, in dem die Post Zürich 39 Selnau war, unter der Woche mehr Restaurant ist als Bar und am Wochenende mehr Klub. Ich meine, ich unterstütze Neues et cetera. Aber dieses Layout ist eine Herausforderung, es erinnert an das «Saint Germain» vor dem Umbau.
Am Samstag ging ferner das 5. Zurich Film Festival (ZFF) zu Ende, mit der «Closing Night». Ich schreibe nicht noch einmal über die grösste Geschichte in diesem Zusammenhang ever, kein Platz. (Bloss so viel: Die Rechtslage, die zu der Verhaftung von Roman Polanski führte, ist klar. Und das Umgehen der Verantwortlichen des ZFF mit einer Krise fand ich schwach.) Jetzt zu dem Erfreulichen: Die Ablauforganisation war besser als in früheren Jahren in meinen Augen; keine Wartezeiten bei der Ticketabholung, Ticket lag bereit usw. Und Nadja Schildknecht von der Geschäftsführung hat vermutlich Coachings hinter sich – ihr Bühnenauftritt war sicherer, und sie zeigte einen gewissen Liebreiz. Auch gut fand ich, dass man Morgan Freeman bekommen hat, er ist ein A-Liste-Namen, sogar in Hollywood. Das sind Peter Fonda und Michael Keaton nicht (Keaton stellte den ersten Film vor, bei dem er Regie führte, das geht auch).
Dies, wie geschrieben, das Erfreuliche. Weniger erfreulich: Von den Leuten, die Zürichs Gesellschaft ausmachen, war fast niemand dabei. Wenn man diesen Abend, die glanzvollste Veranstaltung des ZFF eigentlich, mit z. B. der Rive-Gauche-Sommerparty oder der Swiss Red Cross Gala vergleicht . . . well, das ist hart. Tanja Gutmann war an der Closing Night und Marco Rima (nicht zusammen). Vielleicht sind die wichtigen Leute aus dem Filmgeschäft, die man haben muss als Gäste, ebenfalls dort gewesen. Möglich, dass MvH sie nicht kennt. Aber man musste sehen, Zurich hat noch kein People’s Film Festival. Und Nadja ist noch nicht die Direktorin der Herzen.
Noch etwas Kleines. Shawne Fielding, die ich mag und die Anlässen guttut, von mir aus gesehen, habe ich länger nicht mehr gesehen. Why’s that? Weil sie nicht mehr ohne Lohn ausgeht. Wer Shawne («Königin ohne Thron», Sonntagszeitung) auf einer sogenannten kommerziellen Veranstaltung haben will, muss zahlen – 5000 bis 10 000 Franken (an die Agentur, nicht an mich). That’s why.













Kommentare