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07.10.2009, Ausgabe 41/09

Editorial

Minarette

Staatliche Zensoren wollen eine echte Debatte über Minarette und Islam verhindern. Schweizer Grossverlage bejahen die neuen Denkverbote.

Von Roger Köppel

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Mehrere Schweizer Zeitungsverlage wollen ein umstrittenes Inserat nicht drucken, das eine verschleierte Frau vor einer mit gefährlich spitzen Minaretten gespickten Schweizer Flagge zeigt. Die rot-grün regierte Stadt Basel hat bereits entschieden, das entsprechende Plakat auf ihrem Boden zu verbieten. Zürich prüft noch. Die amtlichen Zensoren berufen sich auf den angeblich «rassistischen» Inhalt der Anzeige. Man will den religiösen Frieden wahren im Land. Wie man hört, haben Integrations- und Gleichstellungsbüros die Stadt beraten, die von Parteien regiert wird, die sich für besonders tolerant halten.

Mehr zum Thema im Videokommentar von Roger Köppel sowie im Dossier zur Meinungs- und Redefreiheit. War das Verbot des Plakats richtig? Stimmen Sie ab!

Bevor wir zum Grundsätzlichen kommen: Was eigentlich stellt das besagte Plakat dar? Wir sehen einen Wald von bedrohlich aufragenden Minaretten. Wie Mittelstreckenraketen oder schwarze Speere stecken die Türme auf rot-weissem Grund. Im Vordergrund steht eine dunkel verschleierte Frau, die uns rätselhaft anblickt. Drei Botschaften sind aus der Anzeige unzweifelhaft abzuleiten. Erstens: Minarette sind keine orientalischen Gebäudedekorationen, sondern Symbole der Macht. Zweitens: Hinter den Gebetstürmen steckt eine Wachstums- und Eroberungsstrategie. Drittens: Die verschleierte Frau verkörpert den Islamismus, der als totalitäre Staatsreligion bis in die intimsten Zonen seiner Bürger hineinregiert und Frauen einem verwerflichen Regime bärtiger Männer unterwirft.

Wo liegt der Skandal? Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass Minarette historisch gesehen zu den wichtigsten Symbolen islamischer Machtentfaltung gehören. Weshalb soll man sie nicht zeigen dürfen? Dass sich der Islam ausdehnen möchte, ist ebenfalls bekannt. In der Schweiz hat sich die Zahl der Muslime innerhalb der letzten anderthalb Jahrzehnte mehr als verdoppelt. Schliesslich hat es nichts mit Rassismus zu tun, aber sehr viel mit der Realität, wie sie nun einmal ist, dass Frauen in islamischen Ländern verschleiert herumlaufen müssen. Was soll an der Illustration dieser Tatsache anstössig sein? Man mag es bejahen oder verurteilen, aber es kann kein ernsthaftes Anliegen sein, eine Diskussion über diese Themen abzuwürgen, indem man ihre bildhafte, pointierte Darstellung auf einem Inserat verbietet.

Offene Gesellschaften leben von offenen Diskussionen. Keine Demokratie funktioniert ohne die harte Auseinandersetzung. Die neuen Zensoren reden von Stil, aber sie wollen Denkverbote. Sie stützen sich auf amtliche Stellen, um ihren Anschlag auf die Redefreiheit zu rechtfertigen. Leben wir neuerdings in einem Staat, in dem Gleichstellungs- und Integrationsbüros den Inhalt unserer öffentlichen Debatten bestimmen? In einer Demokratie müssen auch Meinungsäusserungen zugelassen werden, die absurd und hassenswert sind. Das Publikum möge entscheiden. Wenn wir an der Mündigkeit der Bürger zweifeln, haben wir das Vertrauen in die Demokratie verloren. Dass grosse Schweizer Städte darüber nachdenken, ein provokatives, aber triftiges Plakat abzuhängen, ist ein Skandal. Eine Schande allerdings ist es, wenn sich die grossen Schweizer Verlagshäuser durch einen Inseratboykott an der Aktion beteiligen. Journalisten, die sich für staatliche Zensur einsetzen, bewegen sich auf ganz dünnem Eis.

Ich bin kein grundsätzlicher Islamgegner, aber auch ich habe die kleinen hässlichen Stimmen im Ohr. Vor drei Jahren gingen Zehntausende von Muslimen wutentbrannt auf die Strassen, um gegen die schändliche Entweihung ihrer Religion durch ein paar harmlose Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung zu protestieren. Der Hinweis, es sei in westlichen Ländern üblich, auch das Allerheiligste periodisch durch den Kakao zu ziehen, verhallte ungehört. Die schäumende Masse verlangte Respekt und Rücksicht auf die eigene religiöse Sensibilität, die sie gegenüber unseren aufklärerischen Traditionen absolut setzte.

Ich fragte mich schon damals erstaunt, warum die leicht erregbaren Mohammedaner immer nur dann auf die Barrikaden steigen, wenn es gegen den Westen, die USA oder Israel geht. Meines Wissens gab es keinen vergleichbaren Massenumzug, als Osama Bin Ladens Terrorbrigaden im Namen Allahs serienweise Ungläubige umbrachten. Ist die Entweihung des Islam durch ein paar Zeichnungen gravierender als die Tatsache, dass sich eine weltweit operierende Verbrecherbande bei ihren Untaten ständig auf den Islam beruft? Man muss sich diese Fragen stellen, um das Misstrauen zu begreifen, das sich in weiten Teilen Europas gegenüber den Muslimen regt.

Selbstzensur und die vorauseilende Preisgabe der Rede- und Ausdrucksfreiheit sind keine angemessenen Antworten auf die absehbaren kulturellen Konflikte zwischen Schweizern und Muslimen. Es ist kein Rassismus, sondern Ausdruck vernünftiger Instinkte, wenn wir an einer Leitkultur festhalten möchten, die unsere gemeinsamen Werte und Erfahrungen verkörpert. Es ist legitim, keine Minarette in der Schweiz zu wollen. Es ist aber notwendig, in aller denkbaren Klarheit, Schärfe und Offenheit die politische Debatte auszutragen, die zur Klärung dieser Frage führt. Staatliche Plakatverbote sind der falsche Weg.

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, Italien sei eine Art Bananenrepublik mit einer gleichgeschalteten Presse unter der Fuchtel von Premierminister Berlusconi. Wir haben uns die Mühe gemacht, das Vorurteil zu überprüfen. Fazit: Es ist falsch. Berlusconi mag aus eigener Kraft die Schlagzeilen und die Fernsehnachrichten beherrschen, aber er ist nicht der alleinherrschende Medienzar, als den ihn die erstaunlich gleichgeschaltete Presse von Guardian, Woz, und NZZ bis hin zur International Herald Tribune und zum Tages-Anzeiger beschreibt. Tatsache ist: Die wichtigsten italienischen Tageszeitungen Repubblica und Corriere della Sera stehen pickelhart gegen den Premier. Berlusconis Giornale ist unter den fünf grossen Blättern das unbedeutendste. Es gibt acht Fernsehkanäle von nationaler Bedeutung, darunter drei staatliche Sender, drei Berlusconi-Kanäle, La 7 sowie Sky von Murdoch. Die Anti-Berlusconi-Sender sind 4:3 im Vorteil.

Anschlussfrage: Wären die zahlreichen Schweizer Kulturschaffenden, die sich so beherzt für den geständigen Sexualtäter Roman Polanski ins Zeug legten, auch bereit, dem italienischen Premier seine rechtlich immerhin einwandfreien Affären zu verzeihen?

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 41/09
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Kommentare

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raoul.schmidiger     26.10.09 17:38

Islam heisst nicht "Frieden", sondern "Unterwerfung", "to accept, surrender or submit." (http://en.wikipedia.org/wiki/Islam#Etymology_and_meaning)

suschnoöppis     26.10.09 13:40

@irin

falsch, Islam bedeuted wörtlich übersetzt Frieden.
Hört endlich auf die Zustände, welche in einigen arabischen Ländern herrschen, mit der Religion gleichzusetzen.

Würden die mächtigen stets ihren "Regeln" folgen, gäbe es deutlich weniger Probleme auf dieser Welt.
Der Vatikan als Gallionsfigur des Christentums (Wenn auch lächerlich, da mittlerweile sogar satanische Symbole verwendet werden.) war auch verantwortlich für die Kreuzzüge, die Hexenverbrennungen usw.

Das hatte auch NULL mit der Bibel zu tun, trotzdem nannten sie sich Christen.

Über den Tellerrand schauen, ist es denn so schwer?
Wer das Gefühl hat, im Koran stünde etwas davon, dass Frauen wie Dreck behandelt werden sollen, der tä

rotetuefel     22.10.09 20:46

Und hier schliesst sich der Kreis und die Weltwoche und Herr Köppel müssen bekennen: Das Geschwafel, welches jetzt über das Thema Islam losgetreten wird, ist zwar verschiedentlich nett zusammengetragen und interessant aufbereitet - hat aber nichts mit der Initiative zu tun.

Die Initiative ist ein Bauverbot für ein ganz bestimmtes Gebäude. Die SVP ist nicht an das Parlament gelangt und hat beantragt, Fragen zum Islam in der Schweiz zu klären, Schwimmunterricht, Kirchensteuer, Kopftuch, Zwangsheirat, Beschneidungen usw.
Die Initiative ist ein Bauverbot für muslimische Kirchtürme. Nicht mehr und nicht weniger.

Diese Message ist so plump, rassistisch und unsachlich, dass sich nicht mal die Weltwoche traute, das Inserat mit Text abzudrucken, als sie das Inse

rotetuefel     22.10.09 19:53

qiwi hatte in seinen (oder ihren) Ausführungen zu einem Rundumschlag gegen den Islam ausgeholt. Unter anderem steht dort, Moslems seien bildungsfremd. Dies ist historisch gesehen erstens grossartiger Quatsch, weil die heute offenbare Rückständigkeit der islamischen Länder seinen Ursprung in der vernichtenden Wirkung der Kreuzzüge hat und deren Wurzel nicht im Islam selber liegt.
Zweitens lässt sich nachweisen, dass die SVP ihre Wählerschaft nicht primär in den gutgebildeten Schicht rekrutiert. Oder einfach gesagt: die SVP wird vom Arbeiter gewählt und nicht vom Professor. Eigentlich erstaunlich, da sie ja in ihrer Wirtschaftspolitik nicht dem Arbeiter, sondern dem Superreichen zudient.
Dieser harte Knochen wird vom Arbeiter nur geschluckt, weil genügend braune Sauce daran ist

Irin     21.10.09 19:07

Islam hat nichts mit dem Wort oder der Bedeutung "Frieden" zu tun. Islam bedeutet "Unterwerfung".

Nachtkrokodil     20.10.09 23:33

Versteh den Kommentar nicht Rotuefel????

rotetuefel     20.10.09 16:54

@qiwi

Der durchschnittliche SVP-Wähler ist auch bildungsfremd. Scheinbar nennt hier ein Esel den anderen Langohr. Oder anders gesagt: Rassisten aller Länder vereinigt euch - wenn ihr euch ertragt...

Nachtkrokodil     19.10.09 23:53

Yassir Arafat? El Baradei!

Hitler war 1934 auch mal ein kandidat, so wie George Bush und Tony Bliar. Und jetzt noch Obama!

Der Preis ist doch fuer die Toilette!

Tankred     19.10.09 20:21

Nein Qiwi. Jetzt übertreibst Du aber. Immerhin stellen die 1.5 Mrd. Moslems auch 9 Nobelpreisträger, 5 davon sind Friedensnobelpreise :-)
Literatur
1988 - Najib Mahfooz
2006 - Orhan Pamuk

Frieden
1978 - Anwar El-Sadat
1994 - Yasser Arafat...
2003 - Shirin Ebadi
2005 - Mohamed ElBaradei
2006 - Muhammad Yunus
Chemie
1999 - Ahmed Zewail
Physik
1979 - Abdus Salam

Qiwi     19.10.09 17:05

@Di Giovanni

Gehen Sie doch mal in die Türkei und sehen, wie wunderbar das Zusammenleben zwischen Moslems und Christen funktioniert.

Mir kommen da spontan lustige Sachen wie den Völkermord an den armenischen Christen, täglich stattfindene physische Übergriffe auf Christen, extreme Benachteiligung in der Berufswelt, Bauverbote für neu geplante Kirchen bei fortlaufendem Abreissen bereits Bestehenden usw.

Ja, das funktioniert das wunderbar.

Islam heisst nicht Frieden, der Islam ist intolerant, ruft zum Hass auf (es gibt über 200 Stellen im Koran die direkt zum Töten von Nicht-Muslimen aufrufen.

Ausserdem belasten die Muslime wie keine andere Religionsgemeinschaft die Sozialwerke, sind bildungsfremd, übervertreten in sä

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