MvH

Mein Kap

Unser Kolumnist ist manchmal gerne ein Tourist. Wieder zu Hause, besucht er den vielleicht traurigsten Anlass.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in Südafrika. Ich flog mit Emirates nach Kapstadt, über Dubai (ich war Gast der Fluggesellschaft). Im Grunde bin ich ein Fan von Swiss. Aber je mehr man mit anderen Airlines reist, desto weniger leicht fällt einem das. Es geht mir nicht darum, z. B. die Flugzeuge zu vergleichen oder die Sitze in der Businessclass. Es sind kleine Dinge, die den grossen Unterschied machen, nicht wahr? Als Emirates-Passagier wird man etwa zu Hause abgeholt mit dem Wagen. Oder die Bedienung in der Lounge in Zürich (Terminal 3): Fliegt man Swiss, kann es sein, dass der Wartesalon auf der falschen Seite liegt, man muss dann zweimal durch die Sicherheitskontrolle. Das passiert nicht mit Emirates. Und die Mitarbeiterin am Empfang steht auf, wenn man reinkommt (noch nie erlebt bei Swiss). An dem Buffet, ferner, gibt es einen Angestellten, der einem Essen und Getränke zum Platz trägt (noch nie erlebt bei Swiss). Wenn es Zeit ist einzusteigen schliesslich, bringt die Frau vom Empfang die Nachricht (noch nie erlebt bei Swiss).

Cape Town ist, in meinen Augen, eine pleasant town. Wahrscheinlich nicht für alle, das stimmt; die Cape Flats oder Northern Suburbs sind sicher harte Gebiete, ich weiss es nicht. Ich wohnte im «Ellerman House», einem Hotel mit ungefähr zehn Suiten in Bantry Bay, in dem früher ein britischer Reeder lebte. Wenn wir es davon haben – für viele Reisende, vor allem in ärmeren Ländern, ist es wichtig, dort hinzugehen, wo keine Touristen hingehen, sagen sie. Ich sehe es nicht so, ich bin MvH und Tourist, deshalb probiere ich keine Bed-and-Breakfast-Angebote in Townships aus und keine Strassenküchen. Dafür die besten und besuchenswertesten Hotels und Restaurants in den schönsten Vierteln. «Beluga» empfehle ich für Fisch und «Cape Colony» im «Mount Nelson»-Hotel für Fleisch. Das «Beluga» ist vom Entwurf her das «Kaufleuten» (ohne Nachtklub), kann man etwas zu Einfachheit neigend sagen, und das «Cape Colony» die «Kronenhalle» (falls Zürich Kolonialmacht gewesen wäre). Long Street, zum Schluss, die in Führern als interessanteste Strasse zum Einkaufen und Spazieren beschrieben wird, ist in Ordnung. Doch ich mag die Kloof Street, die am Ende der Long Street beginnt, lieber.

Retour in Zürich, hatte ich eine Einladung zu einem Anlass des Zurich Film Festival (noch bis 3. Oktober), ich war Gast von Maurice Lacroix, einer Uhrenmanufaktur; Roman Polanski konnte das «Goldene Auge» für sein Regie-Lebenswerk nicht in Empfang nehmen, wie man weiss. Die Stimmung an der Veranstaltung war, logisch, weniger gut. Wenn rote Teppiche traurig sein könnten, hätte der vor dem «Corso» geweint (ich habe nur Otto Weisser, einen sogenannten Glamour-Fotografen, darübergehen sehen).

Die Festivalleiter, Nadja Schildknecht und Karl Spoerri, waren shell shocked am Tag nach Polanskis Verhaftung, kann man sagen. Das geht zu Herzen. Aber darf man das sein, wenn man Chef eines Events ist mit internationaler Ausstrahlung? Und ist es professionell, wenn man als Festivalleiter nichts zu sagen hat zu der interessantesten Geschichte ever? Wenn man antworten muss, es gebe niemanden, der in Rechtsangelegenheiten Stellung nehmen könne? Wenn man nicht abklärte im Voraus, so sieht es aus, ob der Ehrengast in die Schweiz reisen könne ohne Schwierigkeiten (und wieder abreisen)? Ich finde, es ist nicht professionell. Im Tages-Anzeiger stand, der PR-Effekt dürfte unbezahlbar sein. Ich hoffe, der Kollege, der das geschrieben hat, bekommt recht. Wäre MvH Festivalsponsor, nur zum Sagen, würde er überlegen, ob er Leuten, die wissen, was sie tun, Geld gegeben hat. Oder Leuten, die wohlmeinend sind, bestimmt, aber irgendwie möglicherweise not quite up to the task.

Jetzt noch 15 Zeilen schlechte Laune: Als ich meinen Wagen parken wollte vor diesem Anlass, waren Teile der Stadt für Autos gesperrt, wieder einmal. Grund war eine Veranstaltung mit Namen Multimobil auf dem Limmatquai (oder die Freestyle in Wollishofen). Auch egal. Es gibt vermutlich kaum Veranstaltungen, die den verantwortlichen Beamten zu, sagen wir, partikular sind, wenn sie dafür ein paar Strassen Zürichs schliessen dürfen (Monday Night Skate, Christopher Street Day et cetera). Falls kommendes Jahr die Quaibrücke einmal zu sein sollte an einem Sonntagabend wegen der «MvH-Maserati-Parkplatz-Bonanza», haben Sie es hier zuerst gelesen.

Kommentare

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  • Schlammbad
  • 13.10.09 | 07:01 Uhr

Wie kommst du denn darauf?

  • Schlemihl
  • 09.10.09 | 01:54 Uhr

@Schlammbad:

Ich denke du hast dich im Artikel geirrt...

  • Schlammbad
  • 08.10.09 | 10:36 Uhr

Not quite up to the task, das sind harte Worte. Ist man denn nur professionell, wenn man von nichts betroffen ist und immer etwas - sagend oder nichtssagend - zu sagen hat? Sponsoring gegen professionelle Veranstaltung ist ja gut und recht, aber immerhin sind Frau Schildknecht und Herr Spoerri Leiter eines Film- und nicht eines PR- oder Justizfestivals.

  • Schlemihl
  • 07.10.09 | 16:11 Uhr

@Wunder:

"Und Allwissenheit von einem Journalisten zu verlangen kommt dem beinahe gleich."

Niemand verlangt von MvH Allwissenheit. Von ihm wäre das wahrlich zu viel verlangt!

Aber man darf doch von einem "Journalisten" verlangen, dass er über das was er schreibt zumindest ein klein wenig was weiss. Und wenn er Begriffe wie "Cape Flats" und "Northern Suburbs" explizit erwähnt und behauptet, dass es die Leute dort "hart" hätten, dann sollte das auch stimmen. Sonst ist es einfach nur peinlich!

Richtig, kein 14Jähriger käme auf die Idee für eine derartige "Kolumne" Geld zu verlangen. MvH offensichtlich schon. Und wenn die "Welt"woche dumm genug ist dies zu tun...

Die Northern Suburbs gehören eben zu den "schönen" Orten in Kapstadt, dass ist es ja!

"Blablabla."

Dir scheinen die Argumente auszugehen...

  • Wunder
  • 07.10.09 | 14:33 Uhr

@Schelmihl
Es sind ausnahmslos dumme Menschen, die meinen sie wüssten alles - sie bemerken ihre Unwissenheit einfach nicht. Und Allwissenheit von einem Journalisten zu verlangen kommt dem beinahe gleich.
Desinteressiert darf ein Journalist übrigens auch sein. Nicht alles ist soo interessant für jeden.
Niemand, wohl am wenigsten MvH würde behaupten seine Kolummne biete inhaltlich etwas - ausser eben spezifische Party- und Reiseberichte. Je nach Interessenlage ist auch Inhalt. Jedenfalls scheinen nicht wenige als erstes in der Wewo seine Spalten zu lesen. Und sogar du liest sie, die inhaltlosen (weshalb eigentlich?)! Ein 14jähriger würde es kaum wagen so viele Klammern in einem Aufsatz zu machen und erst noch Geld damit verdienen wollen.

Die oben "genannten schönen Orte" habe ich in meinem Kommentar vorhin erwähnt, nicht MvH. Und wie ich ebenfalls vorhin geschrieben habe: Es sind auch sicher harte Gebiete (im VERGLEICH zu den schönen) auch wenn einge Villen dort stehen.

Sofern bleibe ich bei meinem Urteil über deinen Kommentar: Blablabla.

  • Schlemihl
  • 07.10.09 | 14:04 Uhr

@Wunder:

"MvH sagt ja, dass er es nicht wisse."

Das ist ja gerade das Problem. Von einem "Journalisten", der gerade in Kapstadt war und der über Kapstadt schreibt, darf man erwarten, dass er das weiss. Aber eben wie ich schon schrieb: Desinteresse und Unwissenheit!

"Er hat halt nur das recherchiert, was ihn im Zusammenhang mit der Kolummne interessierte: Die schönen Hotels, Restaurants und Einkaufsstrassen."

Die Kolumne bietet inhaltlich rein gar nichts. Sie kommt einem vor wie ein Ferienaufsatz einer pubertierenden 14Jährigen.

"Er erwähnt sie unabhängig von einander als Beispiele für Gegenden, wo es vermutlich härter sei zu leben als an den oben genannten "schönen" Orten."

Völlig falsch! Bitte korrekt lesen, mein Guter! Er schreibt: "die Cape Flats oder Northern Suburbs sind SICHER harte Gebiete". Gemäss seiner Aussage sind also beides "harte Gebiete", was völlig falsch ist! Die sogenannt "schönen" Orte erwähnt er vorher gar nie!

  • Wunder
  • 07.10.09 | 11:03 Uhr

@Schlemihl

Blablabla. MvH sagt ja, dass er es nicht wisse. Und ob du es weisst oder nicht ist doch nicht von Interesse. Wer MvH liest, möchte in diesem Moment eben gerade nicht wissen, wo die Ärmsten wohnen. Dafür gibt es das Forum.

Weshalb MvH schlecht recherchiert haben solle, ist nicht ersichtlich. Er hat halt nur das recherchiert, was ihn im Zusammenhang mit der Kolummne interessierte: Die schönen Hotels, Restaurants und Einkaufsstrassen.

Persönlich bin ich überzeugt, dass MvH sehr wohl auch die anderen Gegebenheiten in Kapstadt kennt. Alles hat aber nicht Platz in diesen Spalten.

Und ausserdem, du behauptest, dass MvH die Cape Flats und die Northern Suburbs miteinander vergleicht. Tut er gar nicht. Er erwähnt sie unabhängig von einander als Beispiele für Gegenden, wo es vermutlich härter sei zu leben als an den oben genannten "schönen" Orten. Und beides stimmt doch eindeutig, auch wenn einige Villen in den Northern Suburbs stehen.

  • Schlemihl
  • 03.10.09 | 15:08 Uhr

@Bubka:

Es geht doch nicht darum, dass Touristen so tun als wären sie keine. Es geht um das Desinteresse und die Unwissenheit der Touristen!

Dieses Desinteresse für und diese Unwissenheit über das Land das sie bereisen ist peinlich!

MvH legt dieses Unwissenheit eindrücklich an den Tag indem er die Cape Flats mit den Northern Suburbs vergleicht.

  • Bubka
  • 03.10.09 | 09:48 Uhr

1. Touristen, die so tun wie sie keine wären, sind peinlich, man sieht es ihnen anyway an.

2. Wer MvH liest, weiss dass er in City-Reports keinen Allgemein-Ratschlag erhält, sondern Kritiken zu den besten Restaurants. Und das ist gut so!

  • Schlemihl
  • 03.10.09 | 01:20 Uhr

Korrektur:

die ärmsten Leute in Kapstadt leben nicht generell in den Cape Flats und erst recht nicht in den Northern Suburbs, sondern in Quartieren wie Langa, Nyanga, Gugulethu und vor allem Khayelitsha und Crossroads!

  • Schlemihl
  • 03.10.09 | 00:07 Uhr

Ach ja MvH, nur zur Information, die ärmsten Leute in Kapstadt leben nicht in den Cape Flats und erst recht nicht in den Northern Suburbs, sondern in Quartieren wie Langa, Nyanga, Gugulethu und vor allem Khayelitsha und Crossroads!

Von einem Journalisten(wenn man MvH überhaupt als Journalist bezeichnen kann!), der über Kapstadt schreibt, dürfte man erwarten, dass er sich kurz über die Stadt informiert (wenn er schon in den Ferien nichts von ihr mitbekommt!).

Aber eben, eine korrekte Recherche war noch nie die Stärke der "Welt"woche!

  • Schlemihl
  • 02.10.09 | 23:58 Uhr

"ich bin MvH und Tourist, deshalb probiere ich keine Bed-and-Breakfast-Angebote in Townships aus und keine Strassenküchen. Dafür die besten und besuchenswertesten Hotels und Restaurants in den schönsten Vierteln."

Genau diese Art von Touristen kann ich nicht ausstehen! Gehen nach Südafrika und interessieren sich nicht im Geringsten für das Land. Kennen wenn sie zurückkommen gerademal ihr Hotel und ein paar Läden und Restaurants in der Nähe! Peinlich!

  • Schlemihl
  • 02.10.09 | 23:54 Uhr

"die Cape Flats oder Northern Suburbs sind sicher harte Gebiete, ich weiss es nicht."

Wer die Cape Flats mit den Northern Suburbs vergleicht, hat wirklich keine Ahnung von Kapstadt!

In den Northern Suburbs lebt der Mittelstand, teilweise der gehobene Mittelstand, es gibt viele Villen und Grünflächen.

In den Cape Flats leben vorwiegend die "Coloureds", d.h. diejenige Bevölkerung, die währende der Apartheid und auch schön früher weder als "schwarz" noch "weiss" eingeteilt wurde!

Wenn du schon keine Ahnung von Kapstadt hast, MvH, solltest du auch nicht darüber schreiben. Das ist einfach nur peinlich!

 
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