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30.09.2009, Ausgabe 40/09

Medien

The Right to Copy

Die Verlage fühlen sich von Google bestohlen. Gelernt hat Google das von den Verlagen.

Von Kurt W. Zimmermann

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Welche Verlage sind mit ihren Inhalten präsent im Internet? Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man auf Google News ein paar Stichwörter aus Politik, Wirtschaft und Sport eingibt. Stichwörter können «Bundesratswahl» sein oder «Barack Obama» oder «Nationalbank» oder «Lucien Favre».

Wenn man dann schaut, welche News-Anbieter jeweils zuoberst bei Google auftauchen, dann sind es fast immer dieselben Top Four.

  1. NZZ online
  2. Tages-Anzeiger online
  3. 20 Minuten online
  4. Blick online

In den Häusern NZZ und Tamedia hat man am besten gelernt, sich Google an den Hals zu schmeissen. Die Medienhäuser machen sich für Google möglichst attraktiv. Sie optimieren ihr Angebot, indem sie eine Vielzahl von Links aufbauen und die Suchmaschine mit grossen Contentmengen aus Aktualität und Archiven füttern. Ohne Google läuft für die Verlage wenig. Bis zu 60 Prozent ihrer User, so zeigten Studien in Deutschland, kommen über Google auf die Verlagsseiten. Im Normalfall dürften es etwa 40 Prozent sein. Darum klinkt sich auch keiner bei Google aus, obschon das technisch problemlos möglich wäre.

Viel lieber klagen die Medienhäuser darüber, welchen Diebstahl Google betreibe und wie sie «schleichend enteignet» würden, wie es der deutsche Verleger Hubert Burda formulierte. Denn Google zahlt ihnen für ihre Angebote nichts.

Die deutschen Verleger haben zur Abwehr der bösen Suchmaschine darum die «Hamburger Erklärung zum Schutz geistigen Eigentums» verfasst. Die Schweizer verlangten in ihrem «Medienpolitischen Manifest» ebenfalls den Schutz der Urheberrechte.

Zweierlei daran ist schiere Heuchelei. Zuerst einmal wird die Gegenwart schöngeredet. Mit Hilfe von Google kommen die Verlagsseiten inzwischen auf hübsche Zugriffszahlen. An der Spitze der monatlichen Visits – gemessen im August – stehen dieselben Top Four.

  1. Blick online 14,9 Mio. Visits
  2. 20 Minuten online 14,1 Mio. Visits
  3. Tages-Anzeiger online 9,7 Mio. Visits
  4. NZZ online 8,9 Mio. Visits

Trotz solch hübscher Zahlen ist in einer Vollkostenrechnung keiner der Online-Auftritte echt profitabel. Google schaufelt den Verlagen zwar massenhaft Nutzer auf ihre Seiten – und das erst noch gratis. Doch die Verlage sind seit Jahren nicht in der Lage, daraus etwa mit Shopping-Angeboten ein rentables Geschäftsmodell zu machen. Dafür aber kann die Suchmaschine nichts.

Schöngeredet wird genauso die Vergangenheit. Google, so die Kritik der Medienhäuser, respektiere das Copyright nicht und habe sie quasi bestohlen.
Nun ist das frühere Copyright im Internet tatsächlich zu einer Art right to copy geworden. Jeder klaut bei jedem. In einer historischen Sichtweise muss man aber sehen, wer diesen Raubzug begonnen hat. Es waren die Verlagshäuser, und die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page haben von ihnen gelernt.

In den neunziger Jahren enteigneten die Verlage ihre Journalisten und ihre freien Mitarbeiter. Diese mussten – bei Kündigungsdrohung – neue Verträge unterzeichnen und ihr Copyright an die Medienhäuser abgeben. Die Verlage rissen damals auf reichlich rüde Weise das Recht an sich, alle Inhalte ihrer Journalisten auch im Internet ohne Zusatzhonorar publizieren zu können. Sie wollten das dicke Geschäft damit machen.

Sie stellten dann diese enteigneten Inhalte gratis ins Netz. Mit wenigen Ausnahmen wurde das zum Misserfolg. Für Misserfolge braucht es einen Sündenbock. Man fand ihn schnell.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 40/09
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