Seine Möbel sind Klassiker, seine Bauten Ikonen der Moderne. Der Schweizer Architekt und Designer Le Corbusier hat einer ganzen Generation ein Gefühl von Geschmack, Stil und Klarheit vermittelt. Jetzt belegen historische Dokumente, dass das Bild des Künstlers unvollständig war. Le Corbusier, der für Stalin und Mussolini bauen wollte, war Antisemit und Bewunderer Hitlers. In Frankreich eingebürgert, begrüsste er den Überfall der Wehrmacht auf seine neue Heimat. Er liess sich in Vichy nieder, um im Kollaborations-Regime eine Funktion zu übernehmen. Philipp Gut hat den Fall recherchiert. Ebenso sehr wie die krausen politischen Ansichten des Architekten hat ihn verblüfft, dass die dunklen Seiten Le Corbusiers verdrängt werden. Der Direktor der Fondation Le Corbusier in Paris zeigte sich «erstaunt» und «überrascht», als ihn unser Journalist um eine Stellungnahme bat.
Die Verhaftung von Roman Polanski in Zürich sorgt weltweit für Schlagzeilen. Unter den Kulturschaffenden ist die Empörung gross. Wenige wollen verstehen, warum der Rechtsstaat auch für einen Star-Regisseur gelten soll. Französische Zeitungen riefen dazu auf, die Schweiz zu boykottieren. Wir veröffentlichen einen Beitrag der amerikanischen Journalistin und Buchautorin Kate Harding, die klarmacht, warum Polanski vor ein Gericht gestellt werden muss und wie unsäglich die Verteidigungsreden seiner Anhänger bisweilen sind.
Nachdem unser Reporter Urs Gehriger sich der erschöpfenden Uno-Generaldebatte gestellt hatte, reiste er nach Washington, D. C. Vor der Rückfahrt staunte er nicht schlecht, als auf dem Perron vor seinem Zugfenster eine Horde Sicherheitsbeamter vorbeieilte, angeführt von einem baumlangen, weisshaarigen Mann im Anzug. «Joe again», lächelte die Schaffnerin. Joe? «Joe Biden, unser Vizepräsident», der prompt an der Spitze des Zugs einstieg. Damit nicht genug. Nach einer halben Stunde kreuzte der Vize im Restaurant-Wagen auf, bestellte einen Kaffee und hielt ein Schwätzchen mit den Gästen, bevor er wieder verschwand. Das mache Joe schon seit Jahren, ein paarmal die Woche. «Er wohnt in Wilmington, Delaware», sagte die Schaffnerin, das sei von Washington mit dem Zug am praktischsten zu erreichen. Ausserdem liebe er das Volk.
Der Schriftsteller Peter Schneider gehört zu den grossen politischen Essayisten in Deutschland. Sein Buch «Der Mauerspringer» wurde in Übersetzung in die renommierten «Penguin Modern Classics» aufgenommen. Seit Jahren beschäftigt sich der auch an amerikanischen Eliteuniversitäten als Dozent tätige Autor mit der Geschichte Europas. Für das New York Times Magazine erforschte er muslimische Minderheiten in Deutschland. Für die Weltwoche porträtierte er Linkspolitiker Oskar Lafontaine («Genosse Grossmaul»). In dieser Ausgabe legt Schneider eine grosse Reportage aus Anlass von 20 Jahren Mauerfall vor. Der Schriftsteller reiste in mehrere osteuropäische Staaten und unterhielt sich mit Politikern, Intellektuellen und Künstlern. Dabei wird nicht nur eine grosse innere Dynamik dieser Länder sichtbar, sondern auch die Skepsis gegenüber Russland, aus dessen Magnetfeld man sich lösen möchte.
Ihre Weltwoche













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