Film

Spiel mit dem Feuer

Das «New Hollywood», das Polanski prägte, war eine kreative Epoche, aber auch eine Zeit wilder Exzesse.

Von Wolfram Knorr

Es war Zeit, sich hinauszusprengen aus dem gusseisernen Hollywood-System mit den Herrenreitern von Rock Hudson bis James Garner, die aussahen, als seien sie im grill room gebeizt worden, und den Frauen von Doris Day bis Deborah Kerr, die aussahen, als seien sie schon von Geburt an mit ihren Kleidern verschmolzen. Es war Zeit, die Fesseln der bigotten Studios mit ihren knallbunten Bonbonschachtel-Filmen zu zerreissen und ein spontanes, wahrhaftiges Erzählkino zu schaffen. Ein Kino, mit dem sich die Jugend identifizierte. Tatsächlich wurde das Camelot des internationalen Films nicht geschleift, doch sukzessive mürbe gemacht. Die Studiobosse dankten ab und gaben jungen Rebellen das Zepter in die Hand.

Einer von denen war Robert Evans, Produktionschef von Paramount, ein Draufgänger, der europäische Filme anhimmelte und von diesem polnischen Kobold namens Roman Polanski schwärmte. Dessen Filme «Ekel» und «Wenn Katelbach kommt» (beide 1965) waren irre, schräg. Der Kerl musste her. Und Polanski, der schon in Polen nach seinem ersten Langfilm «Das Messer im Wasser» (1961) als böser Bube galt, kam gerne. Der ewig kaspernde, lebenshungrige Roman, der seine Mutter in Auschwitz verloren hatte und als Achtjähriger aus dem Krakauer Getto geflüchtet war, war süchtig nach Sinnenräuschen aller Art.
Damit war er unter den Kinorebellen, die das «New Hollywood» einläuteten, nicht alleine. Dennis Hopper («Easy Rider»), Warren Beatty («Bonnie and Clyde»), Bob Rafelson («Five Easy Pieces»), Peter Fonda oder Jack Nicholson («Chinatown») waren sicher keine Chorknaben und ganz nach Romans Geschmack. Erstaunlich kreativ waren sie auch noch, glaubten aber, dies sei nur mit Drogen und Sex möglich. Ihre Filme wurden Kassenschlager.
Partys waren an der Tagesordnung, und Roman Polanski war immer dabei. Wenn sie im «Chateau Marmont» becherten, nahmen sie gleich Suiten, und Polanski war ein glänzender Unterhalter und gerne im Mittelpunkt. Es gab genügend Frauen und genügend Koks. Ein besessenes Arbeitstier war er auch. Als er mit Robert Evans seine zwei bekanntesten Filme drehte, «Rosemarys Baby» (1968) und «Chinatown» (1974), gab er bei keinem Krach mit Evans nach. Als der die Rolle des Ehemanns von Mia Farrow (die vom Teufel ein Kind bekommt) mit Jack Nicholson besetzen wollte, lehnte Roman ab: «Seine Ausstrahlung ist mir zu dämonisch.» Und engagierte John Cassavetes. Evans schäumte. Aber Polanski hatte richtig entschieden.

«Roman war brillant»

Privat waren Nicholson und Polanski gute Freunde. Jack wohnte mit Anjelica Huston am Mulholland Drive, und People schrieb über das Heim: «Ihr Haus in L. A. wurde zu einem Epizentrum der mit Drogen vollgesogenen Szene.» Und mittendrin Roman, den die viehische Ermordung seiner Frau Sharon Tate durch die Manson-Gang im Jahre 1969 offenbar noch immer traumatisierte. Nicht der fahrlässige Umgang mit Drogen wurde für ihn zur Zeitbombe, die nur darauf wartete hochzugehen, sondern seine Vorliebe für Sex mit Minderjährigen. 1977 ging sie dann hoch. Peter Bart von Paramount sagte über ihn: «Roman war einfach brillant, der belesenste und kultivierteste Regisseur, der mir je über den Weg gelaufen ist, doch damals kamen etliche Leute aus seinem engsten Freundeskreis ums Leben. Roman hatte diese fatale Neigung, mit dem Feuer zu spielen.» Das war damals in Hollywood aber auch leicht.

Kommentare

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  • petter
  • 05.10.09 | 21:34 Uhr

Ich habe bisher noch keinen Film von Polanski gesehen und kann daher nicht darüber urteilen.Aber, muss man einen Polanskifilm gesehen haben? Das ist hier die Frage.

  • petter
  • 01.10.09 | 12:24 Uhr

Was will die WW uns sagen, was wir nicht schon wissen oder gar nicht zu wissen brauchen? Schade ums Papier.
Und die allgemeine Hurerei geht doch weiter, auch in Helvetia, nicht nur in Hollywood und zwar viel interenationaler dank Personenfreizügigkeit.

  • mediabuehler
  • 01.10.09 | 08:14 Uhr

Die junge Frau mit der P. Sex hatte, gefügig gemacht mit Alkohol und Beruhigungsmitteln, war beiliebe vom Äusseren her kein Kind mehr. Das sollte doch auch einmal gesagt werden. Das "Kind" war eine durchgeknallte Jugendliche die sich dank des damaligen Fottoshooting mit P. einen Start in eine Holywodd-Karriere erhoffte. Solche Girls - auch 13jährige - laufen in Holywodd massenweise herum - und werden auch entsprechend ausgenützt. Nur passiert das - wie vieles in den USA - unter der Oberfläche.

Ich entschuldige nicht das Delikt - aber ich versuche eine Erklärung für das Phänomen "hübsche, junge, reife Sexy Girls" die alles versprechen aber unerreichbar sind zu finden.

 
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