Dodge Challenger SRT-8

Mit Angeber-Gen

Die Neuauflage des Dodge Challenger ist ein unökologisches Raubtier.

Von Ulf Poschardt

Am Ende der sechziger Jahre hatten Freiheitsträume noch kein ökologisches Gewissen. Das Roadmovie «Fluchtpunkt San Francisco» zeigt den ehemaligen Rennfahrer Kowalski, wie er in nur 15 Stunden einen Dodge Challenger von Denver nach San Francisco überführt. Der grosshubige Achtzylinder schluckt während der Flucht bis zu 30 Liter Super. Wachgehalten durch Amphetamine und berauscht von Songs und Ermunterungen des blinden DJ Supersoul, der für ihn den Polizeifunk abhört, rast Kowalski (gespielt vom späteren TV-Detektiv Petrocelli, Barry Newman) durch Amerika. Sein Auto, das ihn am Ende in den Tod treibt, besass über 7,2 Liter Hubraum, hatte 380 PS, und sein löwenartiges Raunen und Fauchen hält den Soundtrack zusammen. Da der Film eine Low-Budget-Produktion war, borgten sich die Filmemacher bei Chrysler fünf Challenger. Im dramatischen Finale rast der Challenger auf eine Sperre zu und explodiert. Da die Kasse derart leer war, schob man einen umlackierten abgetakelten Chevy Camaro gegen die Barrikade und liess ihn hochgehen.


Ein Fall für MvH

Seit letztem Jahr gibt es wieder einen Challenger, und der sieht besser aus als der alte. Das grimmige Gesicht hat der neue Challenger von seinem Urahn, und auch die drahtige Silhouette folgt der Familien-DNA.

Die Reifen sind grösser geworden, der neue Challenger steht auf 20-Zoll-Felgen. Wer will, kann ihn wie in der guten, alten, wilden Zeit mit poppigen Rallyestreifen bestellen. Alle Tester sind sich einig: Der giftigste Motor ist der beste – und wer wirklich durchgeschüttelt und von Testosteron aufgeputscht werden will, muss sich für den infernalisch lauten Achtzylinder entscheiden.
Auf der Berliner Prachtstrasse Kudamm gibt es immer mehr Challenger. Gefahren wird er in der Regel von mittelalten Herren, die sonst distinguiert auftreten: mit beigen Tweed-Sakkos und schönen Wildlederschuhen. Nur die etwas vulgären Sonnenbrillen lassen auf das sympathische Angeber-Gen schliessen.
Kaum ein europäisches Auto vereint eine derart ruppige Form der Aggressivität mit einer leicht antiquierten Eleganz. Der Challenger ist ein unökologisches Raubtier: Er ist der pornografischste Muscle-Car der Gegenwart. Dank der Dollarschwäche und wohl auch dank dem schwindenden Zutrauen der Weltökonomie gegenüber Obama ist der Challenger unfassbar günstig zu haben: 42 645 Dollar kostet der SRT – in Franken umgerechnet, sind das rund 40 000 —, und zwar gut ausgestattet mit Fünfgangautomatik, Ledersitzen, Brembo-Bremsen und Xenon-Lichtern.
Natürlich kommen Ausfuhr und Zoll dazu, weil die europäischen Dodge-Händler dafür keinen Markt sehen. Leider. Ein Mark van Huisseling könnte den Challenger für Zürich salonfähig machen.

Leistung: 431 PS, Hubraum: 6059 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Preis: 42 645 Dollar

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben