«Ich will keine Mehrwertsteuer-Erhöhung, sondern zusätzliche IV-Detektive.» Markus Wenger
Auslöser für massive Preiserhöhungen
Nr. 36 – «Verbitterungsstörung»/«Das IV-Syndrom»; Markus Somm und Alex Baur über die Invalidenversicherung
Die IV wird von einem kleinen Teil Bezüger ausgenutzt und geplündert. Was macht unsere Regierung? Sie will die Mehrwertsteuer erhöhen, damit alle Einwohner der Schweiz bestraft werden. Damit hätte jeder Unternehmer die perfekte Ausrede: «Ich habe die Preise seit fünf Jahren nicht mehr erhöht und muss sie jetzt wegen dieser Erhöhung um vier bis fünf Prozent anpassen.» Eines ist klar: Die Betrüger sind die Auslöser für massive Preiserhöhungen, die der einfache Bürger bezahlen darf. Ich will keine Mehrwertsteuer-Erhöhung, sondern zusätzliche IV-Detektive, die das Übel an der Wurzel anpacken.
Markus Wenger, Berikon
Schade, wie so oft kommen auch hier keinerlei positive Aspekte und Beispiele der Versicherung zur Sprache. Gerade im Rahmen der Abstimmungsdebatte würde dies zu einer faireren Diskussion führen. Trotzdem: ein Lob an Alex Baur für seine unermüdliche Arbeit auf der Schweizer IV-Baustelle. So manch Erschreckendes über die desolaten Seiten des einstigen Musterbildes einer sozialen Vorsorgeeinrichtung haben wir in den letzten Jahren von ihm erfahren. In der Tat scheint die Finanzierungsvorlage aufgrund all der Fakten wohl eher Öl als Wasser im Feuer zu sein.
Stefan Küenzi, Berlingen
Die Schweiz hat es sich in der Bundesverfassung zur Pflicht gemacht, Menschen mit einer Behinderung in die Gesellschaft und, wenn immer möglich, in die Arbeitswelt einzugliedern oder, falls dies aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, sie vor existenzieller Not zu schützen. Dabei spielt die IV seit bald fünfzig Jahren die entscheidende Rolle. Nun ist die IV selber in ihrer Existenz bedroht. Seit Jahren muss sie mehr Renten finanzieren, als sie es sich mit ihren begrenzten Einnahmen leisten kann. Heute ist sie mit rund dreizehn Milliarden Franken verschuldet. Nicht nur die IV-, auch die AHV-Renten sind ernsthaft in Gefahr. Wenn nichts geschieht, kann die AHV in zehn Jahren ihre Rentenzahlungen nicht mehr garantieren. Das wäre der GAU der schweizerischen Sozialpolitik. Bei einer Ablehnung der Vorlage müssten Renten um bis zu vierzig Prozent gekürzt werden, Hilfsmittel wie z. B. Rollstühle oder auch Ausbildungen oder Umschulungen könnten nicht mehr finanziert werden. Behinderte würden zu Sozialfällen, zu Randständigen, zu Bettlern – auch jene, die bisher selbst für sich und ihre Familien sorgen konnten.
Mark Zumbühl, Leiter Kommunikation
und Mittelbeschaffung Pro Infirmis, Zürich
Mehr Leute wie Michael Steiner
Nr. 36 – «Traumschlösser und Millionenschulden»; Philipp Gut über das Scheitern des Regisseurs Michael Steiner
Gewöhnliche Leute erschaffen keine aussergewöhnlichen Werke. Die aber wollen wir. Darum braucht die Schweiz mehr Leute wie Michael Steiner. Leute, die quer in der Landschaft stehen, die gross denken, die auch mal zu weit gehen, die halt ein bisschen einen Flick weg haben und deshalb den Normalos immer wieder ein missbilligendes Kopfschütteln entlocken. Nur mit solchen Leuten können grandiose Werke überhaupt entstehen. Und wenn nicht, unterhalten sie uns selbst mit ihrem Scheitern noch einiges besser als all die windschlüpfigen Durchschnittslangweiler. Tom Seinige, Zürich
Tierschützer als Feigenblatt missbraucht
Nr. 36 – «Tiere retten Leben»; Rolf Zeller über die Notwendigkeit von Tierversuchen
Ob Tiere wirklich Leben retten oder ob Alternativmethoden nicht viel besser zur Forschung geeignet sind, ist auch in der Fachwelt umstritten. Fest steht: Tierversuche sind auf den Menschen kaum übertragbar. Tierversuche sind teuer und verschlingen Gelder, die dann bei der Erforschung neuer Alternativmethoden fehlen. Auch Forscher nutzen in erster Linie jene Methoden, die vor Ort nutzbar sind – es besteht somit nur wenig Anreiz, neue Wege zu gehen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Alternativen oft sogar besser und genauer auf den Menschen zu übertragen sind. Ohne Druck wird sich nichts ändern. Dieser kommt aber nicht aus der Politik, und Tierschützer sind in den Tierversuchs-Kommissionen in der Minderzahl – sie werden als Feigenblatt missbraucht! In Tierversuchen leiden Millionen von Tieren unter Schmerzen z. B. wegen Vergiftung oder Missbildung und durch nicht artgerechte Haltung. Elisabeth Petras, Hamburg
Ich staune darüber, dass Tierversuchsbefürworter oftmals das Wort «gewaltfrei» benutzen, sind sie doch diejenigen, die Gewalt gegen Lebewesen legitim finden. Man stelle sich vor, eine höher entwickelte Spezies käme auf die Erde und würde den Menschen als Versuchsobjekt verwenden. Vielleicht wäre sie auch darauf bedacht, «unnützes» Leiden der Versuchsmenschen zu verhindern. Jedoch wären sich wohl die meisten einig, dass selbst dann ein Experiment unethisch wäre. Aus diesem Grund macht es keinen Unterschied, ob Menschen oder Nichtmenschen zu Versuchsobjekten durch eine überlegene Art degradiert werden. Dabei ist es völlig irrelevant, wie gross der Nutzen aus einem Tierversuch sein kann. Würde man dem Prinzip des grössten Nutzens folgen, so wäre man, logisch gesehen, wieder bei Menschenversuchen, da der daraus folgende Nutzen am grössten wäre. So könnte man sich also die Frage stellen, ob man einen einzigen Menschen opfern dürfte, um einen Impfstoff gegen Aids zu erhalten. Dieses Nützlichkeitsdenken ermöglichte im Laufe der Geschichte schon etliche Gräueltaten. Tierversuche sind eine davon.
Urs Müller, Knutwil
Sollen die Armen arbeiten oder nicht?
Nr. 36 – «In guter Gesellschaft»; Rolf Maeglis Essay über Basler Sozialhilfe-Empfänger
Dieser Artikel gibt Anlass zur Hoffnung, dass Leute wie Weltwoche-Autor Silvio Borner, dessen Artikel zu anderen Themen ich durchaus schätze, einmal den silbernen Löffel aus dem Mund nehmen und sich fragen, wie viel sie von dem, was sie bei sich für selbstverständlich halten, ihren Eltern, Verwandten, Freunden und anderen Menschen zu verdanken haben, die durch ihr Beispiel, ihre Zuwendung sowie Rat, Tat und auch manchmal Geld dazu beigetragen haben, dass sie so werden konnten, wie sie sind. Es ist nämlich ein grundlegendes Problem dieser auf einer Volkswirtschaft basierenden Gesellschaft, dass grosse Teile ihrer Bevölkerung glauben, jeder würde ökonomisch denken. Was sollen die Armen in diesem Land denn tun? Arbeiten oder nicht arbeiten? Oder sich bei Exit anmelden, damit wir den Traum vom alles regulierenden Markt und von den bösen Querulanten weiterträumen können? Michael Sinn, Zürich
Mit vollen Hosen ist gut stinken
Nr. 36 – «Sternstunde des Goldlöffels»; Christoph Mörgeli über Roger de Weck
Die Breitseite gegen den selbsternannten Sternstundenphilosophen und grossartig zweimal gescheiterten Alt-Chefredaktor de Weck sitzt. Wie pflegt doch mein Freund Hans in ähnlicher Situation zu sagen: Mit vollen Hosen ist gut stinken! Leicht schimpft sich über Geldadel und Finanzoligarchen, wenn die Hosen von den vermögenden Vorfahren gefüllt wurden und der distinguierte Vielschwätzer und Vielschreiber offensichtlich gut von seinem Erbe leben kann.
Thomas Metzler, Weite
Auch Calmy-Rey sollte Bücklinge machen
Nr. 36 – «Diplomatisches Debakel»; Alex Baur über die Libyen-Krise
Man stelle sich vor, ein Bewohner unseres Landes (möglicherweise mit Migrationshintergrund) oder ein Tourist stünde im Verdacht, seine Ehefrau misshandelt oder an einer Wirtshausschlägerei teilgenommen zu haben. Er wäre ausserdem der Polizei auch schon in anderen Ländern als gewalttätig aufgefallen. Das Aufheulen der Weltwoche, aber auch eines Grossteils der Bevölkerung möchte ich hören, wenn er von der Polizei lediglich ein nettes Briefchen erhielte, doch gelegentlich zwecks Abklärung beim nächsten Posten vorbeizuschauen. Im Falle des Nichtdiplomaten Hannibal al-Gaddafi redet man aber von einem diplomatischen Debakel, von Unverhältnismässigkeit u. Ä. Nicht nur Hans-Rudolf Merz, auch Micheline Calmy-Rey sollte Bücklinge machen; keine Heuchelei ist zu gering, um die verhasste SP anzugreifen. Peter Bächle, Basel
NS-Studentenbund- und nicht SS-Mitglied
Nr. 36 – «Der Kaiser von Österreich»; Christian Seiler über Verleger Hans Dichand
Kurt Waldheim war selbstverständlich nicht Mitglied der SS. Als solches wäre er mit Sicherheit nicht zum Bundespräsidenten gewählt worden. Er war Mitglied des NS-Studentenbundes und machte in einem SA-Reiterkorps mit. Diese Aktivitäten waren im Gegensatz zur SS-Mitgliedschaft zeitlich begrenzt. Allerdings hat er sich selbst durch sein anfängliches Leugnen sehr geschadet.
Ulrich Dubi, Bern
Fünfzig Prozent sind einsparbar
Nr. 36 – «Planwirtschaftliche Fehlleistungen»; Silvio Borner über das Gesundheitskosten
Der Verfasser hat nur zum Teil recht, wenn er sagt, dass die Spitäler mehr ins Zentrum zu rücken sind. Ich behaupte, dass wir bis zu fünfzig Prozent der Gesundheitskosten einsparen könnten. Die Verursacher der hohen Gesundheitskosten sind zu einem Drittel die überhöhten Preise aus der Pharmaindustrie, der Medizintechnik und den Krankenversicherungen; zu einem Drittel die nicht kostendeckend arbeitenden öffentlichen Spitäler sowie zu einem Drittel die Versicherten selber. Bernd Kauke, Burgdorf













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