Intern

Besuch beim Migrationsamt des Kantons Zürich. Die Immigranten stehen in einer langen Kolonne vor den Schaltern. Bis sie zum Sachbearbeiter kommen, der hinter Panzerglas auf sie wartet, haben viele ihre Geduld bereits verloren. Immer öfter kommt es zu Wutausbrüchen, Beschimpfungen, Drohungen. Die Scheibenfront des riesigen Bürokomplexes ist zertrümmert. Das Werk von linksextremen Vandalen steht symbolisch für die Schweizer Migrationspolitik der vergangenen Jahre: aufgebrochene Grenzen, ein zusammengeflicktes Provisorium — und eine Lösung nirgends in Sicht. Als Folge der Zuwanderung seit Beginn der Personenfreizügigkeit erreicht die Schweizer Bevölkerung bald die 8-Millionen-Grenze. In unserer Titelgeschichte recherchierten Weltwoche-Redaktor Andreas Kunz und Inlandchef Markus Somm die massiven Auswirkungen einer Entwicklung, die nicht mehr gestoppt werden kann.

 

Unsere Titelgeschichte der letzten Ausgabe über das in Schieflage geratene Prestige-Filmprojekt «Sennentuntschi» hat ein mediales Erdbeben mittlerer Stärke provoziert. Kein Tag verging seit dem Erscheinen der Recherche, an dem nicht vielstimmig über die Enthüllungen berichtet worden wäre. Die Gründe, warum das Regiewunderkind Michael Steiner mitsamt seiner Produktionsfirma abstürzte, haben wir ausführlich dargelegt. Doch Steiner, nach wie vor ein Hoffnungsträger des Schweizer Films, muss nicht allein für das Debakel geradestehen. Die Frage stellt sich, ob nicht auch die staatlichen Förderer eine Mitverantwortung tragen. Kultur- und Gesellschaftschef Philipp Gut legt in dieser Ausgabe nach. Sein Artikel zeigt, dass in der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur einiges im Argen liegt.

 

Mit vielen seiner Interviewpartner hat André Müller schon über Günter Grass gesprochen. Friedrich Dürrenmatt ätzte 1980: «Der Grass ist mir einfach zu wenig intelligent, um so dicke Bücher zu schreiben.» Rudolf Augstein 1993: «Er ist ein so widerwärtiger Kerl geworden, mittelpunktssüchtig, humorlos, charakterlich unerträglich.» Peter Handke 2007: «An Grass kann man überhaupt nichts studieren. Er ist durch seinen raschen Erfolg in Deutschland eine offizielle Figur geworden und hat sich dann nur noch selbst imitiert.» Nachzulesen ist das alles auf Müllers Website: andremuller.com-puter.com. Nun hat der preisgekrönte Interviewer mit dem Gescholtenen selbst gesprochen und ihm einige der Anwürfe vorgelegt. Grass reagierte gnädig: «Wenn ich ernst nähme, was Autoren gelegentlich über mich von sich geben, dann wäre ich sehr rasch sehr einsam.»

 

Eine Meldung in eigener Sache: Gemäss der Studie MACH Basic 2009-2 weist die Weltwoche eine Leserschaft von 348000 Lesern aus und konnte im Vergleich zu den Frühjahrszahlen 3000 Leser hinzugewinnen. Damit setzt sich unsere Leserschaft aus 43 % Frauen und 57 % Männern zusammen. Die Gesamtreichweite der Weltwoche beträgt 8,1 %. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Leserinnen und Lesern für die Treue und das Vertrauen, das sie dieser Zeitung entgegenbringen.

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