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02.09.2009, Ausgabe 36/09

USA

«Eine erstklassige Quelle»

Die Dokumente über Folterpraktiken in der Ära Bush belegen: Die umstrittenen Verhörmethoden haben Tausenden Menschen das Leben gerettet. Durch Waterboarding wurde ein Topterrorist der al-Qaida zum wichtigsten Informanten der CIA.

Von Urs Gehriger

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Eigentlich wollte Barack Obama den Blick nach vorne richten, um die Flut anstehender Probleme zu lösen. Doch in einer Kehrtwende veröffentlichte seine Regierung vergangene Woche Dokumente über CIA-Verhörmethoden (Khalid Shaykh Muhammad: Preeminent Source on Al-Qa'Ida / CIA Special Report: Counterterrorism Detention and Interrogation Activities 2001-2003), die das politische Klima in den USA abermals anheizen. In den Papieren aus dem Jahr 2004 werden Praktiken beschrieben, die bisher nicht bekannt waren und welche die von der Regierung Bush verordneten Richtlinien überschritten. Treibende Kraft hinter der Publikation ist Justizminister Holder, der gleich einen Staatsanwalt einsetzte, der die Vorfälle strafrechtlich untersuchen soll.

Erwartungsgemäss hat sich das Gros der Medien über die «grausamen Foltermethoden» und die «sinnlose Verhörtechnik» ereifert. Dabei bietet die Lektüre der Dokumente interessante Erkenntnisse. Zuallererst: Die umstrittenen Verhörmethoden waren ein Erfolg.
Dies gilt insbesondere für den prominentesten aller Terrorhäftlinge: Khalid Scheich Mohammed (KSM), den Architekten von 9/11 den Mann also, der bereits 1999 die Idee einer Synchronattacke mit Linienflugzeugen gegen Wahrzeichen der USA ausheckte und sie Osama Bin Laden schmackhaft machte.
«Seit seiner Verhaftung im März 2003 ist Khalid Scheich Mohammed für die US-Regierung eine der Schlüsselquellen über al-Qaida geworden», heisst es in einem CIA-Dokument mit dem Titel «Preeminent Source», das die Erkenntnisse der KSM-Verhöre zusammenfasst. «KSMs Informationen haben nicht bloss unser Wissensuniversum über Al-Qaida-Anschläge erweitert, sondern auch Hinweise geliefert, welche direkt zur Verhaftung von anderen Terroristen führten.»
Der bis vor kurzem als «streng geheim» klassifizierte Bericht über die Geständnisse von KSM führt in beklemmender Weise vor Augen, in welchem Ausmass al-Qaida ihre Terrorstrategie nach 9/11 fortsetzen wollte. Die avisierten Ziele reichten von den USA über Europa, Nahost bis Asien. Vorgesehen waren ein Flugzeugangriff auf das höchste Gebäude an der amerikanischen Westküste, Angriffe auf US-Tankstellen und Eisenbahnnetzwerke, die Brooklyn Bridge in New York und auf den Londoner Flughafen Heathrow.

«Erweiterte Verhörmethoden»

Die Geständnisse Mohammeds, der Verhörtechniken wie Waterboarding (dabei wird ein Tuch über die Atemwege des Verdächtigen gelegt und mit Wasser begossen, wodurch ein Erstickungsgefühl eintritt) unterworfen wurde, halfen den Geheimdiensten, zahlreiche Anschläge zu vereiteln, wodurch das Leben von Tausenden Menschen gerettet werden konnte.
Einige Kritiker harter Verhörmethoden anerkennen zwar die Erfolge der CIA, sind jedoch der Meinung, dass der gleiche Zweck mit weicheren Mitteln zu erreichen gewesen wäre. Diese Einschätzung lässt sich nicht belegen. Der Fall KSM zeigt im Gegenteil, dass erst der Einsatz von sogenannt erweiterten Verhörmethoden zum Ziel führte:

«KSM, ein hartgesottener Widerständiger, lieferte bloss ein paar wenige Informationen, bevor er mit dem Waterboard behandelt wurde, und die Auswertung dieser Information zeigte, dass das meiste davon veraltet, ungenau oder unvollständig war.» Der Wandel von einem Todfeind der USA zu einer «erstklassigen Quelle» habe sich erst mit den harten Befragungstechniken eingestellt.
Die Verhöre hatten unmittelbar nach seiner Verhaftung am 1. März 2003 begonnen. Sukzessive unterwarfen ihn die CIA-Befrager einer Serie von zunehmend strengeren Verhörmethoden, die in einem Schlafentzug von siebeneinhalb Tagen und 183fachem Waterboarding gipfelten. Diese Tortur habe den Widerstandswillen des Topterroristen gebrochen, worauf er sich kooperationswillig zeigte, und zwar, so belegt der Report, in ausserordentlichem Ausmass.
Für breite Teile der Gesellschaft ändert dieser Verhörerfolg der CIA nichts an ihrer Überzeugung, wonach Waterboarding und andere harte Verhörmethoden Folter seien und von einem Rechtsstaat nicht praktiziert werden dürften. Überdies streiten viele Kritiker den Nutzen von Folter generell ab. Wenn man jemandem die Nägel aus den Fingern reisse, sei der bereit, irgendetwas zu erzählen, bloss um die Peinigung zu stoppen.
Der Fall Khalid Scheich Mohammed widerlegt diese Sichtweise: «Wir kommen zum Schluss», so die Autoren des KSM-Dokuments, «dass Mohammeds Aussagen im Allgemeinen korrekt waren, denn seine Informationen scheinen in sich stimmig, und vieles von dem, was er gesagt hat, wird von anderen Häftlingen und anderen Analysen bestätigt».
Wie andere Gefangene ging KSM davon aus, dass inhaftierte Kollegen bereits Informationen preisgegeben hatten, und begann unter Druck selbst zu sprechen. Die CIA-Agenten konfrontierten die Häftlinge fortlaufend mit gewonnenen Erkenntnissen, wodurch sukzessive Teile des Terrornetzwerks aufgedeckt werden konnten. «Aufgrund der Aussagen von Häftlingen konnten wir bis Mitte 2003 eine Liste von siebzig Personen zusammenstellen – von vielen hatten wir nie zuvor gehört —, welche al-Qaida für Operationen im Westen vorgesehen hatte», heisst es im CIA-Untersuchungsbericht über die Anwendung der «erweiterten Verhörmethoden».

Topterrorist hält Vorlesung

Als sich KSM nach einigen Wochen Verhör kooperationswillig zeigte, wurden die «erweiterten Methoden» aufgehoben. Dennoch nahm sein Wille zur Kooperation nicht ab. Im Gegenteil. Es stellte sich bei ihm offenbar ein bemerkenswerter Wandel ein. Anderthalb Jahre nach seiner Verhaftung stand er in einem rudimentär gefertigten Vorlesungssaal vor einer Gruppe US-Geheimdienstoffizieren und hielt Referate, sogenannte terrorist tutorials. Während zweier Jahre diskutierte der Mann, der sich selbst als «Mastermind» von 9/11 bezeichnet, mit seinen Erzfeinden eine breite Palette von Themen, die von griechischer Philosophie bis zu Al-Qaida-Dogmen reichten.

Stets in englischer Sprache unterrichtend, «schien er die Gelegenheit zu geniessen, die inneren Mechanismen von al-Qaida, deren Pläne, Ideologie und Schlüsselfiguren zu erklären», zitiert die Washington Post eine Quelle, die bei solchen terrorist tutorials anwesend war. Die Lektionen hätten teilweise stundenlang gedauert. Dabei behandelte er seine «Studenten» offenbar streng. So habe er die mangelnde Aufmerksamkeit eines Zuhörers gerügt, weil sich dieser nicht an Details aus der vorherigen Lektion zu erinnern vermochte.
Während das Beispiel belegt, dass harte Verhörmethoden tatsächlich zu Ermittlungserfolgen führen können, bleibt die Frage nach der Effektivität der einzelnen Verhörtechniken unbeantwortet. Allerdings lassen sich grobe Abstufungen machen. «Einige Techniken schienen einen geringen Effekt zu haben, wogegen Waterboarding und Schlafentzug zwei der stärksten Techniken waren und eine Menge an Informationen zutage brachten», sagte John L. Helgerson, ehemaliger CIA-Generalinspektor und Autor des Untersuchungsberichts, letzte Woche der Washington Post.
Gegenstand der nun von der Obama-Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchung ist der ganze Komplex der «erweiterten Verhörmethoden». Der dafür speziell eingesetzte Staatsanwalt soll herausfinden, ob die CIA-Agenten bei ihren Verhören die rechtlichen Vorgaben des damaligen Justizministeriums verletzten – und ob gegen sie ein strafrechtliches Verfahren eröffnet werden soll.
Wie die publizierten Dokumente belegen, kam es in einzelnen Fällen zu Übergriffen. So wurde Abd al-Rahim al-Nashiri, der Drahtzieher des Bombenanschlags auf die «USS Cole» (17 Tote), mit einer Pistole und einer Bohrmaschine bedroht. Anderen Verhörten wurde angedroht, Familienangehörige würden umgebracht oder in ihrer Gegenwart vergewaltigt. Auch beim Waterboarding, das unter Bush prinzipiell erlaubt war, kam es zu Übertretungen, indem die Tortur zu oft wiederholt wurde. Dies war insbesondere bei Khalid Scheich Mohammed der Fall.

Demontage der CIA befürchtet

Laut unbestätigten Angaben drängte das Weisse Haus auf die Veröffentlichung des Berichts, während sich der von Obama ernannte CIA-Chef Leon Panetta dagegen gesträubt haben soll. Nach Ansicht Panettas erzählen die Dokumente eine alte Geschichte. Erstens seien die Verhörmethoden Vergangenheit. Zweitens hätten Staatsanwälte bereits in früheren Jahren die Fälle angeblicher Misshandlungen untersucht. Ein Vertragsangestellter der CIA sei verurteilt worden; in anderen Fällen habe die CIA Disziplinarmassnahmen ergriffen.

Viele Politiker befürchten, dass die strafrechtliche Untersuchung zu schweren Zerwürfnissen zwischen Republikanern und Demokraten führen wird. Prominente Parteivertreter sowie Sicherheitsexperten warnen vor einer Demontage der CIA und einer Diffamierung all jener, die das Land beschützten.
Am Sonntag meldete sich eine Schlüsselfigur der Regierung Bush in einem Interview zu Wort. «Ich möchte auf den Fakt hinweisen, dass wir seit acht Jahren keinen Anschlag mehr hatten», sagte Ex-Vizepräsident Dick Cheney. «Die Kritiker mögen unsere Politik diffamieren, aber die Resultate sprechen für sich.»

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 36/09
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Kommentare

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Nachtkrokodil     08.09.09 17:58

Obama wird wohl seine Snitch Civil Service Patrol ausbauen, damit der Buerger dann die Waffentraeger und Deliquenten irgendwo anonym melden kann. Schliesslich muessen die FEMA Camps auch irgendwann gefuellt werden.
Bis jetzt alles nur hohle Versprechungen, das Hauptproblem der Verschuldung, der kriminellen Federal Reserve, Militaer Ausgaben wird er nie ansprechen. Eine Marionette und schwarzes Aushaengeschild wie beim vorherigen Regime.

suschnoöppis     08.09.09 17:33

Republikaner, Demokraten. Im Endeffekt sitzen dieselben Leute am Drücker. Man hat ja gesehen, wie die amerikanische Demokratie funktioniert im Jahre 2004. Bush (Republikaner) gegen Kerry (Demokrat) und beide seit ihren Yale Jahren Mitglied bei Skull and Bones.

Larry     08.09.09 16:21

"Ich "freue" mich schon auf den 11. September, wenn wir wieder mit Al Qaida Märchen überflutet werden und Obama eine Ansprache hält, über den War on Terror."

Das war unter den Republikanern. Unter dem sozialistischen Demokraten Obama sind weniger die Islamisten die "Bösen", als die "inneren Feinde", die Kriegsveteranen, Drittparteiwähler, Waffenträger usw. S. Bericht des DHS (der interessanterweise bereits unter Bush gestartet wurde).

suschnoöppis     08.09.09 15:40

Es freut mich zu sehen, dass mehr und mehr Leute langsam durch das Gestrick der Lügen durchsehen.

Die USA baut ihre gesamte Wirtschaft auf Krediten auf.
Sie sind so hoch verschuldet und der Dollar ist so wenig wert, dass er bald kollabieren wird.

Aber da die WW offenbar bemüht ist, ihre Informationen von "erstklassigen" Quellen zu erlangen, sollten sie vieleicht mal ein paar Worte mit David Rockefeller wechseln.

Ich "freue" mich schon auf den 11. September, wenn wir wieder mit Al Qaida Märchen überflutet werden und Obama eine Ansprache hält, über den War on Terror.

Und von Massenimpfungen gegen Hausgemachte Blödeleien wie die Schweinegrippe will ich auch nichts wissen, danke.

Nachtkrokodil     08.09.09 13:36

Ja Larry das ist das der Problem der USA. Anstatt endlich die Wirtschaft aufzubauen sind sie staendig daran andere Laender zu ueberfallen, auszubeuten. Siehe die unsaegliche Geschichte in Zentral Amerika, jetzt Irak, Afghanistan. Die USA haetten soviel Geld wenn nicht alles ins Militaer verpulvert wuerde. Und um Selbstverteidigung brauchen sich die USA auch nicht zu sorgen, die haben mehr als genug Soldaten und Atombomben. Die kriminelle Macht und Banker Elite (und vorallem der Federal Reserve), mit der CIA als Instrument ist der Grund fuer den Grossteil der Misere in den USA, alles hausgemacht, hat nichts zu un mit den Hoehlenbewohnern im fernen Pakistan.
Zudem wenn die Geschichte etwas lernt, fast alle Terroristen sind Staatsterroristen, je maechtiger der Staat wird desto gefaehrl

Larry     08.09.09 02:12

"Glaubt man an eine vernünftige Weltgemeinschaft, die sich selbst reguliert, gehört das eher in die Kategorie Wunschdenken."

Die USA sind als nichtintervenierenden Staat wesentlich mächtiger, da wirtschaftlich viel gesünder. Niemand kann sie angreifen. Auch die europäischen Staaten hätten es in der Hand, sich zu wehren. Um militärisch mächtig zu werden, muss man wirtschaftlich stark sein und um dieses Ziel zu erreichen bedarf es einer liberalen Rechtsordnung. Imperialismus und Sozialismus (welche immer Hand in Hand gehen) ruinieren den Staat und die Gesellschaft und führen letztendlich zum Totalkollaps.

Larry     08.09.09 02:08

"Die Umzingelung der Nazis wurde gesprengt."

Das ist nicht die Frage, die Frage ist vielmehr: Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Der 2. WK ist weitgehend die Folge von Versailles, das die Folge der Einmischung der USA in den 1. WK ist. Ohne deren Partizipation hätte D den Krieg längst gewonnen. Noch schlimmer: Ohne Kredit von JP Morgan an GB hätte GB gar keinen Krieg führen können, weil die Kassen leer waren.

"Dass naive Amerikaner und selbst ein Churchill in Yalta und an der Berliner Konferenz das halbe Europa den Kommunisten auslieferten sehe ich auch so."

Es ist äusserst naiv zu glauben, die hätte etwas mit Naivität zu tun. FDR war ein Kollektivist und Churchill hatte nichts zu sagen. Die USA haben die Sowjetunion von

Larry     08.09.09 01:51

"in der USA, wo praktisch nichts geheim gehalten kann werden"

Sie haben offenbar nicht die geringste Ahnung. Das Verrückte ist, dass selbst wenn etwas ans Tageslicht kommt, dies noch lange nicht bedeutet, dass es von den MSM aufgenommen wird. Nehmen Sie z.B. den Business Plot.

"dadurch wurden die Leute auch faul und schwach, die Verwaltung marode"

Das Problem war die steigende Steuerlast und die sinkende Freiheit. Die Militärdiktatur fusste nicht mehr auf einer Milizarmee, sondern auf fremde Söldner, die man teuer bezahlen musste. Die Römische Armee war am Ende weitgehend eine Armee von Barbaren, die immer mehr von der Wirtschaft zehrte, bis sie zusammenbrach. Der Feind kam nicht mehr von aussen, sondern von innen: Der Staat

suschnoöppis     08.09.09 01:23

@juavez:

ja, die Schweiz hat selbst dafür gestimmt, dass sie den biometrischen Pass wollen, allerdings aufgrund markanter scare tactics, seitens der Beführworter.

Tatsache bleibt, Der Vorwand des Terrorismus wird benutzt, damit fahdenscheinige Gesetze verabschiedet werden können.
Und die Masse gehorcht blind in der Hoffnung alles wird besser.

@petter

Nordkorea und Iran. Ach bitte.. Woher haben die wohl ihre Waffen. Wegen den Atomwaffen Israels sagt auch keiner was.
Und bitte, worin besteht denn die Gefahr durch Chavez?
Dass er coke zero verbietet, wegen Aspartam? Das beweist nur, dass er nicht dumm ist.

Ich meinerseits bin sehr pessimistisch, was die Zukunft betrifft, gerade weil die Leute

Nachtkrokodil     07.09.09 22:00

Das ist auch so eine Verschwoerungs Theorie der Amerikaner: Korea, Iran etc. Die sind absolut keine Gefahr, mit oder ohne Atombomben. Sowie Grossmaul Chavez, ein lausiger Diktator in einem verlumpten Land. Die ganze Panik braucht man nur als Ausrede fuer mehr Militaer Investitionen und Invasionen. Und genau es hat zuviele Irren in der Politik auch hier in Europa, man denke nur an Berlusconi oder Sarkozy!

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