Vergangene Woche war ich in Locarno, das 62. «Festival del film» findet statt (noch bis am kommenden Samstag). Ich fuhr am Freitag hin, Samstag retour (man hat schliesslich nicht ewig Zeit). MvH ist vermutlich der letzte Schweizer, der gerne Auto, das heisst Maserati, fährt, habe ich manchmal den Eindruck (oder der letzte wenigstens, der es sagt, on the record). Aber an einem Wochenende im August nehme sogar ich die Eisenbahn. Für nur 104 Franken (Zürich HB–Locarno–Lugano–Zürich HB; MvH hat ein sogenanntes Halbtax-Abo) wird man gut befördert von den SBB. Bloss in der S-Bahn Bellinzona–Locarno war die 1. Klasse ein wenig klein, man musste stehen. (Doch es ist unterhaltend, gelegentlich zu sehen, wie die andere Hälfte unterwegs ist, nicht wahr?)
Bis vor kurzem hatte ich noch nie etwas gehört von der «Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten GARP» bzw. deren «Diner politique». Aber macht nichts, ich mag Kleinkunst (und Einladungen sowieso). Ich meinte, die «Terrazza Martini» sei stark geschützt gegen unerlaubten Zutritt – mehr als zwanzig National- und Ständeräte nahmen an dem Anlass teil, immerhin. Doch man konnte einfach auf den Rasen resp. in das Zelt gehen, ohne Überwachung, Prüfung oder so. Ich kam zusammen mit Filippo Leutenegger, mit dem ich bekannt bin, an (er hatte den Weg zu dem Veranstaltungsort gefunden, ich werde ihm wahrscheinlich meine Stimme geben). Er musste ebenfalls keinen Ausweis, keine Einladung zeigen.
Was die Autoren, Regisseure, Produzenten von den Politikern wollten, hätte man in vier Worten sagen können: «Show us the money» (sie brauchten mehr). MvH glaubt nicht an Kulturförderung des Staates, nebenbei. Würde er nicht einmal, falls es etwas für Kolumnisten gäbe (an nicht öffentliche Kunstfreunde und ihr Geld dagegen glaubt er). An meinem Tisch sass Roger Schawinski, mit dem ich mich noch immer vertrage, obwohl er unsere Zusammenarbeit bei Radio 1 vergangenen Monat nicht verlängerte. Er brachte Felix Gutzwiller dazu, zu sagen, er wolle im Grunde Bundesrat werden in zwei Jahren. Ich fände es in Ordnung (nicht nur, weil Gutzwiller MvH-Leser ist. Auch weil ich dann erzählen könnte, dass er . . . Hier würden Sie es zuerst lesen).
Nachdem mich zwei Mitarbeiter der SF-1-Sendung «Box Office» aufgenommen hatten – es ging darum, dass ich einen Film nacherzählte in einer Minute; ich wählte «Saturday Night Fever», parce que ça me rappelle ma jeunesse –, begegneten mir Viktor Giacobbo und Sabina Schneebeli. Frau Sch., die ich bisher nur im Kino gesehen hatte («Das Geheimnis von Murk»), hat Voraussetzungen, ein Star zu sein, in meinen Augen. Sie ist gutaussehend, ein wenig wie Jennifer Aniston. Und sie versuchte nicht einmal zu verstecken, dass ich sie nicht interessiere, als Viktor uns bekanntmachen wollte. So geht das als Künstlerin oder Schauspielerin, wenn man auf sich hält, und das meine ich genau so. (Ob sie und Viktor ein Paar sind, konnte niemand Unabhängiges sagen.) Danach gingen die, die ein Billett hatten, auf die Piazza Grande («My Sister’s Keeper», mit Cameron Diaz, Beginn des Films: 21.30 Uhr). Ich hatte einen recht guten Platz (hinter Sunnyi Melles, vor Oswald Grübel). Um 21.31 fielen Tropfen (auch in Ordnung – der Direktor des Festivals hatte gesagt, sogar bei Regen gebe es tausend Zuschauer). Um 21.33 begann das, was man «Starkregen» nennt (fünf Millimeter oder mehr in fünf Minuten). «Hat die EU dafür einen contingency plan?», fragte ich Michael Reiterer neben mir (Botschafter der Europäischen Kommission für die Schweiz. Seine Antwort: «Klar, aber da lassen wir die Schweiz nicht rein»). Um 21.35 sah ich niemanden mehr auf der Piazza (tausend Zuschauer, my a...).
Jetzt noch vierzehn Zeilen für eine Verbesserung: «Das Lokal erinnert an eine Cafeteria im 5. Stock des Bally-Hauses (was es im Grunde ist)», habe ich geschrieben Ende 2008 über das «Saint Germain» in Zürich. Und «ich wünsche Carl Hirschmann, dass es seinen Nachtklub noch gibt in einem Jahr». Vergangenen Samstag war Re-Opening Party, nachdem zuvor die Inneneinrichtung erneuert worden war. Well done Carl – nun handelt es sich um einen Nachtklub, nicht länger um eine Cafeteria (der Betrieb des Restaurants wurde aufgegeben). Ich bin mir ziemlich sicher, dass es das «Saint Germain» noch geben wird in einem Jahr.













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